Scheinselbstständigkeit: Gegenargumente, Kriterien, Vorbeugung

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Stand: 17. Oktober 2012

Selbständige mit und ohne Rentenversicherungspflicht

Selbständige mit Rentenversicherungspflicht

Ist die Situation geklärt, könnten Sie trotzdem als "arbeitnehmerähnlicher Selbständiger" der Rentenversicherungspflicht unterliegen. Auch hier ist die Deutsche Rentenversicherung der richtige Ansprechpartner und listet die jeweiligen Berufsgruppen mit zusätzlichen Erklärungen in ihrem bereits erwähnten Merkblatt auf.

Allerdings sind nicht alle gelisteten Berufsgruppen in jedem Fall rentenversicherungspflichtig. Wenn z. B. selbständige Pflegepersonen versicherungspflichtige Arbeitnehmer beschäftigen, sind sie nicht rentenversicherungspflichtig. Auf jeden Fall sollten Sie hellhörig werden und sich näher informieren, wenn Sie selbständig sind, nicht in der Rentenversicherung und sich in einer der folgenden Berufsgruppen wieder finden:

  • Lehrer und Erzieher,

  • Pflegeberufe,

  • Hebammen,

  • Seelotsen,

  • Künstler und Publizisten (Künstlersozialversicherung),

  • Hausgewerbetreibende,

  • Küstenschiffer und –fischer,

  • Selbständige mit einem Auftraggeber (und keinen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigen).

Außerdem zählen - unabhängig von einer Scheinselbständigkeit und arbeitnehmerähnlichen Selbständigen - auch Handwerker traditionell zum Kreis der Pflichtversicherten (wenn auch nicht in jedem Fall). Hier kommt es z. B. darauf an, ob das Handwerk/Gewerbe zulassungspflichtig ist oder nicht. Auch die Rechtsform und Betriebsorganisation können eine Rolle spielen.

Als Anlaufstellen für eine Beratung kommt neben der Deutschen Rentenversicherung auch die zuständige Handwerkskammer in Frage.

Rentenversicherungspflicht - geht es auch "ohne"?

Das SGB VI sieht in bestimmten Fällen die Möglichkeit der Befreiung von der Rentenversicherungspflicht auch für "arbeitnehmerähnliche Selbständige" vor – allerdings nur auf Antrag. Auch für Existenzgründer gibt es Erleichterungen. Sie können sich z. B. für den halben Regelbeitrag entscheiden.

Tipp: Wer nur geringfügig selbständig ist bzw. nur ein geringfügiges Einkommen aus der selbständigen Tätigkeit von regelmäßig nicht mehr als 400 € erzielt gilt als rentenversicherungsfrei.

Zu guter Letzt: Eher geht es Selbständigen darum, die Rentenversicherungspflicht zu vermeiden als sie zu begründen. Die meisten von ihnen würden wahrscheinlich alles tun, ganz sicher aber keine Rentenversicherungspflicht beantragen. Trotzdem sollte jeder Selbständige wenigstens diese Möglichkeit kennen. Nur so können Sie selbst rechnen (lassen) und entscheiden, ob diese Option sich für Sie lohnt oder nicht. Innerhalb von fünf Jahren nach Aufnahme der selbständigen Tätigkeit können Selbständige einen Antrag auf Rentenversicherungspflicht stellen.

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Über die Autorin:

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Sandra Bonnemeier blickt auf 20 Jahre Berufserfahrung in der freien Wirtschaft zurück, davon fünf Jahre in hauptberuflich selbstständiger Tätigkeit, sowie vier abgeschlossene Studiengänge (Betriebswi ...

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