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Prämiengutschein: Bis zu 500 Euro für Ihre Weiterbildung als Förderung

500 Euro gratis: Weiterbildung und Internet-Schulungen vom Staat mitbezahlen lassen

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Stand: 6. Juni 2016 (aktualisiert)

Mit dem Prämiengutschein erhalten Erwerbstätige (Arbeitnehmer ebenso wie Selbstständige und Freiberufler) eine finanzielle Förderung ihrer Weiterbildung – bis zu 500 Euro! Wir erklären, was der Prämiengutschein ist, ob Sie förderberechtigt sind und was Sie tun müssen, um die Unterstützung noch zu erhalten.

Was ist der Prämiengutschein?

Der Prämiengutschein ist ein Wertscheck, mit dem Sie einen Teil der Kosten Ihrer beruflichen Weiterbildung bezahlen – maximal 500 Euro. Der Prämiengutschein ist also bares Geld wert! Sie können ihn bei einem Bildungsträger Ihrer Wahl einlösen, sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind (dazu unten mehr).

Wichtig: Der Prämiengutschein trägt 50 Prozent der Weiterbildungskosten, maximal 500 Euro. Den Restbetrag müssen Sie selbst aufbringen. Beispiel: Sie möchten ein Seminar besuchen, das 700 Euro kostet. In diesem Fall übernimmt der Prämiengutschein die Hälfte, also 350 Euro, und Sie selbst zahlen ebenfalls 350 Euro. Kostet Ihre Fortbildung 1.000 Euro, dann werden 500 Euro über den Prämiengutschein gefördert.

Für eine Weiterbildung, die mehr als 1.000 Euro kostet, können Sie keinen Prämiengutschein nutzen. Maßgeblich ist dabei die Veranstaltungsgebühr, die auf der Rechnung Ihres Bildungsanbieters angegeben ist.

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Wer erhält einen Prämiengutschein?

Mit dem Prämiengutschein werden vor allem Erwerbstätige mit geringem Einkommen gefördert. Konkret: Das zu versteuernde Jahreseinkommen darf 20.000 Euro (bzw. 40.000 Euro bei gemeinsamer Veranlagung) nicht übersteigen.

Als erwerbstätig gelten jedoch nicht nur sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, sondern auch Inhaber(innen) bzw. Teilhaber(innen) von Unternehmen, die selbst im Betrieb mitarbeiten. Somit sind auch Selbstständige und Freiberufler förderungsfähig.

Einen Prämiengutschein können dabei Personen erhalten, die befugt sind, in Deutschland zu arbeiten und mindestens 15 Stunden in der Woche erwerbstätig sind. Falls Sie derzeit in Mutterschutz, Elternzeit oder Pflegezeit sind und in dieser Zeit weniger als 20.000 Euro (bzw. 40.00 Euro bei gemeinsamer Veranlagung) verdienen, können Sie ebenfalls einen Prämienscheck beantragen – vorausgesetzt, Sie haben einen gültigen Arbeitsvertrag über mindestens 15 Wochenstunden.

Eine wichtige Voraussetzung ist neu, sie gilt ab dem 1. Juli 2014: Sie müssen das 25. Lebensjahr vollendet haben, um einen Prämiengutschein erhalten zu können.

Nicht gefördert werden Nichterwerbstätige, also beispielsweise Arbeitslose, Schüler, Studierende und Rentner.

Ob im Einzelfall die Fördervoraussetzungen vorliegen, wird grundsätzlich jeweils vor Ausstellen des Prämiengutscheins in einem Beratungsgespräch geklärt.

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Was wird gefördert?

Nicht für jede Weiterbildung gibt es einen Prämiengutschein. Nur berufsbezogene Angebote werden unterstützt. Dabei kann es sich sowohl um Weiterbildungen zu berufsspezifischen Themen handeln als auch um Weiterbildungen zu Themen, die generell die Beschäftigungsfähigkeit fördern (zum Beispiel Sprach- oder EDV-Kurse).

Ausgenommen von der Förderung sind unter anderem innerbetriebliche Qualifizierungen, Einzelunterricht oder Weiterbildungen in Form von Selbstlernmedien. Auch Weiterbildungen, die der Gesundheitsprävention dienen, dürfen nicht mit einem Prämiengutschein gefördert werden. Gleiches gilt, wenn Sie eine Weiterbildung besuchen, die der Erfüllung einer regelmäßigen, nachweislichen Fortbildungsverpflichtung dient – auch dafür darf kein Prämiengutschein eingesetzt werden. Den Führerschein vieler Fahrerlaubnisklassen dürfen Sie ebenfalls nicht über den Prämiengutschein finanzieren. Und wie oben schon erwähnt, sind Weiterbildungen von der Förderung ausgenommen, die mehr als 1.000 Euro kosten.

Grundsätzlich gilt: Ob eine Weiterbildungsmaßnahme für eine Förderung des Interessenten infrage kommt, prüft die jeweilige Beratungsstelle.

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Wie komme ich an den Prämiengutschein?

Um einen Prämiengutschein zu erhalten, müssen Sie eine zugelassene Beratungsstelle aufsuchen. Dort erfolgt ein Beratungsgespräch, in dem die persönlichen Voraussetzungen, das Weiterbildungsziel und die Anforderungen an die Weiterbildung geklärt werden. Sind die Voraussetzungen gegeben, so wird direkt vor Ort ein Prämiengutschein für Sie ausgestellt.

Beratungsstellen

Beratungsstellen finden Sie im gesamten Bundesgebiet; die Kontaktdaten finden Sie im Internet unter www.bildungspraemie.info.

Sie können dann mithilfe einer Karte bzw. einer Postleitzahlensuche auf einfache Weise die für Sie passende Beratungsstelle finden.

