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Psychotherapie - Wie Sie den für Sie richtigen Therapeuten finden

Der Therapeut

Persönlichkeit

Psychotherapeutinnen und -therapeuten sind ganz gewöhnliche Menschen, die einen besonderen Beruf erlernt haben. Sie müssen sich so intensiv mit sich selbst beschäftigt haben, wie das ihre Patientinnen und Patienten tun werden. Es sollte ihnen "nichts Menschliches fremd" sein. Das macht sie nicht frei von Fehlern und Irrtümern. Doch sie sollten in der Lage sein, Fehler und Irrtümer zuzugeben und zu bedauern. Sie brauchen ein hohes Maß an Taktgefühl und Einfühlungsvermögen. Sie sollten ihre Grenzen kennen und sich nur auf Patienten einlassen, mit denen sie arbeiten können (siehe unten).

Ausbildungswege

Psychotherapeut kann man auf unterschiedlichen Wegen werden. Voraussetzung ist jedoch, mit Ausnahme der Kinder- und Jugendpsychotherapie, ein abgeschlossenes Studium in Medizin oder Psychologie: daher die Bezeichnungen "ärztlicher" und "psychologischer Psychotherapeut". Die Weiterbildungen erfolgen meist berufsbegleitend und werden privat bezahlt.

Die Bezeichnung Psychotherapeut ist in Deutschland durch das Psychotherapeutengesetz geschützt. Auch darf Psychotherapie nur von Menschen mit entsprechender Ausbildung betrieben werden. Dazu gehören:

  • Ärztliche Psychotherapeuten

    Dies sind Ärzte mit einer Facharztausbildung für "Psychotherapeutische Medizin", "Psychosomatische Medizin und Psychotherapie", für "Psychiatrie und Psychotherapie" oder für "Kinder-und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie".

    Weiterhin andere Ärzte, die den Zusatztitel "Psychotherapie" oder "Psychoanalyse" bei der Ärztekammer erworben haben. Hierzu ist eine umfangreiche Weiterbildung bei einem anerkannten Institut für Verhaltenstherapie, Tiefenpsychologie oder Psychoanalyse nötig, s. Ausbildung.

  • Psychologische Psychotherapeuten sind studierte Diplom-Psychologen, die nach dem Psychotherapeutengesetz approbiert sind und über eine genannte Weiterbildung verfügen.

  • Kinder-und Jugendtherapeuten sind studierte Ärzte, Psychologen, Pädagogen oder Sozialpädagogen mit einer entsprechenden Weiterbildung.

  • Heilpraktiker, die eine Prüfung abgelegt haben und statt einer Approbation eine gesetzliche Zulassung für Heilgewerbe des Gesundheitsamtes besitzen. Sie dürfen sich aus rechtlichen Gründen nicht(!) als "Psychotherapeuten" bezeichnen, sondern führen die Bezeichnung "Psychotherapeutischer Heilkpraktiker" oder "Heilpraktiker für Psychotherapie".

Die Ausbildung

Die Aus- oder Weiterbildung zum Verhaltenstherapeuten dauert zwei bis fünf Jahre. Voraussetzung dafür ist ein abgeschlossenes Studium in Psychologie oder Medizin, bei Kinder- und Jugendtherapeuten sind auch Pädagogik und Sozialpädagogik zugelassen. Der Anteil der Selbsterfahrung (s. u.) ist hier tendenziell geringer als bei den folgenden Ausbildungen, was die Ausbildung etwas verkürzt.

Eine Aus- oder Weiterbildung in tiefenpsychologischer Psychotherapie und/oder Psychoanalyse dauert ca. fünf Jahre und steht ebenfalls nur Diplom-Psychologen und Medizinern offen, mit besagter Ausnahme bei Kinder- und Jugendtherapie.

Zur diesen Ausbildungen gehört nicht nur die Vermittlung von Theorie. Die Ausbildungskandidaten halten ihre ersten Behandlungen als Therapeut unter Supervision durch und besprechen diese mit einem Ausbildungsleiter. Weiterhin sind sie in den mehrjährigen selbstfinanzierten "Lehrtherapien" oder "Lehranalysen" auch selbst in der Rolle des Patienten. Diese Selbsterfahrung macht die Ausbildung länger und intensiver.

Ausbildungen zum Heilpraktiker stehen jedem offen, der einen Hauptschulabschluss besitzt, älter als 25 und nicht vorbestraft ist. Sie werden von verschiedenen Schulen größtenteils kommerziell angeboten. Für die Prüfungsvorbereitung gibt es u. a. Intensiv- und Fernkurse von 15 Monaten oder noch kürzer. "Heilpraktiker" darf sich nennen, wer die entsprechende Prüfung besteht und die staatliche Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz erhält. Welche zusätzliche Ausbildung er oder sie hat, ist bei diesem Titel völlig offen.

Supervisionen und Weiterbildungen

Da therapeutische Arbeit anspruchsvoll ist und auch für Therapeuten seelisch belastend sein kann, reflektieren diese ihre Arbeit auch nach abgeschlossener Ausbildung auf anonyme Weise unter Kollegen in gegenseitiger Supervision. Üblicherweise bilden Therapeuten sich regelmäßig fort. Für Kassenärzte und -psychologen ist dies sogar Pflicht.

