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Wenn Mitarbeiter stehlen: Umgang mit Diebstahl, Unterschlagung und Untreue in kleineren Unternehmen

Klau in der Firma, strafrechtlich betrachtet: Diebstahl, Unterschlagung, Untreue und Betrug

Wirtschaftskriminalität allgemein

Wenn von Wirtschaftskriminalität die Rede ist, denkt man dann zunächst an die schlagzeilenträchtigen Vorgänge in internationalen Konzernen, die zu schwindelerregenden Schäden geführt haben. Das ist freilich nur die Spitze des Eisberges.

Es gibt keine allgemein gültige Definition des Begriffs "Wirtschaftskriminalität". Zudem ist dieser Bereich der Kriminalität auch deshalb schwer zu erfassen, weil es sich dabei weder um ein einzelnes Delikt in unterschiedlicher Ausprägung handelt, noch um ein abgrenzbares Bündel an Delikten. Wirtschaftskriminalität ist vielmehr so facettenreich wie das Geschäftsleben an sich.

Eine gewisse Orientierung bietet jedoch die Aufzählung in § 74c Abs. 1 Nr. 1 bis 6b GVG. Die Aufzählung macht schon deutlich, dass die in Frage kommenden Straftaten nicht nur im Strafgesetzbuch (StGB) zu finden sind - die Delikte, die in den Bereich der Wirtschaftskriminalität fallen, sind in rund 200 verschiedenen Bundesgesetzen verstreut. Ganz unabhängig von der Aufzählung spricht zudem die Vielfalt innerhalb der einzelnen Delikte Bände. Zahlenmäßig am häufigsten sind Delikte wie Diebstahl, Unterschlagung und Untreue, gefolgt von Betrug.

Die Klassiker: Diebstahl, Unterschlagung, Untreue und Betrug

Die exakte juristische Abgrenzung zwischen Diebstahl, Unterschlagung und Untreue ist im Einzelfall oft sehr schwierig und hängt von Details ab.

Deshalb ist es auch gar nicht so wichtig, die Unterschiede zu kennen: Wenn Sie bei einer Anzeige das Delikt gegenüber den Ermittlungsbehörden falsch bezeichnen, ist das nicht schlimm, solange nur die Darstellung des Sachverhalts korrekt ist. Die juristischen Feinheiten herauszuarbeiten und so die Tat richtig zur Anzeige zu bringen, das ist dann später Aufgabe der Ermittlungsbehörden bzw. Ihres Anwalts.

  • Diebstahl

    Dass der Straftatbestand Diebstahl nach § 242 StGB im weitesten Sinne zu den Wirtschaftsdelikten gehört, ist klar. Ein Beispiel ist der Mitarbeiter, der Büromaterial, Werkzeuge oder gar ganze Maschinen "mitgehen" lässt, also Gegenstände, die eindeutig im Eigentum des Unternehmens oder eines Dritten stehen. Es erstaunt wenig, dass insbesondere Bereiche wie Vertrieb, Lager, Produktion und Einkauf von kriminellen Handlungen betroffen sind.

  • Manches, was man im Alltag als "klauen" bezeichnet, erfüllt nicht die strafrechtliche Definition von Diebstahl, weil zum Beispiel das Tatmerkmal des "Bruchs fremden Gewahrsams" fehlt. In solchen Fällen macht der Täter sich meist jedoch mindestens der Unterschlagung nach § 246 StGB schuldig - das ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Mitarbeiter sich für die private Renovierung von der Firma Werkzeug ausleiht, es dann aber nicht zurückgibt.

  • Betrug

    Beim Betrug nach § 263 StGB handelt es sich um ein sehr facettenreiches Delikt. Ein Beispiel, das auch in kleineren Unternehmen vorkommt, sind die sogenannten "Kick-back"-Zahlungen an Einkäufer. Dabei wird ein überhöhter Kaufpreis ausgehandelt, von dem ein Teil an den Mitarbeiter zurückfließt.

  • Untreue

    Eine einfache Form von Untreue nach § 266 StGB liegt vor, wenn Kasseneingänge von Ihrem Personal einfach storniert und die Beträge in die eigene Tasche gesteckt werden. Untreue ist es auch, wenn die Angestellte eines Copy-Shops ihre Freundin heimlich umsonst kopieren lässt.

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Über die Autorin:

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Dr. Ellen Ulbricht ist Juristin und Unternehmensberaterin, sie liefert unter Mahnen leicht gemacht Hilfen für das Forderungsmanagement. Dr. Ulbricht war 15 Jahre lang in leitender Position im Inkasso ...

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