Schriftart, Satz und Zeichen
Praxisbeispiel Schritt für Schritt
Was ist zu klären?
Wann ist eine typografische Aufgabe gut gelöst? Ein Schriftstück muss so gestaltet sein,...
dass es von seinen Empfängern gut lesbar ist,
dass die Textinhalte durch die Gestaltung unterstützt werden
und es darüberhinaus auch alltagstauglich ist (sich z.B. faxen lässt ohne dass die Schrift unleserlich wird oder abgeheftet werden kann, ohne dass die Zeilenanfänge abgedeckt werden).
Um diese Anforderungen umzusetzen, muss man sich über alle wichtigen Randbedingungen und Vorgaben informieren, bevor man sich an die Arbeit macht. Dabei kann es nicht schaden, sich auch noch einmal selbstverständliche Bedingungen vor Augen zu halten - man kann dann bewusster und besser auf sie eingehen und sie in die Gestaltung einbeziehen. Daneben müssen natürlich alle besonderen Anforderungen geklärt sein.
Wie geht man vor?
Die im folgenden beschriebene Arbeitsreihenfolge ist empfehlenswert, auch wenn sie nicht in allen Fällen genau so eingehalten werden kann. Schließlich hängt die Wirkung einzelner Schrift-Parameter eng miteinander zusammen und manchmal muss man wieder einen Schritt zurückgehen, wenn man feststellt, dass etwas so nicht ganz funktioniert.
Im Beispielprojekt soll eine Dokument-Vorlage für die Bürokommunikation eines Bauingenieur-Beratungsbüros typografisch entwickelt werden (kein Briefbogen-Layout für die Druckerei!). Die unterschiedlichen Schriftstücke des Büros sollen ein einheitliches Erscheinungsbild bekommen. Geschäftsbriefe, umfangreiche, stark untergliederte Gutachten und Bauablaufplanungen sollen denselben typografischen Rahmen bekommen. Wünschenswert wäre, wenn der Entwurf auch Grundlage für Visitenkarten sein könnte. Wichtig ist noch zu wissen, dass in dieser Branche viel mit Fax gearbeitet wird, um Schriftstücke - auch lange Gutachten - zu übermitteln. Im Büro selbst werden v.a. Schwarz-Weiß-Laserdrucker eingesetzt. Vermittelt werden sollen gleichzeitig Nüchternheit und Sachlichkeit, wie man Sie von einem beratenden Ingenieur erwartet, als auch "Qualität", da die Gutachten ja auch eine teuer zu bezahlende Dienstleistung darstellen. Der Wert des verkauften Know-hows soll sich in der Gestaltung spiegeln. Ein Logo oder eine Firmen-Schrift sind nicht zu berücksichtigen.
Als Blattformat bietet sich automatisch A 4 an. Alles andere ist zu exotisch, zudem ist die Bürotechnik von Drucker bis zum Aktenordner auf dieses Format ausgerichtet. Aus denselben Gründen wählt man hier das Standard-Hochformat.
Als nächstes sollen die Seitenränder und die Position des Textes auf der Seite festgelegt werden. Diese Einteilung nennt man auch "Satzspiegel" (noch mehr dazu lesen Sie im letzten Kursabschnitt, "Layout planen"). Eine bewährte Regel lautet "Ränder an Kopf und Seiten gleich, unten mehr Rand". 2 cm Rand sollten an den Seiten mindestens vorhanden sein, wenn die Seiten gelocht und geheftet werden müssen. So könnte man das Seitenformat auch gut ausnutzen und viel Text unterbringen. Die Zeilen werden dadurch aber sehr lang, was nicht besonders lesefreundlich ist. Ich gebe also etwas mehr Abstand dazu. So werden je 2,5 cm an den Seiten und am Kopf Platz gelassen, unten 3,5 cm; das entspricht den Proportionen des A 4-Blattes (1:1,4) und wirkt schlicht, aber harmonisch. Am unteren Rand ist so auch noch Raum für Seitenzahlen und eine eventuelle Fußzeile mit Angaben zum Bauvorhaben etc.
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