Wann gilt ein Selbstständiger als arbeitslos?

Als Selbstständiger Arbeitslosengeld beziehen, ohne den Betrieb aufzugeben: Kriterien für Arbeitslosigkeit bei Selbstständigen

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Stand: 14. März 2014 (aktualisiert)

Nach wie vor zahlen viele Selbstständige freiwillig in die Arbeitslosenversicherung ein. Längst nicht alle von ihnen wissen jedoch, unter welchen Voraussetzungen sie notfalls Arbeitslosengeld bekommen. Wann gilt ein Selbstständiger als arbeitslos? Eine Durchführungsanweisung der Arbeitsagentur regelt die Details.

Anders als Arbeitnehmer unterliegen Selbstständige keinen externen Arbeitszeitvorgaben, wie zum Beispiel einer 40-Stundenwoche. Ein Selbstständiger kann sich im Grunde genommen jederzeit in Vollzeit mit seinem Unternehmen beschäftigen - selbst wenn damit kein Cent Umsatz erzielt wird. Zu Ende gedacht heißt das: Ein Selbstständiger hat niemals Anspruch auf Arbeitslosengeld, weil er sich immer irgendwie beschäftigen kann. Dem ist aber zum Glück nicht so.

Wann ein Selbstständiger als arbeitslos gilt und bei vorhandener Anspruchsgrundlage auch Arbeitslosengeld beziehen kann, ist in § 138 Abs. 3 SGB III festgelegt. Demnach gilt derjenige Selbstständige als arbeitslos, dessen Tätigkeit weniger als 15 Stunden wöchentlich beträgt:

"(3) Die Ausübung einer Beschäftigung, selbständigen Tätigkeit, Tätigkeit als mithelfende Familienangehörige oder mithelfender Familienangehöriger (Erwerbstätigkeit) schließt die Beschäftigungslosigkeit nicht aus, wenn die Arbeits- oder Tätigkeitszeit (Arbeitszeit) weniger als 15 Stunden wöchentlich umfasst; gelegentliche Abweichungen von geringer Dauer bleiben unberücksichtigt. Die Arbeitszeiten mehrerer Erwerbstätigkeiten werden zusammengerechnet."

Mit anderen Worten: Versicherte, deren selbstständige Tätigkeit weniger als 15 Wochenstunden in Anspruch nimmt, gelten grundsätzlich als arbeitslos. Damit ein Selbstständiger Arbeitslosengeld erhalten kann, muss er also nicht unbedingt sein Geschäft aufgeben oder sein Gewerbe abmelden! (Hierzu mehr im Praxiskurs "Die Freiwillige Arbeitslosenversicherung für Selbstständige".)

Dreh- und Angelpunkt: Was zählt als Arbeitszeit?

Wie berechnet sich nun die Arbeits- oder Tätigkeitszeit für Selbstständige im Detail? Wie berechnet sich zum Beispiel die Arbeitszeit eines unausgelasteten Webdesigners im Unterschied zu einem selbstständigen Kneipenwirt, der zwar täglich 12 Stunden geöffnet hat, in dessen Kneipe es aber kaum etwas zu tun gibt, weil die Gäste ausbleiben?

Da die Arbeitsagentur tagtäglich mit solchen Fällen zu tun hat, gibt es eine Geschäftsanweisung (GA) für alle Mitarbeiter, in der solche Fragen beantwortet werden. Wir geben nachstehend den relevanten Passus der GA zum § 138 SGB III wieder (Stand: Februar 2014). Die Verwaltungsrichtlinie ist insbesondere für Selbstständige mit freiwilliger Arbeitslosenversicherung interessant, die wegen schwieriger Geschäfts- und Einkommenslage den Gang zur Arbeitsagentur erwägen.

