Schlagfertigkeit lernen

Drei populäre Irrtümer über Schlagfertigkeit

Irrtum Nr. 1: Eine schlagfertige Antwort muss genial sein

Bevor Sie mit dem Erlernen der Schlagfertigkeit beginnen, sollten Sie zunächst einige weit verbreitete - falsche - Ansichten korrigieren.

Die Suche nach der intelligenten, witzigen, filmreifen, perfekten und genialen Antwort ist ein Hindernis, denn sobald Sie sich unter Druck setzen, blockieren Sie sich selbst.

Deshalb ist es viel günstiger, zunächst mit einer Antwort zufrieden zu sein.

Und zur Not nehmen Sie einfach einen Standard- oder Brückensatz. Es gibt Standardsätze, die bei 95 Prozent aller Angriffe funktionieren. Zum Beispiel auf Angriffe wie: Typisch Frau. Typisch Beamter. Typisch ... passt wunderbar der Satz: "Ich finde es schade, dass Sie es so sehen."

Dieser Satz sagt zwar wenig aus - in der Sache eigentlich gar nichts - doch Sie gewinnen damit Zeit und Abstand. Außerdem kann Ihr Angreifer nicht feststellen, ob er Sie getroffen hat oder nicht. Solche Standardsätze müssen nicht "genial sein" und sie müssen auch nicht selbst erfunden werden. Sie dürfen sie durchaus von anderen adaptieren.

Brückensätze haben das Ziel, Zeit zu gewinnen. Man reagiert, ohne sich wirklich auf die Aussage des Angreifers zu beziehen. Damit überbrückt man elegant eine Antwort und reagiert anders, als der andere das erwartet hat.

Beispiel:

Eine Standardreaktion, die Altkanzler Schröder öfter verwendete: "Wenn ich jetzt das sagen würde, was ich sagen könnte, dann hätten wir alle was zu lachen." Damit sagt er im Grunde nichts und es ist trotzdem eine gute Überleitung.

Aufgabe: Notizbuch anlegen und Standardreaktionen sammeln

Ihre erste Aufgabe lautet: Legen Sie sich umgehend ein spezielles Notizbuch zu oder reservieren Sie einen Teil in Ihrem Kalender dafür. Selbstverständlich können Sie dafür auch eine Datei auf Ihrem Rechner anlegen. Geben Sie ihr einen aussagekräftigen Namen.

Sammeln Sie darin Inspirationen und benutzen Sie diese für die weiteren Praxisaufgaben in diesem Artikel.

Beachten Sie, dass sich Änderungen nicht über Nacht einstellen. Um eine Fähigkeit nachhaltig zu erlernen, sollte man sich mindestens 21 Tage lang bewusst damit beschäftigen.

Standardsätze: Antworten, die immer gehen

Wie gesagt: Eine schlagfertige Antwort muss nicht "filmreif" sein. Es gibt Standards, die in 95 Prozent aller Fälle funktionieren. Wenn Sie ein paar davon in der Hinterhand haben, dann schreckt Sie so schnell nichts mehr.

Eine weitere Funktion dieser "Standards" ist, dass man sie als Überbrückung ("Brückensätze") benutzen kann: Sie gewinnen dadurch Zeit, zeigen Souveränität - und zeigen dem Anderen nicht, ob er Sie getroffen hat oder nicht.

Standards und Brückensätze können sein:

  • Ich finde es schade, dass Sie es so sehen.
    Das ist eine Standardformulierung, die besonders gut funktioniert bei Aussagen wie: "Typisch Frau", "Typisch Mann", "Typisch Beamter" oder ähnlichen Vorurteilen.

  • Ihre Frage/Ihre Aussage erstaunt mich.

  • Ich finde es schön, dass Du Dich so um mich sorgst.

  • Ich mag es, wie Du die Worte aneinander reihst.

  • Es enttäuscht mich!

  • Ich finde es nicht fair, wenn Sie mir solche Vorhaltungen machen.

  • Stopp, ich weiß gerade gar nicht, was hier jetzt vor sich geht. Bitte erklären Sie mir das.
    Es könnte nämlich auch sein, dass der Andere sich gar nicht bewusst ist, dass das, was er sagt, verletzend sein kann.

  • Mit Polemik kommen Sie in dieser Sache nicht weiter. Worum genau geht's bitte?

  • Was beabsichtigen Sie mit dieser herabsetzenden Frage?

  • Das ist eine äußerst undifferenzierte Feststellung, die so nicht zutrifft. Richtig ist vielmehr ..."
    Dann kommt das, was tatsächlich richtig ist - eine Variante für die Intellektuellen.

  • Wie kommen Sie dazu, so mit mir zu kommunizieren?

  • Das mag Ihre subjektive Meinung sein, doch nach meiner Erfahrung, nach meinen Recherchen, trifft Folgendes zu ...

  • Wenn ich die Wahl zwischen Ihrer und meiner Meinung habe, dann ziehe ich immer noch meine vor. (Otto von Bismarck)

Wichtig ist dabei, dass Sie den automatischen Antwortreflex (s. Kapitel 4) ausschalten und bewusst reagieren.

Aufgabe:

Suchen Sie sich nun drei Brückensätze aus - oder finden Sie eigene - und notieren Sie diese in Ihrem Notizheft. Sprechen Sie sich diese laut vor und beginnen Sie langsam, sie im Alltag anzuwenden.

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Über die Autorin:

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Petra Schächtele, Jahrgang 1958, ist Beraterin für Fach- und Führungskräfte, studierte Diplom-Informatikerin, Rhetorikerin und Soziologin (M.A.). Weitere Ausbildungen absolvierte sie in Dialektik, NL ...

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