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Psychische Gesundheit

Wie kann ich meine seelische Gesundheit erhalten?

Tipps für den Alltag

Wir duschen täglich, haben immer eine Handcreme dabei und lassen uns regelmäßig körperlich durchchecken. Dieselbe Pflege sollten wir auch unserer Psyche angedeihen lassen - das Fachwort dafür ist "Psychohygiene". Tun, was uns gut tut - das ist oft leichter gesagt, als getan. Hier einige Tipps, was Sie tun können, um Ihre Seele gesund zu halten:

Mens sana in corpore sano

"Das Ich ist in erster Linie ein körperliches", hat bereits der Begründer der Psychoanalyse, Sigmund Freud, gesagt. Heute ist erwiesen, dass regelmäßige Bewegung an der frischen Luft bei leichten Depressionen einen ähnlichen Effekt hat wie ein Antidepressivum in Tablettenform. Wer sich körperlich gesund hält, tut gleichzeitig eine Menge für seine Psyche.

Erinnern Sie sich noch an Ihre letzte körperliche Erkrankung? Ist es nicht erstaunlich, wie sehr auch die Seele davon beeinträchtigt war? Interesse und Freude ließen vielleicht nach, Passivität machte sich breit. Erst, wenn wir wieder körperlich fit sind, fühlen wir uns auch geistig vital.

Gesunde Abgrenzung

"Sag nicht Ja, wenn Du Nein sagen willst" lautet der Titel eines bekannten Ratgebers des Psychologen Dr. Herbert Fensterheim. So einfach die Überschrift auch klingt, so schwer ist dieser simple Satz umzusetzen. Ein abgegrenzter, privater Raum ist unerlässlich für die psychische Gesundheit, denn wenn wir alleine sind, werden Gefühle und Bedürfnisse bewusster. Es reicht oft schon, einmal Nein zu E-Mail, Telefon und SMS zu sagen. Es muss nicht immer alles sofort beantwortet werden. Wenn ein Anruf wirklich wichtig ist, wird Ihnen der Anrufer auf die Mailbox sprechen oder erneut anrufen.

Sie können z.B. joggen gehen, einen einsamen Spaziergang machen, intensiv Musik hören, ins Fitnessstudio oder in die Sauna gehen: wenn Sie dabei Abstand zu Ihrem Alltag gewinnen können, wird Ihre seelische Gesundheit davon profitieren.

Nein sagen

Abgrenzung ist oft nicht leicht, denn man kann nicht immer Nein sagen, wenn einem danach zumute ist. Wichtig ist es jedoch, die eigenen Impulse genau wahrzunehmen. Aus Furcht vor negativen Konsequenzen sagen wir im Alltag oft Ja zu Dingen, zu denen wir innerlich nicht oder noch nicht bereit sind.
Wenn Sie sich einfach etwas Zeit mit Ihrer Antwort lassen, passiert dies nicht so leicht. Versuchen Sie, sich den Raum zu nehmen, den Sie brauchen.

Ungesunde Abgrenzung

Manche Menschen können sich kaum von den Erwartungen anderer Menschen abgrenzen. Andere wiederum sind so damit beschäftigt, am Arbeitsplatz "nichts an sich herankommen zu lassen", dass sie dafür viel Kraft aufwenden. Manchmal ist es sinnvoller, die Dinge eben doch an sich herankommen zu lassen und dann zu überlegen, was man damit macht. Mit diesem Thema haben besonders diejenigen zu tun, die in ihrem Beruf mit Menschen arbeiten: Lehrer, Ärzte und Juristen ebenso wie Busfahrer, Einzelhändler und Krankenpfleger.

  • Der Lehrer will vermeiden, dass er schon wieder von seinen Schülern angeraunzt wird. Er will "härter durchgreifen". Dabei konzentriert er sich sehr darauf, etwas zu verhindern, was er wahrscheinlich nicht verhindern kann. Im Gegenteil: dadurch, dass er sich von den emotionalen Bedürfnissen seiner Schüler noch mehr abgrenzt, werden diese ihm gegenüber nur noch respektloser.

