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Schritt für Schritt zum Arbeitszeugnis

Theorie: Die Zeugnissprache

Das Prinzip der Notenabstufung

In den meisten Arbeitszeugnissen werden Beurteilungen vergeben, die im Bereich "weit überdurchschnittlich" (Note 1) bis "durchschnittlich" (Note 3) liegen. Unterdurchschnittliche Beurteilungen werden nur dann vergeben, wenn der Arbeitnehmer kontinuierlich Schwächen zeigte oder gar grundsätzlich nicht in der Lage war, seine Aufgaben vereinbarungsgemäß auszuführen. In diesem Fall ist der Aussteller des Zeugnisses beweispflichtig.

Formulierungen in Arbeitszeugnissen werden in der einschlägigen Fachliteratur zumeist mit Schulnoten gekennzeichnet. Dies ist nur als Hilfestellung zum besseren Verständnis zu verstehen, nicht als absolute Gleichsetzung einer Formulierung mit einer exakten Note! Jede einzelne Aussage im Zeugnis gibt immer nur eine Tendenz an und muss im Zusammenhang mit den übrigen Aussagen gesehen werden. Letztendlich kann man ein Arbeitszeugnis, wie jeden Text, nur als Ganzes realistisch einschätzen.

Unterdurchschnittliche Leistungen

Um unterdurchschnittliche Leistungen zu beschreiben, werden Formulierungen zumeist durch einschränkende Adverbien und Formulierungen (insgesamt, grundsätzlich, weitgehend, immer wieder, im Allgemeinen, im Wesentlichen, zum großen Teil, im Großen und Ganzen, auch) abgeschwächt:

  • Sie zeigte auch Engagement.

  • Er zeigte eine zufriedenstellende Arbeitsweise.

  • Seine Zusammenarbeit mit Vorgesetzten und Kollegen war im Wesentlichen einwandfrei.

  • Sie führte ihre Aufgaben insgesamt zu unserer Zufriedenheit aus.

Durchschnittliche Leistungen

Durchschnittliche Leistungen (Note 3) werden mit eindeutig wohlwollenden und positiven Formulierungen beschrieben, die nicht durch einschränkende Adverbien und Formulierungen abgeschwächt sind:

  • Sie zeigte großes Engagement.

  • Er arbeitete zuverlässig und selbständig.

  • Seine Zusammenarbeit mit Vorgesetzten und Kollegen war gut.

  • Sie führte ihre Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit aus.

Überdurchschnittliche Leistungen

Zur Beschreibung überdurchschnittlicher Leistungen (Note 2) werden diese Formulierungen häufig durch ein Temporaladverb (stets, jederzeit, immer) ergänzt. Auf diese Weise wird betont, dass sich die Aussage auf den gesamten Zeitraum des Arbeitsverhältnisses bezieht. Ebenso können durchschnittliche Beurteilungen durch das verstärkende Modaladverb "sehr" aufgewertet werden:

  • Sie zeigte jederzeit großes Engagement.

  • Er arbeitete sehr zuverlässig und selbständig.

  • Seine Zusammenarbeit mit Vorgesetzten und Kollegen war immer gut.

  • Sie führte ihre Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit aus.

Weit überdurchschnittliche Leistungen

Um eine weit überdurchschnittliche Leistung (Note 1) zu bescheinigen, wird häufig eine Kombination aus einem Temporaladverb (stets, jederzeit, immer) und einem verstärkenden Modaladverb (sehr, außerordentlich, absolut) verwendet. Ebenso möglich ist eine Kombination aus einem Temporaladverb und einem Superlativ (äußerst, höchst, bestens, allerbest, vollst):

  • Sie zeigte jederzeit sehr großes Engagement.

  • Er arbeitete stets absolut zuverlässig und selbständig.

  • Seine Zusammenarbeit mit Vorgesetzten und Kollegen war stets sehr gut.

  • Sie führte ihre Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit aus.

Häufige Fehler in der Praxis

Übertreibung: Auch in einem rundum sehr guten Zeugnis, das eine kontinuierlich weit überdurchschnittliche Leistung bescheinigen soll, kann nicht jede Aussage eine Kombination aus Temporaladverb und Modaladverb oder Steigerung enthalten. Dies würde übertrieben wirken und das Zeugnis unglaubwürdig machen. Die Leistungszusammenfassung und zentrale Aussagen sollten aber möglichst auf Grundlage des oben beschriebenen Prinzips formuliert werden.

Temporaladverbien fehlen: Kommen im Zeugnistext keine Temporaladverbien (stets, jederzeit, immer) vor, weist dies darauf hin, dass die (sehr) guten Leistungen nicht kontinuierlich erbracht wurden (oder das Arbeitsverhältnis von sehr kurzer Dauer war).

Aufwertenden Modaladverbien oder Superlative fehlen: Wird im Zeugnistext keine Aussage durch Modaladverbien oder Superlative (sehr, außerordentlich, absolut bzw. äußerst, höchst, bestens) verstärkt, weist dies darauf hin, dass keine herausragenden Leistungen erbracht wurden.

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Über den Autor:

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Gunnar Szymaniak unterstützt seit 2003 Unternehmen und Arbeitnehmer dabei, das Arbeitszeugnis als sinnvolles Beurteilungs- und Werbeinstrument zu nutzen. Er zählt als Spezialist für Arbeitnehmerbeu ...

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