Schufa-Auskunft aus Verbrauchersicht: Grundlagen und Praxisfragen

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Stand: 24. April 2013

Mehr Transparenz durch kostenlose Datenübersicht und Selbstauskunft

Laut Bundesdatenschutzgesetz können Sie von Auskunfteien und anderen Datensammlern einmal pro Jahr eine kostenlose Auskunft über sämtliche Informationen verlangen, die zu Ihrer Person gespeichert worden sind. Am Beispiel der Schufa zeigen wir, wie Sie die gebührenfreie "Datenübersicht" bekommen und was von weitergehenden kostenpflichtigen Selbstauskünften zu halten ist.

Gebührenfreie Datenübersicht

In § 34 Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) ist geregelt, dass Sie einmal im Jahr Anspruch auf eine kostenlose Auskunft über die zu Ihrer Person gespeicherten Angaben haben. Mehr noch: Aus der BDSG-Formulierung "Für jede weitere Auskunft kann ein Entgelt verlangt werden, wenn der Betroffene die Auskunft gegenüber Dritten zu wirtschaftlichen Zwecken nutzen kann." schließen Experten, dass durchaus auch mehrere kostenlose Datenübersichten pro Kalenderjahr verlangt werden können.

Um Gebühren zu vermeiden, sollten Sie bei der wiederholten Anforderung von Datenübersichten innerhalb eines Jahres ausdrücklich darauf hinweisen, dass Sie eine weitere unentgeltliche Auskunft benötigen, die ausschließlich dem Zweck dient, sich selbst über neu hinzugekommene Daten zu informieren und eventuelle Fehler zu korrigieren.

Den unentgeltlichen Einblick in die über Sie gespeicherten Daten nennt die Schufa "Datenübersicht nach § 34 Bundesdatenschutzgesetz". Dabei handelt es sich um eine vollwertige Eigenauskunft / Selbstauskunft, die alle von der der Schufa über Sie gespeicherten Informationen enthalten muss. Außerdem erfahren Sie, woher die Daten stammen und an wen sie weitergeleitet wurden. Das Bestellformular für die Datenübersicht können Sie aus dem Internet herunterladen oder per Post anfordern:

SCHUFA Holding AG
Postfach 61 04 10
10927 Berlin

Bild vergrößernDas Bestellformular für die kostenlose Schufa-Datenübersicht

Bitte beachten Sie: Neben dem ausgefüllten Bestellformular müssen Sie eine Kopie Ihres Personalausweises an die Schufa schicken. Nach einigen Tagen erhalten Sie die angeforderte Datenübersicht per Post.

Gebührenpflichtige Bonitätsauskunft und dauerhafter Online-Zugang

Zusätzlich zur kostenlosen Datenübersicht stellt die Schufa die früher Eigenauskunft (umgangssprachlich "Selbstauskunft") sowie Verbraucherauskunft genannten Informationen auf unterschiedlichen Wegen zur Verfügung.

Bevor Sie jedoch das Geld ausgeben, sollten Sie sich überlegen, ob die kostenlose Datenübersicht nicht auch reicht. Der Unterschied liegt nicht im Umfang der Informationen, sondern in der Art des Zugangs zu den Daten und im Zweck der Mitteilungen (für Dritte oder für den Eigengebrauch). Hier die wichtigsten Dienste im Überblick:

  • Die Bonitätsauskunft enthält neben der kompletten Selbstauskunft eine "beweiskräftige Auskunft für Geschäftspartner" (vormals: "Verbraucherauskunft"), in der die wichtigsten Angaben über Ihre Zahlungsfähigkeit enthalten sein sollen. Eine einmalige Bonitätsauskunft - zum Beispiel zur Vorlage bei einem potenziellen Arbeitgeber oder Vermieter - schlägt mit happigen 18,50 Euro zu Buche. Auch in diesem Fall muss ein Anforderungsformular ausgefüllt und zusammen mit der Kopie eines Ausweisdokuments an die Schufa geschickt werden.

  • Der dauerhafte Online-Zugang zur Schufa-Auskunft kostet ebenfalls 18,50 Euro - allerdings nur einmalig: Mithilfe des Online-Zugangs können Sie Ihren Bonitäts-Status künftig jederzeit eigenhändig checken. Außerdem bezahlen Sie für einzelne Bonitätsauskünfte, die Sie an einen Dritten weitergeben möchten, statt 18,50 Euro "nur" 7,80 Euro.

    Tipp: Im Rahmen einer Einführungsaktion gibt es ein Kombi-Paket aus einmaliger postalischer Bonitätsauskunft plus dauerhaftem Online-Zugang für insgesamt 18,50 Euro.

  • Ein Update-Service benachrichtigt Sie bei Bedarf per E-Mail und/oder SMS, wenn die Schufa Änderungen an Ihren persönlichen Daten vornimmt oder ein Schufa-Vertragspartner Informationen über Sie einholt. Das sogenannte Frühwarnsystem bei Identitätsmissbrauch ist in den ersten 100 Tagen des Online-Zugangs gebührenfrei. Anschließend schlägt er mit 10 Euro pro Jahr zu Buche.

  • Wer Wert auf einen weitergehenden Schutz vor Identitätsmissbrauch legt, kann für 39,90 Euro im Jahr den IdentSafe-Service buchen: Neben dem Online-Zugang und dem Update-Service sind darin unter anderem ein tagesaktueller Frühwarndienst, Beratung und Unterstützung bei der Identitätssicherung sowie Hilfestellung bei der Bereinigung von Folgen eines Identitätsmissbrauchs im Internet enthalten.

WebCodes statt Bonitätsauskunft

Wer über einen Online-Zugang zu seinen Schufa-Daten verfügt, hat zudem die Möglichkeit, zusätzlich oder alternativ zur Bonitätsauskunft sogenannte WebCodes freischalten zu lassen: Mit deren Hilfe können Dritte (z. B. potenzielle Arbeitgeber oder Vermieter) Kurzinformationen über Ihre Identität und Zahlungsfähigkeit via Internet direkt bei der Schufa abrufen. Welche Informationen per WebCode weitergegeben werden, kann der einzelne Anwender dabei selbst festlegen:

Bild vergrößernDie Inhalte eines WebCodes

Ein einzelner WebCode ist im Online-Zugang bereits enthalten. Weitere WebCodes kosten im 5er-Pack pro Stück 2 Euro, im 10er-Pack 1,80 Euro (jeweils inklusive Mehrwertsteuer).

Ganz gleich, auf welchem Weg Sie Ihre Selbstauskunft einholen: Sollten Sie fehlerhafte oder veraltete Angaben feststellen, ist die Schufa bereit, sie bei entsprechenden Nachweisen kostenlos und umgehend zu korrigieren. In Zweifelsfällen bleiben die Datensätze nach Angaben der Organisation so lange gesperrt, bis der Fehler aufgeklärt ist. Weitere Informationen finden Sie bei unseren Antworten auf Praxisfragen.

Es muss nicht immer Schufa sein

Was Unternehmer gegen Negativeinträge bei Auskunfteien und Bonitätsdiensten tun können, erfahren Sie in Hartmut Fischers Beitrag "Negativeinträge bei Schufa, Bürgel & Co?"

Auf der nächsten Seite geht es erst einmal um das ominöse Schufa-Scoring.

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Über den Autor:

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Robert Chromow ist gelernter Industriekaufmann, Betriebswirt und Politologe. Seit zwanzig Jahren arbeitet er als freiberuflicher Journalist, Autor und Berater im eigenen Redaktionsbüro. Print- und Onl ...

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