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Der Schritt in die Selbstständigkeit: Wer wagt, gewinnt!

Mutige Pläne ja, aber nicht selbstmörderisch!

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Stand: 1. März 2012 (aktualisiert)

Scheitern inbegriffen

Ob eher zufällig oder von langer Hand geplant: Der Wechsel in die Selbstständigkeit ist für die meisten ein großer Schritt, der von vielen Unsicherheiten begleitet ist. Lorenz Hölscher plaudert aus dem Nähkästchen, was Sie dabei erwartet.

Bin ich schon drin oder was?

Wer sich selbstständig macht, erwartet vielleicht einen erhebenden Moment, einen Tusch oder ein paar knallende Sektkorken, dass es jetzt losgeht. Dabei ist der Start in die Selbstständigkeit oft viel unspektakulärer - meistens wird man sich seiner erst bewusst, wenn er schon lange vorbei ist.

Die erfolgreiche Selbstständigkeit ist nämlich weniger einer juristische Frage als vor allem eine Einstellung zum Umgang mit Arbeit. Wer seine Tätigkeit selbst organisiert, ist schon ziemlich selbstständig. Wer am Schreibtisch sitzt und darauf wartet, dass der Chef ihn mit Lohn und Arbeit versorgt, verharrt in der Angestellten-Mentalität.

Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt ...

Das Schwierigste am Anfang besteht darin, einen Auftrag zu erhalten. Niemand kennt Sie und Sie können keine Arbeitsproben vorlegen, was sollte Sie also für dieses Projekt empfehlen?

Versuchen Sie, einen schleichenden Übergang zu finden. Sie können sich mit anderen Selbstständigen, die Sie aus der vorherigen Arbeit vielleicht schon kennen, lose zusammenschließen und denen zuarbeiten. Oder Sie arbeiten anfangs als Externer für Ihre bisherige Firma.

Je nach Branche sind Wettbewerbe ein Sprungbrett für die Karriere, aber leider auch ein heißumkämpftes. Bei Architektur-Büros bspw. gibt es etliche, die eigens auf Wettbewerbe spezialisiert sind.

Sie können sich außerdem in den einschlägigen Datenbanken (gulp.de oder ähnliche) als Interessent registrieren lassen, aber auch da gelten eigene Spielregeln. Wenn Sie keine seltene, aber dringend gesuchte Qualifikation mitbringen, wird dort schon mal nach billigstem Preis und sofortiger Verfügbarkeit am anderen Ende der Welt entschieden.

No risk, no fun?

Dazu gehört dann auch die Kehrseite der Medaille, denn eigene Verantwortlichkeit schließt immer eigenes Scheitern mit ein. Wer nichts tut, kann nichts falsch machen, aber eben auch nicht selbstständig werden. Sie müssen sich darüber im klaren sein, dass einige Ihrer Projekte scheitern werden, vielleicht sogar wesentliche.

Es braucht also einen "Plan B", wenn es doch nicht so läuft wie erhofft. Das ist meistens leichter gesagt als getan, denn Sie stecken Ihre gesamte Kraft in die Selbstständigkeit, da bleibt nicht viel Reserve für eine Alternative.

Warum eigentlich ins kalte Wasser springen?

Ich habe anfangs vor allem als Software-Dozent gearbeitet, also für Firmen-Mitarbeiter Schulungen in Microsoft-Office-Programmen gehalten. Ein Bekannter suchte jemanden für diese Arbeit und ich war mit meinem damaligen Job in einem Ingenieurbüro unzufrieden.

Nach Rücksprache mit meinen Kollegen habe ich mir jeweils die drei Tage für die Schulung frei genommen und erst einmal probiert, ob so ein Training und ich zusammenpassen. Ich hatte zwar als Architekt Übung darin, vor Publikum frei zu sprechen, aber bis dahin nicht über Software-Themen. Und es ist etwas anderes, eine Stunde zu einem Bau-Entwurf vorzutragen, als drei Tage lang Software-Übungen anzuleiten.

Vor allem kann es sein, dass Sie gerade am Anfang besonders viel investieren müssen. Zeit sowieso, aber auch Geld. Gehört zu Ihrer Selbstständigkeit beispielsweise ein Ladenlokal, braucht dieses schon eine irgendwie arbeitsfähige Ausstattung.

Sicherlich ist es möglich, das Mobiliar mit ein wenig Geschick im Großmarkt oder gebraucht bei eBay zu bekommen, aber ein paar tausend Euro sind da schnell weg, bevor Sie auch nur das erste eigene Produkt verkauft haben.

Verträge für Gewerberäume haben außerdem üblicherweise Mindestlaufzeiten von drei bis vier Jahren ohne vorzeitige Kündigungsfrist. Da haben Sie sich schnell auf einige zigtausend Euro über einen längeren Zeitraum verpflichtet.

Frühausstieg vereinbaren

In weniger beliebten Geschäftslagen können Sie möglicherweise ein Sonderkündigungsrecht nach einem halben Jahr vereinbaren, innerhalb dessen Sie einschätzen können, ob es wie geplant läuft. Auch der Vermieter hat letztendlich nichts davon, wenn Sie nach einem Jahr zahlungsunfähig sind. Dann sind Sie zwar für die Miete bis zum Rest der Laufzeit haftbar, aber mangels finanzieller Masse bringt ihm das gar nichts.

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