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Erste-Hilfe-Koffer Unternehmenskrise

Warnsignale und typische Krisenmerkmale

Typische Krisenmerkmale kleiner Unternehmen

Wegen der großen Zahl kleinerer und mittelständischer Unternehmen, die in heftige Krisen geraten, seien an dieser Stelle aber zusätzlich Merkmale aufgeführt, die - aus der Praxis heraus - als "typisch" für diese gelten können. Es geht hier um häufige grundlegende Probleme der Unternehmensführung in KMU - aus diesen Problemen heraus resultieren dann alle handfesten Schwierigkeiten, wie der Rückgang von Umsätzen, Ertragseinbrüche, Liquiditätsprobleme usw.:

  • Unternehmensführung: Der Inhaber leitet das Unternehmen autokratisch, konservativ oder gar diktatorisch. Er kümmert sich um alles und entscheidet alleine. Er ist völlig überfordert, ständig in Zeitnot, wichtige Angelegenheiten bleiben liegen und langfristige Überlegungen völlig auf der Strecke.

  • Organisationsmängel: Es fehlen klare Strukturen im Betrieb, es fehlen eindeutige Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten, es gibt weder ein Organigramm, noch gibt es Stellenbeschreibungen oder ähnliches. Auch ein klar definiertes Mahnwesen ist nicht vorhanden.

  • Informationsdefizite: Die Unternehmensführung ist selbst über die wichtigsten Kennzahlen nicht informiert. Die monatliche BWA des Steuerbüros wird nicht zur Kenntnis genommen. Die Produktivität, der Stundenverrechnungssatz, der durchschnittliche Umsatz je Mitarbeiter oder ähnliche Kennzahlen sind unbekannt, die Kalkulation erfolgt nach "Praktikerverfahren". Eine Nachkalkulation von Aufträgen findet nicht statt.

  • Auftragsannahme und -bearbeitung: Angebotsanfragen werden nicht systematisch und zeitnah bearbeitet, sondern oft erst, wenn der Interessent nachhakt bzw. wenn angegebene Fristen für die Abgabe unmittelbar bevorstehen. Nicht selten passiert es, dass wichtige Aufwandspositionen oder andere Fehler bei der hektischen Angebotserstellung übersehen werden, so dass ein Ertrag gar nicht mehr übrigbleibt.

  • Produktion/Fertigung: Es gibt keine klaren Vorgaben oder Verfahrensregeln, Arbeiten werden frei nach dem Motto "der eine macht das so, der andere so" erledigt. Wie lange Mitarbeiter sich mit einzelnen Tätigkeiten beschäftigen, ist ebenso "individuell". An vorhandenen Maschinen, Geräten, Krananlagen usw. kommt es zu Engpässen, was die Fertigungszeiten häufig ins Uferlose treibt. Überlegungen, was man selbst fertigen sollte und was man günstiger von außen einkaufen kann, wurden bisher nicht angestellt.

  • Qualitätsprobleme: Es gibt immer wieder Mängelrügen von Auftraggebern, hierfür Verantwortliche sind aber praktisch nie klar zu definieren. Erhebliche Zusatzkosten entstehen.

  • Personalsteuerung: Nicht in den Griff zu kriegen ist es, dass zeitweise die Mitarbeiter überhaupt nicht ausgelastet sind - und in Spitzenzeiten trotzdem teure Fremdarbeiten eingekauft werden müssen oder Wochenendzuschläge zu bezahlen sind.

  • Personalführung: Es gibt regelmäßig erhebliche Probleme mit Mitarbeitern, der Krankenstand ist hoch. Qualifikationsmängel sind erkennbar, können jedoch nicht mehr kurzfristig behoben werden, auch, weil das Durchschnittsalter der Mannschaft sehr hoch ist.

  • Marketingdefizite: Das Unternehmen hangelt sich von Auftrag zu Auftrag. Es gibt weder eine Strategie, wie man den Markt aktiv bearbeiten könnte, noch gibt es einen hierfür Zuständigen. Streng genommen wurden nicht einmal Zielgruppen für das eigene Leistungsangebot klar definiert.

  • Fehlende Unternehmensstrategie: Mittel- und langfristige Ziele fehlen ebenso wie Pläne, wie diese Ziele zu erreichen sind.

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Über den Autor:

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Hans-Joachim Brüser ist seit 1984 selbständiger Unternehmensberater. Seit 2001 ist er zertifiziert beim Bundesverband Deutscher Unternehmensberater. Die Unternehmensberatung Brüser berät KMU bei der ...

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