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Arbeitslosengeld nach Kündigung der freiwilligen Versicherung

Folgender Sachverhalt: Der Selbständige A hat etwa zwei Jahre in die freiwillige Arbeitslosenversicherung eingezahlt und ist seit April 2015 erkrankt und bezieht ein kleines Krankengeld. Er hat dies der Agentur für Arbeit mitgeteilt und darum gebeten, ihm mitzuteilen, wie er sich nun zu verhalten hat. Natürlich ist, wie so oft, dieses Schreiben bei der Agentur für Arbeit nicht angekommen. Die Agentur hat nun die Mitgliedschaft in der freiwilligen Arbeitslosenversicherung wegen 'nicht erfolgter Beitragszahlung'gekündigt. Kann A bei Beendigung des Krankengeldbezugs noch Arbeitslosengeld beziehen oder wann verfällt der Anspruch?

Antwort: Arbeitslosengeld nach Kündigung der freiwilligen Versic

Guten Tag,
einmal erworbene Ansprüche auf Arbeitslosengeld bleiben gemäß § 161 SGB III
http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_3/__161.html
... maximal vier Jahre lang erhalten. Das gilt auch für Ansprüche aus einer gekündigten "Antragspflichtversicherung" (= sog. freiwillige Arbeitslosenversicherung). Ob und wenn ja, in welcher Höhe ein Arbeitsloser Anspruch auf ALG I hat, hängt allerdings von den Bedingungen des Einzelfalles ab (insbes. Lebensalter und Anwartschaftszeit).

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie z. B. im Merkblatt 1 der Bundesagentur für Arbeit:
https://www.arbeitsagentur.de/web/wcm/idc/groups/public/documents/webdat...

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Arbeitslosenversicherung für Selbstständige, Ausschlussgrund

Wer ein zweites Mal unter Auftragsmangel leidet und sich daraufhin arbeitslos meldet, bleibt unter nachfolgender Voraussetzung n i c h t außen vor:
Wer seit 2011 zweimal als Selbständiger Arbeitslosengeld bezogen hat, kann sich nicht als Selbständiger in der Arbeitslosenversicherung freiwillig versichern. Der Ausschlussgrund greift allerdings nur, wenn der Versicherte nach seinem Leistungsbezug nicht bereits wieder mindestens zwölf Monate in einem Versicherungspflichtverhältnis zur Bundesagentur für Arbeit (hierzu zählen auch Zeiten der freiwilligen Weiterversicherung) stand und deshalb keinen neuen Anspruch auf Arbeitslosengeld erworben hat. (Quelle: BMWi).

Arbeitslos als Geschäftsführer

Hallo die Herren,
mein Bruder und ich wollen was Gemeinsames aufbauen. Wir haben eine GmbH gegründet in welcher wir als Geschäftsführer und Gesellschafter (Notariell) fungieren. Planmäßig möchten wir in April 2016 eröffnen. Mein Bruder bleibt erst einmal im Angestelltenverhältnis bis das Geschäft richtig läuft. Ich habe dagegen zum Ende März gekündigt (Aufgrund einer wichtigen Position im Unternehmen soweit im Voraus). Mir stellt sich die Frage wenn wir das Geschäft wie geplant nicht in April eröffnen können (sondern bsp. Juni) und ich mit unserer GmbH noch keinen Arbeitsvertrag abgeschlossen habe, kann ich mich für diese Zeit Arbeitslos melden?
Mit freundlichen Grüßen
Ekri

Antwort: Arbeitslos als Geschäftsführer

Hallo Ekri,
eine Einzelfallberatung ist an dieser Stelle nicht möglich. Daher nur ganz allgemein:

1.
Wenn Sie im Anschluss an eine sozialversicherte Beschäftigung arbeitslos werden, haben Sie selbstverständlich Anspruch auf ALG I aus der vorangehenden Tätigkeit.

2.
Da Sie diesen Arbeitsvertrag jedoch selbst gekündigt haben, droht Ihnen gemäß § 159 SGB III
http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_3/__159.html
eine Sperrzeit von bis zu 12 Wochen wegen "versicherungswidrigen Verhaltens".

