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Steuern sparen mit dem Firmenwagen

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Stand: 22. April 2015

Sonderfälle

Firmenwagengestellung bei Ehegatten-Arbeitsverhältnis

Die steuerliche Anerkennung eines Ehegattenarbeitsverhältnisses setzt voraus, dass es ernsthaft vereinbart und entsprechend der Vereinbarung tatsächlich durchgeführt werden muss. Dabei muss die vertragliche Vereinbarung auch unter Fremden üblich sein, also einem Fremdvergleich standhalten. Diese Grundsätze wendet der BFH nicht nur auf das Gesamtgehalt, sondern nunmehr auch auf einzelne Gehaltsbestandteile an.

Die Überlassung eines Firmenwagens zur privaten Nutzung an den Arbeitnehmer-Ehegatten erkennt der BFH daher nur dann an, wenn die Konditionen im konkreten Arbeitsverhältnis fremdüblich sind.

Erhält eine Ehefrau für Büro- und Abrechnungsarbeiten (zeitlicher Umfang = 17 Stunden wöchentlich) ein monatliches Arbeitsentgelt von 150 € und die uneingeschränkte Nutzungsmöglichkeit eines VW Tiguan (geldwerter Vorteil = 437 € monatlich), dann wird die steuerliche Anerkennung des Ehegatten-Arbeitsverhältnisses insgesamt abgelehnt, weil die Art und Weise der Vergütung der Arbeitsleistung einem Fremdvergleich nicht standhält.

Einem Arbeitnehmer werden mehrere Firmenwagen überlassen

Stehen einem Arbeitnehmer gleichzeitig mehrere Firmenfahrzeuge zur Verfügung, so ist für jedes Fahrzeug die Privatnutzung mit monatlich ein Prozent des Listenpreises anzusetzen. Ist die gleichzeitige private Nutzung der verschiedenen Firmenwagen jedoch so gut wie ausgeschlossen, weil die Nutzung durch andere zur Privatsphäre des Arbeitnehmers gehörende Personen (z. B. Ehefrau, Kinder) nicht in Betracht kommt, so ist für den Ansatz der reinen Privatfahrten mit der Ein-Prozent-Regelung vom Bruttolistenpreis des überwiegend für die Privatfahrten genutzten Fahrzeugs auszugehen.

Kann der Arbeitnehmer abwechselnd unterschiedliche Pkws zu Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte benutzen, so ist für die Berechnung des pauschalen Nutzungswerts der Listenpreis des Pkws zugrunde zu legen, der vom Arbeitnehmer im Kalendermonat überwiegend genutzt wird. Der Nutzungswert für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte ist also insgesamt nur einmal zu erfassen. Abzustellen ist dabei auf den Bruttolistenpreis desjenigen Pkws, den der Arbeitnehmer überwiegend für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte nutzt. Dies gilt auch bei einem Wechsel des Pkws im Laufe des Kalendermonats.

Nutzung eines Firmenwagens durch mehrere Arbeitnehmer

Nutzen mehrere Arbeitnehmer einen Firmenwagen zu Privatfahrten, so bewertete die Finanzverwaltung bisher den monatlichen geldwerten Vorteil bei jedem nutzungsberechtigten Arbeitnehmer mit ein Prozent des Bruttolistenpreises.

Der Bundesfinanzhof hat hierzu entschieden, dass die Ein-Prozent-Regelung nicht personenbezogen, sondern fahrzeugbezogen auszulegen sei. Der nach der Ein-Prozent-Regelung ermittelte geldwerte Vorteil muss deshalb nach Köpfen auf die nutzungsberechtigten Arbeitnehmer aufgeteilt werden, und zwar unabhängig von der tatsächlichen Nutzung des Firmenwagens durch den einzelnen Arbeitnehmer in dem jeweiligen Kalendermonat. Dabei kommt es nicht darauf an, ob der Firmenwagen innerhalb eines Kalendermonats gleichzeitig oder zeitlich nacheinander von mehreren Arbeitnehmern genutzt wird.

Das bedeutet, dass für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte bei jedem Arbeitnehmer der geldwerte Vorteil mit 0,03 Prozent des Bruttolistenpreises je Entfernungskilometer zu ermitteln und dieser Wert durch die Zahl der nutzungsberechtigten Arbeitnehmer zu teilen ist.

Fahrzeugpool

Nach dem BFH-Urteil vom 15.05.2002 ist die Ein-Prozent-Regelung nicht personenbezogen, sondern fahrzeugbezogen auszulegen. Der nach der Ein-Prozent-Regelung ermittelte geldwerte Vorteil muss deshalb nach Köpfen auf die nutzungsberechtigten Arbeitnehmer aufgeteilt werden, und zwar unabhängig von der tatsächlichen Nutzung des Firmenwagens durch den einzelnen Arbeitnehmer in dem jeweiligen Kalendermonat. Dabei kommt es nicht darauf an, ob der Firmenwagen innerhalb eines Kalendermonats gleichzeitig oder zeitlich nacheinander von mehreren Arbeitnehmern genutzt wird.

