Übungsleiterpauschale und Ehrenamtspauschale: Steuerfreie Nebenverdienste

Die Steuervergünstigungen für Ehrenamtler sind längst nicht nur auf Vereinsmitarbeit beschränkt. Hier erklären wir Ihnen, wie Sie in der Praxis damit Steuern sparen.

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Stand: 7. Januar 2013 (aktualisiert)

Übungsleiter- und die Ehrenamtspauschale sind Steuerfreibeträge, durch die Aufwandsentschädigungen für bürgerschaftliches Engagement bis zu einer bestimmt Höhe steuerfrei bleiben. Die attraktiven Freibeträge sind längst nicht nur auf Vereinsmitarbeit beschränkt. Sie können für ganz unterschiedliche Dienstleistungen und Nebentätigkeiten genutzt werden, wenn der Auftraggeber die Voraussetzungen erfüllt.

Reich werden Sie durch ehrenamtliches Engagement zwar nicht. Ab 2013 dürfen Sie aber immerhin bis zu 2.400 Euro pro Jahr (Übungsleiterpauschale) und 720 Euro im Jahr (Ehrenamtspauschale) steuerfrei hinzuverdienen.

Bitte beachten Sie: Bis einschließlich 2012 lagen die Steuerfreibeträge für ehrenamtliche Tätigkeiten bei 2.100 Euro bzw. 500 Euro. Die Erhöhung ist Teil des "Gesetzes zur Entbürokratisierung des Gemeinnützigkeitsrechts". Zurzeit (21. Januar 2013) ist das "GemEntBG" noch immer nicht nicht beschlossene Sache. Der Bundesrat hat aber bereits Stellung genommen und das Gesetz soll Anfang 2013 verabschiedet werden und dann wie geplant rückwirkend zum 1. Januar 2013 in Kraft treten.

Wir erklären Ihnen in diesem Leitfaden ...

  • wer die Übungsleiterpauschale in Anspruch nehmen darf,

  • für wen die Ehrenamtspauschale infrage kommt und

  • wie sich die steuerbegünstigten Aufwandspauschalen auf Sozialleistungen wie ALG I und II, BAFöG, Kinder-, Wohn- oder Elterngeld auswirken.

Außerdem beantworten wir Praxisfragen wie die folgenden: Sind beide Freibeträge kombinierbar? Darf ich bei mehreren Vereinen tätig sein? Fällt bei Selbstständigen Umsatzsteuer an?

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Übungsleiterpauschale

Hallo ich habe folgendes Problem:

Mit wird die Übungsleiterpauschale gewährt. Allerdings muss hier ein Denkfehler vorliegen.

Ich nehme jetzt pauschal Werte an. Für meine Übungsleitertätigkeit bekomme ich 5000 EUR Honorar p.a. dazu erhalte ich 1500 EUR von der Akademie Fahrt- und Übernachtungskosten. Das Hotel bezahle ich dann jeweils mit meiner Karte, so dass +- 0 eigentlich rauskommt. Die Fahrtkosten (0,3 EUR je KM) gebe ich ja aus, indem ich Tanke und sich das Auto ja abnutzt sprich auch +- 0. Jetzt errechnet die Dame vom Finanzamt Folgendes:
Einnahmen 5000€+1500€= 6500€ davon 2400€ abgezogen= 4100 €. als BMG meine tatsächlichen Ausgaben belaufen sich auf 2500€ also zieht sie von den 6500€ 2500€ ab = 4000 BMG

Ich denke aber, dass ich 2400 steuerfrei verdienen darf. So nützt mir doch die Pauschale nix. Hotel zahle ich selbst und die Fahrtkosten ja auch. Man kann das doch nicht als Einnahme verbuchen.

Habe ich einen Denkfehler?
Vielen Dank für Ihre Hilfe

Liebe Grüße
Marie

Antwort: Übungsleiterpauschale

Hallo, Marie,
eine steuerliche Einzelfallberatung ist an dieser Stelle nicht möglich. Daher nur ganz allgemein:

1.
Bei der Übungsleiterpauschale handelt es sich nicht um eine Gewinn-Einkunftsart: Sie ist sogar ausdrücklich dazu gedacht, anfallende Aufwendungen des / der Steuerpflichtigen zu ersetzen.

