Reklamieren bei Sachmängeln

Reklamation und Sachmängelhaftung: So reklamieren Sie richtig

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Stand: 12. März 2008 (aktualisiert)

Reklamation bei Sachmangel

Welche Rechte zur Reklamation hat der Käufer, wenn die Ware mangelhaft ist? Welche Reklamationen muss man als Händler hinnehmen? Wer ist in der Beweispflicht und welche Unterschiede bestehen zwischen Privatleuten und Unternehmen bei einer Reklamation? Wir erläutern, welche Voraussetzungen zum mangelfreien Ersatz oder zur Rückzahlung des Kaufpreises vorliegen müssen.

Die Freude über den neuen Rechner oder die neue Digitalkamera währt nur kurz, das stolze Gerät gibt alsbald seinen Geist auf oder funktioniert von vornherein nicht richtig: Sehr ärgerlich, umso mehr, falls Sie als Selbständiger auf das Gerät angewiesen sind - dann kann der Fehler über den Kaufpreis hinaus handfeste finanzielle Folgen haben. Wenn man als Kunde mit der Ware unzufrieden ist und sein Recht auf Reklamation einfordert, fühlt der Händler sich womöglich nicht zuständig, der Hersteller wiederum verweist auf den Händler. Umgekehrt hat man es als Händler häufig mit Kunden zu tun, die davon ausgehen, dass eigene Bedienfehler als Reklamationsgrund herhalten können oder dass man auch noch lange nach dem Kauf ohne Beleg und Nachweis reklamieren kann. Höchste Zeit also einmal zu klären, wann eine Reklamation wegen Sachmängeln gerechtfertigt ist und wie sie erfolgen sollte.

Reklamationen

Reklamationen von Kunden berühren das Gewährleistungsrecht, das hauptsächlich im Bürgerlichen Gesetzbuch geregelt ist. Unter Gewährleistung versteht man die Haftung des Verkäufers für Sachmängel der Ware - ohne Rücksicht auf Verschulden. Die Regelungen des Gewährleistungsrechts sind durch das "neue" Kaufrecht von 2002 noch käuferfreundlicher geworden. Trotzdem liegt es am Käufer, diese Rechte auch durchzusetzen. Wie sollten Sie bei Mängeln reagieren, welche Beweise müssen Sie parat haben und welche Fristen sind zu beachten? Haben Sie als Unternehmer oder Freiberufler die gleichen Rechte?

Sachmangel

Pflichten des Verkäufers

Eine Kaufsache hat bei der Übergabe frei von Sachmängeln (Fehlern) zu sein. Was ein Sachmangel ist, definiert das Bürgerliche Gesetzbuch in Paragraph 434: Danach hat der Käufer einen Anspruch auf ein Produkt, das sich einwandfrei zum bestimmungsgemäßen Gebrauch eignet und eine typische Durchschnittsqualität besitzt. Bei einer Kaufsache, wie einem PC, die eine bestimmte Funktion zu leisten hat, muss diese auch möglich sein. Der Rechner muss sich beispielsweise fehlerfrei starten lassen.

Was ist ein Sachmangel? Beispiele und typische Fälle:

  • Lässt die Laufzeit Ihres Laptop-Akkus bereits nach kurzer Zeit (innerhalb eines halben Jahres) rapide nach, so gilt das nicht etwa als Verschleiß, sondern als Sachmangel.

  • Laut § 434 Abs. 2 BGB liegt ein Sachmangel auch vor, "wenn die vereinbarte Montage durch den Verkäufer oder dessen Erfüllungsgehilfen unsachgemäß durchgeführt worden ist."

  • Handelt es sich um ein Montageprodukt, liegt ein Sachmangel ebenfalls dann vor, wenn die Montageanleitung mangelhaft ist, es sei denn, die Sache ist dennoch fehlerfrei montiert worden (sog. "IKEA-Klausel"). Danach gilt: Wenn Sie die Festplatte aufgrund der automatisch übersetzten Einbauanleitung falsch einbauen und sie dadurch kaputt geht, haftet der Verkäufer für den Schaden. Andererseits haftet der Verkäufer aber aufgrund der schlechten Einbauanleitung nicht für einen eintretenden Datenverlust, da Sie selbst für eine regelmäßige Datensicherung sorgen müssen.

  • Einem Sachmangel kommt es auch gleich, wenn der Verkäufer eine andere Sache als vereinbart oder eine zu geringe Menge liefert.

