Als Übungsleiter oder im Ehrenamt steuerfrei dazuverdienen

Bis zu 2.400 Euro für gemeinnützige Nebentätigkeiten bleiben steuerfrei und beitragsfrei

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Stand: 2. Oktober 2015 (aktualisiert)

Übungsleiterpauschale: Steuerfreie Nebentätigkeiten

Steuerfreie nebenberufliche Tätigkeiten für gemeinnützige Zwecke: Allgemeines zur Übungsleiterpauschale

Einnahmen sind bis zu einem Höchstbetrag von insgesamt 2400 Euro im Jahr steuer- und beitragsfrei, wenn sie für die folgenden Nebentätigkeiten bezahlt werden:

  • Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher, Betreuer oder eine vergleichbare Tätigkeit

  • künstlerische Tätigkeiten

  • Pflege alter, kranker oder behinderter Menschen

Weitere Voraussetzung ist, dass die Tätigkeit

  • nebenberuflich ausgeübt wird,

  • gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Zwecken dient und

  • im Dienst oder Auftrag einer inländischen juristischen Person des öffentlichen Rechts oder einer gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Zwecken dienenden Einrichtung (z. B. eines eingetragenen Vereins, einer gGmbH oder einer gemeinnützigen Stiftung) ausgeübt wird.

Alle vier Voraussetzungen müssen gleichzeitig erfüllt sein. Die Tätigkeit muss also

  1. nebenberuflich erfolgen

  2. begünstigt sein (z. B. als Übungsleiter)

  3. gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Zwecken dienen

  4. für einen steuerbegünstigten bzw. gemeinnützigen Arbeitgeber bzw. Auftraggeber erfolgen

Ob die nebenberufliche Tätigkeit im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses oder selbständig ausgeübt wird, ist für die Steuerfreiheit der Einnahmen dagegen ohne Bedeutung (vgl. den Abschnitt „Einordnung der Nebentätigkeit als selbständige oder nichtselbständige Tätigkeit“).

Welche Tätigkeiten sind begünstigt – wofür kommt die Übungsleiterpauschale infrage?

  1. Nebenberufliche Tätigkeit als Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher, Betreuer oder eine vergleichbare Tätigkeit

    Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher und Betreuer haben miteinander gemeinsam, dass sie mit anderen Menschen zusammenarbeiten. Gemeinsamer Nenner der begünstigten Tätigkeiten ist also die auf einem persönlichen Kontakt beruhende Einflussnahme auf andere Menschen, um auf diese Weise deren geistige und körperliche Fähigkeiten zu entwickeln und zu fördern. Die Tätigkeiten sind somit alle pädagogisch ausgerichtet.

    Der Freibetrag von 2400 Euro jährlich (200 Euro monatlich) kommt somit z. B. für folgende nebenberufliche Tätigkeiten in Betracht:

    • Lehr- und Vortragstätigkeit aller Art

    • Übungsleiter- und Trainertätigkeit

    • Tätigkeit als Aufsichtsperson (z. B. in der Altenpflege) oder als Jugendleiter

    • Chorleiter- und Dirigententätigkeit

    • Betreuertätigkeit z. B. in der Telefonfürsorge

    • Mütterberatung

    • Erste-Hilfe-Kurse

    • Prüfungstätigkeit (BFH-Urteil vom 23.06.1988, BStBl. II S. 890)

    Nicht begünstigt ist z. B. die nebenberufliche Tätigkeit als

    • Vereinsvorsitzender

    • Vereinskassierer

    • Bürokraft

    • Gerätewart

    • Platzwart

    • Ordner

    • Schiedsrichter

    • Reinigungspersonal

    Für diese Personen kommt jedoch im Normalfall der Freibetrag von 720 Euro jährlich in Betracht, wenn ein begünstigter Auftraggeber vorhanden ist (vgl. die Erläuterungen unter Nr. 10 „Freibetrag von 720 Euro jährlich für Vereinskassierer, Platzwarte und Ordner und andere ehrenamtlich für gemeinnützige Organisationen tätige Personen“).

