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Psychische Gesundheit

Das Burn-out-Syndrom

Am Anfang war die Überforderung?

Wer für eine Sache Feuer und Flamme ist, der ist in Gefahr, sprichwörtlich auszubrennen. So jedenfalls beschreiben es die vielen Berichte über das sogenannte Burn-out-Syndrom. Es gibt gemeinhin unterschiedliche Definitionen dieses Syndroms. Eines ist jedoch sicher: Die Fähigkeit, Stress zu regulieren, seine Grenzen zu kennen und immer wieder "seine Batterien aufzuladen" ist enorm wichtig, um produktiv arbeiten zu können.

Burn-out entsteht jedoch nicht automatisch durch zu viel Arbeit. Sogar Arbeitslose leiden am Burn-out-Syndrom, genauso wie Menschen, die an ihrem Schreibtisch sitzen und schon seit Jahren unterfordert sind. Allein die Sicherheit des regelmäßigen Einkommens hält sie auf ihrem Stuhl fest. Doch ihnen fehlt der Sinn in der Arbeit. Sie fühlen sich leer.

Andererseits gibt es viele Menschen, die Großartiges in ihrem Beruf leisten, seit Jahren eigentlich zu wenig Schlaf bekommen, aber weit davon entfernt sind, ein Burn-out-Syndrom zu erleiden. Sie gehen auf in einer Arbeit, die ihnen entspricht. Und zum Ausgleich führen sie ein gesundes Familienleben oder auch andersherum formuliert: Das gesunde Familienleben ermöglicht es ihnen, mit voller Kraft im Berufsleben zu stehen.

Es ist nicht unbedingt die Menge der Arbeit, sondern die falsche Arbeit, die krank machen kann. Ebenso wie die mangelnde Fähigkeit, auf sich selbst und seine Bedürfnisse zu achten.

Sind es nun von vornherein gesunde, robuste Menschen, die einen anstrengenden Beruf bewältigen und von Natur aus kein Burnout bekommen? Menschen, die "beziehungsfähig" sind und deren Familienleben ihnen einen guten Halt gibt? Oder ist es die sinnerfüllende Aufgabe, die verhindert, dass man ein Burnout erleidet? Oder ist es doch nur alles eine Frage von Disziplin und Zeitmanagement? Eine eindeutige Antwort gibt es nicht. Es ist wahrscheinlich, dass das gute Gefühl für sich selbst ein guter Wegbereiter ist.

Sie kennen das: In Zeiten, in denen Sie zufrieden mit sich selbst sind und ein gutes Gespür für Ihre Bedürfnisse haben, läuft alles wie von selbst. In anderen Lebensphasen wiederum wissen Sie nicht, wo oben und wo unten ist. Da ist es schon ein Kraftakt, den Müll hinauszubringen.

Versuchen Sie, ehrlich zu sich selbst zu sein. Wenn Sie sich schon lange erschöpft fühlen und glauben, der Begriff "Burnout" trifft auch auf Sie zu, dann lohnt es sich immer, Ihre Situation zu überdenken. Folgende Fragen können dabei hilfreich sein:

  • Tun Sie wirklich das, was Ihnen liegt? Oder haben Sie Ihre Berufswahl vor allem aus Ehrgeiz oder dem Wunsch nach Sicherheit getroffen?

  • Wollen Sie jemandem etwas beweisen? Haben sich Ihre Eltern immer diesen Beruf für Sie gewünscht?

  • Haben Sie ständig das Gefühl, Ihre Aufgaben nicht zu schaffen? Wenn Sie schon weit gekommen sind, viele Prüfungen bestanden haben und dadurch immer noch kein Selbstvertrauen erlangt haben, dann ist das vielleicht ein Hinweis darauf, dass Ihnen eine andere Tätigkeit oder Position näher läge. Vielleicht macht Ihnen der Beruf auch schon lange keine Freude mehr, doch sich das einzugestehen, kann sehr schwer sein.

Es geht auch ohne mich

Das Gefühl, die Geschäfte würden ohne das eigene Engagement zusammenbrechen, kann große Angst machen. Vielleicht malen auch Sie sich die schlimmsten Folgen aus, wenn Sie einmal einen Tag lang wegen Krankheit ausfallen. Was passiert, wenn Sie einen Termin nicht einhalten können? Oder wenn Ihnen ein Fehler mit einem Kunden unterläuft?

Solche Sorgen erwachsen manchmal aus einem geringen Selbstwertgefühl. Die Angst, dass der Auftraggeber oder der Chef Sie nicht mehr "mag", weil Sie nicht alles perfekt erledigt haben, ist oft unbegründet. Erstens bleiben wirkliche Sympathien gerade auch dann bestehen, wenn Sie Fehler machen. Zweitens erledigen Sie Ihre Aufgaben nicht, damit man Sie "mag", sondern weil diese Arbeit eben getan werden muss. Das Geschäft ist etwas anderes als das Privatleben. Ein nüchterner Blick auf die Dinge kann sehr oft hilfreich sein.

Dennoch: Was passiert, wenn der Termin wirklich platzt? Wenn Sie wirklich krank werden? Solche Situationen können tatsächlich unangenehm werden. Aber hinter der Angst, ohne Ihre Arbeit würde alles zusammenbrechen, steckt vielleicht auch ein unbewusstes Hochgefühl, das da sagt: "Es geht nur mit mir."

Wenn Sie sich zu sehr in Ihre Arbeit eingebunden fühlen, spielen Sie mit diesen Gedanken:

  • Ist das Gefühl, im Job wichtig und gebraucht zu sein, für mich eine große Selbstbestätigung? Wie fühlt es sich an, wenn ich mir klar mache, dass Geschäfte auch ohne mich laufen können?

  • Muss ich dem Kunden "gefallen" oder reicht es, wenn ich gute Arbeit leiste? Entscheide ich selbst, was "gute Arbeit" ist, oder bin ich abhängig vom Urteil anderer?

  • Wann habe ich das letzte Mal Grenzen gezogen? Weiß ich, wann es mir zu viel wird? Wie sorge ich für Ausgleich?

Typische Anzeichen für Burn-Out

  • Schlafmangel - man findet trotz großer Erschöpfung keine Ruhe

  • Viel Aufwand, wenig Ergebnisse

  • Chronischer Zeitmangel

  • Arbeit wird "mit nach Hause genommen", man kann auch nach Feierabend nicht "abschalten"

  • Gefühl der Ausweglosigkeit - man glaubt nicht an die Möglichkeit, selbst etwas ändern zu können

  • Gefühl der Ungerechtigkeit - man hat das Gefühl, das "System" sei schuld an der eigenen Überforderung

  • Zunehmender Zynismus

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Über die Autorin:

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Dr. med. Dunja Voos, geb. 1971, ist freie Autorin, Medizin- und Psychologiejournalistin. Ihre Schwerpunkte sind die Themen Psychosomatik, Psychoanalyse und die seelische Gesundheit von Kindern. Als eh ...

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