  • Der Arzt will das schmerzliche Gefühl vermeiden, das in ihm auftaucht, wenn er dem Patienten eine schlechte Diagnose vermittelt. Doch dieses Mitgefühl gehört dazu. Es vermeiden zu wollen, ist ein unnötiger Kraftakt. Ein Arzt kann seinen Patienten nur wenig helfen, wenn er deren seelische Bedürfnisse ignoriert.

Sich "abzugrenzen" bedeutet nicht, eine Mauer um sich herum aufzubauen. Viel eher ist es ein bewusstes Reagieren auf das, was an einen herangetragen wird. Wer seine Grenzen kennt und seine Gefühle ausdrücken kann, hat auch weniger Angst vor den Gefühlen anderer Menschen.

Kontakte pflegen

Freundschaften zu pflegen ist sicherlich einer der schönsten Aspekte der Psychohygiene. Im Gespräch mit Menschen, denen wir vertrauen, können wir zu unseren Empfindungen stehen und uns unserer Bedürfnisse bewusst werden. Auch, wenn es im Berufsalltag bisweilen Mühe kostet, Kontakte zu pflegen, so lohnt sich diese "Arbeit" immer. Denn Bindungen brauchen Zeit. Doch spätestens in schwierigen Situationen freut man sich über das Gefühl, dass die Freundschaften tragen. Klar, alleine geht's auch. Aber es ist sehr viel schöner und leichter mit Freunden.

Es ist der seelischen Gesundheit also enorm zuträglich, zumindest eine oder zwei enge Freundschaften zu haben. Das sind Menschen, die man zur Not auch um Mitternacht anrufen könnte. Von Freunden, die übermäßig nach Aufmerksamkeit verlangen und ihrerseits aber wenig Verständnis zeigen, sollte man sich auf Dauer trennen.

Gesunder Schlaf - wenn möglich

Gerade, wenn es im Beruf drunter und drüber geht, ist Schlafmangel ein häufiger Begleiter. Doch die Grübeleien um den Job lassen sich nicht einfach abstellen. Es wird ein, zwei, drei Uhr... und immer noch liegt man wach im Bett.

Sie fangen dann an zu rechnen, wieviel Schlaf Sie noch bekommen werden, bis der Wecker klingelt - und geraten in Panik. Nicht gerade sehr schlaffördernd! Stehen Sie auf, trinken Sie Tee, gehen Sie duschen, lesen Sie oder halten Sie Ihre Gedanken zur Arbeit schriftlich fest. Die Müdigkeit wird von alleine kommen - manchmal eben leider erst 30 Minuten bevor der Wecker klingelt.

Es ist normal, dass es immer wieder Phasen im Leben gibt, in denen der Schlaf zu kurz kommt. So, wie Sie vielleicht im Beruf perfekt sein wollen, achten Sie möglicherweise auch auf den perfekten, achtstündigen Schlaf. Natürlich sollten Sie im Allgemeinen für gesunden und ausreichenden Schlaf sorgen - er gehört selbstverständlich zur Psychohygiene. Doch in begrenzten Zeiten, in denen sich nicht gut schlafen lässt, können Sie das eben nicht ändern. Trösten Sie sich: auch beim "Ruhen" ruht sich der Körper aus. Und bei wichtigen Terminen sorgt meistens das Adrenalin dafür, dass wir am nächsten Morgen gut aus dem Bett kommen.

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Über die Autorin:

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Dr. med. Dunja Voos, geb. 1971, ist freie Autorin, Medizin- und Psychologiejournalistin. Ihre Schwerpunkte sind die Themen Psychosomatik, Psychoanalyse und die seelische Gesundheit von Kindern. Als eh ...

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