2.
In Kombination mit steuerpflichtigen Einkünften für dieselbe Tätigkeit bedeutet das, dass die Pauschale zunächst einmal die entstandenen Aufwendungen ersetzt. Nur der darüber hinausgehende Teil der Aufwendungen kann als Betriebsausgabe / Werbungskosten geltend gemacht werden.

3.
Rechtliche Grundlage ist § 3c Abs. 1 EStG
https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__3c.html
Dort heißt es:
------------ Zitat ----------------
(1) Ausgaben dürfen, soweit sie mit steuerfreien Einnahmen in unmittelbarem wirtschaftlichen Zusammenhang stehen, nicht als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abgezogen werden;
----------Zitat-Ende --------------

4.
Insofern erscheint mir die Ermittlung der Bemessungsgrundlage durch Ihr Finanzamt nachvollziehbar.

Wie gesagt: Das ist nur die allgemeine Rechtslage, wie sie sich aus meiner Sicht darstellt. Die Details Ihres Einzelfalls besprechen Sie mit Ihrem Steuerberater oder einem Lohnsteuerhilfeverein.

Mit freundlichen Grüße
Robert Chromow

Moderation und Tagungsleitung, Übungsleiterpauschale

Hallo,

ich führe im Auftrag eines gemeinnützigen Dachverbandes Seminare zu medizinischen Themen durch. Meine Aufgabe ist die Moderation der Seminare und die Seminarleitung. 2014 und 2013 habe ich für die Tätigkeit die Übungsleiterpauschale und den Freibetrag bei der Steuererklärung geltend gemacht. Beide Jahre hat das Finanzamt das akzeptiert. In 2015 nicht mehr. Begründung: "Der Freibetrag gem. § 3 Br. 26 EStG kann nicht gewährt werden, da die ausgeübte Tätigkeit als Moderator und Tagungsleiter nicht zu den begünstigten Tätigkeiten zählt." Wie kann es sein, dass 2013 und 2014 die Tätigkeit anerkannt wurde, 2015 aber nicht? Was kann ich tun? Können Sie mir einen Tipp geben, was ich machen kann?

Vielen Dank im Voraus

Harald

Antwort Moderation und Tagungsleitung, Übungsleiterpauschale

Hallo Harald,
eine steuerliche Einzelfallberatung ist an dieser Stelle nicht möglich. Daher nur ganz allgemein:

1.
Die Auffassung des Finanzamts, dass die Tätigkeit als Moderator und Tagungsleiter nicht zu den durch § 3 Nr. 26 EStG
https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__3.html
begünstigten Tätigkeiten gehört, kann ich durchaus nachvollziehen: Die Übungsleiterpauschale ist demnach für ...
------------ Zitat ----------------
Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher, Betreuer oder vergleichbaren nebenberuflichen Tätigkeiten
----------Zitat-Ende --------------
... gedacht.

2.
Dass dass Finanzamt in den Vorjahren zu einem anderen Ergebnis gekommen ist, liegt vermutlich daran, dass Ihre Steuererklärung für 2015 genauer geprüft worden ist. Einen Rechtsanspruch auf die Gewährung des Freibetrags können Sie durch die abweichenden Vorjahresbescheide m. W. nicht ableiten.

3.
Alternativ bietet es sich an, die in § 3 Nr. 26a EStG geregelte _Ehrenamts_pauschale in Anspruch zu nehmen. Die Vorschrift enthält keine explizite Tätigkeitsliste. Mit 720 Euro beträgt dieser Freibetrag zwar nur ein Drittel der Übungsleiterpauschale, könnte von Ihnen aber evtl. hilfsweise in Anspruch genommen werden.

4.
Die Details Ihres Einzelfalls besprechen Sie am besten mit Ihrem Steuerberater oder Sie wenden sich an einen Lohnsteuerhilfeverein. Den nächsten Verein in Ihrer Nähe finden Sie über eine der beiden Dachverbände:

Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine e.V.
http://www.bdl-online.de/ und

Neuer Verband der Lohnsteuerhilfevereine e.V.
http://www.nvl.de/

Viele Grüße
Robert Chromow

Moderation und Tagungsleitung, Übungsleiterpauschale

Hallo Herr Chromow,

ich danke Ihnen ganz herzlich für Ihre Antwort.