    Die Abgrenzung, ob eine pädagogisch ausgerichtete und damit eine nach § 3 Nr. 26 EStG steuerfreie Tätigkeit vorliegt, ist in der Praxis oft schwierig. Die Finanzverwaltung hat deshalb für bestimmte Tätigkeiten eine Abgrenzung vorgenommen. Hiernach ist eine nebenberufliche Tätigkeit nach § 3 Nr. 26 EStG begünstigt

    • von Ärzten im Behindertensport und Coronar-Sport;

    • im Bereich der Bahnhofsmission mit einem Anteil von 60 %;

    • Fahrer und Beifahrer im Behindertentransport zu jeweils 50 %;

    • als ehrenamtlicher Ferienbetreuer;

    • als ehrenamtlicher Schulweghelfer und Schulbusbegleiter, wenn gleichzeitig zur Verkehrserziehung beigetragen wird;

    • bei Stadtführern;

    • von Feuerwehrleuten, soweit sie eine Ausbildungstätigkeit ausüben.

    Nicht nach § 3 Nr. 26 EStG begünstigt sind

    • ehrenamtliche Betreuer im Sinne des § 1896 BGB (siehe aber die Erläuterungen unter der nachfolgenden Nr. 13);

    • hauswirtschaftliche Tätigkeiten in Altenheimen und Krankenhäusern (siehe aber nachfolgende Nr. 10);

    • gerichtlich bestellte Dolmetscher.

    Die genannten Tätigkeiten sind zwar nicht nach § 3 Nr. 26 EStG begünstigt; für sie kommt jedoch im Normalfall der Freibetrag von 720 Euro jährlich in Betracht, wenn ein "begünstigter Auftraggeber" vorhanden ist (siehe die Erläuterungen unter der nachfolgenden Nr. 10).

    Einsatz- und Bereitschaftsdienstzeiten der Rettungssanitäter und Ersthelfer sind als einheitliche Tätigkeit zu behandeln, die insgesamt (= Freibetrag von 2400 Euro jährlich) begünstigt ist und für die deshalb eine zusätzliche Steuerbefreiung (= Freibetrag von 720 Euro jährlich) nicht in Betracht kommt. Entsprechendes gilt bei Vorliegen der übrigen Voraussetzungen für Rettungsschwimmer und Notärzte sowie Rettungsmänner zur Rettung Schiffbrüchiger.

  2. Nebenberufliche Lehrtätigkeit

    Große Bedeutung hat die Gewährung des steuer- und sozialversicherungsfreien Freibetrags von 2400 Euro jährlich (200 Euro monatlich) für die Lehr-, Vortrags- und Prüfungstätigkeit im Rahmen der allgemeinen Ausbildung und Fortbildung an Schulen, Hochschulen, Universitäten, Volkshochschulen usw.

    Für die Gewährung des Freibetrags von 2400 Euro jährlich ist es ohne Bedeutung, ob die nebenberufliche Tätigkeit selbständig oder nichtselbständig ausgeübt wird. Für die grundsätzliche Frage, ob überhaupt ein lohnsteuer- und sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis gegeben ist (z. B. bei einer Beschäftigung auf 450-Euro-Basis), kommt der Abgrenzung zwischen selbständiger und nichtselbständiger Tätigkeit erhebliche Bedeutung zu, und zwar vor allem deshalb, weil die lohnsteuerlichen und sozialversicherungsrechtlichen Abgrenzungskriterien unterschiedlich sind. Die Frage, ob eine nebenberufliche Lehrtätigkeit selbständig oder nichtselbständig ausgeübt wird, ist deshalb unter der nachfolgenden Nr. 6 gesondert abgehandelt.

  3. Nebenberufliche künstlerische Tätigkeit

    Unter die Begünstigung kann z. B. die nebenberuflich ausgeübte Konzerttätigkeit eines Musikers in Kirchen fallen. Viele Tätigkeiten sind aber bereits als Ausbildungstätigkeit begünstigt (z. B. Chorleiter). Häufig fehlt es allerdings an einem "begünstigten Auftraggeber", weil die Künstler nicht im Dienst oder Auftrag einer Gemeinde, eines Vereins oder einer anderen gemeinnützigen Organisation, sondern im eigenen Namen tätig werden. Außerdem wird der Begriff "künstlerische Tätigkeit" von der Finanzverwaltung eng ausgelegt. Es gelten deshalb grundsätzlich dieselben strengen Anforderungen wie für die hauptberufliche künstlerische Tätigkeit im Sinne des § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG.

