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Seitenblicke vom 26. Mai 2014

Monopolist Amazon - Teure Facebook Werbung - The Internet's Own Boy - Ein Bett für Snowden - Der Experte

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Stand: 25. Mai 2014

Monopolist Amazon und E-Books

Ja, ich gebe es zu — auch ich kaufe regelmäßig bei Amazon ein. Eigentlich fast alles: Bücher, E-Books, CDs, DVDs, Nähmaschine, Töpfe, Bildschirme, Blumensamen. Es ist übersichtlich, bequem und oft preiswerter als anderswo. Ich überlege mir aber so langsam, ob das wirklich so eine gute Idee ist.

Amazon-Kindle

Amazon wird zum Monopolisten. In den USA laufen 2/3 der Buchverkäufe über Amazon. Wer Amazon Probleme macht, kriegt selber Probleme, seine Bücher bei Amazon abzusetzen. Die Verlagsgruppe Hachette und jetzt in Europa die Bonnier-Gruppe (dazu gehören u.a. Piper, Ullstein, Thiemeann) erlebte nun, was denen passiert, die die von Amazon diktierten Bedingungen nicht akzeptieren: Problemlos und sofort zu versendende Bücher sind angeblich erst in einigen Wochen erhältlich. Gestritten wird vordergründig um die Höhe der sogenannten "Rabatte". Bisher erhielt Amazon bei E-Books 30% und der Verlag/Autor 70%. Nun soll daraus ein Split 50 zu 50 werden. Aber es geht möglicherweise um eine Neuaufstellung des Verlagswesens - mit Amazon als Gewinner. Warum Amazon selber jetzt den Streit mit den Verlagen sucht und gleichzeitig kurzfristige finanzielle Verluste in Kauf nimmt, erläutert Andreas Platthaus in seinem Artikel: Vorwärts in die totalitäre E-Welt in der FAZ.

Teure Facebook Werbung

Über sog. "fake Facebook Likes" hatten wir schon ausführlich berichtet. Die sind aber nicht nur irreführend, sondern können ganz schön ins Geld gehen - auch wenn man selbst kein einziges Like kauft. Raaj Kapur Brar, Herausgeber/Redakteur von etlichen Modezeitschriften hat nach eigenen Angaben über 600.000 US-Dollar für Facebook-Werbekampagnen ausgegeben, aber nur ein Bruchteil der "Klicks" auf der Anzeige führte zu seiner eigenen Site. Bis zu einem gewissen Teil ist so ein Verhalten vollkommen normal, aber im Falle von Brar war die Differenz zwischen den von Facebook ermittelten Zahlen und den von Google-Analytics ermittelten Besuchern mit Facebook-Herkunft frappierend: So wurden nach Facebook über 600.000 Klicks ausgelöst, nach Google-Analytics landeten nur 160.000 im selben Zeitraum auf der firmeneigenen Website. Wie erklärt man das? Ganz genau weiß man es nicht, da Facebook keinen Einblick in die dahinter liegende Statistik zulässt. Ein wesentlicher Aspekt scheinen die gekauften Facebook-Likes zu sein. In dem Versuch, "fake Likes" zu "legitimieren", nutzen die "Click-Farms" eingeblendete Facebook-Ads, um die eigene (nicht vorhandene) "Existenz" plausibel erscheinen zu lassen. So entstehen Kosten für wertlose Clicks, fernab von wirklichen Menschen mit wirklichen (Kauf)-Interessen. Ein en-bloc-Löschen der schädlichen Fans seitens des Page-Betreibers ist leider nicht möglich. Das geht nur einzeln - viel Spaß dabei. Mehr zum Fall Brar bei Business Insider (in englischer Sprache).

The Internet's Own Boy

Was haben Crowdfunding, politisches Engagement und Hacking mit einander zu tun?

Die Geschichte des Internetaktivisten Aaron Swartz wird in einem neuen Dokumentarfilm von Brian Knappenberger mit dem Arbeitstitel "The Internet's Own Boy" aufgearbeitet.

Wer war Aaron Swartz? Er war mit 14 Koautor der RSS-Spezifikation 1.0, danach Mitglied einer für das Resource Description Framework zuständigen Arbeitsgruppe des W3C, gründetet den Startup Infogami, war aktiv in der Creative-Commons Bewegung und wurde technischer Leiter der Open Library. Mit seinem "Guerilla Open Access Manifest" schuf er eine ideologische Grundlage für den radikalen Flügel der Open Access Bewegung, die den freien Zugang zur wissenschaftlichen Literatur im Internet fordert.

Am 19. Juli 2011 wurde Swartz angeklagt, nach dem er sich in das kostenpflichtige Zeitschriftenarchiv JSTOR einhackte und 4,8 Millionen Artikel herunterlud. Obwohl JSTOR nicht gegen Swartz vorgehen wollte, wurde er erst gegen eine Kaution von 100.000 US-Dollar auf freien Fuß gesetzt, der Gerichtsprozess sollte im April 2013 stattfinden. Im Falle einer Verurteilung drohten Swartz bis zu 35 Jahre Haft und eine hohe Geldstrafe. Im September 2011 gab JSTOR bekannt, den gemeinfreien Teil der Zeitschriftentexte eh öffentlich zugänglich zu machen, am 9. Januar 2013 gaben sie bekannt, 4,5 Millionen Artikel für begrenzte Zeit kostenlos zugänglich zu machen. Am 11. Januar nahm sich Aaron Swartz das Leben. Er war 26 Jahre alt.


Filmemacher Knappenberger, der sich schon mit dem Thema "Anonymous" der radikalen Gemeinde der Haktivisten widmete (We are Legion, the Story of the Hacktivists) versucht nun mit seiner Produktionsfirma Luminant Media neue Wege zu gehen, um dieses Kapitel Netzgeschichte zu erzählen. Da Dokumentarfilme über unbequeme Themen es nicht gerade leicht haben, wenn es um die Finanzierung und den Vertrieb geht, hat sich Knappenberger direkt an das zukünftige Publikum gewandt. Via Kickstarter sollten $75.000 per Crowdfunding gesammelt werden. Innerhalb von einem Monat kamen über $90.000 zusammen. Der Film kann somit produziert werden und soll auch "kreativ" vertrieben werden, nämlich über eine "Attribution-NonCommercial-ShareAlike 3.0 Unported License" von Creative Commons. Ferner wird der Film auf Festivals, in öffentlichen Vorführungen in Bibliotheken, kleinen Kinos und Universitäten gezeigt und kann "on demand" angeschaut werden - ab den 27. Juni.

Ein Bett für Snowden

Aktion Ein Bett für Edward Snowden

Auf der Kampagnen-Plattform compact.de kann man kostenlos Türschilder und Briefkastenschilder mit der Aufschrift "Ein Bett für Snowden" bestellen. Die Kampagnenersteller erklären ihre Aktion so: "Die Regierung verwehrt Edward Snowden weiter Asyl. Doch am Jahrestag seiner Enthüllungen, am 6. Juni 2014, zeigen Menschen aus ganz Deutschland: Bei uns ist Snowden willkommen. Als Zeichen der Solidarität hängen sie ein Schild an die Tür und bringen einen Aufkleber an ihrem Briefkasten an." Es steht jedem frei, zusätzlich eine kleine Spende zu leisten.

Der Experte/The Expert

Also, es gibt Fälle, wo man wirklich nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll. So wie bei dem Filmchen "The Expert". Der Youtube-Film verfügt auch über gute deutsche Untertitel, falls Sie sich im englischen Marketing-Speak nicht so sicher fühlen sollten.

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