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Schuldner suchen, Schuldner finden

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Stand: 1. Juli 2009

Eigene Recherche - Für Einzelfälle praktikabel

Die Anschriftenprüfkarte

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen kann Ihr Kunde auch nach der Lieferung und vor der Zahlung seinen Wohnsitz wechseln, ohne dass Sie davon Kenntnis erlangen.

Zur schnellen und kostengünstigen Überprüfung einer angegebenen Adresse können Sie einen Service der Deutschen Post AG nutzen: die Anschriftenprüfkarte. Für die Beauftragung stehen Ihnen verschiedene Wege zur Verfügung: Zum einen können Sie ganz klassisch die Anschriftenprüfkarte nutzen. Den erforderlichen Vordruck erhalten Sie entweder über die Service-Hotline der Deutschen Post AG oder Sie können das Formular über die Internetseiten der Deutschen Post direkt bestellen.

Auf der Anschriftenprüfkarte tragen Sie neben Ihren Absenderangaben die Anschrift des Kunden ein und geben die Karte bei der Post auf. Die Anschriftenprüfung kostet derzeit 0,82 Euro, hinzu kommt noch ein Beförderungsentgelt für die Karte in Höhe von 0,45 Euro (Stand September 2007). Das Ergebnis der Anschriftenprüfung erhalten Sie, je nach Auftrag, entweder per E-Mail oder per Post.

Noch einfacher lässt sich die Anschriftenprüfung mit dem Datei-Check der Deutschen Post durchführen. Hier können Sie eine oder gleich mehrere Anschriften prüfen lassen. Gezahlt werden kann per Kreditkarte. Jede zu prüfende Anschrift kostet derzeit 0,52 Euro zzgl. MwSt zuzüglich einer Auftragsgrundgebühr von 0,77 Euro. Das Rechercheergebnis erhalten Sie per E-Mail. Größere Datenbestände können Sie als Datei übermitteln und prüfen lassen.

Bei der Anschriftenprüfung werden Name und Anschrift auf die korrekte Schreibweise und auf Vollständigkeit hin geprüft. Sofern ein Postnachsendeauftrag besteht, wird Ihnen die neue Anschrift mitgeteilt.

Die Deutsche Post AG darf dem Absender einer Briefsendung nur dann eine Anschriftenänderung mitteilen, wenn der Antragsteller eines Postnachsendeauftrages eingewilligt hat. Hat der Auftraggeber der Weitergabe widersprochen, dann darf die neue Anschrift lediglich an Behörden und Gerichte weitergegeben werden.

Liegt bei der Deutschen Post AG kein Nachsendeauftrag aufgrund eines Umzugs vor, dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder wohnt Ihr Kunde noch unter der angegebenen Adresse, will sich aber vor "ungebetener" Post schützen. Oder er hat sich sang- und klanglos aus dem Staub gemacht. In beiden Fällen ist nun größerer Einsatz gefragt.

Die Anschriftenprüfung durch die Deutsche Post AG wird inzwischen zentral durchgeführt. Das hat zur Folge, dass das Insider-Wissen der einzelnen Postzusteller leider "unter den Tisch" fällt. Bis zur Zentralisierung hat nämlich der örtlich zuständige Postzusteller die Anschriftenprüfungen bearbeitet und konnte hin und wieder schon mal einen Tipp geben, wenn eine gesuchte Person in einer bestimmten Straße oder Wohnung "untergetaucht" war.

Die Ergebnisse der Anschriftenprüfung sind nicht immer befriedigend. Die Anschriftenprüfung ist deshalb zwar ein kostengünstiges Instrument, um die Schreibweise und die Anschrift auf Vollständigkeit und Richtigkeit zu überprüfen. Verschwundene Schuldner lassen sich damit allerdings nur dann finden, wenn ein Nachsendeauftrag besteht und der Antragsteller des Postnachsendeauftrages der Weitergabe der neuen Anschrift nicht widersprochen hat.

Das Einwohnermeldeamt

Hat Ihnen die Anschriftenprüfkarte keine neuen Erkenntnisse gebracht, dann können Sie den klassischen Weg in der Anschriftenermittlung über die Anfrage beim Einwohnermeldeamt gehen. Das ist allerdings eine mühsame und nicht unbedingt erfolgversprechende Angelegenheit, da es in Deutschland kein zentrales Melderegister gibt.

Schuldner ziehen im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung weitaus häufiger um, was die Anschriftenermittlung schon einmal erschwert. Hinzu kommt, dass Sie bei einer Anfrage an das Einwohnermeldeamt immer nur die nächste Anschrift erhalten, unter der sich der Angefragte - wenn überhaupt - angemeldet hat. Ist er unter der neu ermittelten Adresse bereits wieder verzogen, müssen Sie weiter suchen. Ist Ihre ursprüngliche Anschrift bereits ein paar Jahre alt, dann kann es durchaus passieren, dass Sie vier oder fünf Anfragen bei verschiedenen Meldeämtern in Auftrag geben müssen, bis Sie endlich an die aktuelle Anschrift gelangen, sofern sich der Schuldner immer brav umgemeldet hat. Andernfalls reißt Ihre Kette mit der Suche nach dem Verschwundenen ab.

