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Der zweite Start in die Selbstständigkeit

Restart: Welche Vor- und Nachteile eine Neugründung birgt

Restarter sind Unternehmer, die zum wiederholten Mal eine selbstständige Tätigkeit aufnehmen. Allen Restartern ist gemein, dass sie bereits eine frühere Unternehmertätigkeit infolge einer Unternehmenskrise aufgeben mussten (bspw. nach einer Insolvenz).

2001 veröffentlichte die Boston Consulting Group eine Studie, derzufolge eine gescheiterte Erstgründung positive Auswirkungen auf eine Zweitgründung besaß. Angeblich steigerten Restarter demnach nicht nur schneller ihren Umsatz, sondern schufen auch mehr Arbeitsplätze als Erstgründer. Doch so ganz stimmt das nicht: das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn überprüfte diese Aussagen auf breiter Basis und kam zu einem weniger euphorischem Ergebnis:

"Die These, dass sich eine Selbstständigkeitserfahrung positiv auf die Produktivität und damit den Erfolg seines Unternehmens auswirkt, muss in dieser allgemeinen Form zurückgewiesen werden." (Quelle: ifm-bonn.org/Restart.pdf)

Diese Einschätzung überrascht nicht - schließlich sind pauschale und allgemeine Aussagen selten ausnahmslos richtig oder grundlegend falsch. Sie sind meist nicht völlig aus der Luft gegriffen, die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte. Ist also doch etwas dran an der viel diskutierten Aussage "Restarter sind die besseren Unternehmer"?

Das IfM hat dazu herausgefunden, dass "Wiederholungstäter", die genau einmal zuvor gegründet hatten, tatsächlich ein um 30 % höheres Einkommen erzielen als Erstgründer. Die Gleichung: "Je öfter gegründet, desto höher das Einkommen" geht allerdings nicht auf. Im Gegenteil. Personen mit fünf oder mehr Gründungsversuchen erzielen ein erheblich niedrigeres Einkommen (bis zu 45 %) als Erstgründer.

Wissenschaft hin, Wissenschaft her - aus alldem lassen sich folgende Schlussfolgerungen ziehen:

  1. Wer aus seinen Fehlern lernt und zum zweiten Mal gründet, kann einen wertvollen Vorsprung an Wissen und Erfahrungen haben.

  2. Manche lernen es nie.

Ein Erfahrungsvorsprung wirkt sich also nicht per se positiv auf die Gründung aus. Eine zuvor gescheiterte Gründung hat aber auch nicht automatisch das Scheitern der nächsten Gründung zur Folge.

Allerdings finden Restarter sehr oft schlechtere Rahmenbedingungen vor als Erstgründer:

  • Sie müssen häufig mit weniger Startkapital auskommen, weil sie allenfalls Privat-, aber keine Bankendarlehen erhalten.

  • Auch rechtliche Probleme aus der vorherigen Selbständigkeit,

  • der fehlende Zugang zu bestimmten Fördermöglichkeiten sowie

  • Ängste und (Selbst-)Zweifel

erschweren nicht nur die Gründung, sondern auch das spätere Wachstum des Unternehmens.

Doch trotz aller Einschränkungen: die Anzahl und das Potenzial von Restartern sind nicht zu unterschätzen. Manchmal ist ein "Restart" auch die einzige Option auf eine wirtschaftliche Unabhängigkeit, etwa wenn keine realistische Chance auf eine angemessen bezahlte Festanstellung besteht. Wenn Sie selbst über einen "Restart" nachdenken, sollen Ihnen die folgenden Informationen auf dem Weg vom "Restarter" zum Durchstarter ein wenig helfen.

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Über die Autorin:

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Sandra Bonnemeier blickt auf 20 Jahre Berufserfahrung in der freien Wirtschaft zurück, davon fünf Jahre in hauptberuflich selbstständiger Tätigkeit, sowie vier abgeschlossene Studiengänge (Betriebswi ...

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