Schufa-Auskunft aus Verbrauchersicht: Grundlagen und Praxisfragen

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Stand: 24. April 2013

Schufa-Scoring: Statistische Bonitäts-Prognosen und die Folgen

Zusätzlich zur differenzierten persönlichen Bonitätsauskunft bietet die Schufa ihren Vertragspartnern verschiedene statistische Prognose-Kennziffern über das Kreditausfall-Risiko: Auf Grundlage des individuellen Basis-Scorewerts sowie spezieller Branchen-Scorings entscheiden Händler, Telefongesellschaften, Versorgungsunternehmen und andere Schufa-Vertragspartner in Sekundenschnelle, ob sie mit Verbrauchern Verträge schließen oder nicht.

Der Basisscore-Wert trifft eine allgemeine Aussage darüber, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass eine Person ihren vertraglichen Pflichten nachkommen wird (z. B. "98,74 %"). Anders ausgedrückt handelt es sich um eine Prognose, wie hoch die Gefahr des Kreditausfalls ist (in diesem Fall: 1,26 %). Mit anderen Worten: In einem bis zwei von Hundert vergleichbaren Fällen müsste das Unternehmen damit rechnen, dass der betreffende Vertragspartner seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommt.

Bitte beachten Sie: Der persönliche Basisscore-Wert wird vierteljährlich neu ermittelt und ist mittlerweile obligatorischer Bestandteil der Bonitätsauskunft. Das Basis-Scoring kann auch zusammen mit der gebührenfreien Datenübersicht nach § 34 Bundesdatenschutzgesetz erfragt werden: Zusätzliche Kosten entstehen dafür nicht.

Scoring-Ermittlung: Mermale und Gewichtung

Mit Hinweis auf das Geschäftsgeheimnis hat die Schufa sich lange geweigert, konkrete Angaben über die Kriterien für die Ermittlung der Scorings-Kennziffern zu machen. Genaue Informationen über die berücksichtigten Merkmale und deren Gewichtung veröffentlicht das Unternehmen nach wie vor nicht. Nach eigenen Angaben werden die eingesetzten mathematisch-statistischen Verfahren regelmäßig von Universitäten und unabhängigen Fachinstituten überprüft und für aussagekräftig befunden.

Darüber hinaus hat die Auskunftei inzwischen immerhin den Verzicht auf die Verwendung von Regio- und Geodaten (z. B. Wohngegend) und ähnliche soziodemografische Daten erklärt. Vielmehr würden in den "Standardscores nur kreditrelevante personenbezogene Informationen" verwendet. Demnach ist ausgeschlossen, dass einem Verbraucher bei Vertragsanbahnungen Nachteile entstehen, nur weil seine Wohnung in einer "zwielichtigen" Gegend liegt.

Scoring-Weitergabe untersagen?

Wichtig: Sie haben das Recht, die Weitergabe Ihrer Scoring-Werte an Schufa-Partner ein für alle Mal zu untersagen. Allerdings müssen Sie dann erst recht damit rechnen, Probleme bei der Vertragsabschlüssen zu bekommen: Die Auskunft "Kein Score-Wert" lässt bei Händlern nämlich automatisch die Alarmglocke klingeln.

Die gute Nachricht: Bis vor wenigen Jahren wirkte sich bereits das Einholen einer Selbstauskunft negativ auf die Gesamtbeurteilung in Form des individuellen Scorewerts aus. Diese verzerrende und obendrein gesetzeswidrige Praxis gehört zum Glück der Vergangenheit an. Das Einholen von Datenübersichten und Bonitätsauskünften hat keine nachteiligen Folgen mehr für Ihre Kreditwürdigkeit.

Scoring und Rating verstehen

Neben dem alle drei Monate ermittelten prozentualen Basisscore-Wert gibt es tagesaktuell berechnete Branchen-Scores: Ein und dieselbe Person wird dabei in unterschiedliche Ratingstufen eingeordnet, je nachdem, ob die Anfrage zum Beispiel von einem Kreditinstitut oder einem Telekommunikationsunternehmen kommt:

Bild vergrößernGleiche Person - unterschiedliches "Score-Rating": Branchenbezogenes Punktsystem am Beispiel von Banken und Telekommunikationsunternehmen

Mit einem Branchen-Scoring von z. B. 8.500 Punkten landet man bei einer Bankanfrage in Ratingstufe "H", eine Telefongesellschaft würde Sie in Stufe "K" ein- (besser gesagt: aus-)sortieren.

Jeder Ratingstufe wiederum entspricht ein branchenspezifisches statistisches Risiko: Wird dem Kreditsachbearbeiter der Bank auf seine Schufa-Anfrage hin der Score-Wert 8.500 Punkte = Ratingstufe "H" rückgemeldet, dann müsste er damit rechnen, dass es bei einer Darlehensvergabe mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 16 Prozent zu einer "Vertragsstörung" kommt. Anders formuliert: In einem von sieben Fällen ist mit einem Zahlungsausfall zu rechnen.

