Selbstständig und trotzdem Rentenversicherungspflicht

Als Selbstständiger zwangsweise in der gesetzlichen Rentenversicherung – wie kann das sein?

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Stand: 8. November 2016

Selbstständig machen – dann ist Schluss mit Rentenversicherungspflicht? Nicht immer.

Viele Existenzgründer sind erstaunt, wenn sie es zum ersten Mal hören, aber es stimmt: Der Gesetzgeber verpflichtet tatsächlich bestimmte Selbstständige dazu, sich in der gesetzlichen Rentenversicherung zu versichern, ob sie das wollen oder nicht, genauso wie bei Angestellten. Solche Selbstständigen müssen deshalb auch Pflichtbeiträge zur Rentenversicherung zahlen, unabhängig davon, ob sie ansonsten noch private Altersvorsorge betreiben oder nicht.

Der Gesetzgeber hält manche Selbstständige für ähnlich schutzbedürftig wie abhängig Beschäftigte. Deshalb sind sie genauso in die gesetzliche Altersvorsorge durch Versicherungspflicht eingebunden wie Arbeitnehmer. Wirklich logisch ist das allerdings nicht - schließlich entscheiden nicht Umsatzgrenzen oder Ähnliches über die Versicherungspflicht, sondern der ausgeübte Beruf. Und auch da gibt es Ausnahmen und Sonderregelungen.

Vor allem aber unterscheidet sich die Beitragsleistung - und zwar zum Teil ganz erheblich.

Die Rentenversicherungspflicht gilt für folgende Selbstständige:

  • selbstständige Künstler, Texter, Journalisten und Publizisten (im Sinne des Künstlersozialversicherungsgesetzes, also mit Anspruch auf KSK-Versicherung)

  • selbstständige Lehrer und Erzieher (wenn sie dabei in der Regel keinen versicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigen)

  • selbstständige Handwerker (also Handwerker, die in die Handwerksrolle eingetragen sind und die Voraussetzungen dafür wie Meisterbrief oder Ausübungsberechtigung selbst erfüllen)

  • Selbstständige mit nur einem Auftraggeber (für den sie auf Dauer und im Wesentlichen tätig sind, wenn sie dabei keinen versicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigen)

  • selbstständige Pflegekräfte, die in der Kranken-, Wochen-, Säuglings- oder Kinderpflege tätig sind (wenn sie dabei in der Regel keinen versicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigen)

  • selbstständige Hebammen

  • Hausgewerbetreibende

  • selbstständige Seelotsen

  • selbstständige Küstenschiffer und -fischer (wenn sie zur Besatzung ihres Fahrzeuges gehören oder ohne Fahrzeug fischen und regelmäßig höchstens vier versicherungspflichtige Arbeitnehmer beschäftigen)

Es gibt aber Ausnahmen für zwei dieser Gruppen:

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RV-Pflicht auch bei Beamten?

Vielen Dank für diesen informativen Artikel! Ich versuche gerade herauszufinden, ob mein Mann und ich RV-Pflichtig sind bzw in welcher Höhe und recherchiere dazu. Wir betreiben seit einigen Jahren eine kleine Kampfkunst-Schule (mein Mann seit neun Jahren, ich seit drei jahren). Ich mache das haupberuflich, die Tätigkeit erwirtschaftet allerdings bisher keinen Gewinn. In 2017 wird das aber anders sein). Mein Mann ist hauptberuflich als beamteter Lehrer angestellt und betreibt die Kampfkunst-Schule nebenberuflich, ebenfalls in den letzten Jahren ohne Gewinn. Nun habe ich erfahren, dass wir wohl beide RV-pflichtig sind. Stimmt das?

Rentenversicherungspflicht für selbstständige Sportlehrer

Guten Tag,

bitte beachten Sie, dass wir keine Rechts- oder Einzelfallberatung durchführen können. Deshalb nur ganz allgemein:

Ein Beamter, der nebenberuflich als Lehrer im Sinne der Rentenversicherungspflicht tätig ist (Kampfsportlehrer zählen in aller Regel dazu), ist in Bezug auf die Einkünfte aus dieser Nebentätigkeit rentenversichterungsplichtig.

Wer hauptberuflich als Sportlehrer selbstständig ist, ist - wie im Beitrag oben ausgeführt - ebenfalls in aller Regel rentenversicherungspflichtig.

Etwas anderes wäre es, wenn ein Ehepartner beim anderen angestellt ist. Dann könnte unter Umständen sogar für beide Seiten die Rentenversicherungspflicht entfallen. Allerdings gelten für die Beschäftigung von Ehegatten und Familienangehören besondere Voraussetzungen. Und die Beschäftigung müsste eine geringfügige Beschäftigung (450-Euro-Job) überschreiten.

Um solche Fragen praktisch zu gestalten, sollte man sich mit dem Steuerberater oder - gerade in Sozialversicherungsfragen - einem Rentenberater (der auch allgemein zur Sozialversicherungspflicht berät) zusammensetzen. Oder mit einem Rechtsanwalt, natürlich. Der Teufel steckt hier erfahrungsgemäß im Detail.

Freundliche Grüße
Ihre akademie.de-Redaktion
S. Hengel

Vielen Dank für die

Vielen Dank für die Erklärung!

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