Erste-Hilfe-Koffer Unternehmenskrise

Entwicklung einer Krise

Die Strategie-Krise

Eine Strategiekrise bedroht ein Unternehmen nicht gleich heute oder morgen, aber zukünftig. Wie rasch eine strategische Krisensituation einen Betrieb gefährdet, hängt vom konkreten Auslöser im Einzelfall ab, aber auch von der Unternehmensgröße. Ein kleinerer Handwerker, Einzelhändler oder Dienstleister ist schon aufgrund der geringeren Eigenkapitalbasis potentiell stärker gefährdet, als ein "Großer" der Branche.

Zu den häufigen Auslösern einer solchen Krisensituation zählen bei mittelständischen Unternehmen beispielsweise Änderungen im Konsum- und Einkaufsverhalten oder in der Bevölkerungsstruktur, neue Entwicklungen am Markt, neue Wettbewerber, Veränderungen am Standort oder auch der Ausfall eines wichtigen Auftraggebers. Selbstverständlich können auch Einflüsse durch Politik und Gesetzgebung hier Einfluss nehmen. Einige Beispiele:

  • Der Bau eines großen Einkaufszentrums am Stadtrand, der alleine durch die Ballung verschiedenster Branchen und Dienstleistungsangebote Kaufkraft anzieht, kann für kleinere Fachgeschäfte im Ortszentrum zu einem existenzbedrohenden Kaufkraftschwund und Umsatzrückgang führen.

  • Die Gastronomie hat seit Jahren mit teilweise dramatischen Umsatzrückgängen zu kämpfen. Mehrere Ursachen haben hierzu beigetragen: Die deutlich geschrumpfte Kaufkraft und sehr weitgehende Änderungen im Konsumverhalten. Nicht zuletzt aber auch die öffentlichen Diskussionen über die erfolgten "klammheimlichen" Preiserhöhungen bei der Euro-Umstellung.

  • Krankengymnastische Behandlungen durch Physiotherapeuten werden von Ärzten nur noch in erheblich reduziertem Umfang verordnet. Die entstandenen Rückgänge der Behandlungszahlen führen in den Praxen häufig zu Kündigungen von Mitarbeitern/innen oder gar zu Praxis-Schließungen.

  • Durch die EU-Osterweiterung wurden Länder aufgenommen, die ein erheblich geringeres Lohnniveau haben, als in Deutschland. Lohnintensive Arbeiten im produzierenden und verarbeitenden Gewerbe werden daher vielfach dorthin vergeben - zahlreiche Branchen sind vom Wegbrechen solcher Aufträge betroffen.

  • Handwerker, wie bspw. die Baubranche, Sanitär- und Heizungsbau, Dachdecker usw. waren in den letzten Jahren mehrfach betroffen: Die Auftragslage brach weitgehend zusammen, gleichzeitig nahm der Preisdruck durch den knallharten Wettbewerb massiv zu. Die enge Bindung an große Generalbau-Unternehmer führte wegen deren Zahlungsmodalitäten oft zu weiteren Problemen. Zahlreiche Branchen verzeichnen erhebliche Auftragsrückgänge durch weit verbreitete Schwarzarbeit.

  • Der Kfz-Handel hatte in den letzten Jahren mit einem massiven Rückgang der Verkaufszahlen zu kämpfen: Die Verbraucher haben ihr Konsumverhalten drastisch verändert, u.a. war auch die gesamtwirtschaftliche Situation hierbei ein Auslöser, denn wer sich bspw. um seinen Arbeitsplatz sorgt, kauft sicherlich kein neues Auto. Wegen der hohen (fixen) Kostenbelastung aus den Investitionen (Betriebsimmobilie, Einrichtung, Technik usw.) und dem laufenden Betriebsaufwand (Personal) wurden derartige Betriebe in großer Zahl insolvent.

Einheitlich für alle solche Beispiele gilt: Derartige strategische Aspekte beeinflußen die zukünftigen Bestands- und Entwicklungsmöglichkeiten eines Unternehmens. Ein Unternehmen befindet sich daher in einer strategischen Krise, wenn Faktoren erkennbar sind, die es im Bestand bedrohen können.

Aber: Weil alle diese Entwicklungen nicht von heute auf morgen kommen, bieten sie noch die Möglichkeiten zu reagieren: Den Standort verlegen, neue Zielgruppen ansprechen, neue Tätigkeitsfelder erschliessen, das Sortiment umstellen, eigene Produkte oder Dienstleistungen weiter entwickeln, Kooperationen eingehen, Umstellung der Produktion, Höherqualifizierung, Entwicklung technisch anspruchsvoller Kundenlösungen Entwicklung von Innovationen - oder oder oder. Auch auf die o.g. Beispiele werden wir noch eingehen.

Strategieänderung

Man muss in dieser Situation häufig sogar klären: Gibt es überhaupt eine Unternehmensstrategie, die verändert oder optimiert werden kann?

Ich denke bei dieser provokanten Frage an eine große Zahl neu gegründeter Kleinstunternehmen, deren Konzept derart "dünn" ist, wackelig im wahrsten Sinne des Wortes, dass man möglicherweise konstatieren muss: Diese Unternehmung hat am Markt keine Chance. Für die Dienstleistung, die erbracht wird, gibt es keine Abnehmer. Die Produkte, die produziert oder gehandelt werden, gibt es bei Wettbewerbern in besserer Qualität und vielleicht sogar günstiger. Offensichtlich wurde bei der Existenzgründung der jeweilige Markt und die mögliche Nachfrage vollkommen falsch eingeschätzt.

Wenn sich dies herauskristallisiert, entscheiden natürlich die Marktmechanismen: Es bleibt nur die Schließung. Streng genommen ist das jedoch keine Strategiekrise, sondern - wohlwollend formuliert - ein generelles, weitgehendes Mißverständnis des Existenzgründers/der Gründerin über die Notwendigkeiten und Voraussetzungen einer selbständigen Tätigkeit.

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Über den Autor:

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Hans-Joachim Brüser ist seit 1984 selbständiger Unternehmensberater. Seit 2001 ist er zertifiziert beim Bundesverband Deutscher Unternehmensberater. Die Unternehmensberatung Brüser berät KMU bei der ...

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