Weitere Auskünfte zum Schufa-Scoring aus Verbrauchersicht erhalten Sie auf der Schufa-Website scoring-wissen.de und in der Liste "Häufige Fragen". Branchenspezifische Informationen für Schufa-Vertragspartner bietet die Überblicksseite zu den Leistungen der Schufa.

Tipp: Musterschreiben

Die Verbraucherzentralen bieten ein kostenpflichtiges Musterschreiben an, das auch für andere Auskunfteien gilt: Musterschreiben Scoring-Auskunft (PDF, 0,90 Euro).

Scoringfalle Kreditanfragen

Vor Abschluss eines Darlehensvertrages erkundigen sich Häuslebauer, Existenzgründer und andere Kredit-Interessenten normalerweise bei mehreren Geldinstituten nach den Darlehenskonditionen. Bei den meisten Banken ist damit eine obligatorische Schufa-Anfrage verbunden. Wiederholte Erkundigungen binnen kurzer Zeit können sich aber nachteilig auf die Kreditwürdigkeit auswirken. Um das zu vermeiden, müssen Banken zwischen endgültigen "Kreditanfragen" und vorläufigen "Konditionenanfrage" unterscheiden.

Hintergrund: Die Darlehenskonditionen von Banken und Sparkassen hängen nicht zuletzt vom Risiko im Einzelfall ab. Daher müssen Neukunden bei den meisten Banken und Sparkassen bereits bei unverbindlichen Anfragen die sogenannte Schufa-Klausel unterschreiben: Damit erklärt der Kunde sein Einverständnis mit der Übermittlung seiner Daten an die Auskunftsstelle. Die Schufa wiederum speichert diese Kreditanfragen - und weist andere Kreditinstitute darauf hin, falls innerhalb der nächsten zehn Tage ein weiteres Auskunftsersuchen eintrudelt.

Erster Nachteil von Kreditanfragen: Die Bank weiß vom Kreditantrag bei der Konkurrenz

Ihre Verhandlungspartner bei der Bank wissen also schnell, dass Sie sich auch bei der Konkurrenz nach einem Kredit erkundigt haben. Banken, Sparkassen und andere Gläubiger bietet dieser Mechanismus einen gewissen Schutz gegen die ungewollte Vergabe von Mehrfachkrediten - aber auch eine bessere Verhandlungsposition: Sie erkennen auf Anhieb, dass sie keinen Einfaltspinsel, sondern einen mit spitzem Bleistift rechnenden Geschäftspartner vor sich sitzen haben.

Zweiter Nachteil: Ihr Schufa-Scoring wird schlechter

Doch nicht nur deshalb war die früher gängige Anfragepraxis für Bankkunden nachteilig: Selbst wenn es überhaupt nicht zu einer Kreditvergabe kam, blieben die Erkundigungen zwölf Monate lang in den Schufa-Datenbeständen erhalten. Dort entfalteten sie dann vielfach ein unerwünschtes Eigenleben: Wer sich nämlich häufiger nach einem Darlehen erkundigt, aber keines bekommt (oder in Anspruch nimmt), hat unter ansonsten gleichen Bedingungen am Ende ein schlechteres Scoring als ein Zeitgenosse, dessen Bank zum ersten Mal eine Anfrage stellt!

Bitte beachten Sie: Welche negative Wirkung zum Beispiel drei, fünf oder gar zehn Kreditanfragen innerhalb eines Jahres haben, lässt sich nicht verallgemeinernd sagen: Das hängt immer von den Besonderheiten des Einzelfalls ab.

Mit anderen Worten: Wer im Zuge eines gründlichen Konditionenvergleichs mehrere Kreditanfragen stellt, ist aus Sicht der Banken hinterher unter Umständen weniger kreditwürdig als vor der Markterhebung!

Dass mündige und sparsame Kunden Preisvergleiche anstellen und angesichts ungünstiger Konditionen von sich aus auf die Inanspruchnahme von Darlehen verzichten oder ihren endgültigen Kreditantrag erst später stellen, ist aber zum Glück auch der Schufa nicht verborgen geblieben.

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Neutrale Merkmale für reine Konditionen-Anfragen

Um ihren Geschäftspartnern keine verkehrte Welt vorzugaukeln, bietet die Auskunftei daher schon längst die Möglichkeit, Auskunftsersuchen von vornherein als "Anfrage Kreditkonditionen" beziehungsweise "Anfrage Immobilienkreditkonditionen" zu kennzeichnen und damit klarzustellen, dass noch kein Kreditantrag gestellt wurde.

