Alles Word Gut!

Von: Robert Chromow
Stand: 21. August 2007
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Eingabehilfen: Schnelle Eingabe statt langem Tippen und Würgen

Bequemer Formelsatz für Eilige

Nicht nur Mathematiker und Naturwissenschaftler hantieren in ihren Texten mit Formeln: Auch im kaufmännischen Alltag sind Bruchzahlen, Verhältnisangaben, Rechenanweisungen oder Kennziffern in Zähler- und Nennerdarstellung weit verbreitet. Es gibt in MS Office zwar einen Formeleditor, dessen Bedienung ist jedoch alles andere als eingängig. Mit dem "EQ"-Feld stellen wir eine viel einfachere, aber wenig bekannte Alternative vor.

LaTex LogoWissenschaftler, die etwas auf sich halten, schwören beim Formelsatz in ihren Manuskripten bis heute auf spezielle Textsatzprogramme wie LaTex. Dass manche dieser Layout-Programme immer noch ohne WYSIWYG-Oberfläche auskommen, kann einen hartgesottenen Naturwissenschaftler ja nicht schrecken.

Um Missverständnissen vorzubeugen: In diesem Beitrag geht es nicht um Formel-Berechnungen, sondern um die grafische Darstellung von Formeln, Brüchen, Kennziffern etc. Mit den Kalkulations-Möglichkeiten von MS Word und OpenOffice-Writer beschäftigt sich der Beitrag "Rechnen in Texten".

Logo MS FormeleditorWenn es um die Eingabe von Formeln geht, greifen die meisten Office-Anwender erst einmal zum MS Formeleditor 3.0, der zusammen mit Word und dem MS-Office-Paket ausgeliefert wird.

1. Anlauf: Formeleditor

Um in Word eine neue Formel einzufügen,

  • klicken Sie im Menü "Einfügen" auf "Objekt" und anschließend auf die Registerkarte "Neu erstellen".

  • Dann wählen Sie in der "Objekttyp"-Liste den Eintrag "Microsoft Formel-Editor 3.0".

    Bild vergrößernSo rufen Sie den Formeleditor auf

  • Daraufhin werden ein Eingabefeld sowie eine spezielle Formel-Symbolleiste eingeblendet. Die enthält neben speziellen mathematischen Symbolen verschiedene Vorlagen für Brüche und Wurzeln:

    Bild vergrößernNeues Formel-Objekt mit aktivierter Formel-Symbolleiste

Nachinstallation

Sofern der Formel-Editor dort nicht auftaucht, müssen Sie ihn möglicherweise nachinstallieren: In dem Fall beenden Sie zunächst alle Programme, rufen in der Windows-Systemsteuerung den "Software"-Dialog auf und klicken im Feld "Zurzeit installierte Programme" auf "Microsoft Office" (oder auf "Microsoft Word", "PowerPoint" etc., falls diese Anwendungen bei Ihnen als Einzelprogramme installiert sind) und schließlich auf die Schaltfläche "Ändern".

Sperriger Formelsatz

Leider ist die Erstellung einfacher Formeln auf diesem Weg alles andere als ein Kinderspiel: Der Editor ist weder intuitiv nutzbar noch halbwegs nachvollziehbar dokumentiert. Viele Tastenkombinationen und Eingabekonventionen sind außer Kraft gesetzt, Zeichensätze und Schriftgrößen lassen sich nur äußerst umständlich (durch Definition spezieller Formatvorlagen) beeinflussen.

Hinzu kommt, dass auf der Symbolleiste selbst auf Anhieb keine Hilfefunktion erkennbar ist. Erst bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass die Word-Menüleiste durch Aufruf des Editors einen komplett neuen Inhalt bekommen hat. Im "Hilfe"-Menü haben Sie dadurch Zugriff auf einige, allerdings wenig anschauliche Erläuterungen.

OpenOffice Math

Auch in der kostenlosen Bürosuite OpenOffice.org findet sich ein Formeleditor. Aufgerufen wird er innerhalb der Textverarbeitung "Writer" über den Menüpunkt "Einfügen" - "Objekt" - "Formel":

Bild vergrößernDer Formeleditor "OpenOffice Math" im Textprogramm "Writer"

"OpenOffice Math" kann auch als eigenständiges Programm gestartet werden. Die Eingabe wirkt im Vergleich zum Microsoft-Werkzeug um einiges einfacher und für Gelegenheitsnutzer etwas besser verständlich. Vor allem die eingängigen, wenn auch englischsprachigen Stopp-Wörter (wie z. B. "over" als Bruch-Befehlswort) oder auch geschweifte Klammern als Zusammenfassung zusammengehöriger Formelbestandteile erleichtern die Sache. Textformatierungen sind aber auch hier nur per schrittweiser Änderung von Zeichensätzen und Schriftgrößen für die verschiedenen Formelbestandteile möglich.

Gewiss: Wer sich erst einmal an Aufbau und Logik vollwertiger Formeleditoren gewöhnt hat und regelmäßig damit arbeitet, kann damit sehenswerte Formel-Kunstwerke erzeugen. Für gelegentliche Eingaben von schlichten Verhältnisangaben, Rechenanweisungen oder Kennziffern in Zähler- und Nennerdarstellung sind die Tools aber weniger geeignet. Ganz zu schweigen von einfachen Bruchzahlen, die sich nicht als eigenständige Zeichen in den gängigen Schriftarten oder Symbolfonts finden.

