Der erste Jahresabschluss als Selbstständiger? So kommen Sie zur Steuererklärung

Keine Panik: Der Jahresabschluss ist oft schneller erledigt als die Einkommensteuererklärung von Angestellten.

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Stand: 15. April 2015 (aktualisiert)

Sie haben sich letztes Jahr selbstständig gemacht und müssen Ende Mai Ihre erste Steuererklärung als Freiberufler oder Unternehmer abgeben? Kein Grund zur Sorge: Der gefürchtete Jahresabschluss ist gar keine Geheimwissenschaft. Wir sagen Ihnen, welche Formulare Sie ausfüllen müssen und welche Unterlagen Sie benötigen. Übrigens ist es gut möglich, dass Ihre Steuererklärung weniger Mühe macht als die Steuererklärungen aus Ihrer Angestellten-Zeit!

Aktueller Hinweis: GoBD und die Folgen

(März 2016) Durch die vom Bundesfinanzministerium veröffentlichten „Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff“ (GoBD) können sich zusätzliche Anforderungen an die Belegablage und Aufzeichnungen von Freiberuflern und Kleingewerbetreibenden ergeben:

  • Im Kern regeln die GoBD den Umgang mit elektronischen Belegen, Aufzeichnungen und Unterlagen. Wer in seinem Betrieb komplett auf Software-Einsatz verzichtet, keine Bargeld-Kasse führt und sämtliche Steuerpflichten dem Steuerberater überlässt, hat von den GoBD-Vorschriften wenig zu befürchten.

  • Wenn Sie Ihre Belegablage und Aufzeichnungen jedoch freiwillig mithilfe von Computerprogrammen und anderen elektronischen Hilfsmitteln erledigen, müssen die elektronischen Werkzeuge den GoBD-Vorschriften entsprechen. Excel-Tabellen, Word-Dokumente oder Freeware-Buchführungsprogramme erfüllen die Kriterien in der Regel nicht. Sofern Sie das noch nicht getan haben, sollten Sie sich möglichst bald nach einer GoBD-kompatiblen Software umschauen.

  • Freiberufler und Kleingewerbetreibende müssen grundsätzlich keine „Bücher führen“: Welche GoBD-Bestimmungen letztlich auch für „Nichtbuchführungspflichtige“ gelten werden, ist noch nicht abschließend geklärt. Denn bei den Vorschriften handelt es sich zunächst einmal „nur“ um Verwaltungsanweisungen der Finanzbehörden ohne Gesetzeskraft. Die genauen Folgen der GoBD für nicht-buchführungspflichtige „Einnahmenüberschussrechner“ werden sich daher erst zeigen, wenn erste Betriebsprüfungen des Jahres 2015 abgeschlossen und von Finanzgerichten überprüft worden sind.

Ausführlichere Informationen zum Thema „GoBD und die Folgen“ finden Sie im Beitrag-Update, das wir in den nächsten Wochen veröffentlichen.

Jahresabschluss ante portas?

Die Aussicht auf die Steuererklärung kann einem den sonnigsten Wonnemonat vergällen. Doch Ende Mai ist nun einmal der Standard-Abgabetermin für Einkommensteuersachen. Mut zur Lücke ist nicht zu empfehlen: Bei Verspätungen drohen Strafzahlungen oder sogar hohe amtliche Steuerschätzungen. Wer mit seinen privaten und betrieblichen Unterlagen noch nicht so weit ist, kann die Frist zum Glück bis Ende September, mit Unterstützung eines Steuerberaters bis zum Jahresende – unter Umständen sogar bis Februar 2016 – verlängern lassen. Wie das geht, zeigt unser aktueller Beitrag "Steuer-Deadline 31. Mai 2015".

Damit sich Ihre erste Steuererklärung als Selbstständiger nicht zum bedrohlichen Dauerbrenner entwickelt, sollten Sie den Weg des geringsten Widerstands allerdings nicht zu lange gehen. Geringer wird der Verwaltungsaufwand ohnehin nicht. Und: Je länger Geschäftsvorfälle zurückliegen, desto schwerer fällt es Ihnen, sich im Zweifelsfall an die Begleitumstände zu erinnern.

Die gute Nachricht: In der Praxis sind die Gewinnermittlung und das Zusammenstellen der erforderlichen Unterlagen bei Geschäftsleuten oft schneller erledigt als das Sammeln der Belege für Werbungskosten von Angestellten. Grund: Die meisten Selbstständigen haben den überwiegenden Teil ihrer Buchhaltungs-Hausaufgaben ja bereits im laufenden Jahr erledigt: Denn nur so waren schließlich die Monat für Monat fälligen Umsatzsteuervoranmeldungen möglich.

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Vielen Dank für die Antworten. Mit Abschreibungen hatte ich bei mir die sogenannten GWG gemeint. Aber die kommen ja nicht in das AV rein.

