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Selbstständig und schwanger: Kindergeld, Mutterschaftsgeld und Elterngeld für Selbstständige

Der Detail-Überblick über Ihre Ansprüche!

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Von: Ann Yacobi
Stand: 30. Mai 2017 (aktualisiert)

Kindergeld und Mutterschaftsgeld

Als werdende Mutter können Sie ganz sicher damit rechnen, dass man Sie von allen Seiten mit Tipps zu Hausmittelchen oder zur Erziehung versorgt. Handfeste Auskunft zu finanziellen Themen ist dagegen deutlich schwieriger zu bekommen - vor allem, wenn die zukünftige Mama Selbstständige ist.

Dabei müssen Selbstständige besonders genau rechnen: Sie haben oftmals schon vor der Geburt keine Einkünfte in gleichbleibender Höhe. Außerdem fallen manche Ausgaben auch während einer Babypause an - etwa die Miete für ein Ladengeschäft. Dazu kommt das Risiko, nach einer Auszeit im beruflichen Abseits zu landen, weil Kunden und Aufträge verloren gehen.

Wir geben einen Überblick über die Leistungen, mit denen Selbstständige finanzielle Einbußen durch die Geburt ihres Babys abfedern können.

  • Kindergeld wird einkommensunabhängig an alle Eltern gezahlt, die in Deutschland leben und Steuern bezahlen.

  • Mutterschaftsgeld steht in den Wochen vor und nach der Geburt nur Frauen zu, die sich mit Anspruch auf Krankengeld versichert haben.

  • Elterngeld und Elterngeld Plus ersetzen wegfallendes Einkommen im ersten bis dritten Lebensjahr des Kindes.

  • Landeserziehungs- und Betreuungsgeld "belohnen" Eltern in Sachsen und Bayern zusätzlich, wenn sie keine staatlich geförderte Kindertageseinrichtung nutzen.

Kindergeld

Kindergeld ist kinderleicht zu beantragen. Bezugsberechtigt ist praktisch jeder, der sich überwiegend in Deutschland aufhält und im Land unbeschränkt einkommensteuerpflichtig ist, als Ausländer über eine Aufenthaltsberechtigung bzw. -erlaubnis verfügt und dessen Kinder in Deutschland wohnen. Auch in anderen Fällen können Eltern unter Umständen Kindergeldansprüche haben.

Kindergeld gibt es grundsätzlich

  • für alle Kinder bis zum 18. Lebensjahr,

  • für Kinder in Ausbildung bis zum 25. Lebensjahr,

  • für arbeitslose Kinder bis zum 21. Lebensjahr.

Zuständig ist die dem Arbeitsamt angegliederte Familienkasse. Einen Antragsvordruck sowie ein Merkblatt gibt es bei der Arbeitsagentur zum Download in vielen Sprachen. In den zweiseitigen Antrag ist nicht viel mehr einzutragen als der Geburtstermin sowie einige Daten zur Familie. Dann kann er ausgedruckt, unterschrieben und eingeschickt werden. Bei der Ausstellung der Geburtsurkunde bekommt man gleich eine Kopie speziell für diesen Antrag (wie übrigens auch für die im folgenden beschriebenen Anträge).

Kindergeld wird auch neben dem Elterngeld bezahlt. Seit Januar 2017 erhalten Familien mehr Geld: jeweils 192 Euro monatlich für das erste und zweite Kind, 198 Euro für das dritte und jeweils 223 Euro für das vierte und jedes weitere Kind. Ab 2018 wird das Kindergeld nochmals um je 2 Euro angehoben.

Mutterschaftsgeld

Mutterschaftsgeld ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Es wird sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt des Kindes gezahlt. Nach Früh- oder Mehrlingsgeburten verlängert sich die zweite Frist auf zwölf Wochen. Mutterschaftsgeld können Sie frühestens sieben Wochen vor der Geburt bei Ihrer Krankenkasse beantragen. Dafür brauchen Sie eine ärztliche Bescheinigung über den errechneten Entbindungstermin.

