Geiz mag ja "geil" sein - ist aber oft alles andere als wirtschaftlich: Knausern an der falschen Stelle kann sogar richtig ins Geld gehen. Am besten fahren Sie mit einem nüchternen Kosten-Nutzen-Kalkül.
Wenn Produkte, Dienstleistungen und Informationen als "Schnäppchen" oder sogar kostenlos zu haben sind, wird der "Schotte in uns allen" hellhörig. Verständlich: Schließlich will jeder das Beste für sich herausschlagen. Hinzu kommt: Während der Gründungsphase und in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bleibt vielen Selbstständigen und Unternehmern gar nichts anderes übrig, als an allen Ecken und Enden zu sparen. Vielerorts gilt das Sparen gar als unternehmerische Kardinaltugend.
Unwirtschaftliche Sparsamkeit
Doch so verständlich das Geizen mit knappen Mitteln sein mag, es führt leicht zu unwirtschaftlichen Entscheidungen:
Wer sich auf Nulltarif- und Schnäppchenangebote stürzt, übersieht leicht die Konsequenzen seiner Entscheidung. Das lässt sich an den "Wolf-im-Schafspelz"-Techniken gut illustrieren: Weil die "Einstiegs-Droge" so günstig ist, werden die Folgekosten für Verbrauchsmaterial, Ersatzteile, Energie, Reparatur, Wartung etc. unterschätzt. Denken Sie nur an die im Einkauf günstigen, unterm Strich jedoch völlig überteuerten Tintenstrahldrucker oder exklusiven Nass-Rasierer. Oder an die Installation "billiger", aber unausgereifter Software bei gleichzeitiger Vernachlässigung hoher Schulungs-, Support- und Migrationskosten.
Wer es aus Kostengründen versäumt, sich gegen folgenschwere betriebliche und private Risiken abzusichern, spielt mit dem Feuer. Das gilt natürlich ganz besonders für den Verzicht auf lebenswichtige Versicherungen wie die - für Selbstständige freiwillige - Krankenversicherung oder eine Betriebshaftpflicht. Riskant ist aber z. B. auch schon der kurzsichtige Einsatz von 0815-Vertragsmustern: So kann man bei der Gründung einer Gesellschaft zwar auf die Konsultation eines Rechtsanwalts verzichten und dessen Honorar "einsparen" - wird dafür später unter Umständen aber mit dem Verlust des kompletten Privatvermögens bezahlen. (Mit Sicherheit vermeiden lässt sich das auch bei Profi-Unterstützung nicht - die Wahrscheinlichkeit eines Reinfalls sinkt aber spürbar.)
Wer durch übertriebene Sparsamkeit die Qualität des eigenen Angebots für seine Kunden spürbar mindert, gefährdet den Bestand seines Unternehmens genauso wie durch Verschwendungssucht.
Wer unter Sparen hauptsächlich das Vermeiden oder Minimieren von Auszahlungen (also den Abfluss flüssiger Mittel) versteht, setzt vielfach die falschen Prioritäten: Wenn etwa der Inhaber oder leitende Angestellte seine wertvolle Arbeitszeit auf die Erledigung simpler Verwaltungsaufgaben verwendet, bloß um "Zusatz"-Kosten für Mitarbeiter, Aushilfen oder externe Dienstleister zu vermeiden, sollte das zu denken geben. Den meisten kurzfristigen monetären Einsparungen stehen die so genannten Opportunitätskosten gegenüber, die in diesem Fall durch den Verzicht auf den profitableren Einsatz der qualifizierten Arbeitskraft an anderer Stelle entstehen.
Wer als Selbstständiger oder Kleinunternehmer sein ganzes Denken und Handeln unter das Diktat der Kostenminimierung stellt, läuft Gefahr, seinerseits nur kleine und saure Trauben zu ernten. Das gilt auch für die permanente Fahndung nach immer neuen Zuschüssen und anderen Subventionen - statt konsequent den eigenen Marktauftritt zu verbessern: Ohne mutigen und überzeugten eigenen Einsatz gibt es nun einmal auch keinen reißenden Absatz und sprudelnden Umsatz.
Und nicht zu vergessen: Wenn sich die Sparwut verselbstständigt, geraten die direkten "Kosten der Kostensenkung" schnell aus dem Blick: Dann wird zum Beispiel unverhältnismäßig großer Aufwand betrieben, um besonders günstige Beschaffungsquellen für wertmäßig relativ geringe Kostenpositionen zu ermitteln.
Kosten-Nutzen-Optimierung
Wenn Sie es besser machen wollen, sollten Sie sich nach Möglichkeit am TCO-Konzept ("Total Cost of Ownership") orientieren. Das Prinzip geht ursprünglich auf die Optimierung von IT-Beschaffungen zurück, lässt sich aber verallgemeinern. Das Ziel besteht darin, nach Möglichkeit alle Kosten der verfügbaren Alternativen zu erheben und dann die Entscheidung auf Basis des relevanten Gesamtnutzens (TBO: "Total Benefits of Ownership") zu treffen.
