Erste-Hilfe-Koffer Unternehmenskrise

Entwicklung einer Krise

Die Liquiditätskrise

Viele beginnen erst jetzt von einer Krise zu sprechen, tatsächlich befinden wir uns schon im Endstadium einer längeren Entwicklung: Die strategischen Probleme haben zu einer negativen Geschäftsentwicklung und zu schlechten Ergebnissen geführt, die nötigen Erträge fehlen und inzwischen fehlen flüssige Mittel, um den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten.

Rechnungen werden nicht mehr fristgerecht bezahlt, Mahnungen stapeln sich auf dem Schreibtisch des Inhabers. Die Bank ist nicht mehr zu Gesprächen bereit, erste Lastschriften werden nicht eingelöst oder Schecks platzen. Lieferanten beginnen, dort eingeräumte Kreditlinien zu reduzieren oder nur noch gegen Vorauskasse zu liefern. In der Endphase werden auch Löhne und Gehälter nicht mehr pünktlich bezahlt, es gibt Rückstände bei den fälligen Sozialversicherungsbeiträgen und bei abzuführenden Steuern.

Der Handlungsspielraum wird jetzt immer mehr eingeschränkt. Einerseits hätte ja längst die strategische Ausrichtung korrigiert werden müssen - aber das ist praktisch immer mit Kosten verbunden. Andererseits müssen dringlichst Maßnahmen zur Kostensenkung und Optimierung der Abläufe erarbeitet und umgesetzt werden (Beispiel: Personalabbau). Auch dabei entstehen zunächst häufig wiederum Kosten. Geld ist dafür jetzt aber nicht mehr vorhanden - es wird jeder Cent gebraucht, um das Tagesgeschäft aufrecht zu erhalten.

Sowieso selbstverständlich sind jetzt Maßnahmen, um das Tagesgeschäft wirklich am Laufen zu halten: Kurzfristige Forderungen realisieren, Gespräche mit Lieferanten und Vereinbarung von Zahlungsplänen, soweit möglich Einlagen von privatem Kapital und die Aufnahme von liquiditätsverbessernden Krediten der KfW-Mittelstandsbank uvm.

Aber oft geht es jetzt "ans Eingemachte" - wenn in dieser Phase Maßnahmen umgesetzt werden sollen um den Weg in die Insolvenz zu vermeiden: Der Verkauf von Betriebsimmobilien beispielsweise, der Verkauf von nicht unbedingt benötigten Maschinen oder anderen Einrichtungsgegenständen, ggf. ein "Lager-Sonderverkauf" - allesamt Maßnahmen eben, um liquide Mittel zu generieren. Drastische Einschnitte in die Unternehmensstruktur sind erforderlich, um schnellstmöglich Kosten zu senken: Hierzu gehören leider fast unausweichlich Kündigungen von Mitarbeitern.

In dieser Krisenphase kann es für ein Management oder auch einen Berater nur noch um Feuerwehr-Maßnahmen gehen, denn es brennt jetzt lichterloh und das an mehreren Stellen gleichzeitig. Feuerwehr-Maßnahmen deshalb an dieser Stelle so genannt, weil es jetzt wirklich schnell gehen muss. Es geht nicht mehr um langfristig greifende Änderungen des Unternehmenskonzeptes und seiner Strategie, es geht um Maßnahmen, die möglichst umgehend, zumindest innerhalb von wenigen Monaten oder sogar Wochen wirken.

Ein Unternehmer erlebt in dieser Situation übrigens, dass jetzt viele Leute bzw. Einrichtungen ganz massiv Einfluss auf seine Geschäftsführung nehmen: Möglicherweise ein Betriebsrat, ganz sicher eine Gewerkschaft - soweit es um Abänderung von Tarifverträgen geht, vielleicht auch Lieferanten aber hundertprozentig seine Hausbanken. Wer in dieser Situation immer noch glaubt, das ohne spezialisierten Berater an seiner Seite bewältigen zu können oder sich diese Kosten sparen will, dem ist nicht zu helfen - er wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit in der Folge scheitern.

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Über den Autor:

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Hans-Joachim Brüser ist seit 1984 selbständiger Unternehmensberater. Seit 2001 ist er zertifiziert beim Bundesverband Deutscher Unternehmensberater. Die Unternehmensberatung Brüser berät KMU bei der ...

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