Mutterschaftsgeld ist an einen Anspruch auf Krankengeld gebunden! Selbstständige haben Anspruch auf Mutterschaftsgeld in Höhe des Krankengeldes, wenn sie

  • als freiwilliges Mitglied einer gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) einen Wahltarif Krankengeld abschließen oder

  • den höheren Normalbeitrag der gesetzlichen Krankenkassen von derzeit 14,6 Prozent (2017) zahlen, der ihnen einen Anspruch auf Krankengeld ab der 7. Krankheitswoche sichert. Je nach Kasse kommt dazu noch ein Zusatzbeitrag von bis zu 1,8 Prozent. Für eine Einstufung in den Normalbeitrag genügt eine formlose Wahlerklärung gegenüber der Krankenkasse.

Freiwillig Versicherte, die keine Erklärung abgeben und keinen Wahltarif abschließen, zahlen den ermäßigten Beitragssatz von 14 Prozent (2017) plus Zusatzbeitrag und haben dafür keinen Anspruch auf Krankengeld und Mutterschaftsgeld.

Zum Weiterlesen:

Tarifwechsel kann sinnvoll sein

Wenn Sie eine Schwangerschaft planen, sollten Sie einen teureren Wahltarif mit Krankengeldanspruch oder die Zahlung des Normalbeitrags erwägen, um später Mutterschaftsgeld zu bekommen. Dies lohnt sich aber nur, wenn Ihr Mutterschaftsgeld höher sein wird als Ihr voraussichtliches Elterngeld, weil sich durch den Bezug von Mutterschaftsgeld der Anspruch auf Elterngeld um zwei Monate verkürzt. Während des Bezugs von Mutterschaftsgeld sind alle gesetzlich Versicherten beitragsfrei versichert. Mutterschaftsgeld ist wie auch das Elterngeld steuer- und sozialabgabenfrei.

Wenn Sie einen Wahltarif Krankengeld abschließen, können Sie die Konditionen relativ frei vereinbaren. Ihr Krankengeld kann also durchaus höher oder niedriger als das gesetzliche sein. Grundsätzlich gilt: Je früher die Versicherung zahlt (z. B. ab der 3. oder ab der 7. Krankheitswoche) und je höher der vereinbarte Leistungsbetrag, desto höher der Beitrag. Versicherte sind drei Jahre lang an den Wahltarif und die Krankenkasse gebunden. Die Krankenkassen können für die Wahltarife eine Karenzzeit festlegen. Das bedeutet, dass Sie erst nach einer Wartezeit von drei bis vier Monaten (manchmal auch länger!) ab Vertragsschluss tatsächlich Krankengeld beziehen können. Alle gesetzlichen Krankenkassen müssen solche Wahltarife anbieten.

KSK-Versicherte bekommen Mutterschaftsgeld

Freiberufliche Künstlerinnen und Publizistinnen, die über die Künstlersozialkasse (KSK) pflichtversichert sind, haben automatisch Anspruch auf Mutterschaftsgeld und auf Krankengeld ab dem 43. Krankheitstag. Sie zahlen den Normalbeitrag von 14,6 Prozent bei einem Eigenanteil von derzeit 7,3 Prozent (2017). Dazu kommt der individuelle Zusatzbeitrag der Krankenkasse, den jede Versicherte selbst tragen muss.

Neu für Privatversicherte: Krankentagegeld im Mutterschutz

Private Krankenversicherungen zahlen kein Mutterschaftsgeld. Seit Februar 2017 haben Sie als Selbstständige aber während der gesetzlichen Mutterschutzfristen Anspruch auf Krankentagegeld. Dafür müssen Sie bei einem privaten Versicherer eine Krankentagegeldversicherung abschließen - allerdings nicht unbedingt bei der Gesellschaft, bei der Sie krankenversichert sind. Eine Trennung der Verträge ist meist billiger. Während des Leistungsbezugs sind die vollen Kassenbeiträge zu zahlen.

