Wer Aufzählungen, Nummerierungen und Gliederungen von Microsoft Word her gewohnt ist, kann beim Umstieg auf das Open Source Programm OpenOffice.org Writer zunächst verzweifeln. Doch der Umstieg lohnt sich: Auch beim Umgang mit Nummerierungen aller Art zeigt sich Writer stabiler und flexibler als MS Word. Um davon zu profitieren, muss man sich jedoch erst einmal mit der etwas anderen Denkweise von Open Office vertraut machen. Wir helfen beim Einstieg.
Begriffs-Wirrwarr um "Vorlagen"
Grundlage für die alltägliche Arbeit in Writer sind sog. Vorlagen. Nutzer von Microsoft Word kennen diesen Begriff auch. Bei Word ist die Rede von Dokumentenvorlagen und Formatvorlagen. Auch bei OpenOffice werden diese Begriffe verwandt, häufig wird aber auch für beides der einfache Begriff "Vorlage" benutzt - was die Verwirrung nicht gerade beseitigt. Benutzer der englischsprachigen Versionen von Word und Writer haben es etwas leichter: Template (Dokument(en)vorlage) und Style (Formatvorlage) lassen die Unterschiede zwischen diesen Arbeitsmitteln eher anklingen.
Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, beginnen wir mit einer kleinen Begriffsklärung: Unter Dokumentenvorlage versteht man ein Muster (in Form einer Datei), dessen Eigenschaften auf das neu zu erstellende Dokument übertragen werden. Bei Word und Writer basiert jedes Dokument auf einer Dokumentvorlage. Einige Dokumentenvorlagen werden mitgeliefert, z. B. für Faxe und Briefe, weitere können jederzeit erstellt werden. Die Entsprechung hierfür heißt bei OpenOffice.org manchmal "Templates" und manchmal "Dokumentvorlage".
Mit Hilfe von Formatvorlagen dagegen werden einzelne Textteile einheitlich formatiert.
Bei Word waren lange nur die folgenden zwei Möglichkeiten vorgesehen: Formatvorlagen, die zeichenorientiert sind, und Formatvorlagen für die Gestaltung von Absätzen. Am häufigsten werden Absatzformatvorlagen verwandt. Damit lassen sich z. B. Zeilenabstände, Einzüge, aber auch die Schriftart und die Schriftgröße festlegen. Entsprechend wurden auch Nummerierungen bei Word nicht in eigenständigen Formatvorlagen behandelt, sondern mussten mit Hilfe der Zeichen- oder Absatzvorlagen bewältigt werden. Erst mit Word 2002 (XP) wurden sog. Listenformatvorlagen eingeführt. Bei allen Vorversionen (und aus der Gewohnheit heraus auch oft noch mit Word 2002) benutzen Word-Anwender zwei Wege: Nummerierungen und Aufzählungen (Bullets) können "ad hoc" und eher zeichenorientiert über das Untermenü Format--> Nummerierungen und Aufzählungszeichen bzw. die Formatierungspalette bearbeitet werden. Alternativ kann man bei Word eine Absatzformatvorlage so verändern, dass dem Absatz eine Nummerierung zugeordnet wird. Diese Variante wird häufig dann eingesetzt, wenn Kapitel oder Überschriften durchnummeriert werden sollen.
Auf dem ersten Blick erscheint das ganz einfach und recht pragmatisch. Vielleicht hat man sich auch schlicht daran gewöhnt. Wer einmal längere Texte mit komplexeren Nummerierungen bzw. Strukturierungen in Word bearbeitet hat, weiß aber, welche Kapriolen das Programm im Rahmen der Überarbeitung schlagen kann. Es muss einen schon nachdenklich stimmen, wenn sogar Microsoft-Experten das Word-Nummerierungsmalheur beklagen. Bei Word gab es eben lange keine einfache und flexible Möglichkeit, Nummerierungsmuster absatzunabhängig und dokumentenübergreifend anzuwenden und erst die Listenformatvorlagen, die den Nummerierungsvorlagen von Writer ähneln, haben das Nummerierungschaos etwas eingedämmt.