3.
Wenn ein "wichtiger Grund" für die Kündigung vorliegt, kann von der Sperrzeit abgesehen werden. Die Gründung eines eigenen Unternehmens gilt normalerweise nicht mehr als "wichtiger Grund" im Sinne des § 159 SGB III.

Ob in Ihrem Fall tatsächlich eine Sperrzeit verhängt wird, kann ich leider nicht beurteilen.

Alles Gute und viel Erfolg bei Ihrem Vorhaben
Robert Chromow

Gesellschaftergeschäftsführer der eigenen 100%-GmbH

Sehr geehrte Damen und Herren, den im Betreff genannten Beitrag habe ich als Mitglied bei Ihnen gelesen und habe hierzu folgende Frage:

Sachverhalt: Im Jahre 2010 habe ich eine GmbH zu 100% erworben und wurde alleiniger Gesellschaftergeschäftsführer (Unternehmerstatus). Von der Arbeitsagentur habe ich den Existenzgründungszuschuss erhalten. Gleichzeitig habe ich mich freiwillig Arbeitslosenversichern lassen können. Die Geschäfte laufen aktuell schlecht und ich möchte die GmbH liquidieren bzw veräußern.
Die GmbH, deren alleiniger Gesellschafter ist bin, wird mich als Geschäftsführer kündigen und im Anschluss erfolgt die Liquidation bzw.
Veräußerung. Ich melde mich mit der Kündigung arbeitssuchend bei der Arbeitsagentur und beantrage Arbeitslosengeld. Nun meine Frage: Werde ich Arbeitslosengeld erhalten? Vielen Dank im voraus für eine kurzfristige Antwort.

Antwort: Gesellschaftergeschäftsführer der eigenen 100%-GmbH

Guten Tag,
da Sie (mindestens) in den vergangenen vier Jahren Beiträge zur Arbeitslosenversicherung gezahlt haben, sind die formalen Voraussetzungen für den Anspruch auf Arbeitslosengeld zweifellos vorhanden. Wenn Sie nach Ihrer Kündigung tatsächlich arbeitslos sind, spricht aus meiner Sicht nichts gegen den Bezug von Arbeitslosengeld.

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Arbeitslosenversicherung für Selbständige

Gerade habe ich mir den Artikel und zahlreiche andere durchgelesen. Ich muss ja gestehen, dass ich ein großer Fan Ihrer Homepage bin. Sie arbeiten die Punkte immer qualitativ hochwertig auf und bringen Mehrwert und Hilfestellung.

Vor kurzem hatten wir auch einen Bericht über die freiwillige Arbeitslosenversicherung für Selbständige erstellt. http://www.taiber-unternehmensberatung.de/freiwillige-arbeitslosenversic... Er passt wunderbar zu Ihrem und wenn Sie möchten, sollten Sie in unserem Kommentarfeld auf Ihren Bericht verweisen. Beide passen gut zueinander.

Die journalistische Art Ihrer Webseite schätze ich sehr und auch sicher viele andere ständige Leser. Danke für die zahlreichen Tipps und Tricks

Roger Taiber

Einschätzung über Geschäftsanweisung hinaus?

Hallo,

Ich zahle seit mehreren Jahren in die freiwillige Versicherung ein, ohne sie bisher in Anspruch genommen zu haben. Daher fand ich den Titel des Beitrags vielversprechend. Dass am Ende nur eine GeschäftsAnweisung referiert wurde, finde ich schwach - und bestärkt mich in meiner Kündigung meines Akademie Abonnements.
MfG