Haushaltshilfe nach der Geburt

Die gesetzliche Krankenversicherung bezahlt auch eine Haushaltshilfe während der Schwangerschaft und nach der Geburt, wenn der Bedarf vom Arzt bestätigt wird. Grundlage dafür ist §24h SGB V.

Schutzfristen vor und nach der Geburt

Die im Folgenden beschriebenen gesetzlichen Schutzfristen vor und nach der Geburt gelten nicht für Selbstständige. Sie sind aber für den Bezug etwa von Mutterschaftsgeld wichtig, weil sich die Zahlungszeiträume auch für Selbstständige nach den Schutzfristen bemessen.

Das Mutterschutzgesetz (MuSchG) schreibt vor, dass werdende Mütter sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin in den Mutterschutz gehen (Kann-Bestimmung, auf ausdrückliche Erklärung darf man noch beschäftigt werden), acht Wochen nach der Geburt darf man nicht arbeiten. Bei Früh- und Mehrlingsgeburten gilt das Beschäftigungsverbot 12 Wochen nach der Geburt. Diese zweite Frist kann sich um die verpassten Tage der ersten Mutterschutz-Frist verlängern, wenn das Kind vor dem errechneten Termin geboren wird.

Übrigens sollten Sie auch als Selbstständige lieber einkalkulieren, dass Sie in dieser Zeit nicht unbedingt arbeiten können oder wollen. Die Entscheidung liegt aber bei Ihnen - Sie sind auch in dieser Beziehung selbstständig.

Zum Weiterlesen: Existenzgründungszuschuss für Schwangere

Eine Schwangerschaft ist übrigens nicht etwa automatisch ein Hinderungsgrund dafür, den Existenzgründundgszuschuss der Arbeitsagentur zu erhalten. Genaueres dazu steht im Beitrag "Gründungszuschuss für Schwangere und junge Mütter".

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Danke!

Vielen Dank für die Aktualisierung! Die Infos kann ich gut gebrauchen.

Mein erstes kind 2007 ist

Mein erstes kind 2007 ist nach der entbindung verstorben sie war 3 tage alt mein sohn ist dan 2009 gebohren habe dan für mein verstorbene tochter geschwiester bonos bekommen 75 euro jetzt ist mein sohn 3 und meine verstorbene 5 mein 3 kind ist geboren und habe kein geschwiester bonos bekommen wer kan mir weiter helfen bekomme ich noch geschwister bonos

Eher nein

Guten Tag,

Frau Yacobi, die Autorin, hat sich mit Antworten zurückgemeldet.

Der Gesetzestext ist eindeutig, es heißt überall nur "Lebt die berechtigte Person in einem Haushalt mit zwei Kindern..." (BEEG §2a, http://www.gesetze-im-internet.de/beeg/__2a.html) "Anspruch (...) hat, wer mit seinem Kind in einem Haushalt lebt..." (§ 1). Vom Tod eines Kindes steht im Gesetz nirgends etwas, und es macht auch keinen Sinn, dass ein verstorbenes Kind berücksichtigt werden sollte, da ja keine Kosten oder Verdienstausfall kompensiert werden müssen).

Es scheint also so, als ob bei der Bewilligung des Geschwisterbonus bei Ihrem zweiten Kinde ein Fehler unterlaufen ist. Wenn man das verstorbene Kind nicht berücksichtigt, ist klar, dass es im vorliegenden Fall jetzt keinen Geschwisterbonus gibt: Ihr zweites Kind ist ja bereits drei Jahre alt. Trotzdem könnten Sie mal bei der Elterngeldstelle anrufen und darauf verweisen, dass damals eben doch ein Geschwisterbonus gezahlt wurde. Aber einen Anspruch haben Sie darauf wohl nicht.

Ich hoffe, das hilft etwas weiter.

Ihre akademie.de-Redaktion
Simon Hengel

@anonym vom 17.1.2011:

Die Antwort von Frau Yacobi:

****
"Wenn sich durch eine schwangerschaftsbedingte Erkrankung das Erwerbseinkommen (von Angestellten) verringert oder ganz wegfällt, werden die betreffenden Kalendermonate bei der Einkommensermittlung nicht berücksichtigt.