Alternative: Das EQ-Feld

Zum Glück geht es - zumindest in Word - auch viel einfacher: Angenommen, Sie möchten im einfachsten Fall in der Rezeptangabe "7/8 Liter Wasser" einen richtigen Bruch darstellen, dann...

  • wählen Sie im "Einfügen"-Menü den Eintrag "Feld" und

  • dann den Feldnamen "EQ" ("Equation" = "Gleichung"; in älteren Word-Versionen trägt diese Funktion die Bezeichnung "FORMEL").

  • Ein Klick auf "Feldfunktionen" blendet die Schaltfläche "Optionen" ein.

  • Darin findet sich unter anderem der Schalter "\F([Zähler];[Nenner])" (für Bruchzahlen), den Sie über "Hinzufügen" übernehmen.

    Bild vergrößernSo fügen Sie ein EQ-Feld ein.

Sofern Sie nun vor dem Semikolon (im Zähler) eine "7" und dahinter eine "8" eingeben und auf "O.k." klicken, wird die 7/8-Bruchzahl ordentlich in Form von Zähler und Nenner angezeigt.

Bruchzahl im Fließtext und im EingabemodusGanz gleich wie einfach oder komplex solche EQ-Felder sind: Anders als die per Editor erzeugten Formeln gehorchen sie erfreulicherweise der ganz normalen Textformatierung!

Wenn Sie den Cursor direkt vor den Bruch stellen und die Tastenkombination "UMSCHALT F9" drücken, schaltet Word von der Layoutansicht auf den Formelquelltext um: Ihr Bruch wird dann zwischen geschweiften Klammern hinter dem "EQ \F"-Schalter dargestellt. Diesen Quelltext können Sie nun ganz nach Belieben editieren. Um die Wirkung Ihrer Änderungen zu kontrollieren, wechseln Sie mit "UMSCHALT F9" wieder zur Fließtextanzeige.

Doppelklick auf EQ-Felder vermeiden

Um ein EQ-Feld zu editieren, sollten Sie immer mit "UMSCHALT F9" in die Feldansicht wechseln. Vermeiden Sie Doppelklicks auf ein fertiges EQ-Feld: Word wandelt die Formel in dem Fall nämlich aus unerfindlichen Gründen ungefragt und vollautomatisch in ein Formeleditor-Objekt um. Immerhin lässt sich dieses normalerweise unerwünschte Programmverhalten notfalls über "Bearbeiten" - "Rückgängig" (oder "STRG Z") wieder ungeschehen machen.

Manuelle Formeleingabe

Wer will, kann Formeln aber auch von Grund auf manuell erstellen: Die Tastenkombination "STRG F9" öffnet ein Formelfeld in geschweiften Klammern, in das Sie die Feldfunktion und die Werte eigenhändig einfügen:

Sie können EQ-Felder auch von Hand füllen.

So überwinden Sie die Backslash-Hürde

Sofern Word Ihnen dabei die Eingabe des "\"-Zeichens (Backslash) Probleme verweigert, geben Sie es einfach im normalen Textbereich ein und kopieren es von dort aus in den Formelausdruck.

Außer dem "\F"-Schalter für Brüche stehen Ihnen im EQ-Feld die folgenden Formellayout-Alternativen zur Verfügung:

  • \R: Brüche

  • \B: (ggf. zeilenübergreifende) Klammern um eine Formel oder einzelne Formelteile

  • \I: Integraldarstellung

  • \A: zweidimensionale Matrix

  • \D: horizontale Positionierung

  • \L: kommagetrennte Listen

  • \O: Überlagerung / Überschreiben von Zeichen

  • \S: gezielte Hoch- und Tiefstellung

  • \X: Umrahmung von Formelelementen

Ausführliche Informationen zu den EQ-Feldanweisungen finden Sie in der Word-Hilfe: Suchen Sie dort einfach nach "EQ".

Schicke Schachteln

Im Text-Alltag interessanter als Positionierungs- und Formatierungs-Feinheiten (die sich in einfachen Fällen ja zum Teil auch durch schlichte Hoch- und Tiefstellung einzelner Zeichen realisieren lassen) ist die Möglichkeit, Formelfelder zu verschachteln. Dazu fügen Sie an der gewünschten Stelle einfach die gewünschte zusätzliche Schalter-Anweisung ein.

Auf diese Weise lassen sich zum Beispiel Brüche unter dem Wurzelzeichen darstellen oder umgekehrt Wurzelausdrücke im Zähler oder Nenner von Brüchen eingeben:

Bild vergrößernGeschachteltes EQ-Feld

Im Beispiel ist in den Wurzelausdruck "\R(;)" (grün) eine Bruchdarstellung "\F(;)" (gelb) eingebettet. Viele solcher Verschachtelungen lassen sich problemlos miteinander verknüpfen. Wenn die Syntax für Sie noch gewöhnungsbedürftig ist, können Sie die Einzelbestandteile auch zunächst separat erzeugen und dann an die passende Stelle in den bereits vorhandenen Ausdruck hineinkopieren.

Fazit

Auch wenn die EQ-Felder keine WYSIWYG-Darstellung bieten, lassen sich mit ihrer Hilfe aufgrund der klaren Syntax im Handumdrehen Brüche, Wurzeln und die meisten gängigen technischen oder kaufmännischen Formeln schnell und einfach erstellen. Im Vergleich mit dem Formeleditor können selbst weniger erfahrene Anwender mit vertretbarem Aufwand komplexe Formel-Layouts erzeugen, deren Formatierungsmöglichkeiten sich überhaupt nicht vom normalen Fließtext unterscheiden.

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