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Psychotherapie - Wie Sie den für Sie richtigen Therapeuten finden

Der Ablauf der Therapie

Vorgespräch

In den Vorgesprächen geht es darum, die individuelle Problematik zu benennen und eine angemessene Therapieform und -länge zu bestimmen. Außerdem gilt es, herauszufinden, ob Therapeut und Patient gut zueinander passen.

Sie sollten dem Therapeuten erklären:

  • Warum Sie eine Therapie machen wollen

  • Was Sie sich von der Therapie erwarten

  • Wann und wie viel Zeit Sie für eine Therapie aufbringen können

Nachdem er Sie ausreichend kennengelernt hat, sollte Ihr Therapeut Ihnen erklären:

  • Wie er in der Therapie vorgehen wird

  • Was sein Hintergrund und seine Ausbildung sind

  • Wie er Ihre Problemlage einschätzt und was er Ihnen bis jetzt empfehlen kann

  • Wie die Therapie finanziert wird;

  • Wie lange die Therapie gehen wird (bei der Krankenkasse beantragte Stunden).

Ob Sie sich mit Ihrem Therapeuten gut verstehen, ist z. B. daran zu erkennen, ob Irritationen oder Missverständnisse in den Vorgesprächen rasch angesprochen werden und ausgeräumt werden können. Gewisse anfängliche Probleme oder Befangenheiten können später durchaus "therapeutisch wertvoll" werden, doch generell sollten Sie und Ihr Therapeut sich gut aufeinander einstellen können.

Wenn Sie sich für einen Therapeuten entschieden haben, wird die Therapie bei der Krankenkasse beantragt und genehmigt. Dann kommen Sie regelmäßig zu den vereinbarten Terminen und beginnen die Behandlung.

Mitarbeit ist nötig

Ein Witz besagt: Wie viele Psychotherapeuten braucht man, um eine Glühbirne zu wechseln? - Nur einen, aber die Glühbirne muss es auch wirklich wollen.

Eine Psychotherapie benötigt die Mitarbeit des Patienten. Sie sollten Ihrem Therapeuten und vor allem sich selbst gegenüber schonungslos ehrlich sein und ihm wirklich alles sagen, was Sie bewegt.

Das Verhältnis zwischen Therapeut und Patient ist intensiv und distanziert zugleich. Sie können daher zu allen Ihren Gefühlen stehen, auch und gerade den schwierigen, widersprüchlichen und negativen Regungen. Ein Therapeut interessiert sich dafür, was wirklich mit Ihnen passiert.

Probleme und Konflikte während der Therapie

Eine Psychotherapie bringt Probleme zum Vorschein und ist keine "Wohlfühlveranstaltung". Es ist daher durchaus möglich, dass man sich davon zeitweise überfordert fühlt und sich schlechter fühlt als vor der Therapie. Auch darüber sollten Sie mit Ihrem Therapeuten reden.

Es ist auch nicht ungewöhnlich, wenn Sie nach einer Weile Konflikte mit dem Therapeuten bekommen, sogar, dass Sie sich über ihn aufregen oder ihn unmöglich finden. Dies bedeutet nicht, dass die Therapie falsch läuft.

Dies hat damit zu tun, dass die Probleme, die Sie in der Kindheit mit Ihren Eltern oder heute mit anderen Menschen haben, nun im Verhältnis zu Ihrem Therapeuten auftauchen. Eine emotionale Situation erst zu erleben, dann den Abstand zu gewinnen, um quasi "von außen" betrachten zu können, ist ein wichtiger Teil der therapeutischen Situation.

Das heißt jedoch nicht, dass alles immer nur am Patienten liegt und der Therapeut keinen realen Anteil an den Schwierigkeiten hat. Auch Therapeuten sind nur Menschen und Patienten haben das Recht, sich gegebenenfalls zu beschweren.

Sonderwünsche werden Ihnen meist nicht erfüllt werden können, doch wenn es gut geht, werden sie verstanden. Es ist wichtig, beiderseits verbindliche Vereinbarungen zu treffen und sich daran zu halten, z. B. pünktlich zu Terminen zu kommen und den Zeitrahmen von 50 Minuten einzuhalten.

Natürlich steht es Ihnen frei, Ihre Therapie jederzeit abzubrechen. Auch ein Abbruch sollte jedoch besprochen werden und nicht aus einer Laune heraus geschehen. Denn eine ungeklärt abgebrochene Therapie ist eine vertane Chance.

Do's und Don'ts in einer Psychotherapie

  • Beginnen Sie keine Behandlung bei einem Therapeuten, der Ihnen unsympatisch ist oder mit dem Sie sich nicht verständigen können.

  • Verschweigen oder verleugnen Sie nichts. Sagen Sie lieber, dass es etwas gibt, worüber Sie noch nicht sprechen können.

  • Gehen Sie Konflikten nicht aus dem Weg. Sprechen Sie an, wenn Sie etwas an der Therapeutin oder den Vereinbarungen stört.

  • Brechen Sie eine Therapie nicht ab, bevor Sie verstanden haben, warum Sie dies tun.

  • Wenn es Anzeichen dafür gibt, dass Ihr Therapeut seine Schweigepflicht verletzt hat oder sich Ihnen privat oder gar sexuell nähert, sprechen Sie dies sofort an. Wenn Sie dies in der Therapie selbst nicht klären können, machen Sie nicht einfach weiter. Sprechen Sie mit einem anderen Therapeuten und setzen Sie sich mit der Ethikkommission eines Berufsverbandes in Verbindung.

Ende und Erfolgsmessung

Manchmal ändert sich sehr viel, manchmal scheinbar wenig und manchmal zeigt sich der Erfolg von Therapien erst einige Zeit nach der Beendigung. Das Ende der Therapie ist nicht das Ende von menschlichen Problemen, wohl aber von der Art, wie man damit umgeht. Wenn Sie also sagen können "Guten Tag liebes Problem, wir kennen uns und ich weiß, wie ich mit dir umzugehen habe" ist viel gewonnen.

Es gibt - wie auch sonst in der Medizin - keine Garantie auf Erfolg, aber die Erfahrung und wissenschaftliche Nachweise, dass Psychotherapie sehr häufig wirksam ist. Wenn nicht die Kassenleistung das Ende ohnehin vorgibt, ist ein guter Zeitpunkt gekommen, die Therapie dann zu beenden, wenn Sie die Arbeit, die Sie mit dem Therapeuten gemeinsam gemacht haben, nun alleine fortsetzen können.

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Über die Autorin:

Dr. med. Brigitte Rempp, geb. 1948, ist über die Medizin zur Psychoanalyse gekommen. Nach dem Studium arbeitete sie zunächst in Kliniken in Tübingen, Berlin und der renommierten Psychotherapeutische ...

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