Verkaufsstarke Produktfotos für eBay und Online-Shops

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Stand: 4. April 2010

Ihr "Heim-Studio": Wie Sie mit relativ einfachen Mitteln Produktfotos zu Hause oder im Büro knipsen können

Licht und Beleuchtung

Günstig, aber nicht unproblematisch: Tageslicht

Am einfachsten und preisgünstigsten ist es, wenn Sie vollständig bei Tageslicht arbeiten, ohne zusätzliche Lichtquellen. Dazu muss der Raum aber extrem hell sein. Direkt einfallendes Licht ist zu vermeiden, das Licht sollte nur indirekt auf den Arbeitsplatz fallen. Ein weißes Partyzelt im Freien oder ein Sonnensegel (z. B. von Ikea, ca. 25 EUR) können eine Alternative sein.

Aber Achtung: Bereits eine vorbeiziehende Wolke oder der Sonnenverlauf an einem hellen Tag kann dazu führen, dass die Bilder um 10 Uhr anders aussehen als die um 14 Uhr. Für einzelne Bilder und Gelegenheitsverkäufe reicht das aus. Wenn Sie aber zusammenhängende Serien fotografieren oder immer wieder neue Produktfotos anfertigen müssen, ist diese Art der Beleuchtung nicht geeignet.

Tageslicht und Kunstlicht kombinieren

Vorhandenes Tageslicht kann man durch Kunstlicht ergänzen.

Bild vergrößernUngünstiges Mischlicht

Ergänzendes Kunstlicht hat den Nachteil, dass die Farben des Motivs immer leicht verfälscht werden. Meistens haben solche Fotos einen leichten Orange- oder Gelbstich, der die Aufnahme wärmer wirken lässt. Der Grund dafür ist die Lichttemperatur, die wir mit dem bloßen Auge nicht messen bzw. nicht so fein wahrnehmen können wie die Kamera. Auch der manuelle Weißabgleich bringt nicht immer neutrale Ergebnisse.

Bild vergrößernWie stark sich der unterschiedliche Weißabgleich auswirkt, kann man an diesen Bildausschnitten sehen.

Ein wichtiger Gesichtspunkt: Reproduzierbare Lichtverhältnisse

Ein Nachteil des Fotografierens bei Tageslicht oder bei Tageslicht mit ergänzendem Kunstlicht besteht darin, dass Sie keine reproduzierbare Lichtsituation hinbekommen, denn Tageslicht ist starken Schwankungen unterworfen. Nicht nur die Intensität und Richtung des Lichts, sondern auch die Lichttemperatur verändert sich mit Tageszeit und Wetterlage.

Bei Fotoserien oder immer wiederkehrenden Aufgaben müssen Sie aber auf Reproduzierbarkeit achten: Wenn Sie farbneutrale Aufnahmen machen wollen, sollten Sie den Raum vollständig abdunkeln und nur mit Kunstlicht und dem passenden Weißabgleich an der Kamera fotografieren.

Kunstlichtquellen: Scheinwerfer und Lampen für Ihr Heimstudio

Als Kunstlichtquellen kommen für den Einstieg handelsübliche Lampen und Strahler in Frage, mit denen Sie nach Belieben experimentieren können.

Die günstigen Baustrahler aus dem Baumarkt sind dabei nur bedingt zu empfehlen, denn diese fressen viel Strom, werden sehr heiß und erzeugen harte Schatten. Um diese Nachteile auszugleichen, muss man im Gegenzug zum günstigen Anschaffungspreis einige Anstrengungen unternehmen, um geeignetes Licht zu bekommen: Man muss indirekt beleuchten und die Flächen, die man dazu benutzt, müssen weit genug entfernt sein, damit das Material nicht heiß wird (es sollte auf jeden Fall feuerfest sein).

Entweder Sie haben einen geeigneten Platz, wo Sie über die Decke oder die Wand indirekt leuchten können, oder Sie brauchen teure Materialien zum Durch-Leuchten wie Diffusoren oder Softboxen.

Beispiel: Produktfoto ohne Schlagschatten

Im Fortgeschrittenen-Stadium werden Sie mit so genannten "Lichtformern" arbeiten wollen, die an der Leuchte befestigt werden müssen. Fotoleuchten haben standardisierte Anschlüsse, mit denen man Zubehör anbringen und fixieren kann. Bei den Baustrahlern muss man dagegen bastlerisch begabt sein, um entsprechende (sichere) Befestigungen zu finden und anzubringen. Und auch da ist es ein Nachteil, dass diese Strahler glühend heiß werden; es besteht beträchtliche Unfallgefahr. Andererseits gibt es viele Menschen, die mit Baustrahlern absolut glücklich sind - probieren Sie es aus.

Wenn Baustrahler nichts für Sie sind, dann ist eine Fotoleuchte die sinnvollere Alternative, zumal die Lampenstative stufenlos verstellt werden können. Außerdem gibt es passendes Zubehör.

Wenn man den Baustrahler über eine weiße Zimmerdecke umlenkt, erhält man eine diffuse Beleuchtung.

Blitzlicht und Studioblitz

Blitzlicht hat die gleiche Lichttemperatur wie Tageslicht. Das eingebaute Blitzgerät leistet zwar für 0815-Fotos gute Dienste, ist aber für die Produktfotografie völlig ungeeignet, weil es ein hartes, stark gerichtetes Licht nach vorne abstrahlt. Es führt zu unkontrollierbaren Reflexionen auf glänzenden Flächen und/oder zu harten Schlagschatten. Schalten Sie es also besser ab!

Beispiel Figur mit Schlagschatten

Ein externes Aufsteck-Blitzgerät können Sie notfalls verwenden, vorausgesetzt Sie blitzen indirekt von oben oder seitlich auf das Motiv. Sie können auch einen Diffusor verwenden, der das harte Licht streut.

Blitzlicht-Diffusor am Aufsteckblitz

Ein Studioblitzgerät unterscheidet sich vom kleinen Aufsteck-Blitzgerät dadurch, dass es eine höhere Leistung hat, also sehr viel mehr Licht erzeugen kann. Man fotografiert nicht mit den typischen Standardwerten 1/60 sec bei Blende 5,6, sondern kann z.B. - je nach Kamera - auf bis zu 1/250 sec und kleinere Blendenwerte (11, 16) gehen, was sich deutlich in der Schärfentiefe bemerkbar macht. Für das Studioblitzgerät sind dann Softboxen erforderlich, die das Licht streuen und für eine weiche, schattenfreie Ausleuchtung sorgen. Studioblitzgeräte sind nicht nur verhältnismäßig teuer, sondern leider auch sehr sperrig. Man braucht ausreichend Platz, um sie aufzustellen und zu lagern. Sie sind deshalb nur für Leute sinnvoll, die häufig fotografieren und professionelle Ansprüche haben.

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Über die Autorin:

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Jacqueline Esen ist freiberufliche Fotografin und gibt ihr Wissen in Foto-Kursen, Online-Workshops und Fachbüchern weiter. Ihre Bücher "Der große Fotokurs" und "Digitale Fotografie" sind Bestseller ...

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