Viele Grüße

Harald

Muss man die Ü-Pauschale zurückzahlen?

Hallo,
meine Frau arbeitet als Erzieherin und hat bislang mit 13 Wochenstunden als Minijob gearbeitet und dazu 200 € Übungsleiterpauschale erhalten.
Nun wechselt sie den Job und arbeitet 32 Wochenstunden. Daraufhin wurde ihr jetzt die komplette Pauschale rückwirkend zum 01.01. abgezogen mit dem Hinweis, dass das nur für jahreweise Tätigkeiten gelte.

Ist das korrekt oder liegt hier evtl. ein Fehler vor und ihr hätte die Pauschale trotzdem zugestanden?

Wäre super, wenn ich eine kurze Rückmeldung bekommen könnte.

Gruß

Antwort: Muss man die Ü-Pauschale zurückzahlen?

Hallo,
eine rechtliche Einzelfallberatung ist an dieser Stelle nicht möglich. Daher nur ganz allgemein:

1.
Der rückwirkende Abzug der Übungsleiterpauschale ist aus meiner Sicht nicht rechtens.

2.
Zwar fällt die Voraussetzung der Nebenberuflichkeit mit dem Wechsel in eine Vollzeit-/Zweidrittel-Tätigkeit weg. Sofern die Voraussetzungen für die Übungsleiterpauschale jedoch bis zu diesem Zeitpunkt vorgelegen haben, darf die ehrenamtlich Tätige den ausgezahlten Betrag selbstverständlich behalten!

3.
Die Pauschale darf sogar in beliebiger Form mit Minijobs kombiniert werden, wie Sie auf der Website der bundesweiten Minijobzentrale nachlesen können:
https://www.minijob-zentrale.de/DE/0_Home/01_mj_im_gewerblichen_bereich/...

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Betriebskosten ansetzen oder nicht? Übungsleiterpauschale

Mein Mann ist im Hauptjob (Vollzeit) im Handel angestellt. Nebenberuflich gibt er seit einiger Zeit Tischtennistraining in gemeinnützigen Vereinen.

1) Der erste gemeinnützige Verein, in dem er bereits länger das Vereinstraining durchführt, wollte dies jedoch von Beginn an nicht über die Übungsleiterpauschale abrechnen. Das Kontingent dort ist anscheinend bereits ausgelastet. Die Rechnungen meines Mannes werden immer von einem Privatkonto eines Vereinsmitglieds bezahlt. (maximal 3 Stunden/Woche)
Hierfür und für ein paar Privatunterrichtsstunden haben wir bislang immer eine Einnahmeüberschussrechnung & Anlage "S" beim Finnanzzamt abgegeben. Wir haben also bislang alles nach Abzug der tatsächlichen Betriebskosten versteuert.

Nun sind 2 Anstellungen dazu gekommen:
2) ein weiterer gemeinnütziger Verein, der die Trainingsstunden als Übungsleiterpauschale vom Vereinskonto bezahlt (maximal 3 Stunden / Woche)

3)und eine Anstellung als Übungsleiter für Kadertraining, mit entsprechendem Anstellungsvertrag über einen Tischtennisverband > die Zahlung erfolgt auch durch diesen Verband (maximal 9 Stunden im Monat)

Die Übungsleiterpauschale wird durch unterjährigen Beginn für 2) und 3) zusammen nicht voll ausgeschöpft (insg. ca. 900 Euro). Wöchentliche Stundenanzahlen liegen für 1),2)und 3)zusammen bei maximal 14 Stunden.

Nun haben wir ein Problem. Denn wir fragen uns, ob wir nun die Betriebskosten für den ersten Verein und für die gelegentlichen Privatstunden bis zu Höhe der Einnahmen aus ÜL-Pauschale nicht mehr ansetzen dürfen. Somit hätte mein Mann seinen Mehreinsatz unter dem Strich fast "umsonst" geleistet.