Für Einkommen aus selbstständiger Arbeit gilt: Bei der Ermittlung des Einkommens aufgrund einer Einnahmen-Überschuss-Rechnung oder aufgrund des Abzugs der Betriebskostenpauschale kann sich die Antragstellerin frei entscheiden, ob sie die Monate der Einkommenseinbußen aufgrund schwangerschaftsbedingter Krankheit bei ihrer Gewinnermittlung berücksichtigen möchte. (Dasselbe gilt für eventuelle Monate des Elterngeldbezugs für ein älteres Kind und für die Monate des Mutterschaftsgeldbezugs vor der Geburt.)
****

Verändern sich die relavanten Monate die zur Berechnung des Elterngeldes herangezogen werden bei Schwangerschafts bedingtem Arbeitsausfall?
Normalerweise ist es bei selbständigen ja das letzte Steuerjahr. Für mich wäre es aber sinnvoller die ersten drei Monate diesen Jahres noch in der Berechnung mit drin zu haben und die ersten drei von 2010 nicht. Die Geburt ist Ende Mai.
Vielen Dank für die Hilfe.

Guten Morgen,
hoffentlich haben Sie nach Ihrer Fallschilderung noch eine Mütze voll Schlaf bekommen!? :-) Zu Ihren Fragen:
1. Sofern Sie für Ihre Selbstständigkeit (inklusive aller Vor- und Nacharbeiten, also inklusive Werbung, Buchführung etc.) _weniger_ als 15 Wochenstunden arbeiten, gelten Sie als arbeitslos und können Arbeitlosengeld I bekommen. Bevor Sie sich arbeitslos melden, sollten Sie aber die seit 1. Januar 2011 geltende Neuregelung berücksichtigen. Einzelheiten entnehmen Sie am besten unserem aktuellen Beitrag:
http://www.akademie.de/direkt?pid=58194
2. Elterngeld und ALG I dürfen gleichzeitig bezogen werden.
3. Eine "Ummeldung auf Nebenerwerb" ist nicht erforderlich.
4. Bedeutsam ist die Unterscheidung zwischen Haupt- und Nebenberuf vor allem für die Sozialversicherung - insbesondere die Krankenversicherung. Je nachdem, wie Ihr Ehemann versichert ist und wie hoch Ihre eigenen Einkünfte aus der selbstständigen Tätigkeit sind, können Sie in Zukunft unter Umständen von der Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung profitieren. Die wichtigsten Infos zu diesem Thema finden Sie im Beitrag
"Familienversicherung: Krankenversicherung zum Nulltarif"
http://www.akademie.de/direkt?pid=39581
Alles Gute und herzliche Grüße
Robert Chromow

Hallo und guten Tag,

okay es ist 3:51uhr nachts, und ich kann mal wieder nicht schlafen auch wenn ich zum umfallen müde bin.

Meine Situation:
Ich bin seit 8/2008 Selbstständig.
Seit 7/2010 verheiratet
am 01.10.2010 kam unsere Tochter auf die Welt.

Durch die hohen Kosten meiner Selbstständigkeit habe ich einen sehr kleinen Verdienst gehabt und bekomme somit 300,- Elterngeld (kein Mutterschaftgeld)

Ich bin freiwillig Arbeitslos versicherit

Frage
kann ich mich ab sofort Arbeitslos melden und habe ich dann anspruch auf ALG I wenn ich z.B. 15 Std. die Woche zur Verfügung stehen könnte (Oma´s, Opa und Uropa würden Babaysitten)
Kann ich mein Gewerbe auf Nebenberuf ummelden, da ich noch weiter laufenden Kosten und Verwaltungstätig zu tun habe? oder geht nur komplett abmelden?
Wird/würde das ALG I von den 300,- Elterngeld abgezogen bzw abders rum?
Welche Nachteile / Anrechnungen kommen auf meinen Angestellten Ehemann/mich zu?

Vielen Dank für Ihr Auskunft.

