Erste-Hilfe-Koffer Unternehmenskrise

Entwicklung einer Krise

Die Ertragskrise

Ein Unternehmen befindet sich in einer Ertragskrise, wenn Umsätze und Gewinne sinken. Oft geht das sehr schnell: Viele Kostenpositionen sind ja - unabhängig von der Höhe der Umsätze - zunächst einmal "fix", fest also und damit nur schwierig bzw. langsam zu reduzieren: Der Aufwand für die eigene Betriebsimmobilie oder auch für angemietete Flächen und Räume, die Personalkosten und die Kosten für vorhandene Fahrzeuge (Leasing- oder Finanzierungsaufwand) uvm.

Und diesen nur nach und nach veränderbaren Kosten stehen eben sinkende Umsatzerlöse gegenüber - da wird oft erschreckend schnell der Punkt erreicht, dass rote Zahlen geschrieben werden, Verluste entstehen. Gleichzeitig wird der Druck steigen, über hohe Preisnachlässe Umsätze zu erzielen - die gesamte Zahlenwelt des Betriebes ändert sich: Sinkenden Umsätzen stehen überproportional steigende Kosten gegenüber, das Ergebnis rutscht dramatisch schnell in die Verlustzone.

Um weiter arbeiten zu können, steigt die Verschuldung: Eingeräumte Kontokorrentkredite werden jetzt ausgeschöpft, ggf. werden neue Darlehen beantragt. In vielen Fällen - und dies gilt gerade für familiengeführte Betriebe - wird privates Kapital in den Betrieb gesteckt. Nur: Wenn die Schulden immer höher werden, ohne dass dabei Geld in Investitionen geflossen ist, gibt es ein ernstes Problem: Die finanzielle Waage des Unternehmens ist aus dem Gleichgewicht geraten.

Es ist eine Zeit, in der die Hausbank gerne einmal zum Gespräch bittet, immer wieder aktuelle Zahlen fordert und auch laufende Finanzplanungen. Vorhandene Sicherheiten werden neu bewertet, ggf. wird das Unternehmen einem aktuellen Rating unterzogen. Sollte sich das Rating-Ergebnis in dieser Phase verschlechtern, wird die Hausbank sofort die Kreditkonditionen verteuern, die Zinsbelastung steigt. Der Inhaber hat zunehmend Schwierigkeiten, offene Rechnungen fristgerecht zu bezahlen - an das Ausschöpfen von Skonto kann nicht mehr gedacht werden.

Die Ertragskrise ist unmittelbar spürbar und drückt sich in Zahlen aus. Schon die monatliche BWA (Betriebswirtschaftliche Auswertung) des Steuerbüros zeigt die negative Entwicklung auf: Die Umsätze sind sukzessive gesunken, das vorläufige Betriebsergebnis eines Monats ist nur noch negativ, die Zahlen des laufenden Geschäftsjahres zeigen im Vergleich zu den Vorjahreszahlen die ungute Entwicklung im Ganzen auf.

Im diesem Krisenstadium geht es schon um radikale Schnitte im Unternehmen. Aber noch hat die Unternehmensleitung die Chance, mit einem konsequenten Management für eine Korrektur zu sorgen. Viele Banken und Sparkassen werden in dieser Phase dem Inhaber oder Geschäftsführer eines Unternehmens dringend empfehlen, einen qualifizierten Berater einzuschalten. Diesen Rat sollten Sie beherzigen, denn erfahrungsgemäß ist man selbst wegen der zahlreichen Dinge, die - neben der Bewältigung des Tagesgeschäftes - zu bedenken und zu regeln sind, geradezu blockiert.

Gelingt es auch nicht, in dieser Phase der Ertragskrise geeignete Maßnahmen umzusetzen - oder wird es immer noch nicht für notwendig gehalten (nach einer Befragung: Ein Drittel von betroffenen Unternehmen!), dann bewegt sich das Unternehmen relativ schnell auf die nächste Phase zu.

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Über den Autor:

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Hans-Joachim Brüser ist seit 1984 selbständiger Unternehmensberater. Seit 2001 ist er zertifiziert beim Bundesverband Deutscher Unternehmensberater. Die Unternehmensberatung Brüser berät KMU bei der ...

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