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Schuldner suchen, Schuldner finden

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Stand: 1. Juli 2009

Vorher prüfen ist besser als später suchen

Der Albtraum eines (Online-)Händlers: Sie haben vertragsgemäß die bestellte Ware versandt, die Rechnung geschrieben, eine Mahnung geschickt, Ihr Kunde reagiert jedoch nicht. Der letzte Brief kam mit dem Vermerk "Unbekannt verzogen" zurück.

Noch viel schlimmer ist es, wenn Sie nach einem langen Rechtsstreit endlich ein vollstreckbares Urteil in der Hand halten und beim ersten Vollstreckungsversuch feststellen müssen, dass sich Ihr Schuldner aus dem Staub gemacht hat, weil er sich vor Gläubigerzugriffen "schützen" will.

Nicht immer steckt allerdings eine böse Absicht dahinter, wenn Sie Post mit dem Vermerk "Unbekannt verzogen" zurückbekommen.

Doch unabhängig davon, ob der Schuldner mutwillig oder versehentlich handelt, gilt: Vorher die Anschrift zu prüfen ist einfacher, als später den vermeintlichen Kunden zu suchen.

Damit erreichen Sie gleich zwei Dinge: Zum einen wird die Anschrift auf eventuelle Schreibfehler hin überprüft. Vor allem Zahlendreher in der Hausnummer können bei Straßenzügen, die in mehrere Postleitzahlen aufgeteilt sind, schnell zur Unzustellbarkeit führen. Da erreicht schon manches Mailing nicht die richtigen Adressaten.

Zum anderen prüfen Sie damit, ob der Kunde unter der angegebenen Anschrift tatsächlich wohnt. Zu diesem Zweck können Sie eine kurze Bestellbestätigung versenden. Erst wenn der Brief nach ein paar Tagen nicht als unzustellbar zurückkommt, versenden Sie die Ware.

Im Zeitalter des Online-Handels erwarten die Kunden allerdings etwas anderes, nämlich eine schnelle und unkomplizierte Lieferung. Der zeitaufwendige Adressencheck mittels Bestellbestätigung wäre für jeden Online-Händler ein k.o.

Ein "Waschabgleich" Ihrer Daten mit einer aktuellen Datenbank kann Ihnen hier viel Arbeit und Ärger ersparen. Dabei liefern Sie Ihre Adressdaten, die Sie für eine Akquise vorgesehen haben oder für die bereits eine Bestellung vorliegt, an einen Dienstleister, der die übermittelten Daten mit seinem Datenbestand abgleicht. Sie bekommen anschließend nur die "gewaschenen", also bereinigten Daten zurück. Fehlerhafte Anschriften sind korrigiert worden, nicht existierende Adressen werden aussortiert. Einige Dienstleister aus der Branche bieten gleichzeitig einen Bonitätscheck an.

Sollten dabei Negativmerkmale wie ein laufendes Inkassoverfahren, ein Mahn- oder Vollstreckungsbescheid, eine eidesstattliche Versicherung oder ein Haftbefehl bekannt sein, dann werden die Adressen erst gar nicht an Sie weitergeleitet.

In Deutschland haben sich zwei Unternehmen auf den Aufbau einer sogenannten Negativdatenbank spezialisiert. Die zur infoscore-Gruppe gehörende AZ Direkt bietet auf der Internetseite der www.infoscore.de unter der Rubrik Dienstleistungen - Datenmanagement entsprechende Dienstleistungen an, ebenso wie die bedirect GmbH & Co. KG in Gütersloh (www.bedirect.de) unter dem Produktnamen PROTECTOR.

Allerdings sind diese Produkte in erster Linie für umfangreiche Mailings mit einer entsprechenden Kundenselektion geeignet und nicht für kleine Aktionen.

Selbst wenn die Anschrift keine Schreibfehler enthält, kommen immer noch eine Reihe möglicher Ursachen in Betracht, weshalb Ihr Brief seinen Adressaten nicht erreicht:

  • Der Kunde hat Ihnen von Anfang an eine Adresse genannt, unter der er vorübergehend untergetaucht ist, und hat nur gewartet, bis Sie ihn beliefern.

  • Er ist umgezogen und hat im Umzugstrubel vergessen, Ihnen seine neue Anschrift mitzuteilen.

  • Er hat sich aus dem Staub gemacht und denkt gar nicht daran, Ihnen irgendeinen Hinweis auf seinen Verbleib zu liefern. Denn mit so lästigen Dingen wie Mahnungen oder gar einem Mahn- und Vollstreckungsbescheid will er sich erst gar nicht beschäftigen.

Was können Sie tun, um den vergesslichen Kunden vom Profischuldner zu unterscheiden? Und vor allen Dingen: Wie können Sie den säumigen Schuldner wiederfinden?

  • Der Kunde, der in der Hektik seiner Umzugsaktivitäten vergessen hat, Ihnen seine neue Anschrift mitzuteilen, wird sämtliche Maßnahmen ergreifen, damit er auch am neuen Wohnort seine Post erhält, und sich zudem beim Einwohnermeldeamt seines neuen Wohnortes anmelden. D.h. früher oder später werden Sie seine neue Adresse in Erfahrung bringen. Auch das erfordert zwar einen gewissen Aufwand - aber immerhin erhalten Sie Ihr Geld. Und der Fall wäre damit abgeschlossen.

  • Ganz anders der professionelle Schuldenmacher: Der Schuldenprofi denkt nämlich gar nicht daran, sich seine Post nachsenden zu lassen. Wozu auch? Er will doch gerade die unliebsamen Briefsendungen loswerden. Seine Taktik zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er versucht, Zeit zu gewinnen. Denn jetzt sind Sie erst einmal damit beschäftigt, seine neue Adresse herauszufinden - und das dauert!

    Was Sie nun konkret unternehmen können, um den verschollenen Schuldner aufzuspüren, das verraten wir Ihnen in den folgenden Kapiteln.

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Die Liste der Schuldner-Tricks ist lang und der Kreativität der Schuldner beim Erfinden von Gründen, weshalb sich der Zahlungseingang verzögert, sind keine Grenzen gesetzt. Wir informieren über klassische Schuldner-Tricks und Gegenmaßnahmen:

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Über die Autorin:

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Dr. Ellen Ulbricht ist Juristin und Unternehmensberaterin, sie liefert unter Mahnen leicht gemacht Hilfen für das Forderungsmanagement. Dr. Ulbricht war 15 Jahre lang in leitender Position im Inkasso ...

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