Viele Grüße Fred

Hallo Fred,
gestern hatten Sie noch Abschreibungen. :-)
Egal: Wenn sich gegenüber dem Vorjahr nichts geändert hat, reicht normalerweise auch ein Verweis darauf. Oder Sie lassen das AV einfach kommentarlos weg - wenn das Finanzamt wider Erwarten eines haben will, meldet es sich bei Ihnen. Alles halb so wild.
Alles gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Vielen Dank Herr Chromow,eine Frage hätte ich noch muß man eigentlich immer ein Anlageverzeichnis mit einreichen. Selbst wenn ich keine aktuellen Abschreibungen mehr habe und auch keine neuen wie zb. für das Jahr 2010 hinzugekommen sind? Klingt ein wenig umständlich , aber ich hatte für 2010 nichts abzuschreiben und die letze Abschreibung ist 2009 abgelaufen. Also keine Veränderung gegenüber 2009. Viele Grüße Fred

Hallo Fred,
in dem Fall muss das Anlagenverzeichnis keine bestimmte Form haben. Sie können eine Aufstellung eigener Wahl einreichen oder auch den Vordrück aus der Anlage EÜR verwenden.
Viele Grüße
Robert Chromow

Hallo Herr Chromov ich habe eine Frage zum Anlagenverzeichnis. Bei der amtlichen EÜR muß man ja das dazugehöride Anlagenverzeichnis zb für 2010 mit einreichen. Wie sieht das denn bei einer formlosen EÜR aus, wenn ich darin Abschreibungen vorgenommen habe.
Danke fred

Hallo Herr Chromow,

vielen Dank für die schnelle Antwort und die Erfolgswünsche.
Dann werden jetzt die Anlage N und ich wohl ein bisschen Zeit miteinander verbringen...:-)
Herzliche Grüße

Guten Tag und vielen Dank für das freundliche Feedback.
Zu Ihrer Frage: Da Sie im vergangenen Jahr Arbeitnehmer-Einkünfte _und_ Einkünfte als Selbstständiger hatten, müssen Sie bei Ihrer Einkommensteuererklärung sowohl die "Anlage N" (Einkünfte aus "_n_ichtselbstständiger Arbeit") als auch die "Anlage S" (Einkünfte aus "_s_elbstständiger Arbeit") einreichen.
Viel Erfolg und freundliche Grüße
Robert Chromow

Sehr geehrte Damen und Herren,

Erstmal vielen Dank für den super Artikel! Er hat mir sehr weitergeholfen. Eine offene Frage bleibt:
Ich bin seit Juli letzten Jahres als selbstständiger freiberuflicher Journalist tätig. Bis Juni war ich im Rahmen eines Volotariats angestellt. Muss ich bei meiner Einkommensteuererklärung die Anlage N abgeben oder ist das nur notwendig, wenn Einkünfte aus selbstständiger und nicht-selbstständiger Arbeit parallel erzielt werden?

Vielen dank im Voraus und herzliche Grüße

Hallo, vielen Dank für Ihre

Hallo,
vielen Dank für Ihre Nachricht: Leider bin ich nicht sicher, ob ich Ihre erste Frage (richtig) verstanden habe. Daher nur so viel:
1. "Online-Handel" gilt nicht als selbstständige Tätigkeit, sondern als "Gewerbe". Sie füllen also die "Anlage G" (für "Gewerbebetrieb") aus. Die "Anlage EÜR" können Sie sich evtl. sparen, sofern Ihre Betriebseinnahmen 17.500 Euro nicht überschreiten, was bei einem Kleinunternehmer im ersten Geschäftsjahr zu vermuten ist. In dem Fall genügt eine formlose Einnahmenüberschussrechnung (s. o.). Neben Ihrer EÜR und der "Anlage G" geben Sie den Mantelbogen der "privaten" Einkommensteuererklärung ab. Falls Sie noch andere Einkunftsarten hatten (z. B. als Arbeitnehmer) müssen Sie auch die dazugehörigen Anlagen (z. B. "Anlage N") ausfüllen.
2. Grundsätzlich haben Sie recht: Auch Kleinunternehmer müssen genau genommen eine Umsatzsteuererklärung abgeben. Darin bestätigen sie, dass ihre erzielten Umsätze der Kleinunternehmerregelung unterliegen. Viele Finanzämter nehmen es aber hin, wenn Kleinunternehmer auf diese Nullsummen-Steuererklärung verzichten.
Zum Glück ist die Kleinunternehmer-Umsatzsteuererklärung schnell erledigt: Den Link zum Umsatzsteuer-Formular finden Sie oben im Text. Es genügt, wenn Sie Seite 1 ausfüllen: Dort tragen Sie in Zeile 25 den vollen Betrag Ihres Jahresumsatzes ein (= Betriebseinnahmen, die grundsätzlich der Umsatzsteuer unterliegen). Außerdem setzen Sie ein Häkchen in Zeile 28 und unterschreiben das Ganze.
3. Wenn Sie sich für die 410-Euro-Sofortabschreibung entscheiden, brauchen Sie keinen GWG-Pool. Bei einer eventuellen Betriebsprüfung müssen Sie lediglich eine jahresweise GWG-Liste vorlegen können. Das muss aber kein besonderes GWG-Verzeichnis sein: Es genügt, wenn Sie Jahr für Jahr Ihre GWG-Anschaffungen auf einem Buchungskonto zusammenfassen und auf Nachfrage gezielt die dazugehörigen Belege vorlegen können.
Hoffentlich hilft Ihnen das ein wenig weiter?
Alles Gute und herzliche Grüße
Robert Chromow

Ich möchte ein ganz großes Dankeschön aussprechen ! Dieser Artikel hat mir super weiter geholfen ! Vielen Dank !!

Hallo,

Sie haben Glück - für das im Ausland gekaufte Gut müssen Sie keine Umsatzsteuer in Deutschland entrichten. :-)

beste Grüße

Simon Hengel
akademie.de

Ich bin Kleinunternehmer und habe im Ausland eingekauft. Die ausländische Firma hat mir keine Mwst berechnet. Wo muß ich nun die noch zu leistetende Umsatzsteuer anmelden? Und wo ist das im Antrag auszufüllen?

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