  • Das "Blaue vom Himmel" versprochen? Nicht zutreffende Werbeaussagen sind ebenfalls Mängel(§ 434 BGB). Der Verkäufer muß sich auf seine eigenen und der Werbung des Herstellers festlegen lassen. Das bedeutet, dass Sie die Werbeversprechen des Herstellers und alles, was der Verkäufer im Verkaufsgespräch ausdrücklich zugesagt hat, für bare Münze nehmen können.

  • "Schlussverkaufsware ist vom Umtausch ausgeschlossen!" Dieser Satz kann nur den gesetzlich nicht vorgesehen Kulanzumtausch ausschließen. Liegt ein Mangel an der Ware vor, auf den Sie beim Kauf nicht hingewiesen worden sind, bleibt Ihnen das Gewährleistungsrecht erhalten.

  • "Kleiner Fehler großer Kummer?" Auch minimale Fehler, die sich schnell beheben lassen, reichen aus, um Gewährleistungsansprüche geltend zu machen. Hier gilt jedoch gem. § 439 III BGB, dass dann ausnahmsweise der Händler zwischen Reparatur oder Ersatzware wählen kann und nicht der Kunde. Nur wenn die Reparatur fehlschlägt, darf der Kunde den Kaufpreis mindern, und nur in Ausnahmefällen darf er vom Vertrag zurücktreten.

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Hallo zusammen, wie oft darf ein Händler reparaturen anbieten bis ich ein neues Gerät bekomme.

Liebe Leserinnen und Leser,

es freut uns sehr, dass dieser Beitrag auf so große Resonanz stößt. Bitte beachten Sie allerdings, dass wir keine Einzelfallberatung anbieten können (und auch nicht dürfen) - mit Fragen zur Reaktion in einem konkreten Einzelfall empfehlen wir Ihnen, sich an eine Verbraucherberatung ( http://www.verbraucherzentrale.de/ ) oder einen Rechtsanwalt zu wenden.

Simon Hengel
akademie.de-Redaktion

Hallo,
im Oktober habe ich Schuhe für 79,-Euro gekauft. Die Innensohlen haben im Fersenbereich einen Kreis mit „Masagenöppchen“. Diese Sohle ist leicht verrutscht und hat beim laufen zu einem leichten wegknicken des Fußes nach innen geführt. Zudem hat die Sohle gefärbt, darauf hin habe ich sie entfernt und durch normale Einlegesohlen ersetzt.
Zudem haben die Sohlen (außen) eine Wabenstruktur in Orange, die sich in kürzester Zeit abgelaufen hat. Die Schuhe sehen einfach abgelatscht aus.
Die Schuhe habe ich nur Selten getragen. Das Obermaterial ist auch noch in einem Top-Zustand!
Nach all diesen Mängeln wollte ich die Schuhe reklamieren, worauf die Reklamation mit der Begründung abgelehnt wurde, die Struktur der Sohle ist nur Zierde und beeinträchtigt nicht die Funktion.
Wie kann ich mich verhalten?

Mit freundlichen Grüßen

Regina

Der Verkäufer kann die vom Käufer gewählte Art der Nacherfüllung ablehnen, wenn sie nur mit unverhältnismäßigen Kosten möglich ist (§ 439 BGB).

Hallo zusammen,
ich habe da ein Problem mit einem, bei E-bay ersteigerten Musikinstrument
(E-Bass, Neuware vom Hersteller).
Habe die Ware für 92,--€ ersteigert plus Versandkosten. Listenpreis lag bei 270,--€. Der Bass wurde neu hergestellt, nachdem der Zahlungseingang bestätigt war. Lieferung zog sich wegen angeblicher Zulieferprobleme fast drei Monate hin.
Die Ware ist mit mehreren Mängeln bei mir eingetroffen. Ich habe dann imnnerhalb einer Woche eine Reklamation geltend gemacht, mit der Aufforderung der Nachbesserung, oder Umtausch auf ein anderes Produkt (§437, §439 BGB).
Habe die Ware zur begutachtung zurückgeschickt.

Der Hersteller hat aber nur angeboten, den Kaufpreis zurück zu erstatten und geht nicht auf die Forderung der Nachbesserung ein.
Darf der Hersteller/ Verkäufer das so einfach entscheiden, oder kann ich meine Forderungen geltend machen?