Hat er nur diese 2 Optionen?
x)Entweder er verzichtet auf die ÜL-Pauschale und listet alles in der EÜR auf, zieht Betriebskosten ab und versteuert seinen Gewinn oder
y)er setzt keine Betriebskosten bei der Gewinnermittlung für 1)an, und gibt 900 Euro als steuerfreie Erstattungen entsprechend in Anlage "N" und/oder "S" an

Es wäre toll, wenn ich hier eine Antwort fände. Die bereits angerufenen Steuerberater halfen mir bislang nicht weiter. Ich nenne es mal: Ich wurde "abgewimmelt".

Besten Dank

Sabine

Antwort: Betriebskosten ansetzen oder nicht? Übungsleiterpauscha

Hallo Sabine,
eine Einzelfallberatung ist an dieser Stelle nicht möglich. Daher nur ganz allgemein:

1.
Wenn Ihr Mann die Übungsleiterpauschale beansprucht, darf er dafür keine Betriebsausgaben geltend machen: Die Übungsleiterpauschale ist ja gerade dafür gedacht, die mit der Tätigkeit verbundenen Aufwendungen auszugleichen!

2.
Wenn seine Einnahmen höher sind als die Obergrenze der Pauschale, dann sind die darüber hinausgehenden Einnahmen steuerpflichtig. Dann darf er Werbungskosten (nicht-selbstständige Tätigkeit) oder Betriebsausgaben (selbstständige Tätigkeit) abziehen - jedoch nur soweit sie die Übungsleiterpauschale übersteigen!

Im einschlägigen BMF-Schreiben vom 21. November 2014 liest sich das so:
------------ Zitat ----------------
Ein Abzug von Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben, die mit den steuerfreien Einnahmen
nach § 3 Nummer 26a EStG in einem unmittelbaren wirtschaftlichen Zusammenhang stehen,
ist nur dann möglich, wenn die Einnahmen aus der Tätigkeit und gleichzeitig auch die
jeweiligen Ausgaben den Freibetrag übersteigen. I
----------Zitat-Ende --------------
http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/BMF_Schreiben...

Vielleicht hilft Ihnen das ja schon ein wenig weiter.

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Rückfrage

Sehr geehrter Herr Chromow,

danke für Ihre Antwort. Ich verstehe, dass man für steuerfreie Pauschalen nicht auch noch Betriebskosten ansetzen darf -solange diese die steuerfreie Pauschale nicht überschreiten-.

Allerdings werden die Rechnungen für die geleisteten Stunden im Falle des ersten Vereins von einer Privatperson überwiesen. Ist der Zahlende dann nicht als Auftraggeber zu sehen und somit kommt für meinen Mann ein Abzug der (ggf.anteiligen) steuerfeien Übungsleiterpauschale hierauf nicht mehr in Betracht. Die Abwicklung diesbezüglich ist mir leider noch nicht klar.

Dann dürfte mein Mann wohl nur den genutzten Anteil der Pauschale i.H.v. 900 Euro steuerfei ansetzen und müsste den gesamten Rest komplett versteuern - richtig -?

Vielen Dank

Sabine

Antwort: Rückfrage

Hallo Sabine,
Zahlungen von Privatpersonen können von vornherein _nicht_ als Übungsleiterpauschale berücksichtigt werden. Das ist nur möglich, wenn die Tätigkeit ...

------------ Zitat ----------------
im Auftrag einer öffentlichen oder öffentlich-rechtlichen Institution (z. B. Städte und Gemeinden, (Hoch-)Schulen, Volkshochschulen, Kammern etc.) oder eines gemeinnützigen Vereins, einer Kirche oder vergleichbaren Einrichtung
----------Zitat-Ende --------------
... erbracht wird (vgl. oben im Text
https://www.akademie.de/wissen/uebungsleiterpauschale-steuerfreibetrag/u...)

Viele Grüße
Robert Chromow

Kommt Tätigkeit für Übungsleiterpauschale in Frage?4

Guten Tag!