Hallo,
in der "Durchführungsanweisung" der Bundesagentur für Arbeit zum § 119 SGB III ...
http://www.arbeitsagentur.de/zentraler-Content/A07-Geldleistung/A071-Arb...
http://bit.ly/pPLQsE
... heißt es zu Ihrer Frage:
"Die Arbeitslosigkeit ist insbesondere fraglich, wenn ein
Selbständiger zugleich Arbeitgeber ist. Dabei lässt die Beschäftigung
von Arbeitnehmern im Umfang einer Vollzeittätigkeit (ggf. insgesamt)
widerleglich vermuten, dass der Selbständige selbst durch seine
Tätigkeit mindestens 15 Stunden wöchentlich gebunden ist."
Immerhin:
"Durch entsprechenden Sachvortrag kann dies widerlegt werden."
Das in der Durchführungsanweisung genannte Beispiel (Inhaber einer Kfz-Werkstatt ohne Meisterbrief) legt die Hürde allerdings recht hoch. Und bei Licht betrachtet sind Sie ja wahrlich nicht arbeitslos - im Gegenteil. Trotzdem: Sie können sich durchaus arbeitslos melden - schlimmstenfalls bekommen Sie eine Ablehnung.
Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Hallo akademie.de,

ich war in 2009 arbeitslos. Dann hab ich im April 2010 ein Fitnesstudio eröffnet. Hab Gründungszuschuss vom AA erhalten. Und von Anfang hab ich mich freiwillig arbeitslos versichert. Anfangs hatte ich drei bis vier Teilzeitkräfte (3 Geringverdiener, und eine Teilzeitkraft). Nun hab ich nur noch zwei Geringverdiener (eine Aushilfe arbeitet nur drei STunden pro Woche, die andere ist drei Stunden für die Buchhaltung tätig). Die Mitgliederzahl stagniert bzw. ist rückläufig seit Monaten. Und Mitglieder schulden mir Beiträge im niedrigen 4stelligen Bereich. Darüber hinaus schulde ich dem Finanzamt seit Juni die Umsatzsteuer. Und Rechnungen sind auch noch offen. Ich selber steh nun alleine den ganzen Tag im Studio. Dabei würde ich gerne, was meine eigentliche Aufgabe ist, rausgehen, um Kooperationen mit Firmen, etc. zu schließen. Die Zeit hab ich leider nicht, weil ich im Studio stehen muss.

Besteht die Möglichkeit, dass, wenn ich für das Studio Aushilfskräfte einstelle, die für mich wenigstens das Alltagsgeschäft erledigen, dass ich mich dann arbeitslos melden kann. Und ich dann zumindest 10 - 15 Stunden auf Akquise gehen kann.

Anderenfalls wird es wahrscheinlich darauf hinauslaufen, dass ich das Studio schließen muss. Und ich auf dem Darlehen meiner Bank und den Steuerschulden sitzen muss.

Ich würd mich auf eine Antwort von Ihnen freuen.

Vielen Dank

Selbststaendig arbeitslos melden?

Ich habe sieben Jahre in die freiwillige AL Versicherung eingezahlt.
Habe ein Ladengeschaeft mit 4 Teilzeitkraeften,die ich auch nicht entlassen kann, da diese Fachwissen haben muessen und fuer Stosszeiten wie z.B. Weihnachten zur Verfuegung stehen muessen, heisst ganzjaehrig beschaeftigt werden muessen, um sie zu halten.

Ich kuemmere mich um die Fuehrung des Geschaeftes, Bestellungen, Angebote, etc.
Der Laden ernaehrt mich seit Monaten schon nicht mehr, Schulden sind genuegend vorhanden.

Ich habe also fast die gleiche Situation wie die Dmae mit dem Fitnesstudio, diese wurde allerdings nicht hilfreich beantwortet.

Ich habe mich nun arbeitslos gemeldet, gelte ich im Sinne der Durchfuehrungsverordnung als arbeitslos wenn ich die Stunden unter 15 absenke?
Der Zusatzfragebogen vom Arbeitsamt " Erklaerung zur selbsstaendigen Tätigkeit" liest sich fuer mich sehr tricky, ich weiss garnicht wie ich den richtig ausfuellen soll, ohne Ansprueche zu riskieren!
Hat jemand dazu Erfahrung, konkret zu AL1?