Die vorläufigen Konditionenanfragen garantieren nach Aussage der Schufa die Unverbindlichkeit von Konditionenanfragen: Sie ...

  • sind für andere Schufa-Partner nicht erkennbar und

  • haben keinen Einfluss auf den Scoring-Wert.

Auf Druck von Daten- und Verbraucherschützern ist die Berücksichtigung von Konditionenanfragen bei Bonitätsauskünften mittlerweile ausdrücklich durch das Bundesdatenschutzgesetz untersagt. Laut § 28a BDSG ...

"... ist die Übermittlung von Daten über Verhaltensweisen des Betroffenen, die im Rahmen eines vorvertraglichen Vertrauensverhältnisses der Herstellung von Markttransparenz dienen, an Auskunfteien auch mit Einwilligung des Betroffenen unzulässig."

Mit anderen Worten: Wer sich nach Kreditkonditionen erkundigt, dessen Daten dürfen nicht an die Schufa und andere Auskunfteien übermittelt werden und schon gar nicht in folgende Bonitätsauskünfte einfließen.

Trau - schau, wem!

So sinnvoll und erfreulich die Differenzierung bei Konditionsauskünften grundsätzlich ist: Längst nicht jeder Bankmitarbeiter berücksichtigt die Unterscheidung von sich aus. Wenn Ihnen der Mitarbeiter eines Geldinstituts vor einer Kreditauskunft die Schufa-Klausel zur Unterschrift vorlegt, sollten Sie daher unbedingt darauf achten, dass Sie lediglich einer "Anfrage Kreditkonditionen" bzw. "Anfrage Immobilienkreditkonditionen" zustimmen. Lassen Sie sich nicht verunsichern: Das geht wirklich! Ist eine Bank nicht bereit oder in der Lage, eine reine Konditionenanfrage zu starten, sollten Sie sich Gedanken darüber machen, ob sie der passende Geschäftspartner für Sie ist.

Scoringfalle Verbraucherkredit?

Immer mehr Händler gehen mit günstigen, oft sogar zinslosen Verbraucherkrediten auf Kundenfang. Um Finanzierungsvorteile mitzunehmen und eigene besser verzinste Geldanlagen zu schonen, entscheiden sich daher oft auch gut situierte Kunden ohne Not für einen Kleinkredit.

Das klingt einleuchtend, kann aber leicht nach hinten losgehen:

  • Denn erstens kalkulieren Händler die Kreditkosten für ihre angeblich unschlagbaren Nullprozent-Finanzierungen von vornherein in die Verkaufspreise ein. Kunden, die hartnäckig um Barzahlungs-Rabatte feilschen, stehen sich unterm Strich meist besser.

  • Zweitens verschlechtern laufende Verbraucherkredite tendenziell die Kreditwürdigkeit: Wer vorteilhaften Finanzierungs-Angeboten nicht widerstehen kann oder will, darf sich nicht wundern, wenn anschließend die Verwirklichung weiterer Darlehenswünsche immer schwieriger wird - etwa bei Erstbestellungen in Online-Shops oder auch bei Abschluss von Mobilfunkverträgen. Daran ändern noch so gute Einkommens- und Vermögensverhältnisse nichts.

In der Praxis halten sich die unerwünschten Negativwirkungen in solchen Fällen aber in Grenzen. Jedenfalls soweit es sich um den eingangs beschriebenen gut betuchten Kreditnehmer handelt: Wenn dessen Waschmaschine unverhofft streikt, ist der bei der Neuanschaffung ja nicht unbedingt auf einen weiteren Verbraucherkredit angewiesen.

Und dass die Bewilligung wirklich wichtiger Darlehen (etwa die Finanzierung des Eigenheims) trotz vorhandenen Eigenkapitals ausschließlich an zwei, drei kleineren Verbraucherkrediten scheitert, ist erst recht unwahrscheinlich: Denn anders als der Elektronikhändler, der die Entscheidung über den Abschluss eines Handy-Vertrags in Sekundenschnelle auf Basis des Schufa-Scorings trifft, kennt beispielsweise die Hausbank die konkreten Vermögensverhältnisse des Kunden recht genau und kann problemlos weitere Informationen einholen.

Auf der nächsten Seite finden Sie Antworten auf viele Praxisfragen rund um Schufa-Einträge, -Auskünfte und Scorings. Außerdem nennen wir die wichtigsten Anlaufstellen zur Klärung von Fehlern und Streitfällen.

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Über den Autor:

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Robert Chromow ist gelernter Industriekaufmann, Betriebswirt und Politologe. Seit zwanzig Jahren arbeitet er als freiberuflicher Journalist, Autor und Berater im eigenen Redaktionsbüro. Print- und Onl ...

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