Mir wurde gerade aus einem Ehrenamt heraus eine bezahlte Tätigkeit (im Umfang von 9 Std./Woche) angeboten als Koordinatorin für Ehrenamtliche bei der Caritas. Das freut mich sehr und ich möchte das Angebot ausgesprochen gern wahrnehmen. Allerdings bin ich noch Studentin und beziehe Bafög. Mit den Einnahmen würde ich jetzt über den (meiner Meinung nach sehr niedrig angesetzten) Freibetrag beim Bafög kommen. Bisher konnte mir niemand so recht weiterhelfen, ob ich mit meiner Tätigkeit, also der Betreuung und Beratung von Ehrenamtlichen, für die Übungsleiterpauschale in Frage komme. Die anderen Auflagen, nämlich dass es sich um eine nebenberufliche Tätigkeit, und um die Arbeit in einem gemeinnützigen Verein handelt, sind ja auf jeden Fall erfüllt.

Ich weiß, Sie nehmen keine Einzelfallprüfung vor. Über Ihre Einschätzung zu meinem Fall wäre ich aber sehr dankbar!

Beste Grüße,

Lisa

Antwort: Kommt Tätigkeit für Übungsleiterpauschale in Frage?

Hallo Lisa,
eine rechtliche oder steuerliche Einzelfallberatung ist an dieser Stelle nicht möglich - daher nur ganz allgemein:

1.
Der Ansatz der _Ehrenamts_pauschale gem. § 3 Nr. 26a EStG
http://www.gesetze-im-internet.de/estg/__3.html
... ist nach meiner Ansicht bei der von Ihnen geschilderten Tätigkeit ohne Weiters möglich. Allerdings dürfte die Obergrenze von 720 Euro schnell erreicht sein.

2.
Bei der _Übungsleiter_pauschale kommt es m. E. auf den Schwerpunkt und die konkrete Ausgestaltung der Tätigkeit an: § 3 Nr. 26 EStG
http://www.gesetze-im-internet.de/estg/__3.html
... spricht von
------------ Zitat ----------------
Einnahmen aus nebenberuflichen Tätigkeiten als Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher, Betreuer oder vergleichbaren nebenberuflichen Tätigkeiten, aus nebenberuflichen künstlerischen Tätigkeiten oder der nebenberuflichen Pflege
----------Zitat-Ende --------------
Liegt der Schwerpunkt Ihrer Tätigkeit auf der Ausbildung und Qualifizierung der Freiwilligen, könnten die Voraussetzungen für die Übungsleiterpauschale ebenfalls erfüllt sein. Die Personalabteilung der Caritas sollte sich mit solchen Zweifelsfällen aber auskennen. Am besten fragen Sie dort nach.

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Kleine Verständnisfrage zum Thema Ehrenamtspauschale

Hallo Herr Chromow,

ich danke Ihnen herzlich für Ihre schnelle Antwort! Sie haben Recht, es ist die beste Idee, mich direkt an die Personalabteilung der Caritas zu wenden.

Aber noch eine Verständnisfrage zum Thema Ehrenamtspauschale: Ich dachte, die würde in meinem Fall nicht in Frage kommen, da ich ja über ein normales Angestelltenverhältnis verfüge und statt einer Aufwandsentschädigung, wie es im Ehrenamt ja üblich ist, tariflich bezahlt werde. In dem Fall ist es doch egal, ob ich nebenberuflich gemeinnützige Arbeit bei einem gemeinnützigen Verein verrichte, oder?

Beste Grüße,

Lisa

Antwort: Kleine Verständnisfrage zum Thema Ehrenamtspauschale

Hallo Lisa,
§ 3 Nr. 26a EStG
https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__3.html
regelt ganz allgemein die Steuerfreiheit von ...

------------ Zitat ----------------
Einnahmen aus nebenberuflichen Tätigkeiten im Dienst oder Auftrag einer juristischen Person des öffentlichen Rechts, [...] oder einer unter § 5 Absatz 1 Nummer 9 des Körperschaftsteuergesetzes fallenden Einrichtung zur Förderung gemeinnütziger, mildtätiger und kirchlicher Zwecke (§§ 52 bis 54 der Abgabenordnung) bis zur Höhe von insgesamt 720 Euro im Jahr.
----------Zitat-Ende --------------

In welcher sozialversicherungsrechtlichen Form die Abrechnung im Einzelfall erfolgt, spielt keine Rolle: Eine sozialversicherungspflichtige oder geringfügige Beschäftigung ist ebenso möglich wie eine selbstständige Tätigkeit - vorausgesetzt natürlich, der Nebenberuflichkeits-Charakter ist unstrittig). Explizite "Aufwandsentschädigungen" sind auch möglich, die sind jedoch in § 3 Nr. 26b EStG geregelt.