    Allerdings ist zu berücksichtigen, dass hierunter nur nebenberufliche Tätigkeiten fallen. Diese nach Art und Höhe vorgegebenen Begrenzungen beeinflussen auch die Auslegung einer künstlerischen Tätigkeit im Sinne des § 3 Nr. 26 EStG. Eine künstlerische Tätigkeit in diesem Sinn kann daher auch vorliegen, wenn sie die eigentliche künstlerische (Haupt-)Tätigkeit unterstützt und ergänzt, sofern sie Teil des gesamten künstlerischen Geschehens ist. Auch der Komparse kann daher – anders als z. B. ein Bühnentechniker – eine künstlerische Tätigkeit ausüben, wenn sich seine Tätigkeit nicht auf eine rein mechanische Funktion (sog. menschliche Requisite) beschränkt (BFH-Urteil vom 18.04.2007, BStBl. II S. 702).

    Die Darbietung von Musik auf Feuerwehrveranstaltungen oder auf Schützen- und Volksfesten ist nicht künstlerisch im Sinne des § 3 Nr. 26 EStG. Vergütungen, die in diesen Fällen an die Musiker gezahlt werden, fallen daher nicht unter die Steuerbefreiung.

  4. Nebenberufliche Pflegetätigkeit

    Die Pflege alter, kranker oder behinderter Menschen umfasst außer der Dauerpflege auch Hilfsdienste bei der häuslichen Betreuung durch ambulante Pflegedienste, z. B. Unterstützung bei der Grund- und Behandlungspflege, bei häuslichen Verrichtungen und Einkäufen, beim Schriftverkehr, bei der Altenhilfe, z. B. Hilfe bei der Wohnungs- und Heimplatzbeschaffung, in Fragen der Inanspruchnahme altersgerechter Dienste, und bei Sofortmaßnahmen gegenüber Schwerkranken und Verunglückten, z. B. durch Rettungssanitäter und Ersthelfer sowie Feuerwehrleute.

    Die Tätigkeit von Küchenpersonal und Reinigungskräften in Altenheimen und Krankenhäusern ist keine begünstigte Pflegetätigkeit, da keine häusliche Pflege im engeren Sinne stattfindet und damit kein unmittelbarer persönlicher Bezug zu den zu pflegenden Menschen entsteht. Die Tätigkeit der Helfer im sog. Hintergrunddienst des Hausnotrufdienstes ist begünstigt, soweit sie auf tatsächliche Rettungseinsätze gegenüber den Bewohnern entfällt.

    Wenn für eine nebenberufliche Tätigkeit im Umfeld der Pflegeberufe keine Steuerbefreiung nach § 3 Nr. 26 EStG in Betracht kommt, weil keine "Pflegeleistung" erbracht wird, ist zu prüfen, ob eine Steuerbefreiung nach § 3 Nr. 26a in Höhe von 720 Euro jährlich infrage kommt, was in der Regel der Fall sein wird.

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Hallo Hr. Buchholz,

danke für den Hinweis; Sie haben natürlich recht. Die entsprechende Passage ist geändert.

Besten Gruß
Redaktion akademie.de

Mit der Übungsleisterpauschale 2.100 Euro Steuern sparen??? Das wär' aber schön! Nein: Die Übungsleiterpauschale senkt das *steuerpflichtige Einkommen* um 2.100 Euro im Jahr, was dann - je nach dem übrigen Einkommen - eine Ersparnis von rund 400 bis 1.000 Euro im Jahr ergibt. Mehr ist leider nicht drin!

Goetz Buchholz

Guten Tag,

die Arbeit mit einer behinderten Person fällt nicht unter die
Übungsleiterpauschale!

Da Sie die Tätigkeit nebenberuflich ausüben, ist kein Gewerbe anzumelden,
Sie üben keine Gewerbetätigkeit aus. Einkommensteuerlich ermitteln Sie Ihre
Einkünfte nach § 4/3 ESt, d.h. alle Einnahmen incl. Umsatzsteuer minus alle
Ausgaben incl. Umsatzsteuer = Gewinn. Diesen Gewinn am Jahresende als
"Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit" versteuern = Anlage S.

Mit freundlichen Grüßen
Ellenrieder

Ich stehe in einem festen Arbeitsverhältniss als Kunsttherapeutin (30 Stunden) und arbeite jetzt zusätzlich ca. eine stunde/woche nebenberuflich mit einer behinderten Person. Fällt diese Tätigkeit unter die Übungsleiterpauschale? Ist dies überhaupt steuerrechtlich möglich ohne ein Gewerbe anzumelden? Vielen Dank für ihre Auskunft.

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Über den Autor:

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Josef Ellenrieder, Jahrgang 1943, Diplom Betriebswirt FH, lehrt an diversen Fachhochschulen, Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern die Themen: Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Rechnungs ...

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