Folgende Dokumente sind zum Beratungsgespräch mitzubringen:

  • ein amtlicher Ausweis mit Foto (Personalausweis, Reisepass oder Führerschein);

  • ein Beschäftigungsnachweis (Arbeitsvertrag, Gewerbeschein oder aktuelle Gehaltsabrechnung – unter Umständen ist auch eine Selbstauskunft möglich);

  • Ihr letzter Einkommensteuerbescheid bzw. ein elektronischer Lohnsteuernachweis des letzten Kalenderjahres; ersatzweise können in der Regel auch Einkommensnachweise des Arbeitgebers oder eine Bescheinigung eines Steuerberaters oder Lohnsteuerhilfevereins oder Ähnliches vorgelegt werden.

  • Falls Sie nicht deutsche Staatsbürgerin bzw. deutscher Staatsbürger sind, denken Sie außerdem an den Nachweis über Ihren Aufenthaltsstatus.

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Wie löse ich den Prämiengutschein ein?

Während des Beratungsgesprächs hat die Beratungsstelle auf Ihrem Prämiengutschein ein Weiterbildungsziel eingetragen, also das grobe Thema Ihrer Weiterbildung. Zu Ihrer Orientierungshilfe wurden Ihnen passende Weiterbildungsanbieter genannt; möglicherweise hatten Sie auch selbst schon entsprechende Anbieter herausgesucht. Die Anbieter müssen ihren Sitz in Deutschland haben und bestimmten Qualitätskriterien genügen.

Bei einem entsprechenden Weiterbildungsanbieter können Sie nun einen passenden Kurs buchen. Den Prämiengutschein reichen Sie beim Anbieter ein, bevor der Kurs begonnen hat, die Rechnung gestellt wurde und Sie gezahlt haben. Akzeptiert der Anbieter den Gutschein, dann zahlen Sie lediglich den verbleibenden Eigenanteil. Achten Sie beim Einreichen in jedem Fall darauf, dass die Weiterbildungsmaßnahme innerhalb der auf dem Prämiengutschein eingetragenen Gültigkeitsdauer von sechs Monaten beginnt.

Richtiger Adressat!

Den Eigenanteil müssen Sie in jedem Fall selbst bezahlen – nicht zulässig ist, dass Ihr Arbeitgeber diesen Anteil übernimmt. Dann würde Ihr Prämiengutschein abgelehnt! Achten Sie also unbedingt darauf, dass der Bildungsträger die Rechnung an Sie adressiert.

Was muss ich beachten?

Zwar wurde versucht, das Beantragungsverfahren unbürokratisch zu halten. Dennoch gibt es einige potenzielle Stolpersteine. So erhöhen Sie Ihre Chancen auf den Prämiengutschein:

  • Vereinbaren Sie möglichst bald einen Beratungstermin bei einer der zugelassenen Beratungsstellen, wenn Sie eine Weiterbildung planen. Je nach Nachfrage und zeitlicher Organisation bei der Beratungsstelle müssen Sie womöglich mit einer Wartezeit rechnen.

  • Klären Sie am besten schon bei der telefonischen Terminvereinbarung mit der Beratungsstelle grob ab, ob Sie in Ihrem individuellen Fall förderberechtigt sind. Allzu spezielle Einzelheiten können sicherlich nicht im Vorfeld besprochen werden, aber es wäre ärgerlich, wenn Sie sich vergeblich auf den Weg machen.

  • Klären Sie gegebenenfalls auch, ob der von Ihnen gewünschte Anbieter den Prämiengutschein akzeptiert. Denn obgleich die wenigsten Bildungsträger dies ablehnen dürften, sind sie nicht zur Annahme verpflichtet.

  • Bezahlen Sie Ihre Weiterbildung nicht vor Erhalt des Prämiengutscheins! Dann darf er nämlich nicht mehr ausgestellt werden.

  • Auf jedem Prämiengutschein wird eine Gültigkeitsdauer von sechs Monaten (beginnend ab Ausstellungsdatum) eingetragen. Innerhalb dieser Frist muss Ihre Weiterbildung beginnen.

  • Einen Prämiengutschein können Sie nur alle zwei Kalenderjahre einmal erhalten. Ausschlaggebend ist dabei das Jahr, in dem der Gutschein ausgegeben wurde.

  • Der Prämiengutschein ist nur eine von zwei Komponenten des Programms Bildungsprämie. Daneben wurde das Instrument Weiterbildungssparen konzipiert, das für Sie ebenfalls interessant sein könnte. Es wendet sich auch an Erwerbstätige mit höherem Einkommen.

Wo erhalte ich weitere Informationen?

Hier konnten nur die wichtigsten Regelungen überblicksartig dargestellt werden. Die Bildungsprämie wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und aus dem Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union gefördert. Nähere Informationen zum Prämiengutschein und auch zum Weiterbildungssparen erhalten Sie

Und wenn ich nicht berechtigt bin?

Der Prämiengutschein bzw. das Programm Bildungsprämie ist nicht die einzige Möglichkeit, finanzielle Unterstützung für berufliche Weiterbildungsmaßnahmen zu erhalten. Einen Überblick über dieses und andere Förderprogramme, aber auch Qualitätskriterien und Praxistipps finden Sie im "Leitfaden Weiterbildung: Seminarformen, Fördermöglichkeiten, Qualitätskriterien".

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Über den Autor:

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Heike Neidhardt ist Diplom-Psychologin und Erwachsenenbildnerin (M.A.). Nach 10 Jahren Berufserfahrung in der Weiterbildung hat sie sich 2009 selbstständig gemacht. In ihren Vorträgen und Seminaren ze ...

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