Ich bin selbstständig - darf ich mich "Geschäftsführer" nennen?

Wer tatsächlich die Geschäfte eines Unternehmens führt, darf sich grundsätzlich auch als deren Geschäftsführer bezeichnen.

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Stand: 17. April 2013 (aktualisiert)

Auf Visitenkarten, Geschäftspapieren und in Business-Profilen präsentieren sich viele Selbstständige und Unternehmer als "Geschäftsführer" - obwohl sie formal keine Geschäftsführer im Sinne des Handels- und Gesellschaftsrechts sind. Wir sind der Frage nachgegangen, ob sie damit streng genommen gegen Recht und Gesetz verstoßen oder gar zum Kaufmann wider Willen werden.

Mit der Entscheidung über die passende Firma oder Geschäftsbezeichnung des eigenen Unternehmens ist es noch nicht getan: Spätestens beim Druck von Visitenkarten und Briefbögen oder auch beim Ausfüllen von Netzwerk-Profilen stellt sich auch noch die Frage nach der korrekten Funktions- oder Positionsbezeichnung des Unternehmers:

Während Angestellte sich über die Bezeichnung ihres Postens meist nicht lange Gedanken machen müssen, tun sich Gründer, Selbstständige und Nachwuchsunternehmer damit oft schwer: "Chef" hört sich allzu hemdsärmlig an, "Direktor", "Präsident" oder gar "CEO" klingen albern und "Inhaber" ist handelsrechtlich dem Einzelkaufmann (und seinem Nachfolger) vorbehalten.

Bild vergrößernPositionsbeschreibung beim Business-Netzwerk: Darf der das?

Geschäftsführer ist ...

Was liegt da näher, als sich mit dem klangvollen Titel "Geschäftsführer" zu schmücken!? Nur: Ist das überhaupt erlaubt? Die gute Nachricht: Wer tatsächlich die Geschäfte eines Unternehmens, Vereins oder Verbands führt, darf sich grundsätzlich auch als deren Geschäftsführer bezeichnen. Das gilt auch für einen nicht ins Handelsregister eingetragenen Einzelunternehmer oder dessen mit der Geschäftsführung beauftragten Mitarbeiter.

Abmahnungen allein aufgrund der Positions- oder Funktionsbezeichnung "Geschäftsführer" müssen Einzelunternehmer nicht befürchten: Geschäftsführer ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Sie wird in der geschäftlichen Praxis auch nicht als Fachbegriff verwendet, der ausschließlich dem gleichnamigen Vertretungsorgan einer GmbH vorbehalten ist. Besonders prominente Beispiele sind die "Geschäftsführer" von Industrie- und Handelskammern, die meistens nicht die juristische Geschäftsführung der von ihnen vertretenen Kammern innehaben: Die formale Geschäftsführung ist in der Regel den "Hauptgeschäftsführern" der Kammern vorbehalten.

... wer die Geschäfte führt!

Die Wahl der Funktionsbezeichnung "Geschäftsführer" durch einen Einzelunternehmer weckt nach Ansicht von Fachleuten für sich genommen nicht bereits automatisch falsche Vorstellungen von Art und Umfang des Unternehmens. Nur weil sich ein nicht ins Handelsregister eingetragener Einzelunternehmer als Geschäftsführer bezeichnet, wird er schon gar nicht automatisch zum "Scheinkaufmann".

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Geschäftsführerbezeichnung Gerichtsurteil

Die hier gemachten Angaben zur Bezeichnung "Geschäftsführer" stimmen nicht! Siehe OLG München Gerichtsurteil.

http://www.shopbetreiber-blog.de/2014/04/08/olg-muenchen-geschaeftsfuehr...

Viel Grüße

Antwort: Geschäftsführerbezeichnung Gerichtsurteil

Die hier gemachten Angaben zur Bezeichnung "Geschäftsführer" stimmen sehr wohl. Das Münchner Urteil bezieht sich auf die Verwendung des Begriffs “Geschäftsführer” im _Impressum_. Genau davon wird im Beitrag weiter oben ausdrücklich abgeraten. Lesen Sie selbst:

------------ Zitat ----------------
Bitte beachten Sie: Besondere Vorsicht ist beim Web-Impressum und anderen Unterlagen geboten, mit denen die Informationspflichten im Rahmen von Verbraucherverträgen erfüllt werden. Hier sollten sich Einzelunternehmer besser nicht als Geschäftsführer präsentieren. Beim schlichten (Web-)Impressum gibt es ja auch überhaupt keinen Grund für billigen Business-Bluff: Einzelheiten zu den Informationspflichten nach dem Telemediengesetz und dem Rundfunkstaatsvertrag finden Sie im Beitrag "Pflichtangaben und Formvorschriften für das Website-Impressum: Mut zur Lücke kann teuer werden".
http://www.akademie.de/wissen/website-impressum
----------Zitat-Ende --------------

Viele Grüße
Robert Chromow

Gegensätzliche Urteilssprechung

So ohne Weiteres scheint dieser Bericht nicht zu stimmen, wenn man RA Sören Siebert Glauben schenken darf:

"Ein Einzelunternehmer (also ein Händler, welcher selbständig tätig ist und dabei kein Gesellschaft wie z.B. eine GmbH betreibt) gab im Impressum in seinem Internetshop an, Geschäftsführer zu sein. Zudem wählt er für die Geschäftsbezeichnung einen frei erfundenen Namen. Daraufhin wurde er von einem Konkurrenten mit der Begründung abgemahnt, die Bezeichnung „Geschäftsführer“ sei auf Vertreter von juristischen Gesellschaften (wie z.B. einer GmbH) zugeschnitten.[...]Das Oberlandesgericht München (Urteil vom 14. November 2013, Az. 6 U 1888/13) schloss sich der Meinung des Konkurrenten an. Indem der Händler im Impressum angab „Geschäftsführer“ zu sein, verstieß er gegen § 5 Absatz 1 Satz 2 Nr. 3 UWG."

Würde mich über eine Stellungnahme vom Autor dieses Berichts sehr freuen.

LG

Ausdrückliche Warnung im Beitrag

Guten Tag,

im Beitrag steht und stand - übrigens auch schon vor dem Urteil des OLG München - ausdrücklich die Warnung (s.o.):

"Bitte beachten Sie: Besondere Vorsicht ist beim Web-Impressum und anderen Unterlagen geboten, mit denen die Informationspflichten im Rahmen von Verbraucherverträgen erfüllt werden. Hier sollten sich Einzelunternehmer besser nicht als Geschäftsführer präsentieren."

Dass die Bezeichnung "Geschäftsführer" dann problematisch wird, wenn sie geeignet ist, eine Gesellschaftsform vorzuspiegeln, obwohl gar keine Gesellschaft existiert, wird auch sonst im Beitrag klar gesagt. Deshalb ist mir nicht so recht klar, inwieweit der Beitrag von Herrn Chromow im Gegensatz zu dem genannten Urteil oder der Meinung von Herrn Siebert stehen soll.

Beste Grüße
Ihre akademie.de-Redaktion
S. Hengel

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