Antwort: Selbstständig arbeitslos melden

Guten Tag,
und vielen Dank für Ihre vertrauensvolle Anfrage. Dass Sie die Antwort zur Fitnessstudio-Frage nicht hilfreich fanden, tut mir leid. Allerdings wird dort die aktuelle Rechtslage beschrieben, die auch auf Ihren Fall zutrifft.

Eine andere Frage: Sind Sie sicher, dass Ihr Ladengeschäft eine tragfähige Zukunft hat, obwohl es Sie seit Monaten nicht mehr ernährt und inzwischen hohe Schulden aufgelaufen sind? Und wenn ja, welche Schritte erforderlich sind, um auf Dauer wieder in die Gewinnzone zu kommen? Ihre Leistung als Arbeitgeber und Ihre Fürsorge für Ihre Mitarbeiter sind wirklich bemerkenswert - aber das darf langfristig doch nicht zu Ihren Lasten gehen!

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Selbstständig arbeitslos melden

Vielen Dank fuer die schnelle Antwort.

Ich wuerde genau aus diesem Grund wieder gerne arbeiten gehen und das Geschaeft so lange es geht, nebenbei weiterführen. Die 10-15 Stunden wuerden reichen, um es am Laufen zu halten.

Ein nicht ausgelasteter Webdesigner, der von zu Hause aus arbeitet hat es leicht, sich aufgrund von fehlender Auslastung arbeitslos zu melden, ich habe aber das Ladengeschäft mit Öffnungszeiten und deshalb ist fuer mich immer noch nicht klar, ob ich Anspruch auf ALG 1 habe, wenn 4 Aushilfen den Laden schmeissen und ich mich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stelle. Ich hatte die Rechtslage so verstanden, dass ich mein Gewerbe nicht zwingend aufgeben muss.
Koennten Sie bitte dazu noch einmal etwas sagen.

Ich bin auf das ALG 1 angewiesen, weil ich nicht so schnell einen Job finde, das versuche ich durchaus schon seit einigen Monaten.
Vielen Dank!

Antwort: Selbstständig arbeitslos melden

Guten Tag,
noch einmal: an Ihrem grundsätzlichen Anspruch auf Arbeitslosengeld besteht ja zunächst einmal kein Zweifel. Auch als Selbstständiger können Sie grundsätzlich Arbeitslosengeld beziehen. Wenn Sie Mitarbeiter beschäftigen, geht die Arbeitsagentur aber erst einmal davon aus, dass Sie länger als 15 Wochenstunden arbeiten und daher nicht arbeitslos sind. Diese Vermutung können Sie aber widerlegen.

Bitte beachten Sie bei der Aufstellung Ihrer Wochenarbeitszeit aber, dass _alle_ Zeiten Ihrer selbstständigen Tätigkeit berücksichtigt werden (also auch Buchhaltung, Bereitschaftszeiten etc.) In der einschlägigen Geschäftsanweisung der Bundesagentur heißt es dazu:

------------ Zitat ----------------
Für die Feststellung, ob eine selbständige Tätigkeit die
Kurzzeitigkeitsgrenze übersteigt, ist nur die eigene Tätigkeit des
Selbständigen zu berücksichtigen. Hierzu zählen auch Zeiten, in denen sich der Selbständige, ohne tatsächlich tätig zu sein, dienstbereit hält (z.B. Warte-/Betriebsöffnungszeiten).
----------Zitat-Ende --------------
http://www.arbeitsagentur.de/zentraler-Content/A07-Geldleistung/A071-Arb...

Dort finden Sie auch Beispiele für selbstständige Tätigkeiten, die mit der Arbeitslosigkeit "kombinierbar" sind. Ob das in Ihrem konkreten Einzelfall möglich ist, kann ich Ihnen beim besten Willen nicht sagen. Wenn Sie auf jeden Fall wieder eine Beschäftigung suchen, hält sich Ihr Risiko aber in Grenzen: Entweder Sie bekommen ALG I und dürfen Ihre Nebenerwerbs-Selbstständigkeit fortsetzen. Oder die Arbeitsagentur verlangt die Abmeldung des Gewerbes: Dann haben Sie die Wahl, ob Sie dagegen Widerspruch einlegen und ggf. klagen oder in den sauren Apfel beißen und Ihr Geschäft aufgeben.