@vcharlem

Die Antwort von Frau Yacobi:

"Herzlichen Glückwunsch zur Schwangerschaft!

Arbeitslosengeld zählt bei der Berechnung des Elterngeldes nicht mit, denn es ist kein Erwerbseinkommen. Für die Berechnung des wegfallenden Nettoeinkommens kommen also nur die neun Monate in Frage, in denen Sie Einkünfte als Selbstständige hatten. Durch Ihre dreimonatige Arbeitslosigkeit verringert sich also Ihr durchschnittliches Einkommen und damit leider auch das Elterngeld.

Nach der Geburt Ihres Kindes können Sie gegebenenfalls zwischen Elterngeld und Arbeitslosengeld wählen: Sie können das nehmen, was insgesamt höher ist. Wenn Sie sich für das Arbeitslosengeld entscheiden, erhalten sie im Bezugszeitraum des Elterngeldes den Mindestsatz von 300 Euro zusätzlich zum Arbeitslosengeld. Oder sie beziehen zunächst Elterngeld in Höhe von 67 % für das ausfallende Einkommen und machen (ggf.) im Anschluss daran ihren Anspruch auf Arbeitslosengeld geltend. In Ihrem Fall ist das Arbeitslosengeld vermutlich höher als das Elterngeld. Aber Achtung: Voraussetzung für den Bezug des Arbeitslosengeldes ist stets, dass Sie dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen (also eine Betreuung für Ihr Baby nachweisen können)!

@Matsa (Entschuldigung, dass wir diese Frage erst jetzt beantworten)

Wenn Sie über die KSK in einer gesetzlichen Krankenkasse pflichtversichert sind, haben Sie Anspruch auf Mutterschaftsgeld.

Für KSK-Versicherte sind nur Wahltarife relevant, mit denen Selbstständige sich für die Zeit vom 15. bis zum 43. Krankheitstag absichern können. Danach besteht automatisch Versicherungsschutz über den Normaltarif.

Sie liegen richtig: Das Mutterschaftsgeld wird voll auf das Elterngeld angerechnet. Wenn Sie Mutterschaftsgeld bekommen, haben Sie erst ab dem dritten Lebensmonat Anspruch auf Elterngeld, das entsprechend kürzer bezahlt wird (nämlich für weitere 12 Monate, inklusive der Partnermonate).

Das Mutterschaftsgeld ist keine Wahlleistung, Sie können daher nicht anstelle des Mutterschaftsgelds zwei Monate länger Elterngeld beziehen.

Unabhängige Beratungsstellen und Frauennetzwerke, die über gesetzliche Leistungen Bescheid wissen, gibt es in fast jeder Stadt - einfach mal im Telefonbuch schauen, bei Google suchen oder bei der Stadtverwaltung fragen."

Hallo,

die von Matsa am 25.08.2009 geschriebenen Fragen interessieren mich auch! Vielleicht kann ja noch jemand darauf antworten?

Ansonsten meine Frage:
ich bin seit 5 Jahren selbständig und habe mich freiw. Arbeitslosen-versichert. Seit 2 Monaten bin ich arbeitslos gemeldet, habe aber einen Auftrag angeboten bekommen, den ich in Kürze ausführen kann und somit werde ich schon bald nicht mehr arbeitslos sein. Der Knackpunkt: ich bin seit kurzem schwanger (was mich ja nicht daran hindert, weiterhin zu arbeiten): Wird mir die kurze Unterbrechung meiner Selbständigkeit, also die 3 monatige Arbeitslosigkeit zum Verhängnis bezüglich des Elterngeldes?

Liebe Frau Yacobi,

ich bin im 7. Monat schwanger, selbstständig und über die KSK (Künstlersozialkasse) bei einer gesetzlichen Krankenkasse (Barmer) versichert. Ich habe mich bei meiner Krankenkasse über den Bezug des Mutterschutzgeldes informiert und dabei unterschiedliche Aussagen erhalten. Jetzt bin ich verunsichert und würde gerne Ihren Rat in Anspruch nehmen:

1a. Gehe ich richtig in der Annahme, dass ich grundsätzlich Mutterschutzgeld von der Krankenkasse zugesprochen bekommen - unabhängig von der Höhe? Oder müssen da irgendwelche Kriterien im Vorfeld erfüllt sein (z.B. spezielle Art der Krankenversicherung)?

