Seit Anfang 2011 haben Billig-Angebote für private Krankenversicherungen (PKV) stark zugenommen. Doch diese Discount-Tarife, die oft den vollen PKV-Schutz für weniger als 100 Euro im Monat anpreisen, sind vor allem eines: unglaubwürdig. Denn die auf den ersten Blick lukrativen Angebote bergen meist gewaltige Risiken und Lücken im Versicherungsschutz. Albert Gottelt erklärt, worauf Versicherte beim Vertragsabschluss mit einer PKV achten sollten.
Alle Versicherten sollten sich darüber im Klaren sein, dass besonders bei der Gesundheit gilt: Qualität kostet. Wer einen günstigen Beitrag zahlen möchte, sollte die Risiken bedenken, die durch mangelnden Versicherungsschutz entstehen. Besonders kritische Aspekte sind:
Selbstbehalt
steigende Beiträge im Alter
(Zahn-) Arzthonorare
Psychotherapie
Heil- und Hilfsmittel
freie Krankenhaus- und Arztwahl
Krankentagegeld
Während die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) für Angestellte ein Leben lang erschwingliche Beiträge garantiert, vervielfachen sich besonders die günstigen Einsteigertarife in der PKV bis zur Rente in vielen Fällen.
Für Beamte und Selbstständige ist die PKV zwar in der Regel die günstigere Krankenversicherung, aber auch sie müssen mit steigenden Beiträgen rechnen und entsprechend vorsorgen, wenn sie nicht im Alter in günstigere PKV-Tarife wechseln und auf bestimmte Leistungen verzichten wollen.
Billige Tarife haben hohen Selbstbehalt
Der Selbstbehalt wird meist pro Jahr festgelegt. Das bedeutet, dass der Versicherte Kosten bis zu einer bestimmten Summe selbst tragen muss, bevor die Versicherung greift. Insbesondere junge Angestellte und Selbstständige neigen zu einer Überschätzung ihrer Gesundheit und lassen sich auf einen hohen Selbstbehalt ein, um monatlich an den Beiträgen zu sparen. Doch auch kerngesunde Versicherte sind nicht vor Unfällen oder psychischen Krankheiten gefeit. Deshalb sollte der Selbstbehalt nur so hoch angesetzt werden, wie er wirklich bezahlbar ist.
Ein PKV-Tarifvergleich ergibt ein realistischeres Bild, wenn die jährliche Summe des Selbstbehalts durch zwölf geteilt und zum monatlichen Beitrag hinzugerechnet wird. Ein Tarif für monatlich 89 Euro ist nicht mehr so günstig, wenn ein Selbstbehalt von 1.000 Euro pro Jahr dazu kommt (entspricht 83 Euro pro Monat). Oft versteckt sich auch in den Kosten für Arzneimittel ein Eigenanteil, der sich summieren kann.
Höhere Kosten für PKV-Tarife im Alter
Die vereinbarten Leistungen werden von den privaten Krankenversicherungen ein Leben lang garantiert - die Preise dafür nicht. Studien der Stiftung Warentest zeigen die Preisexplosion in der PKV: Innerhalb mehrerer Jahrzehnte müssen langjährig Versicherte teilweise das Neunfache ihres ursprünglich vereinbarten Beitrags bezahlen.
In der gesetzlichen Krankenversicherung läuft es genau andersherum: Der Beitrag wird prozentual vom Einkommen berechnet - wer wenig verdient, zahlt auch nur wenig.
Allerdings kann der Leistungskatalog der GKV vom Gesetzgeber jederzeit zusammengestrichen werden. So wurden bspw. in jüngster Vergangenheit kostenlose Brillen und Zuschüsse für Zahnersatz gestrichen. Auch vor zusätzlichen Kosten wie Praxisgebühr und Zusatzbeitrag sind gesetzlich Versicherte nicht sicher.
Unverzichtbar: Das sollte ein guter Tarif leisten
Auch ein günstiger Einsteigertarif in der privaten Krankenversicherung sollte mindestens den Leistungsumfang der GKV umfassen.
Abstriche im Versicherungsschutz, beispielsweise hinsichtlich Zahnarzt- und Arzthonoraren oder Psychotherapie, können die Versicherten im Falle eines Falles teuer zu stehen kommen. Bei Privatpatienten etwa dürfen Zahnärzte und Ärzte bis zum 3,5-fachen Satz der Gebührenordnung abrechnen. Doch Billiganbieter erstatten häufig nicht die volle Rechnung, sondern beispielsweise nur das 1,8-fache oder 2,5-fache der Arzthonorare. Den Restbetrag muss dann der Versicherte selbst berappen.
