Scheinselbstständigkeit: Gegenargumente, Kriterien, Vorbeugung

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Stand: 17. Oktober 2012

Kriterien, die für eine "echte" Selbständigkeit sprechen

Der Selbstständige

  • hat eigene Geschäftsräume (z. B. mit eigenem Firmenschild, separatem Eingang, Klingel etc.);

  • verfügt über einen professionellen Außenauftritt (Briefbögen, Visitenkarten, Homepage usw.);

  • betreibt Werbung und bemüht sich aktiv um neue Kunden und Aufträge (z. B. Annoncen, Internet, Mailings, Radio, aber auch über Social Media, Netzwerke, Anbieterdatenbanken für die eigene Branche, Kundenbindungsprogramme, Empfehlungsmarketing, Angebote schreiben, nachhaken, Termine mit potenziellen Kunden vereinbaren ...);

  • hat seine nötige Ausstattung selbst angeschafft und finanziert (Auto, PC, Laptop, Spezialsoftware, Telefon mit geschäftlichem Anschluss und separater Rufnummer im Falle eines Home-Office, Fax, Büromöbel, Maschinen, Gerätschaften etc.);

  • hat nicht nur einen, sondern mehrere Auftraggeber/Kunden;

  • muss nicht zwingend den Auftrag persönlich erledigen; tut er es, so arbeitet er weitgehend selbstständig im Rahmen der vertraglichen Vereinbarungen;

  • trägt das wirtschaftliche Risiko, z. B. im Falle von Mängeln;

  • hat eine Berufshaftpflichtversicherung für seine selbständige Tätigkeit abgeschlossen;

  • bekommt Honorar nur für die erbrachte Leistung und nicht die Anwesenheit oder sogar Abwesenheit (Urlaub, Krankheit, Feiertage etc.) im Betrieb;

  • trägt keine Arbeitskleidung, die der Auftraggeber stellt;

  • muss nicht das Zeiterfassungssystem des Auftraggebers bedienen;

  • ist nicht an bestimmte Pausen- und Arbeitszeitregelungen gebunden;

  • bestimmt grundsätzlich Arbeitsort und –zeit selbst (soweit im Rahmen des Auftrags möglich);

  • ist Mitglied z. B. in einem Berufsverband;

  • hat mindestens einen sozialversicherungsrechtlich Beschäftigten;

  • bestimmt die Zahlungskonditionen (Zahlungsziel, Rabatte, Skonto ...);

  • kalkuliert seine Preise (statt sie durch den Auftraggeber diktieren zu lassen) usw.

Was zählt, ist das Gesamtbild! Die genannten Kriterien bieten lediglich Anhaltspunkte. Sie müssen keinesfalls alle zusammen vorliegen. Allerdings: Je mehr Übereinstimmungen Sie vorweisen können, desto besser für Ihre Argumentation.

Einzelne Kriterien passen auch nicht auf jede Art von Tätigkeit. Manchmal muss eben doch die Arbeit vor Ort beim Kunden erfolgen und die freie Wahl des Arbeitsplatzes ist gar nicht möglich. Kein Hausmeister kann den defekten Wasserhahn reparieren, wenn er sich nicht an den vom Kunden vorgegebenen Ort begibt.

In nahezu allen Publikationen zum Thema Scheinselbstständigkeit wird sinngemäß das Kriterium angeführt: "Der Selbstständige kann einen Auftrag auch ablehnen." Das Argument ist nicht ganz überzeugend. Tatsächlich kann jeder freie Mensch jeden Auftrag ablehnen, auch ein Arbeitnehmer. Er muss dann jedoch mit den Konsequenzen leben. Bei einem Selbstständigen ist das nicht anders. Natürlich kann er Aufträge ablehnen, aber genauso natürlich wird er mit der Konsequenz leben müssen, dass der potenzielle Auftraggeber ihn in Zukunft nicht mehr berücksichtigen wird.

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Über die Autorin:

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Sandra Bonnemeier blickt auf 20 Jahre Berufserfahrung in der freien Wirtschaft zurück, davon fünf Jahre in hauptberuflich selbstständiger Tätigkeit, sowie vier abgeschlossene Studiengänge (Betriebswi ...

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