"Schuldenkönig": Schuldner-Tricks und Gegenmaßnahmen

Von: Dr. Ellen Ulbricht
Stand: 29. August 2007
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Sechstes Kapitel: So sabotieren Sie einen Inkasso-Computer

Nun haben Sie die Nase voll von den Streichen des Schuldenkönigs und haben Ihre überfällige Forderung an ein Inkassounternehmen zur weiteren Beitreibung abgegeben. Natürlich versucht er selbst dort sein Spiel weiter zu treiben. Allerdings hat er dabei übersehen, dass er es nun mit Profis zu tun hat, die mit all seinen Tricks bestens vertraut sind und die dementsprechende Strategien parat haben, wenn der Schuldenkönig meint:

Zitat "Schuldenkönig"

Sie haben nicht gezahlt und erhalten Ihre erste freundliche Erinnerung Nr. 1. Sie schreiben einen langen (diesmal vielleicht handschriftlichen) Brief voller Entschuldigungen (ein Muster könnten Sie im Computer bereits zwecks Wiederverwendung im Zeitalter des Recycling gespeichert haben).

Wichtig: Irgendwo im Text quetschen Sie ein "weil ich doch bisher nie verspätet gezahlt habe, möchte ich Sie bitten, die bereits fällige Rate auf die restlichen Raten verteilt begleichen zu dürfen".

Das Ansinnen des Schuldenkönigs weist der Inkassoprofi unverzüglich zurück und lässt sich auf eine Ratenzahlung nur unter den bereits oben genannten Bedingungen (siehe unter Abschnitt "Sein Trick: Zahlungsversprechen abgeben ohne Zahlungsabsicht") ein. Eine solche Regelung ist Standard und bringt ein Inkassosystem keinesfalls in Probleme.

Nun lässt ein Schuldenkönig natürlich nicht so leicht locker und will auch die Mitarbeiter des Inkassounternehmens auf Trab halten:

Zitat "Schuldenkönig"

Sie schreiben wieder Seiten lang (handschriftlich, weil es so schwierig zu lesen ist), und beklagen sich, doch reagiert zu haben, sogar sehr lang reagiert zu haben, nur hätte niemand auf Ihre Frage beantwortet. Und das sei wirklich enttäuschend. Sie legen natürlich keine Kopien bei, damit der Lohnsklave extra lange suchen muss.

Lieber Schuldenkönig, die Stärke eines Inkassounternehmens liegt unter anderem gerade darin, sich sehr klar und deutlich hinsichtlich der Zahlungsvereinbarungen auszudrücken. Im Übrigen wird jedes Schreiben beantwortet, wenn es sein muss, auch individuell. Der Schuldenkönig kann also nicht darauf vertrauen, dass er auf seine langatmigen Schreiben keine Antwort erhält. Und übrigens, im Zeitalter der elektronischen Speicherung der Eingangspost hat der zuständige Sachbearbeiter die bereits vorhandene Korrespondenz innerhalb von Sekunden zur Hand. Das Zeitalter der verlegten Akten oder falsch abgehefteten Schreiben ist passé. Also darauf kann der Schuldenkönig schon lange nicht mehr setzen.

Zitat "Schuldenkönig"

"Aber wie kann ich denn?", antworten Sie, "ich weiß doch gar nicht, was ich jetzt zahlen soll: Die erste Rate oder die zweite Rate zusammen mit einem Teil der ersten Rate, oder die bereits fällige dritte Rate, die ich natürlich erst bezahlen kann, wenn ich weiß, wie hoch Sie ist, d.h. wenn Sie mir mitgeteilt haben, wie Sie meinen Vorschlag vom XY beurteilen...".

Warum sollte sich der Schuldenkönig gerade gegenüber dem Inkassounternehmen mit seiner Korrespondenz nicht als böswilliger Schuldner entlarven. Inkassomitarbeiter kennen ihre "Pappenheimer" und werden seinen Vorgang mit einem entsprechenden Hinweis versehen und kein Sachbearbeiter dieses Unternehmens wird auf seine Tricks hereinfallen. Eine schnelle gerichtliche Geltendmachung der Forderung wird die Folge sein.

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