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Psychotherapie im günstigen Spartarif selten gedeckt
Viele junge und gesunde Versicherte unterschätzen die Risiken psychischer Erkrankungen. Doch vor Depressionen oder einem Burn-out-Syndrom sollte sich niemand sicher fühlen. Die Behandlungen sind langwierig und kostenintensiv, die Arbeitsunfähigkeit schlägt bei Selbstständigen noch zusätzlich zu Buche.
Die meisten der Billigtarife, mit denen gelockt wird, beinhalten keine oder nur eine sehr eingeschränkte Absicherung im Fall einer benötigten Psychotherapie.
Beispielsweise zahlen einige Privatversicherer nur für stationäre psychotherapeutische Behandlungen, diese ist jedoch nur in den seltensten Fällen nötig. Beim Vertragsabschluss sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass auch die ambulante Psychotherapie im Leistungskatalog enthalten ist.
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Hilfs- und Heilmittel können teuer werden
Bei privaten Krankenversicherungen zu Discountpreisen denken Versicherte oft nicht daran, dass sie irgendwann vielleicht eine Bein-Prothese, einen Rollstuhl oder einen Logopäden in Anspruch nehmen müssen und verzichten auf die finanzielle Absicherung.
Eine Gehhilfe wird keinen Patienten finanziell ruinieren, doch wenn nach einem Unfall oder Schlaganfall langwierige Krankengymnastik, logopädische Behandlungen oder Prothesen benötigt werden, summieren sich die Kosten schnell.
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Privileg der freien Arzt- und Klinikwahl
Einschränkung bei der Wahl des Arztes oder des Krankenhauses empfinden die meisten günstig Versicherten selten als Einschränkung. In einigen Tarifen ist festgelegt, dass die Privatpatienten in jedem Fall erst einen Allgemeinarzt aufsuchen müssen, bevor sie zu einem Facharzt wechseln dürfen.
Unerfreulich kann auch die Regelung werden, dass die günstig Versicherten nicht in Privatkliniken behandelt werden dürfen, sondern nur in Krankenhäusern, die Verträge mit gesetzlichen Krankenkassen haben. Hier gilt es abzuwägen, welche Leistungen tatsächlich notwendig sind. Verbraucherschützer raten, sich im Vorfeld gründlich mit den Leistungen der PKV auseinanderzusetzen.
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Krankentagegeld für Selbstständige unverzichtbar
Tarife zu Discountpreisen beinhalten oft keine Krankentagegeldversicherung. Besonders für Selbstständige kann eine längere Krankheit jedoch die berufliche Existenz bedrohen. Selbständige oder Freiberufler, die eine längere Krankheit nicht angemessen abgesichert haben, können schnell in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Vorübergehende Arbeitsunfähigkeit kann durch eine Vollversicherung oder auch eine Zusatzversicherung abgesichert werden. Letztere bietet sich für Selbstständige an, die bereits privat versichert sind, es aber versäumt haben, diese Leistung in dem Tarif mitabzusichern.
Andere Möglichkeiten zum Sparen
Wer keine hohen Selbstbeteiligungen auf sich nehmen will, aber dennoch Beiträge reduzieren möchte, sollte andere Möglichkeiten der Einsparungen nutzen. Zum Beispiel macht es Sinn, den aktuellen Tarif auf überflüssige Leistungen zu überprüfen und sich folgende Fragen zu stellen:
Brauche ich wirklich die Chefarztbehandlung im Krankenhaus?
Muss es zwingend das Ein-Bett-Zimmer sein?
Sollte ich meinen Anspruch auf ein Zwei-Bett-Zimmer versichern, obwohl die meisten Privatkliniken ohnehin meist nur Ein- und Zwei-Bett-Zimmer anbieten?
Ist ein teurer Tarif mit Krankenhaustagegeld nötig, wenn ich auch eine separate Versicherung dafür abschließen kann?
Wer in der Gründerphase dennoch sein Geld lieber in die Firma als in die gesundheitliche Vorsorge investieren will, der kann in einigen Tarifen ohne neue Gesundheitsprüfung nach ein paar Jahren in einen besseren Tarif wechseln. Dabei sollten die Wechseloptionen genau unter die Lupe genommen werden - teilweise ist der Wechsel nur zu bestimmten Zeitpunkten möglich.
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