Dreizehntes Kapitel: Was taugt die "Gebrauchsanleitung"?
Zitat "Schuldenkönig"
Wenn Sie Schulden machen möchten, müssen Sie entweder über Sicherheiten oder eine gute Bonität verfügen. Da Sie keine abgesicherten Vermögenswerte als Sicherheiten für ein Darlehen riskieren möchten, muss die Bonität stimmen. Wenn Ihre persönliche Bonität ruiniert ist, fahren Sie die folgende Strategie im Namen einer bisher unbelasteten Firma.
Eine tolle Bonität können Sie problemlos mit wenig Kapital etablieren, wenn Sie Darlehen aufnehmen, die Sie überhaupt nicht benötigen. Der Darlehensbetrag wird dann bei einer anderen Bank verzinslich und sicher angelegt (z.B. Festgeld). Aus diesem Guthaben werden fällige Zinsen und Tilgung des Darlehens pünktlich und korrekt gezahlt.
Die Zinsdifferenz zwischen der Anlage (ca. 1-2% unter dem Darlehenzins) und dem Darlehen wird über Ersparnisse oder kurzfristig aus dem Darlehensbetrag finanziert. Wichtig ist, dass das Darlehen in der Schufa geführt wird und jede pünktliche Zinszahlung und Tilgung vermerkt werden.
Da jede Tilgungsrate und Zinszahlung pünktlich erfolgen, sichern Sie sich so eine erstklassige Referenz für weitere Darlehen. Je mehr Darlehen Sie entsprechend abwickeln, desto besser wird Ihre Auskunft.
Ganz so einfach, wie der Schuldenkönig sich das vorstellt, funktioniert das Schulden machen nicht und das gilt nicht erst seit Basel II. Seit Basel II müssen sich nämlich Unternehmen, die ein Darlehn bei der Bank beantragen einem Rating unterziehen, d.h., die Bank schätzt unter genau festgelegten Kriterien ihr Risiko, das mit der Kreditvergabe verbunden ist, ein. Ein Rating berücksichtigt sowohl Hard als Soft Facts wie beispielsweise:
die Daten aus dem Jahresabschluß
Unternehmenskennziffern wie den Cash Flow, die Nettoverschuldungsquote, die Eigenkapitalquote oder die Umsatzrentabilität
das Alter des Unternehmens
die Branche, in der das Unternehmen tätig ist
das Management und seine Erfahrung in der Branche
die Produkte und der Markt, in dem das Unternehmen tätig ist
die Kundenkonzentration, also der Anteil der/des wichtigsten Kunden am Gesamtumsatz.
Daneben werden auch Informationen von Auskunfteien verarbeitet. War das Management bereits in einem anderen Unternehmen in führender Position tätig und ist dieses Unternehmen in die Insolvenz gegangen, dann stellt dieser Umstand auf jeden Fall einen Negativaspekt dar.
Es reicht also bei Weitem nicht aus, wie der Schuldenkönig glaubt, nur eine gute Bonität aufzuweisen, um von Banken Kredite in nennenswerter Höhe zu bekommen. Ein vernünftiger Businessplan und ein paar aussagekräftige Bilanzen sind schon notwendig.
Sollte er hingegen als Privatperson beabsichtigen, diverse Kredite aufzunehmen, dann wird er neben einer guten Bonität entsprechende Einkünfte zur Tilgung der Darlehn vorweisen müssen. Ähnlich wie dem Rating eines Unternehmens wird er zudem eine aussagekräftige Selbstauskunft vorlegen müssen, aus der kreditrelevante Daten zu entnehmen sind. Macht er darin falsche oder unzureichende Angaben, dann sind wir ganz schnell beim Kreditbetrug.
Literaturtipp
Dr. Ellen Ulbricht: Forderungsmanagement, Praxishandbuch für Selbstständige und kleine Unternehmen
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