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow
PS: Lassen Sie uns wissen, was aus Ihrer Sache geworden ist? Danke!

Selbststaendig arbeitslos melden

Vielen Dank! Das hilft jetzt schon weiter.
Ich bin auch sehr gespannt, was da rauskommen wird!

Hallo Melanie, Sie können doch auch als Selbstständige Hartz IV (Arbeitslosengeld II) beantragen. Mehr dazu erfahren Sie u. a. in unserem Beitrag "ALG II für Selbstständige" (http://www.akademie.de/direkt?pid=22240).

Vielleicht lässt das Finanzamt ja mit sich reden?

"Erfolgreich mit dem Finanzamt verhandeln": http://www.akademie.de/direkt?pid=56391

Mit freundlichen Grüßen
Ihre Redaktion von akademie.de

Ich war einige Jahre freiberufl. Kleinunternehmer Grafik/Tanz, jetzt habe ich keine Aufträge mehr und zusätzlich Steuerschulden beim FA (bin 2010 Mwst pflichtig geworden, musste die Rechnungen von 2010 korrigieren und die Kunden bitten, diese zu bezahlen, was leider nicht alle getan haben...). Ratenzahlung wurde vom FA nicht gewährt. Ab September habe ich keine Einnahmen mehr, bis auf die Miete von 300€, die ich als Vermieter einer kleinen Wohnung erhalte. Welche möglichkeiten gibt es für mich, mich aus dieser Lage zu befreien? Bitte um dringende fachkundliche Unterstützung, bin sehr verzweifelt. Vielen DANK!!!! Melanie aus München

Hallo,
vielen Dank für Ihre Anfrage: Leider ist daraus nicht zu erkennen, um welches Darlehen es sich handelt. Deshalb kann ich nicht beurteilen, welche Stundungsmöglichkeiten es gibt. Dass Sie einen Ausschluss von Versicherungs- oder Fürsorgeleistungen unterschrieben haben, halte ich für unwahrscheinlich. Am besten schauen Sie in Ihren Unterlagen nach, wie die Darlehenskonditionen lauten und / oder nehmen Kontakt mit der Institution auf, die Ihnen das Darlehen damals gewährt hat.
Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Hallo ich bin eine Künstlerin im Bereich Mediendesign und habe 2007 als Existenzgründerin Zuschuss als Darlehn erhalten und mußte bis jetzt jeweils 200,-€ abbezahlen. Bis letztem Jahres ging es gerade noch mit dem Geldverdienen, aber jetzt kann ich weder die Mietanteil (wohne noch bei den Eltern, die beim Sozialamt sind) noch den Zuschuss zurückzahlen. Da die Geschäfte nicht gutlaufen und ich schon ein Konzept entwickelt habe, möchte ich ungern auf meine Selbständigkeit verzichten. Jedoch glaube ich damals unterschrieben zu haben, dass ich keine Hilfe bei dem Arbeitsamt , Sozialamt mehr in Anspruch nehmen werde. Gibt es eine Möglichkeit einen Antrag zu stellen, damit die Rückzahlung gestundet wird oder darf ich Arbeitslosengeld beantragen? Im Moment habe ich 0 Einkommen!!

