öffentlich
Redaktion Druckversion

Suchmaschinenoptimierung und Content Management Systeme (CMS)

4.583335
(12)
Beitrag bewerten
Kommentar schreiben
Stand: 21. Januar 2009

Regel Nr. 6: Wenn Artikel über mehrere Seiten gehen, muss das CMS die volle Linkpower nutzbar machen

Problem: Text auf einer oder auf vielen Seiten unterbringen?

Große Publikationsprojekte (wie z. B. Spiegel-Online oder Stern.de, virtuell jede große Publikation weltweit) generieren einen Großteil Ihrer Werbeeinnahmen über die Zahl der sogenannten Impressionen (page impressions). Als Impression zählt, wenn eine Seite neu angezeigt wird (Seitenabrufe).

Je mehr Impressionen ich meinen Werbepartnern vorweisen kann, desto mehr Geld kann ich von ihnen für eine Anzeigenschaltung verlangen.

Wenn ich also einen 2000-Wort-Artikel auf "einer" Seite anzeige, dann erzeugt dieser im Normalfall genau "eine" Impression pro Leser. Wenn ich diesen Artikel auf zehn Seiten verteile, dann erzeugt jeder Leser zehn Impressionen. Dann kann ich also - zumindest theoretisch - zehnmal so viel Geld verlangen.

Auch wenn es in der Realität etwas komplizierter ist, liegt hier der Grund dafür, dass wir uns im Internet durch so manche "Bilderstrecke" klicken müssen, obwohl es viel praktischer und schneller wäre, wenn wir einfach alle Bilder auf einer Seite präsentiert bekämen.

Ein oder viele Text-Seiten? Die Antwort aus Sicht der Suchmaschinenoptimierung

Welche Antwort aus Sicht der Besuchers optimal ist, das heben wir uns für ein anderes Mal auf. Beschäftigen soll uns hier vielmehr die Frage: Wie steht es mit dem Seiten-Splitting aus der Sicht des Suchmaschinenrankings?

Ist es besser, einen Artikel auf einer Webseite zu veröffentlichen, oder teilen wir ihn besser auf?

Die Antwort lautet, wie so oft: Es kommt darauf an - in diesem Fall auf das Thema bzw. die Themen.

Ein Artikel, der ein zusammenhängendes Thema hat, gehört auf eine Seite. Dafür gibt es einen guten Grund: Links.

Wenn unser Artikel gut sein sollte, dann wird er im Laufe der Zeit automatisch viele Links sammeln. Fast alle dieser Links werden, wenn er gesplittet wurde, auf die erste Seite dieses Artikels gehen.

http://www.website.xy/cms-und-suchmaschinenoptimierung/

Weniger oder gar nicht verlinkt werden die Unterseiten.

http://www.website.xy/cms-und-suchmaschinenoptimierung/seite-2/

Das hat Folgen für die Frage, bei welchen Begriffen unser Text rankt. Wenn die "hinteren" Seiten des Artikels wenig verlinkt werden, dann profitieren die Begriffskombinationen, die nur auf diesen Unterseiten vorkommen, auch nicht mehr und nur indirekt von der Linkpower, weil die auf die erste Seite gerichtet ist. Nur ein kleiner Teil der Linkpower wird an die Unterseiten vererbt.

Beispiel:

Wenn also beispielsweise die Begriffskombination "cms und suchmaschinenrankings" auf Seite 4 vorkommt, aber die Links alle auf Seite 1 gehen, auf der nur die Begriffskombination "cms und suchmaschinenoptimierung" vorkommt, dann wird der Artikel bei "cms und suchmaschinenrankings" nicht so gut gerankt wie für "cms und suchmaschinenoptimierung". Wieder einmal: verschenkte Linkpower.

Perfekte Lösung durch Programmiertechniken

Die Lösung des Problems ist ganz einfach. Sie lautet: Zeige der Suchmaschine den Artikel auf einer Seite und den Besuchern auf mehreren Seiten.

Aber Vorsicht: Begehen Sie dabei nicht erneut den Fehler, die verschiedenen Artikelteile unter verschiedenen URLs anzuzeigen. Denn dann passiert wieder genau das Gleiche wie vorhin. Irgendein Webmaster liest den Artikel und findet ihn toll. Er kommt auf Seite 5 an, kopiert den Link in seinen Blog und berichtet stolz über seinen Fund. Leider verlinkt er auf Seite 5 und nicht auf die Haupt-URL (Seite 1) wie alle anderen. Blöd für uns, die Linkpower wurde schon wieder gesplittet. Und das nur, weil unsere technische Suchmaschinenoptimierung nicht alle Möglichkeiten ausschöpft.