1b. Hab ich das richtig verstanden: Die Informationen zum diesem sogenannten Krankenkassen-Wahltarif vom 1. August 2009 betrifft mich nicht, da ich in der KSK bin?

2. Gehe ich richtig in der Annahme, dass wenn ich Mutterschutzgeld beziehe, ich anstatt der 14 Monate Elterngeld quasi nur 12 Monate Elterngeld bekomme? Oder bekomme ich in den ersten acht Wochen nach der Geburt (in denen ich theoretisch Mutterschutzgeld bekomme) als Elterngeld quasi 'Elterngeld= Elterngeld -Mutterschutzgeld'?

3. Muss ich Mutterschutz beantragen? Oder kann ich den einfach weglassen und nur Elterngeld beziehen? Welche Nachteile bzw. Vorteile könnte das für mich haben?

4. Gibt es eine staatlich-unabhängige Beratungsstelle für selbstständige schwangere Frauen bzw. Eltern?

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir weiterhelfen können!

Herzliche Grüße

Guten Tag,

zu Ihren Fragen:

1. "Kann ich die Elternzeit verlängern?"
Antwort: Nein, die Elternzeit können Sie nicht pauschal über die Maximallänge hinaus verlängern. Da Sie offenbar nicht erwerbstätig sind, brauchen Sie das auch gar nicht.

2. Kann ich gezwungen werden in meinen alten Job zurückzukehren?
Antwort: Jein, das kommt auf die näheren Umstände an. Grundsätzlich müssen Sie Arbeit, die bestimmte Rahmenbedingungen erfüllt, annehmen, sonst kann Ihr HartzIV-Satz gekürzt werden. Wenn sich aber für Ihr Kind keine anderweitige Betreuung als durch Sie selbst gewährleisten lässt, können Sie bspw. nicht zu Schichtarbeit gezwungen werden. Es gibt zahlreiche Sonderregeln und Ausnahmen. HIer kommt es also, wie gesagt, auf die individuelle Situation an.

3. Wie lange darf ich laut Harz 4 zu Hause bleiben?
Antwort: Die Frage verstehe ich nicht.

Besten Gruß

Hallo.Ich bin Alleinerziehende in Elternzeit,beziehe Harz 4.Im November endet meine Elternzeit,die Unterbringung meines Kindes ist aber nicht gesichert.Kann ich die Elternzeit verlängern? Kann ich gezwungen werden in meinen alten Job zurückzukehren?Wie lange darf ich laut Harz 4 zu Hause bleiben?

Guten Tag,

der Tod Ihres Babys tut mir sehr leid.

Natürlich haben Sie für ein zweites Kind Anspruch auf Elterngeld, wenn Sie nach seiner Geburt weniger arbeiten. Dabei verlängert sich in Ihrem Fall der Berechnungszeitraum für das Elterngeld über die üblichen 12 Monate hinaus, denn die Monate, in denen Sie während Ihrer ersten Schwangerschaft Krankengeld und anschließend Mutterschaftsgeld bekommen haben, werden bei der Einkommensermittlung nicht berücksichtigt und durch frühere Monate ersetzt. Die erste Schwangerschaft führt also nicht zu geringerem Elterngeld für das zweite Kind.

In die Berechnung würden bei Ihnen dann die Monate April bis September 2008 vor der Geburt des zweiten Kindes und die Monate März bis August 2007 vor dem Kranken- bzw. Mutterschaftsgeldbezug für das erste Kind eingehen, in denen Sie ein normales Einkommen hatten.

Genaue Auskunft geben Ihnen natürlich die Elterngeldstellen.