Gruß
Marcel

ja

Eine Rechtsberatung ist hier leider nicht erlaubt! Deshalb nur allgemein: Bei einem Mangel, der nach nur 3 Monaten nach dem Kauf (bzw. Übergabe der Ware) an der Ware erkennbar wird, ist der Verkäufer in der Beweispflicht, dass heißt, er muss dem Kunden nachweisen können, dass der Mangel auf ein Verschulden (unsachgemäße Pflege etc.pp) des Kunden zurückzuführen ist und bei Übergabe noch nicht bestanden hat. Das dürfte für den Verkäufer schwierig werden. Der Kunde sollte deshalb schriftlich den Mangel beim Verkäufer (Filialleiter) anzeigen und eine Frist zur Behebung des Mangels bzw. Umtausch der Ware setzen, mit Rücktrittsandrohung bei Verstreichen der Frist (Kaufpreis zurück). Bei Problemen in der Durchsetzung bleibt nur der Gang zum Anwalt in der Nähe.

Die Sache mit dem Schadenersatz nach § 280ff wegen Fristverstreichung dürfte im genannten Beispiel kaum Erfolg versprechend sein. Schadensbezifferung?! Aber da wo Juristen sind, gibt es bekanntlich zig verschiedene Meinungen ...

Und was ist mit meiner Frage

Hallo Freunde ich habe eine Frage gemäß BGB § 280

Schadenersatz statt Leistung darf ich nur verlangen, wenn

1. ein Verschulden des Verkäufers vorliegt
2. eine Pflichtverletzung vorliegt
3. eine angemessene Nachfrist abgelaufen ist
4. ein erheblicher Mangel besteht

Meine Frage:
1)Habe ich das Recht auf Schadensersatz nach der abgelaufenen Frist auch bei unerheblichen Mängeln?

Beispiel: Ich kaufe mir einen Receiver der Kratzer auf der Oberfläche aufweist (also ein unerheblicher Mangel). Ich fordere eine Nachbesserung und setze dem Verkäufer eine Frist von einer Woche. Der Verkäufer erfüllt die Frist nicht. Welche Rechte kann ich nun in Anspruch nehmen?

@Marcus
Leider nur ganz allgemein: Die Gewährleistungspflicht des Händlers liegt bei 2 Jahren. Nach 6 Monaten (nach dem Kauf) erfolgt aber eine Beweislastumkehr, das heißt, der Kunde muss beweisen, dass der Fehler im Gerät schon zum Zeitpunkt des Kaufs bestanden hat. Nach 9 Monaten ist dieser Beweis gewiss schwierig...

Hallo beisammen,

ich wollte heute einen defekten Akku für meine Digi-Cam umtauschen, da dieser sich nach erst 9 Monaten nicht mehr landen lässt.

Leider meinte der "freundliche" Media-Markt-Verkäufer, dass bei Verbrauchsmaterial die Garantie lediglich 6 Monate beträgt. Sämtliche Einwendungen von mir wurden mit dieser Argumentation abgewehrt.

Kann ich rechtlich auf den Umtausch bestehen?

Danke für Eure Hilfe.

Ciao
marcus

ich habe Schuhe (Air Max aus Leder) in einem Sportfachgeschät gekauft. Diese sind erst 3 Monate halt. Nun ist an dem einen Schuh seitlich das Material gebrochen. Der Verkäufer unterstellt mir ich hätte diese in der Waschmaschine gewaschen, was ein Eigenverschulden bedeuten würde. ich habe dies aber nicht getan!!! Ich habe sie nur mit der Hand gesäubert. Er ist aber der festen Überzeugung, dass ich sie in der Waschmaschine gewaschen habe und deshalb kiene Reklamation vorliegt. Was kann ich tun?

Hallo Freunde ich habe eine Frage gemäß BGB § 280

Schadenersatz statt Leistung darf ich nur verlangen, wenn

1. ein Verschulden des Verkäufers vorliegt
2. eine Pflichtverletzung vorliegt
3. eine angemessene Nachfrist abgelaufen ist
4. ein erheblicher Mangel besteht

Meine Frage:
1)Habe ich das Recht auf Schadensersatz nach der abgelaufenen Frist auch bei unerheblichen Mängeln?

Beispiel: Ich kaufe mir einen Receiver der Kratzer auf der Oberfläche aufweist (also ein unerheblicher Mangel). Ich fordere eine Nachbesserung und setze dem Verkäufer eine Frist von einer Woche. Der Verkäufer erfüllt die Frist nicht. Welche Rechte kann ich nun in Anspruch nehmen?

@Anonym von 13Uhr44
Danke für den Hinweis ;-)

Im Fazit nicht zwischen Gewährleistung und Gewährleistungsfrist unterschieden

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Über die Autorin:

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Karin Seidel ist Wirtschaftsjuristin (FH) und Trainerin für Wirtschaftsrecht. Besonders spannend findet sie es, die durch das Internet bedingten Veränderungen des Rechts zu beleuchten und zu hinterfra ...

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