Grundkurs Textgestaltung und Layout

Von: Sibylle Mühlke
Stand: 1. Januar 2006
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Form und Sinn

Zwischen den Zeilen

Sie haben nun schon viel über verschiedene Schriftarten, ihre Eignung für unterschiedliche Zwecke und über den Satz erfahren. Eine weitere wichtige und oft unterschätzte Funktion für die Lesbarkeit und Wirkung von Schrift haben Zeilenlänge und Zeilenabstand und in gewissem Maß auch der Wortabstand, der ohnehin nur mit speziellen Satzprogrammen bearbeitet werden kann.

Wie schon erwähnt, sind Schrift- und Satzart allein für die Lesbarkeit von Text nicht maßgeblich. Sehen Sie selbst...

Unlesbar Besser lesbar

Man kann also eine robuste Leseschrift so setzen, dass die Lektüre zur Mühsal wird, andererseits einer eher problematischen Schrift zu guter Lesbarkeit verhelfen. Einige Faustregeln können Ihnen helfen:

  • Die Zeilenlänge sollte bei Leseschriften (die etwa 9 - 12 pt groß sein sollten) so eingestellt sein, dass man bei der Lektüre nicht den Kopf hin- und herbewegen muss und leicht den Ansatz der neuen Zeile finden kann.

    Da hier verschiedene Parameter berücksichtigt werden müssen - die Schriftform, die Leseumstände und das -medium - lassen sich pauschale Empfehlungen nicht geben. Als guter Richtwert für Lektüre unter schwierigen Bedingungen wie z.B am Bildschirm gelten 65-70 Zeichen (inkl. Leerzeichen), unter Umständen können dem Leser jedoch auch mehr Zeichen zugemutet werden. Im Zweifelsfall entscheidet eine Leseprobe. Zu kurze Zeilen sind in jedem Fall sehr unruhig und erschweren die Konzentration - das Minimum liegt um die 35-40 Zeichen.

  • Der Zeilenabstand sollte auf die Schriftgröße abgestimmt werden. Man rechnet rund 20% zur Schriftgröße hinzu. Für eine 11-pt-Schrift würde die Rechnung lauten:

    11 pt + 2,2 [das sind 20%] = 13, 2 pt Zeilenabstand;
    gerundet: 13 pt

    Serifenlose Schriften brauchen meist mehr Abstand als Serifenschriften, und alle Umstände, die die Erkennbarkeit erschweren (grobes oder dunkles Papier, das Faxproblem) verlangen ebenfalls leicht erhöhte Zeilenabstände.

  • Die Laufweite der Schrift, also der Abstand zwischen den einzelnen Zeichen sollte nicht ohne Not verändert werden. Hochwertige digitale Schriften sind bereits so konzipiert, dass gute Lesbarkeit gewährleistet ist. Gesperrter Text war eine typografische Mode der 90er Jahre - oft zu Lasten des Lesekomforts.

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