Das vierte Kapitel: Von einem der glaubt, sich bei Banken auszukennen
Der Schuldenkönig meint, sich bei den Banken auszukennen, wenn er schreibt:
Zitat "Schuldenkönig"
1.) So lange Ihr Darlehen als "performing" gewertet werden kann, ist das Darlehen als Forderung ein Vermögenswert. Und wie oben gesehen, können Vermögenswerte, insbesondere Forderungen, beliehen werden, d.h. Ihr Darlehen kann refinanziert werden, die Bank bekommt weitere Liquidität, die sie teuer verleihen kann.
2.) Sobald Sie Ihr Darlehen nicht mehr tilgen (können) und das auch noch schriftlich bestätigen, ist das Darlehen "non-performing", d.h. kein Vermögenswert mehr, eine wahrscheinlich "nicht mehr eintreibbare" Forderung, die nicht mehr hoch beliehen werden kann. Selbstverständlich ist die Bank nicht alleine von Ihrem Darlehen abhängig. Aber Ihr Darlehen ist Teil eines Darlehensportefeuilles (Paket). Der Wert dieses Portefeuilles ist abhängig vom Wert der einzelnen Darlehen. Je mehr Darlehen also von "performing" nach "non-performing" abrutschen, desto geringer ist der Wert des Darlehensportefeuilles und damit der Vermögenswerte der Bank.
3.) Sollten Sie Konkurs anmelden und über keine Sicherheiten verfügen, kann das Darlehen also ganz sicher nicht mehr getilgt werden, muss es die Bank als Verlust abschreiben, d.h. es reduziert die anderen Vermögenswerte und damit die Basis der Bank, sich selber preiswert Geld zu leihen, um dieses mit Gewinn zu verleihen.
Daraus folgt: Die Bank ist vor allem daran interessiert, dass Ihr Darlehen weiterhin als "performing" gewertet werden kann, es also getilgt und verzinst wird. Die Höhe der Tilgung ist eigentlich nebensächlich.
Offensichtlich hat der Schuldenkönig die Veränderungen, die Basel II mit sich gebracht hat und wesentlichen Einfluss auf die Kreditvergabepolitik der Banken haben, "verschlafen".
Seit dem Inkrafttreten von Basel II haben sich nämlich die Spielregeln geändert. Erwartete Verluste durch Forderungsausfälle machen in der Bank Wertberichtigungen notwendig und belasten dadurch das Eigenkapital, wohingegen unerwartete Verluste von der Bank mit Eigenmitteln zu unterlegen sind. Da die Eigenmittelquote zahlreicher Banken bedrohlich gesunken war, sah sich bereits 1988 der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht veranlasst, für die in den Mitgliedsstaaten ansässigen Banken Eigenmittelvorschriften ("Basel I") zu schaffen, die inzwischen einer Überarbeitung ("Basel II") unterzogen wurden.
Während unter Basel I die Eigenkapitalunterlegung für Kredite noch losgelöst von der Bonität des Kunden erfolgte, sollen durch die Vorschriften von Basel II die Risiken einer Bank exakter und angemessener berücksichtigt werden. Die Unterlegung der Kredite mit Eigenmitteln erfolgt nach den Regeln für die Mindestkapitalanforderungen für Kreditrisiken, welche entweder durch ein externes Rating einer Ratingagentur wie Standard & Poor's, Moody's oder Fitch Ratings oder durch ein internes Rating vorgenommen wird.
Gleichzeitig stellt Basel II auch eine Definition für den Forderungsausfall auf:
"Der Kreditausfall im Hinblick auf einen spezifischen Schuldner gilt als gegeben, wenn mindestens eines der folgenden Ereignisse eingetreten ist:
Die Bank geht davon aus, dass der Schuldner seinen Kreditverpflichtungen gegenüber der Bankengruppe mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht in voller Höhe nachkommen wird, ohne dass die Bank auf Maßnahmen wie beispielsweise die Verwertung von Sicherheiten (soweit vorhanden) zurückgreift.
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Irgendeine wesentliche Verbindlichkeit des Schuldners gegenüber der Bankengruppe ist mehr als 90 Tage überfällig. Überziehungen werden als überfällig betrachtet, wenn der Kreditnehmer ein zugesagtes Limit überschritten hat oder ihm ein geringeres Limit als die aktuelle Inanspruchnahme mitgeteilt wurde. ...."
(Angaben gemäß Deutscher Bundesbank, Stichwort Ausfalldefinition)
Der Schuldenkönig irrt also, wenn er glaubt, die Tilgungsleistung sei nebensächlich. Sobald die Bank feststellt, dass das Darlehn innerhalb der genannten Frist nicht mehr vereinbarungsgemäß bedient wird, kündigt sie das Kreditverhältnis auf, mit der Folge, dass die Rückzahlung sofort fällig ist.
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