Theorie: Die Zeugnissprache
Zum Umgang mit Musterformulierungen
In Zeugnis-Ratgebern und in Softwarepaketen zur Zeugniserstellung finden Sie eine Vielzahl von Musterformulierungen zur Zeugniserstellung.
Die Verwendung solcher Musterformulierungen bietet folgende Vorteile:
Zeugnisse lassen sich durch die Verwendung fertiger Bausteine schneller erstellen.
Durch die Verwendung der Bausteine, die klare Aussagen zu den einzelnen Leistungsbereichen machen, werden der systematische Aufbau des Zeugnisses gefördert und die Interpretation erleichtert.
Sie können ungewollte Leerstellen vermeiden, wenn Sie das Zeugnis gemäß der gängigen Struktur aus Bausteinen aufbauen.
Mehrdeutige Formulierungen und eine Verwechslung "individueller" Formulierungen mit "Geheimcodes" werden ebenfalls vermieden.
Musterformulierungen haben aber auch einen Nachteil: Sie sind in der Regel sehr allgemein formuliert, damit sie in die Zeugnisse von Mitarbeitern aller Berufsgruppen passen. Damit sich die aus Bausteinen erstellte Beurteilung von Leitung und Verhalten glaubwürdig auf das Stellenprofil der zu beurteilenden Person bezieht, sind eine sorgfältige Auswahl der Musterformulierungen und evtl. Änderungen der Formulierungen notwendig. Bei der Änderung von Musterformulierungen sollten Sie darauf achten, dass Sie nicht versehentlich die eine oder andere der oben dargestellten Techniken zur Abwertung benutzen.
Bei der Verwendung von Musterformulierungen ist folgendes zu berücksichtigen:
Wenn in der Literatur einzelne Musterformulierungen konkreten Schulnoten zugeordnet sind, stellt dies lediglich ein Hilfsmittel dar: Die Formulierungen entsprechen einer Beurteilung, die im Bereich dieser Note liegt. Es gibt in der Fachliteratur unterschiedliche Meinungen zu bestimmten Formulierungen, so dass man einer exakten Benotung von Einzelformulierungen nur bedingt vertrauen kann. Beispielsweise werden manche Musterformulierungen des Autors Günter Huber von mehreren anderen Autoren als eine Note schlechter eingeschätzt. Ähnliches gilt für Musterformulierungen des Autors Karl-Heinz List, der die gebräuchliche Technik der abgestuft positiven Formulierung, wie sie oben dargestellt wurde, grundsätzlich ablehnt und für Klartext-Formulierungen plädiert. Wichtig für die Benotung eines Zeugnisses sind letztendlich der Gesamteindruck sowie die klar erkennbare Leistungszusammenfassung. Hinsichtlich der gängigen Leistungszusammenfassungen "stets zu unserer vollsten Zufriedenheit" etc. besteht ein weitgehender Konsens, da diese durch Gerichtsurteile bestätigt sind.
Man sollte nur Musterformulierungen aus seriösen, allgemein anerkannten Quellen benutzen, z.B. aus den im Kapitel IV. genannten Publikationen. Die beste und umfangreichste Sammlung von Musterformulierungen enthält meiner Meinung nach Weuster/Scheer, "Arbeitszeugnisse in Textbausteinen"
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