Aber wie gesagt: Das alles (und noch viel mehr!? :-)) besprechen Sie am besten mit der Caritas-Personalabteilung.

Viele Grüße
Robert Chromow

_

Lieber Herr Chromow,

ich danke Ihnen vielmals für Ihre Hilfe!

Lisa

ÜL-Pauschale überschritten

Hallo,
Ich bin als ÜL tätig!
Bisher habe ich in der Anlage N meine Einnahmen angegeben und alles was drüber war, mit einer Aufstellung meiner Ausgaben gegengerechnet. So war ich immer +/- 0!
Nun ist meine neue Finanzbeamtin damit nicht einverstanden und möchte die Anlage EÜR?!
Da ich ja nicht Selbstständig bin, gilt für mich doch auch nicht die Anlage S, oder?
Ich gebe 3 Std. in 2 verschiedenen Vereinen und im 3.Verein bin ich auf 450 € Basis angestellt. Greift hier auch eine nichtselbständige Tätigkeit auf Honorarbasis? So habe ich es immer gedacht, in Anlage N eingetragen und es wurde Jahrelang so annerkannt.
Wo trage ich es nun ein und in welcher Zeile?
Jeder erzählt was anderes und ich bin inzwischen total verzweifelt.
Vielen Dank im voraus
Viele Grüße

Antwort: ÜL-Pauschale überschritten

Guten Tag,
bitte entschuldigen Sie die verspätete Antwort. Sie schreiben:
------------ Zitat ----------------
Bisher habe ich in der Anlage N meine Einnahmen angegeben und alles was drüber war, mit einer Aufstellung meiner Ausgaben gegengerechnet. So war ich immer +/- 0!
----------Zitat-Ende --------------
Auch wenn das in der Vergangenheit gut gegangen ist: Rechtlich ist Ihr "hemdsärmeliges" Vorgehen m. E. problematisch. Insofern kann ich die Reaktion der Finanzbeamtin grundsätzlich verstehen. Doch der Reihe nach:

1.
Ob Sie Ihre Übungsleiterpauschale in der Anlage N oder der Anlage S (plus Anlage EÜR) eintragen, hängt davon ab, ob es sich um eine selbstständige Tätigkeit oder eine nicht-selbstständige Tätigkeit handelt.

2.
In beiden Fällen gilt, dass die Übungsleiterpauschale auch die mit der Tätigkeit verbundenen Aufwendungen ausgleichen soll. Wenn Ihre Einnahmen also höher sind als die Obergrenze der Pauschale, dann sind die darüber hinausgehenden Einnahmen steuerpflichtig. Sie dürfen zuvor zwar noch Werbungskosten (nicht-selbstständige Tätigkeit) oder Betriebsausgaben (selbstständige Tätigkeit) abziehen - jedoch nur soweit sie die Übungsleiterpauschale übersteigen!

Im einschlägigen BMF-Schreiben vom 21. November 2014 liest sich das so:
------------ Zitat ----------------
Ein Abzug von Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben, die mit den steuerfreien Einnahmen
nach § 3 Nummer 26a EStG in einem unmittelbaren wirtschaftlichen Zusammenhang stehen,
ist nur dann möglich, wenn die Einnahmen aus der Tätigkeit und gleichzeitig auch die
jeweiligen Ausgaben den Freibetrag übersteigen. I
----------Zitat-Ende --------------
http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/BMF_Schreiben...

3.
Sofern es sich um nicht-selbstständige Tätigkeiten handelt, gehört die steuerfreie Übungsleiterpauschale auf Seite 1 der Anlage "N" in die Zeile 26 ("Steuerfrei erhaltene Aufwandsentschädigungen / Einnahmen").

Der steuerpflichtige Anteil gehört auf Seite 1 der Anlage "N" in die Zeile 20 ("Steuerpflichtiger Arbeitslohn, von dem kein Steuerabzug vorgenommen worden ist (soweit nicht in der Lohnsteuerbescheinigung enthalten)".