Änderungen im Melderecht erleichtern einem Schuldenprofi inzwischen die Arbeit. Eine Abmeldung bei Verlegung des Hauptwohnsitzes innerhalb Deutschlands ist nämlich nicht mehr notwendig, § 11 Abs. 1 MRRG. Zugleich ist es für die Anmeldung an einer neuen Adresse nicht mehr nötig, einen Nachweis des Vermieters vorzulegen. Jetzt kann sich der Schuldenprofi unter beliebig vielen fiktiven Adressen anmelden und bekommt ganz offiziell eine Anmeldebescheinigung, ohne jemals dort gewohnt zu haben. Folglich bekommen Sie vom Einwohnermeldeamt eine neue Adresse geliefert, die Ihnen jedoch nicht weiterhilft, weil die Post dort wieder nicht zustellbar ist. Das Spiel beginnt von Neuem. Die sehr schuldnerfreundliche Möglichkeit wird sich schon bald unter den Schuldenprofis herumgesprochen haben. Bis dahin werden die "Experten" unter den Schuldnern entweder ihrer Meldepflicht nicht nachkommen oder sich bestenfalls unter der Anschrift von Verwandten oder Freunden anmelden, dort aber nie wohnen.

Manchen Schuldnern gelingt es, eine Auskunftssperre beim Einwohnermeldeamt zu erwirken. Sie wollen damit verhindern, dass eine neue Anschrift an Privatpersonen oder Unternehmen, die professionell neue Anschriften recherchieren, herausgegeben wird.

Eigentlich soll die Auskunftssperre nur in wirklich ernsthaften Fällen wie einer Gefahr für Leben, Gesundheit, der persönlichen Freiheit oder ähnlichen Fällen eingerichtet werden.

Sofern Sie ein berechtigtes Interesse nachweisen können, weil Sie die Anschrift beispielsweise benötigen, um dem säumigen Kunden einen Mahnbescheid zustellen zu können, dann darf Ihnen das Einwohnermeldeamt trotz der bestehenden Auskunftssperre die neue Anschrift mitteilen.

Schwierig wird es, wenn der Gesuchte ins Ausland verzogen ist. Sofern er sich überhaupt abgemeldet hat, sind die Angaben oft nur recht dürftig. Meist bekommen Sie dann die Rückmeldung vom angefragten Einwohnermeldeamt, die betroffene Person sei "nach Spanien" verzogen, ohne weitere Anhaltspunkte, wo Sie in dem betreffenden Land die Suche fortsetzen könnten.

Selbst dann, wenn die neue Auslandsanschrift angegeben wird, hat dies so seine Tücken. Als ich vor ein paar Jahren meinen Wohnsitz in Deutschland endgültig aufgegeben und mich unter Angabe meiner neuen österreichischen Adresse abmelden wollte, war es dem Einwohnermeldeamt in Deutschland einfach nicht möglich, die von deutschen Gepflogenheiten abweichende, vollständige österreichische Anschrift abzuspeichern.

Ein nach Österreich adressierter Brief, der neben den Standardangaben zwar sowohl die Straße und Hausnummer, nicht aber die erforderlichen Angaben zur (Haus-)tür und Wohnungsnummer enthält, ist für einen österreichischen Postzusteller unzustellbar, weil an den Briefkästen in Mehrfamilienhäusern keine Namen, sondern nur die Haustür- und Wohnungsnummern stehen. Je nach Arbeitseifer des Postzustellers wird der unzustellbare Brief dann meist im Hausflur abgelegt und irgendwann zusammen mit herumliegenden Werbesendungen "entsorgt". In diesem Fall werden Sie nie erfahren, dass der Kunde den Brief nicht erhalten hat. In seltenen Fällen macht sich der Postzusteller die Mühe und schickt den Brief an den Absender zurück. Trotz ordnungsgemäßer Abmeldung hätte mich aufgrund einer über das Einwohnermeldeamt recherchierten Anschrift wahrscheinlich nie ein deutscher Brief erreicht!

Trotzdem kann sich eine Anfrage beim Einwohnermeldeamt lohnen, denn es gibt schließlich nicht nur schwarze Schafe unter den Kunden, sondern überwiegend redliche Menschen, die einfach vergessen haben, Sie über eine neue Anschrift und/oder eine Namensänderung zu informieren.

Der Schuldner "wohnt" im Postfach

Andere Schuldner versuchen sich vor unliebsamen Briefsendungen zu "schützen", indem sie nur eine Postfachadresse bekannt geben. Sie haben damit keinen Anhaltspunkt über den Wohnsitz des Schuldners, was Ihnen die Zustellung eines Mahn- und Vollstreckungsbescheides unmöglich machen wird.

Lassen Sie sich stets neben der Postfachadresse auch die vollständige Firmen- oder Privatadresse mitteilen. Liefern Sie grundsätzlich nicht, sofern Ihnen der Kunde seine vollständige Anschrift nicht mitteilt.

Sollte der Kunde erst im Nachhinein eine Postfachadresse eingerichtet haben, dann haben Sie die Möglichkeit, die Anschrift des Postfachinhabers durch die Deutsche Post AG in Erfahrung zu bringen. Die Post darf Ihnen nämlich unter der Voraussetzung, dass Sie ein berechtigtes Interesse nachweisen, die Anschrift des Postfachinhabers mitteilen. Ein berechtigtes Interesse liegt in jedem Fall vor, wenn sich Ihr Kunde vor seinen Zahlungsverpflichtungen drückt.

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Über die Autorin:

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Dr. Ellen Ulbricht ist Juristin und Unternehmensberaterin, sie liefert unter Mahnen leicht gemacht Hilfen für das Forderungsmanagement. Dr. Ulbricht war 15 Jahre lang in leitender Position im Inkasso ...

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