Beispiel: Aufteilung des geldwerten Vorteils bei Fahrzeugpool

In einem Fahrzeugpool befinden sich vier Fahrzeuge mit einem Bruttolistenpreis (s. Tabelle). Fünf Arbeitnehmer sind berechtigt, auf diesen Fahrzeugpool zuzugreifen und dürfen die Fahrzeuge auch für Privatfahrten nutzen.

Ermittlung des monatlichen geldwerten Vorteils:

Fahrzeug 1: 1 % von 18.000 EUR

180 EUR

Fahrzeug 2: 1 % von 22.000 EUR

220 EUR

Fahrzeug 3: 1 % von 27.000 EUR

270 EUR

Fahrzeug 4: 1 % von 33.000 EUR

330 EUR

Geldwerter Vorteil insgesamt

1.000 EUR

Zu verteilen nach Köpfen auf fünf Arbeitnehmer

(auf den Umfang der tatsächlichen Nutzung des einzelnen Arbeitnehmers kommt es nicht an)

Steuer- und beitragspflichtiger geldwerter Vorteil je Arbeitnehmer

200 EUR

Auch hier ist für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte der geldwerte Vorteil mit 0,03 Prozent der Bruttolistenpreise aller Kraftfahrzeuge zu ermitteln und die Summe durch die Zahl der Nutzungsberechtigten zu teilen. Dieser Wert ist beim einzelnen Arbeitnehmer mit der Zahl der Entfernungskilometer zu multiplizieren.

Pauschalierung der Lohnsteuer mit 15 Prozent bei Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte

Der Arbeitgeber hat bei der Versteuerung des geldwerten Vorteils für die unentgeltliche oder verbilligte Überlassung eines Firmenwagens zu Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte die Möglichkeit, die Lohnsteuer insoweit mit 15 Prozent zu pauschalieren, als der Arbeitnehmer Werbungskosten in Höhe der Entfernungspauschale geltend machen könnte. Die Entfernungspauschale beträgt seit 01.01.2004 0,30 EUR für jeden Kilometer der einfachen Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte.

Die Pauschalierung der Lohnsteuer mit 15 Prozent löst Beitragsfreiheit in der Sozialversicherung aus. Allerdings verliert der Arbeitnehmer den Werbungskostenabzug, soweit eine Pauschalierung mit 15 Prozent durchgeführt wurde. Macht der Arbeitgeber von der Pauschalierungsmöglichkeit Gebrauch, so kann aus Vereinfachungsgründen unterstellt werden, dass der Arbeitnehmer das Fahrzeug an 15 Arbeitstagen monatlich (180 Tagen jährlich) für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte benutzt (R 127 Abs. 5 Nr. 1 b LStR 2006). Der Pauschalierung kann jedoch die tatsächliche (höhere) Anzahl der Arbeitstage zugrunde gelegt werden, an denen der Arbeitnehmer den Firmenwagen für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte genutzt hat.

Beispiel: Auswirkungen einer Pauschalierung der Lohnsteuer

Der Arbeitnehmer nutzt einen Firmenwagen (Bruttolistenpreis 30.000 EUR) für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte. Die Entfernung Wohnung – Arbeitsstätte beträgt 30 km. Für die Nutzung des Firmenwagens zu Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte ergibt sich folgender monatlich zu versteuernder geldwerter Vorteil:

0,03 % von 30.000 EUR * 30 km

270 EUR

Der Arbeitgeber kann die Lohnsteuer mit 15 Prozent pauschalieren, soweit der Arbeitnehmer Werbungskosten für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte in Höhe der Entfernungspauschale geltend machen könnte. Dabei ist von 15 Arbeitstagen monatlich auszugehen:

0,30 EUR * 30 km * 15 Arbeitstage

135 EUR

Zur Versteuerung als laufender Arbeitslohn verbleiben (270 EUR - 135 EUR)

135 EUR

Für die Berechnung der Sozialversicherungsbeiträge gilt: Soweit die Lohnsteuer mit 15 Prozent pauschaliert wird, tritt Beitragsfreiheit in der Sozialversicherung ein. Beitragspflichtig ist daher nur der Betrag von 135 EUR.

Durch die Pauschalierung des Betrags von 135 EUR monatlich verliert der Arbeitnehmer in dieser Höhe den Werbungskostenabzug bei der Veranlagung zur Einkommensteuer.

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Über den Autor:

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Josef Ellenrieder, Jahrgang 1943, Diplom Betriebswirt FH, lehrt an diversen Fachhochschulen, Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern die Themen: Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Rechnungs ...

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