Vielen Dank im Voraus

Hallo ich bin eine Künstlerin im Bereich Mediendesign und habe 2007 als Existenzgründerin Zuschuss als Darlehn erhalten und mußte bis jetzt jeweils 200,-€ abbezahlen. Bis letztem Jahres ging es gerade noch mit dem Geldverdienen, aber jetzt kann ich weder die Mietanteil (wohne noch bei den Eltern, die beim Sozialamt sind) noch den Zuschuss zurückzahlen. Da die Geschäfte nicht gutlaufen und ich schon ein Konzept entwickelt habe, möchte ich ungern auf meine Selbständigkeit verzichten. Jedoch glaube ich damals unterschrieben zu haben, dass ich keine Hilfe bei dem Arbeitsamt , Sozialamt mehr in Anspruch nehmen werde. Gibt es eine Möglichkeit einen Antrag zu stellen, damit die Rückzahlung gestundet wird oder darf ich Arbeitslosengeld beantragen? Im Moment habe ich 0 Einkommen!!

Vielen Dank im Voraus

@anonym vom 10.6.:

Liebe/r Leser/in,

niemand, auch nicht die Arbeitsagentur, erwartet, dass Sie gleich zu Beginn Ihrer Gründung 40 Stunden pro Woche oder mehr nur mit
Auftragsabwicklung befasst sind. Mehr als 15 Wochenstunden kommen normalerweise auch so zusammen - Sie müssen sich ja erst einrichten, Marketing und Akquise starten, eine Buchführung aufbauen etcpp. Was zählt ist zunächst, ob die Selbstständigkeit als Vollzeittätigkeit angelegt ist und dass Sie keine
weiteren Tätigkeiten nebenher haben.
Wenn Sie mit dem Gründungszuschuss starten, erhalten Sie zuzüglich zur Fortzahlung Ihres ALG I-Betrages monatlich 300,- Euro als
Sozialversicherungspauschale. Krankenversicherung und Altersvorsorge müssen Sie davon selbst bezahlen. Diese Pauschale erhalten Sie auch -
auf Antrag - nach der neunmonatigen Förderphase 1 für sechs Extra-Monate bezahlt.
Sie müssen einen Tag arbeitslos gemeldet sein, um Gründungszuschuss beantragen zu können. Sie können sich aber alternativ auch erst einmal
für einzelne Aufträge vorübergehend aus der Arbeitslosigkeit abmelden, oder nebenher - als Teilzeitjob zur "hauptberuflichen Arbeitslosigkeit"
selbstständig machen.

Sämtliche Möglichkeiten und Voraussetzungen selbstständiger Tätigkeit aus der Arbeitslosigkeit zusammen mit konkreten Zahlen stehen in
unserem Leitfaden "Existenzgründung aus Arbeitslosigkeit", URL http://www.akademie.de/direkt?pid=9741&tid=11595

viel Erfolg bei Ihrer Gründung wünscht
Ihre akademie.de-Redaktion

Liebe Akademie.de,

mein Arbeitgeber hat mir gekündigt. Ich erfülle alle Anforderungen, dann Arbeitslosengeld zu bekommen, da ich zuvor 6 Jahre ohne Unterbrechung in einem Arbeitsverhältnis stand. Ich möchte mich nach Beendigung meines Arbeitsverhältnisses selbstständig machen, gehe aber davon aus, dass ich erstmal nur sehr wenige Aufträge haben werde - also unter 15 Stunden/Woche. Wie muss ich vorgehen? Kann ich mich arbeitslos melden und trotzdem mich gleichzeitig selbstständig machen? Wird dann über die Arbeitslosigkeit auch meine Krankenversicherung gezahlt?
Herzlcihen Dank im Voraus für Ihre Antwort