Ich wünschen Ihnen alles Gute!

mit freundlichen Grüßen

Ann Yacobi

Hallo,
ich habe eine dringende Frage. Am 11.12.07 hatte ich in der 37igsten SSW eine Todgeburt. Jetzt bekomme ich bis zum 29. März Mutterschaftsgeld (12 Wochen weil es außerdem ja auch zu früh kam), bis dahin bin ich noch im Mutterschutz. Ich habe vor der Geburt seit September einen Krankenschein gehabt. 6 Wochen habe ich dann noch Geld vom AG bekommen und danach Krankengeld von der Krankenkasse. Vorher habe ich voll gearbeitet. Jetzt würde ich gerne wieder schwanger werden. Wenn ich also jetzt direkt wieder schwanger werden würde, würde mein Baby ca. im Oktober kommen. Im April hätte ich ja erst wieder angefangen zu arbeiten, und im September würde ich ja schon wieder in den Mutterschutz gehen.
Meine Frage: Wie sieht es dann mit dem Elterngeld aus? Da ich es ja jetzt nicht in Anspruch genommen habe, bekomme ich es dann wenn das nächste Kind dann geboren wird? Und wie wird es dann berechnet? Es ist mir wirklich wichtig. Danke

Ehepaar 1. Kind Dez. 2006
Verlust wegen ein paar Tagen 9000€ (450 statt 1200€)
(Na gut kann man nichts machen , irgendwo ist die Grenze)
2.Kind Juni/2008
Weil Erziehungsgeld nicht wie Elterngeld behandelt wird bei der Berechnung sollen uns jetzt nochmal 3400€ weniger zustehen ???

Hat schon jmd gegen die Ungleichbehandlung geklat und wie stehen die Erfolgschancen ??

Hallo,
leider ist unsere Expertin zurzeit in Urlaub, deshalb nur ganz kurz: Auf Anhieb fällt uns da nur das Krankengeld (bei der gesetzlichen Krankenversicherung) bzw. das Krankentagegeld (bei der privaten) ein. Auf diese Versicherungsleistungen haben Sie jedoch nur dann Anspruch, wenn Sie sie ausdrücklich abgeschlossen haben. Diese Möglichkeit haben Sie vermutlich bereits geprüft, oder? Falls nicht, wenden Sie sich an Ihre Krankenkasse bzw. private Krankenversicherung.

Ob es in Ihrem besonderen Fall außer dem Anspruch auf Mutterschaftsgeld (ab sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin) und ggf. dem ALG II noch andere Unterstützungsmöglichkeiten gibt, erfragen Sie am besten beim

Bürgertelefon Krankenversicherung des
Bundesgesundheitsministeriums
Tel.: 01805 - 99 66 02 (0,14 Euro / Min.)
Zeit: Mo. - Do. 8:00 bis 20:00 Uhr
Internet: BMG-Bürgertelefon
http://www.bmg.bund.de/nn_600128/DE/Serviceangebote/Buergertelefon/buerg...

Alles Gute und herzliche Grüße
Robert Chromow
PS: Lassen Sie uns wissen, ob und wenn ja: wie Ihnen geholfen werden konnte? Vielen Dank!

hallo..
ich bin selbständig und in der 24. wochen schwanger. nun hat mir mein arzt ein beschäftigungsverbot erteilt. woher soll ich jetzt den lebensunterhalt bestreiten, gibt es stellen an denen ich mich wenden kann ausser hartz 4?

lieben dank

Nochmal zur Berechnung der Elternzeit, wenn in den letzten 12 Monaten vor der Geburt der "Elterngeld"-Vorläufer "Erziehungsgeld" bezogen wurde. Frau Yacobi hat sich beim Ministerium erkundigt und schreibt:

"Nun von höchster Stelle (BMFSFJ) die Bestätigung dessen, was wir schon wussten: Erziehungsgeldzeiten dürfen definitiv nicht ausgeklammert werden,
beim Elterngeld ist es dann anders. Sie haben das ja auch so geschrieben, ich finde aber Ihre Formulierung ("unter den Tisch fallen") verwirrend.

