Ihr Anliegen als Geschichte erzählen: Storytelling für Vereine, gemeinnützige Einrichtungen und NGOs

Erzählen Sie vom Anliegen Ihrer Organisation - bringen Sie Geldgeber zum Zuhören.

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Stand: 16. Juni 2014

Was ist Storytelling – und was hat das mit meinem Verein zu tun?

Ich hatte einen einzigen Lehrer, der so unterrichten konnte, dass das Gelernte mir bis heute im Gedächtnis geblieben ist. Herr Weber unterrichtete Geschichte – zunächst nicht das Traumfach einer durchschnittlichen 14-Jährigen. Besonders das Thema „Mittelalter“ klang in meinen Ohren nach gähnender Langeweile. Statt mit Namen und Daten zu beginnen, tat Herr Weber aber etwas anderes: Er erzählte uns eine Geschichte, die Geschichte eines Barbiers, der auch als Chirurg arbeitete. „Das waren furchtbare Schreie, wenn er den Menschen ohne Betäubung ein Bein amputierte.“

Vielleicht entspricht diese Geschichte nicht unbedingt den Kriterien für kindgerechtes Erzählen. Eins aber hat mein Geschichtslehrer geschafft: Uns pubertierenden Jugendlichen ein Thema schmackhaft zu machen, mit dem wir zunächst nichts verbanden. Denn das vermeintlich knochentrockene Thema „Mittelalter“ erschien uns plötzlich wie eine Abenteuergeschichte. Der erwünschte Nebeneffekt: Bis heute habe ich nicht nur die imaginierten Schreie der armen Amputierten im Ohr, sondern kann die Daten des Gangs nach Canossa, des Kinderkreuzzugs oder der Eroberung Konstantinopels auswendig herunterbeten.

Ob bewusst oder eher zufällig, mein Geschichtslehrer beherzigte mit dieser Methode genau das, was Storytelling ausmacht: Ein Thema mittels Bildern und Metaphern so anschaulich zu schildern, dass es sich einprägt. Auch wenn Storytelling längst zu einem Schlagwort von Werbetexterinnen und Marketing-Experten geworden ist: Natürlich ist diese Erzählweise viel älter. Denn eigentlich bezeichnet Storytelling eine uralte Kulturtechnik – das Geschichtenerzählen.

Ein Beispiel dafür sind Märchen. In allen Kulturen der Welt dienen sie nicht nur zur Unterhaltung, sondern auch dazu, Botschaften zu verpacken und an die nächste Generation weiterzugeben. So ist „Allerleirauh“ nicht nur die Geschichte einer Königstochter, die sich zur Tarnung in Tierfelle hüllt – es ist die in Märchenform vollzogene Verarbeitung einer Inzest-Erfahrung. „Brüderchen und Schwesterchen“ steckt nicht nur voller Magie und Tiergeschichten, sondern erzählt von der Zuneigung und Solidarität zwischen Geschwistern. Unterhaltung, die sich einprägt – das ist das Ziel von Storytelling.

Anschauliche, vielleicht auch witzige oder berührende Geschichten helfen uns, uns etwas zu merken. Ein ganz plastisches Beispiel dafür sind Eselsbrücken, wie sie in der Schule benutzt werden. Uralte Reime wie „Der Bauch vom Rex, der ist konvex“ (zur Unterscheidung der Begriffe konvex und konkav) helfen dem Gedächtnis einerseits aufgrund der Reimstruktur, andererseits, weil vor dem inneren Auge ein Bild entsteht – der dicke Bauch des Direktors ist plastischer als ein abstraktes Wort.

Genau das ist mit dem Begriff „Storytelling“ also gemeint: Verpacken Sie Ihre Botschaft in eine Geschichte, die den Leser/-innen oder Hörer/-innen im Gedächtnis bleibt. Unternehmen nutzen die Macht der Geschichten schon lange – Vereine, die ein gemeinnütziges Ziel verfolgen, sind klar im Vorteil: Sie müssen nicht lange nach einer Botschaft suchen, die sie vermitteln möchten. Denn die steckt schon im Vereinszweck.

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Über die Autorin:

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Claire Horst (M.A. Literaturwissenschaften und Philosophie) ist Journalistin und Dozentin in der Erwachsenenbildung (Deutsch als Zweitsprache, Kreatives Schreiben, politische Bildung). Sie ist auch als Projektmanagerin und Fundraiserin tätig. Als Journalistin schreibt sie über diese Bereiche sowie zu den Themen Kultur, Migration und Gleichstellung.

Zu ihren Veröffentlichungen zählen „Der weibliche Raum in der Migrationsliteratur” (Hans Schiler Verlag, 2007), „Andere besser verstehen. Interkulturelle Kommunikation für Frauen” (Verlag Dashöfer, 2009), „Wissensvermittlung in gemeinnützigen Organisationen” (Verlag Dashöfer, 2010), „So überzeugen Sie mit Ihrer Präsentation. Praxiswissen für Gleichstellungsbeauftragte” (Verlag Dashöfer, 2013).

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