Hallo A.B.,
zu Ihrer ersten Frage: ein Anspruch auf Arbeitslosengeld besteht grundsätzlich nur dann, wenn in der normalerweise zweijährigen "Rahmenfrist" die Anwartschaftszeit (= Bestehen eines "Versicherungspflichtverhältnisses") von 12 Monaten erfüllt ist. Die 4-Jahresfrist aus § 147 SGB III
http://bundesrecht.juris.de/sgb_3/__147.html
("Erlöschen des Anspruchs") bezieht sich auf Fälle, in denen die Rahmenfrist ausnahmsweise verlängert ist (z. B. Elternzeiten, Fortbildungen etc.) Sofern bei Ihnen solche Ausnahmetatbestände vorliegen, fragen Sie am besten direkt bei der Arbeitsagentur nach, wann genau vorhandene Ansprüche in Ihrem Fall erlöschen. Ansonsten gilt: Wenn Sie Ihr derzeit bestehendes "Versicherungspflichtverhältnis auf Antrag" Ende Febraur 2011 beenden, können Sie m. E. noch bis Februar 2012 einen Antrag auf Arbeitslosengeld stellen.
2. Eine Möglichkeit, die freiwillige Arbeitslosenversicherung ruhen zu lassen, gibt es m. W. nicht.
3. Bei der Neuregelung des "Versicherungspflichtverhältnisses auf Antrag" zum 1.1.2011 handelt es sich keineswegs um eine Änderungskündigung des "Versicherungsgebers": Vielmehr ist die bisherige Regelung zum 31.12.2010 planmäßig ausgelaufen. Es bedurfte also weder eine Kündigung noch bestand die Notwendigkeit einer Änderungskündigung. Bis 31.3.2012 können Sie noch entscheiden, ob Sie sich zu den neuen Konditionen versichern wollen oder nicht.
Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Hallo akademie.de,

ich bin seit 29 Monaten freiwillig versichert und habe bis dato die Versicherung noch nicht in Anspruch nehmen müssen.
Wenn ich das richtig verstanden habe, habe ich vor 17 Monaten die Bedingung (12 Monate Beitragszahler) für einen Leistungsanspruch erfüllt. Dieser Leistungsanspruch besteht insgesamt 4 Jahre, also noch weitere 31 Monate, auch wenn ich die Versicherung jetzt wegen der zukünftigen Beiträge bzw. 5 Jahren Mindestlaufzeit kündigen würde. Hätte also zumindest 5 Jahre Versicherungsschutz, aber weniger Beitragsjahre? Ist das richtig gesehen?
Und besteht die Möglichkeit die Versicherung ruhen zu lassen, ohne die 4 Jahre Anspruchzeit zu verlieren?
Und drittens: Generell die Frage, ob ich die einseitige Vertragsänderung meiner freiwilligen Arbeitslosenversicherung ablehnen kann? Hat der Versicherungsgeber dann das Recht auf Kündigung?

Besten Dank im voraus und mfG A.B.

Wenn Sie als Selbständiger krank werden können Sie nicht arbeitslos werden, weil sie als Kranker nicht arbeitssuchend dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Deshalb empfiehlt es sich, bei der Krankenversicherung als Selbstständiger eine Absicherung für den Krankheitsfall (Krankentagegeld) nach ein paar Wochen zu vereinbaren, damit dieses Risiko aufgefangen werden kann.

Wenn Sie allerdings als Selbstständiger zunächst keine Arbeitsaufträge mehr haben (Arbeitsmangel, unter 15 Wochenstunden) und Sie sich arbeitslos melden, dann sind Sie gesetzlich krankenversichert (bzw. dürfen dann - wenn vorher privat versichert und noch unter 55 Jahren - in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln). Und wenn Sie dann als Arbeitsloser krank werden, erhalten sie auch bei Krankschreibung weiterhin Arbeitslosengeld. Bei längerer Krankheit ohne Unterbrechnung würde nach einigen Wochen dann die gesetzliche Krankenversicherung die Zahlungen übernehmen.

wie sieht es aus, wenn ich während meiner selbständigkeit für längere zeit krank werde und aufgrund dessen keine einnahmen, also arbeitslos bin? kann ich dann arbeitslosengeld beziehen?

(119.50) Wie kann man seine Selbständigkeit in der Betreuung von pflegebedürftigen Menschen (keine Familienangehörige) beenden, um ALG zu eralten (freiwillige ALV wurde gezahlt,vorallem dann, wenn man diesen Job aus psychischen Gründen nicht mehr ausführen kann?

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