Bei der Berechnung des Elterngelds wird im Fall der Fragestellerin nur das Netto-Einkommen aus den zwölf Monaten vor der Geburt des Kindes berücksichtigt. Der Berechnungszeitraum verlängert sich nicht, wenn die Mutter in diesem Zeitraum nur sechs Monate lang ein Arbeitseinkommen hatte, weil sie vorher mit ihrem ersten Kind zu Hause war. Für ihr erstes Kind erhält sie den Geschwisterbonus, wenn es jünger als drei Jahre ist."

Zur Klarstellung - in Zukunft wird sich das ändern. Betreuungszeiten, in denen _Elterngeld_ bezogen worden sein wird, kann man dann von dem Einkommens-Zeitraum ausnehmen, der die Höhe des Elterngeldes bestimmt. Erziehungsgeld-Monate zählen aber dazu.

Hoffentlich macht das die Sachlage etwas verständlicher. :-)

Simon Hengel
akademie.de

@anonym

Sie müssen das Netto-Einkommen der 12 Monate vor dem Mutterschutz summieren
und durch 12 teilen, und davon 67 Prozent nehmen, wenn Sie komplett zu
Hause bleiben. Die Zeiten, in denen Sie Erziehungsgeld bekommen haben,
werden dabei berücksichtigt und fallen nicht unter den Tisch bzw. können
nicht durch Vormonate mit vollem Einkommen ersetzt werden.

Das ist in Zukunft anders, wenn man beim "vorigen" Kind nicht mehr
Erziehungsgeld, sondern schon Elterngeld (gilt übrigens auch für
Mutterschaftsgeld) bezogen haben wird: Dann kann man diese Monate aus
dem 12 Monats-Berechnungszeitraum streichen und durch Monate mit
"normalem" Einkommen aus der Zeit davor ersetzen und auf diese Weise
verhindern, dass die erste Betreuungszeit zu vermindertem Elterngeld
beim nächsten Kind führt.

Selbst ausrechnen können Sie sich Ihr Elterngeld mit dem Elterngeld-Rechner des Bundesfamilienministeriums (Link: http://www.bmfsfj.de/Elterngeldrechner/ , siehe
auch oben, Box " Weitere Informationen, Online-Rechner, Elterngeldstellen".

Und ganz genau Auskunft erhalten Sie natürlich bei den Elterngeldstellen.

Simon Hengel
akademie.de

@R. Lühr

Lieber Herr Lühr,

Anfang Dezember, als der Elterngeld-Beitrag in seiner ersten Fassung erschien, standen einige Details zur Berechnung des Elterngelds noch nicht fest. Diese Details konnte Frau Yacobi deshalb erst nach Jahresbeginn ergänzen. Recherchiert hat sie übrigens bei Elterngeldstellen und im Familienministerium.

Die Empfehlung, einen Tipp zum Steuerklassen-Wechsel einzubauen, ist gut - das werden wir tun, vielen Dank.

freundliche Grüße
Simon Hengel, akademie.de

Schön, dass Sie lernfähig sind und nach Veröffentlichung meines mediafon-Ratgebers "Wenn Selbstständige Kinder kriegen" (http://www.mediafon.net) Ihre fehlerhaften Angaben zur Berechnung des Elterngeldes für Selbstständige korrigiert haben. Ein paar Hinweise zu steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten für künftige Eltern wären aber noch sinnvoll. Mit kollegialem Gruß Rüdiger Lühr

werde 6 monate vor mutterschutz selbständig gearbeitet haben, war davor 18 monate in elternzeit d.1.kindes u. hab davor 5 monate selbständig gearbeitet, Brutto ca. 2300euro / Monat. wie berechnet sich mein elterngeld?

das ist eine gute seite bin fro das sie es giebt das hat mir sehr geholfen.

Danke für die hilfreichen Tipps!

jetzt bin ich um einiges schlauer!! super info seite

Mit dieser Seite kann beim Beantragen eigentlich nichts mehr schief gehen. Man kann auch sehr gut abscgätzen wieviel man erhalten wird. Und das ist vorallem bei einem Selbstständigen sehr wichtig.

danke für die geniale seite!

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