Schufa-Auskunft aus Verbrauchersicht: Grundlagen und Praxisfragen

4.444445
(9)
Beitrag bewerten
Kommentar schreiben
Stand: 24. April 2013

Überblick: Was weiß die Schufa - und was nicht?

Mehr als eine halbe Milliarde Bonitäts-Informationen stellt die Schufa ihren Vertragspartnern zur Verfügung - sie weiß von fast allen erwachsenen Deutschen etwas. Dumm nur, wenn es dabei zu Fehlern kommt und negative Schufa-Auskünfte oder eine ungünstige Bonitäts-Prognose den Betroffenen das Leben schwer machen. Zum Glück muss die Schufa auf Anforderung einmal pro Jahr eine gebührenfreie Datenübersicht bereitstellen. Wir verraten, wie Sie herausfinden, was die Schufa über Sie weiß, wie Ihr Schufa-"Scoring" ausfällt und wann Negativeinträge gelöscht werden.

Die "Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung" (Schufa) wertet nach eigenen Angaben mittlerweile das Zahlungsverhalten von mehr als drei Vierteln der Bevölkerung aus und trifft Prognosen über die Kreditwürdigkeit jedes Einzelnen. Partner der Schufa sind unter anderem Banken, Sparkassen, Kreditkarten-Organisationen, Bausparkassen, Versicherungen, Einzel- und Versandhändler, Telefongesellschaften, Energieversorger und Vermieter: Sie sind für die Schufa zugleich Informationslieferanten und -abnehmer.

Die Schufa informiert auch über Selbstständige, Manager und Geschäftsführer

Unter der Produktbezeichnung "Kompaktauskunft" erteile die Schufa auch Auskünfte über Unternehmen, der Inhaber und Manager. Mehr dazu im Beitrag "Schufa-Kompaktauskunft: Schufa-Auskünfte über Unternehmen, Inhaber und Manager"

Das Schufa-Selbstverständnis

Die Auskunftei sieht sich dabei als Mittler zwischen Kreditgebern und -nehmern, der eine schnelle Geschäftsabwicklung im Interesse aller Beteiligten ermöglicht.

Bild vergrößernSchufa-Selbstbild: Der "Kreditermöglicher" (Quelle: Schufa)

Schufa 2.0

Auf den folgenden Seiten beschäftigen wir uns mit der klassischen Schufa-Auskunft und den statistischen Scoring-Kennziffern. Als Wirtschaftsauskunftei beschränkt sich die Schufa aber längst nicht mehr darauf, das Zahlungsverhalten von Verbrauchern zu durchleuchten: Mit der "Kompaktauskunft" über die Bonität von Unternehmen und ihrem Führungspersonal tritt die Schufa auch als eigenständiger Informationslieferant im B2B-Geschäft auf: Weitere Informationen finden Sie im Beitrag "Schufa-Auskünfte über Unternehmen und Manager".

Was weiß die Schufa?

Zurück zur konventionellen Schufa-Auskunft: Gespeichert werden sowohl positive als auch negative Merkmale, die der Schufa von ihren rund 7.000 Vertragspartner gemeldet oder aus den öffentlichen Schuldnerverzeichnissen der Insolvenzgerichte entnommen werden. Erfasst sind insbesondere die folgenden Daten:

  • Name, Vorname, Geburtsdatum, Geburtsort, aktuelle und ehemalige Anschriften,

  • Girokonten, Kreditkarten, Telekommunikationskonten, Kundenkonten bei Händlern,

  • Kredit- oder Leasingverträge mit Betrag und Laufzeit sowie eventuell vorzeitiger Erledigung,

  • fällige unbezahlte Forderungen,

  • Angaben aus öffentlichen Verzeichnissen und amtlichen Bekanntmachungen, insbesondere Eidesstattlichen Versicherungen (EV), Haftbefehl zur Erzwingung der EV, Eröffnung privater Insolvenzverfahren, Abweisung und Einstellung von Verbraucherinsolvenzverfahren mangels Masse sowie

  • Missbrauch von Giro-, Kreditkarten- oder Kreditkonten.

Angaben über Arbeitgeber, Einkommen, Guthaben, Depotwerte oder sonstige Vermögensverhältnisse hingegen dürfen von der Schufa nicht gesammelt werden.

Elefantengedächtnis

Wichtig: Negativmerkmale bleiben in der Regel mindestens drei Jahre lang gespeichert - selbst dann, wenn der zugrunde liegende Tatbestand längst erledigt ist. Für Beträge unter 2.000 Euro gelten allerdings unter bestimmten Bedingungen verkürzte Speicherfristen. Schufa-Auskünfte, die auf Angaben aus öffentlichen Schuldnerverzeichnissen beruhen, müssen unter Umständen ebenfalls vor Ablauf der Drei-Jahresfrist gelöscht werden. Weitere Informationen finden Sie in unseren Antworten auf Praxisfragen.

Fehler und die Folgen

Bei insgesamt rund 510 Millionen Eintragungen (Stand: 2013) bleibt es leider nicht aus, dass sich Fehler und sogar völlig unzutreffende Datensätze einschleichen. Unter dem Motto "Computer sind auch nur Menschen" räumt sogar die Schufa selbst ein, dass sie nicht unfehlbar ist und es "schon mal zu einem Fehler kommen kann".

Das Schlimmste an solchen Pannen: Viele Betroffene wissen gar nicht, dass es an einer negativen Bonitätsauskunft zu ihrer Person liegt, wenn ein Mietvertrag nicht zustande kommt, der fest eingeplante Gründungskredit aus heiterem Himmel abgelehnt wird oder die benötigte Warenlieferung ausbleibt. Um sich vor bösen Überraschungen zu schützen, überprüfen Sie daher am besten regelmäßig, ob die über Sie gespeicherten Daten richtig und aktuell sind. Wie das geht, erfahren Sie auf der folgenden Seite.

Mitglied werden, Vorteile nutzen!

  • Sie können alles lesen und herunterladen: Beiträge, PDF-Dateien und Zusatzdateien (Checklisten, Vorlagen, Musterbriefe, Excel-Rechner u.v.a.m.)
  • Unsere Autoren beantworten Ihre Fragen

Downloads zu diesem Beitrag

Über den Autor:

bild134003

Robert Chromow ist gelernter Industriekaufmann, Betriebswirt und Politologe. Seit zwanzig Jahren arbeitet er als freiberuflicher Journalist, Autor und Berater im eigenen Redaktionsbüro. Print- und Onl ...

Newsletter abonnieren