Viele Psychotherapeuten sind Mitglied in einem Berufsverband oder einer wissenschaftlichen Vereinigung, was keine Verpflichtung ist. Dies spricht das tendenziell für berufliches Engagement und einen guten Ausbildungsstandard. Danach kann man sie fragen. Die Verbände führen öffentliche Mitgliederlisten im Internet.

Diskretion

Alles, was in einer Sitzung gesagt wird, unterliegt strenger Schweigepflicht. Psychotherapeuten sprechen mit niemand über die Therapie und schicken ohne ausdrückliches Einverständnis des Patienten auch keine Berichte an andere Ärzte. Bei Supervisionen wird nur anonymisiert über Patienten gesprochen und falls ein Patient dabei zufällig identifiziert werden würde, so würde sie sofort abgebrochen werden. Auch der Fachgutachter beim Kassenantrag erfährt nicht den Namen des Patienten.

Geschlecht

Wenn Sie ein deutliches Gefühl dafür haben, lieber zu einem Mann oder zu einer Frau gehen zu wollten, so sollten dem folgen. Eine Frau, die sexuellen Missbrauch erfahren hat, kann oft besser zu einer Frau Vertrauen fassen. Und ein Mann, der vor allem Probleme mit seinem Vater hat, kann tendenziell mehr von einem männlichen Therapeuten profitieren. Letztlich ist es jedoch nicht entscheidend, ob ein Therapeut männlich oder weiblich ist. Viel wichtiger ist, dass die Persönlichkeiten zueinander passen.

Abstinenz und Distanz

Psychotherapeuten nehmen die professionelle Distanz zu ihren Patienten sehr ernst. Alle Therapeuten folgen dem sog. Abstinenzgebot und dürfen sich auf keinerlei private Beziehungen zu ihren Patienten einlassen. Üblicherweise spricht man sich in einer Therapie mit "Sie" an. Schon eine Bekanntschaft "um drei Ecken" kann einer Therapie ernsthaft im Wege stehen und wenn Sie Ihrem Therapeuten zufällig privat begegnen sollten, so wird er kein Gespräch mit Ihnen führen wollen.

Therapeuten, vor allem Analytiker und Tiefenpsychologen, erzählen Patienten nichts aus ihrem Privatleben und halten sich allgemein sehr bedeckt. Trotz dieser Distanz nehmen sie emotionalen Anteil an allem, was sie zu hören bekommen, und ihre Gefühlsreaktionen, das Verständnis und die Einfühlung in den Patienten spielen vor allem in den tiefenpsychologischen Verfahren eine große Rolle.

Es kann passieren, dass sich Patienten in ihren Psychotherapeuten verlieben. Dann ist es natürlich wichtig, darüber zu sprechen. Ein kompetenter Therapeut wird das mit Ihnen bearbeiten und Sie, falls eine Klärung nicht möglich ist, an einen anderen Therapeuten weiterleiten. Eine sexuelle Beziehung zu ihren Patienten ist Therapeuten bei Verlust Ihrer Zulassung verboten, selbst wenn der Patient dies wünschen sollte. Eine private Beziehung mit einem ehemaligen Therapeuten ist nicht mehr verboten. Problematisch ist dies jedoch, wenn eine Therapie aus diesem Grund abgebrochen wurde.

Passt es?

Ob Sie mit einem Therapeuten gut zurecht kommen, können Sie selbst am besten beurteilen. Wenn es in den Vorgesprächen zu Missverständnissen kommt oder Sie sich nicht wohl fühlen, sprechen Sie es an. Wenn Sie es klären können, spricht das für gute Zusammenarbeit. Wenn nicht, versuchen Sie es mit einem anderen Therapeuten. Ein guter Therapeut wird solch eine Absage niemals persönlich nehmen, denn auch er selbst wird nur mit Patienten arbeiten, die ihm sympatisch sind und kann Sie ggf. ablehnen.

Eine besondere Beziehung

Eine psychotherapeutische Beziehung ist eine intensive, persönliche Beziehung, die gleichzeitig in einem formalen, unpersönlichen Rahmen stattfindet. Respekt und Vertrauen von beiden Seiten sind wichtig, damit diese Beziehung gelingt. Sie können von Ihrem Therapeuten Zuverlässigkeit und Takt erwarten.

Ein Psychotherapeut wird Ihnen nicht alles sagen, was er denkt, aber was er sagt, muss ehrlich sein. Irgendwelche Manipulationen oder Mauscheleien wie der Betrug von Krankenkassen, Steuerhinterziehung oder Gefälligkeitsatteste vertragen sich damit nicht.

Viele Patienten haben Angst vor Abhängigkeit. Doch um wirksam zu werden, muss die Psychotherapie - und damit der Therapeut - dem Patienten wichtig werden. Das bedeutet sehr wohl eine gewisse zeitweise Abhängigkeit. Das Ziel ist jedoch stets, diese Abhängigkeit zu verstehen und sie wieder auflösen zu können.

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Über die Autorin:

Dr. med. Brigitte Rempp, geb. 1948, ist über die Medizin zur Psychoanalyse gekommen. Nach dem Studium arbeitete sie zunächst in Kliniken in Tübingen, Berlin und der renommierten Psychotherapeutische ...

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