Eine perfekte Lösung sähe so aus:

  • Das System liefert den Artikel für die Suchmaschinen zum Indizieren unter einer URL.

  • Es erlaubt der Publikation gleichzeitig, den Artikel auf mehrere Seiten aufzuteilen.

  • Wenn Besucher auf die nächste Seite gehen, wird eine neue Impression erzeugt und ein neuer Werbebanner aus der Rotation geladen.

  • Das System erzeugt nur solche URLs, die nicht die Linkpower "splitten", wenn sie per Copy & Paste in Links übernommen werden.

Wie genau diese Funktionalität in einem CMS abgebildet wird, bleibt natürlich den Programmierern überlassen; die Zahl der Möglichkeiten ist groß. Sie müssen in jedem Fall abwägen, was für Sie wichtiger ist: Impressionen oder Rankings.

Ich würde in diesem Fall voll und ganz auf JavaScript vertrauen: Die Suchmaschinen werten kein JavaScript aus, wenn jemand JavaScript aktiviert hat, dann ist es ein menschlicher Besucher. Einen gewissen Streuverlust gibt es allerdings, denn nicht jeder menschliche Besucher hat auch JavaScript aktiviert.

Mein JavaScript splittet den geladenen Artikel automatisch an den durch das CMS erzeugten "Marken" in Unterseiten auf. Diese Seitennummern reagieren auch mittels Javascript auf Klicks. Wenn ich darauf klicke, lädt das System automatisch die nächste Seite in den Lesebereich. Zusätzlich erzeugt es via AJAX eine neue Impression und lädt den nächsten Werbebanner nach.

Die Seitennummern-Links gehen aber noch weiter. Sie ändern oben die URL. Das ermöglicht sogar eine Verlaufsfunktion, die Vor- und Zurück-Buttons Ihres Browsers funktionieren also. (Sonst regt sich Jakob Nielsen zu sehr auf ...) Die Links unterscheiden sich jedoch im Vergleich zu den "normalen" Links, weil sie hinten einen Hash (#) haben. Anstatt

http://www.website.xy/cms-und-suchmaschinenoptimierung/seite-2/ (<- Problem!)

haben wir dann

http://www.website.xy/cms-und-suchmaschinenoptimierung/#seite-2

Suchmaschinen schneiden das, was in einer URL hinter einem # (Hash oder Raute) steht, einfach ab. Sie bewerten den Link so, als wäre dieser Teil gar nicht da. Wenn also jemand den Link kopiert und verwendet, verlinkt er immer auf die richtige Seite. Es liegt am CMS, dann trotzdem die richtige Seite anzuzeigen, wenn jemand auf #seite-2 kommt. Für einen ordentlichen Programmierer ist sowas aber kein Problem. Und Ihr CMS sollte das können, wenn Sie auf die Artikel-über-mehrere-Seiten-Funktionalität angewiesen sind.

Damit ist auch die "Druckversion" einer Seite erledigt

Was für die "Artikel-über-mehrere-Seiten"-Funktionalität funktioniert, ist auch gut genug für Ihre Druckfunktion. Moderne CSS-Techniken machen die klassische Druckfunktion zwar sowieso überflüssig. Trotzdem haben Sie das Problem, dass nicht alle Teile des Artikels geladen sind, wenn diese tatsächlich unter verschiedenen URLs liegen. Ihre Leser möchten aber bestimmt den gesamten Artikel in einem Dokument ausdrucken.

Wenn Sie also eh schon mittels JavaScript und AJAX das Mehrere-Seiten-Problem beseitigen, dann haben Sie sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Denn separate Seiten für eine Druckfunktion sind nicht nur überflüssig, sie erzeugen auch noch Duplicate Content, wenn Sie nicht für die Bots gesperrt sind.

Mitglied werden, Vorteile nutzen!

  • Sie können alles lesen und herunterladen: Beiträge, PDF-Dateien und Zusatzdateien (Checklisten, Vorlagen, Musterbriefe, Excel-Rechner u.v.a.m.)
  • Unsere Autoren beantworten Ihre Fragen

Downloads zu diesem Beitrag

Über den Autor:

bild117266

Saša Ebach ist freier Suchmaschinenoptimierer und Webentwickler mit der festen Meinung, dass Suchmaschinenoptimierung nicht "nachträglich" in eine Webanwendung eingebaut werden darf. In seiner Video-S ...

Newsletter abonnieren