Die verbliebenen Werbungskosten tragen Sie auf Seite 3 der Anlage "N" je nach Art der Ausgaben in die passende(n) Zeile(n) ein.

4.
Grund zur "totalen Verzweiflung" gibt es jedenfalls nicht: Falls Ihnen das noch nicht weiterhilft, fragen Sie am besten direkt beim Finanzamt nach.

Viele Grüße und alles Gute
Robert Chromow

Übungsleiterpauschale in Kombination mit einem Honorarjob

Hallo,

ich habe aktuell einen Honorarjob an einer Schule und verdiene dort jählich ca. 4980€ (415*12), damit ich in der Familienversicherung bleiben kann. Nun würde ich gerne als Trainerin arbeiten und somit auf die Übungsleiterpauschale zugreifen wollen, dank der es möglich ist noch 2400€ extra im Jahr zu verdienen.
Können Sie mir sagen, wie das bei der Übungsleiterpauschale läuft und worauf ich achten muss?
Steuerlich würde ich ja immer noch unter dem gesetzlichen Freibetrag von 8472€ bleiben (denn 4980+2400=7380€), sodass ich keine Steuern zahlen müsste.
Muss man die Übungsleitertätigkeit irgendwo anmelden und wie läuft das mit der Versicherung? Läuft die unabhängig von der Familienversicherung oder muss ich was bestimmten beachten?

Über eine Rückmeldung würde ich mich sehr freuen!
Lieben Gruß,
Nina

Antwort: Übungsleiterpauschale in Kombination mit einem Honorarj

Hallo Nina,
vorweg nur zur Sicherheit: Einzelfallberatungen sind an dieser Stelle nicht möglich. Daher nur ganz allgemein:

1.
Steuerlich sind Sie m. E. auf der sicheren Seite.

2.
Was die Familienversicherung betrifft: Übungsleiter- und Ehrenamtsamtpauschalen sind
* weder Arbeitsentgelt i.S.d. SGB IV (vgl. § 14 Abs. 1 SGB IV
http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_4/__14.html)
* noch Arbeitseinkommen (vgl. § 15 SGB IV
http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_4/__15.html),
* zählen daher nicht zum Gesamteinkommen (vgl. § 16 SGB IV
http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_4/__16.html) und werden daher auch nicht in die Berechnung des Gesamteinkommens für die Familienversicherung gem. § 10 SGB V
http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__10.html
... einbezogen.
Das sieht übrigens auch die AOK so:
"Ehrenamtliches Engagement lohnt sich - immer"
http://www.aok-business.de/fachthemen/steuerrecht/ehrenamt-aufgewertet/

3.
Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung fallen auf die Übungsleiterpauschale nicht an. Die Kosten der Unfallversicherung trägt die Körperschaft, bei der Sie die Übungsleitertätigkeit ausüben.

4.
Meldepflichtig ist Ihre Übungsleitertätigkeit m. W. auch nicht.

Alles Gute und viele Grüße
Robert Chromow

Honorarjob

Hallo Herr Chromow, (Nur eigene Erfahrung!)

Nina schreibt doch aber, dass sie einen Honorarjob (4980 EUR/Jahr) an einer Schule ausübt.
Dies bedeutet doch aber eigentlich, dass es sich hier um eine selbstständige Tätigkeit (Honorarjob)
und nicht um einen Minijob, für den der AG prozentuale Abgaben für Steuer und Soz.Vers. machen muss, handelt.

Bei einer selbstständigen Tätigkeit wird doch, bzw. muss doch, eigentlich jeder Cent, der an Gewinn anfällt (EÜR), versteuert werden
und die KK interessiert es doch auch, ob hier die Einnahmen (Familienversicherung) über 405 EUR/mlt.= 4860 EUR/Jahr (erst seit 2015, ab 2016 415,-/mtl.= 4980 EUR/Jahr), nicht wie beim Minijob (450 EUR/mtl) liegen.

Und bei eine Trainertätigkeit, die Nina noch zusätzlich ausüben möchte, kommt die Übungsleiterpauschale doch nur bei entsprechenden Einrichtungen (anerkannter Sportverein, VHS ....) in Frage, nicht bei z.B. kommerziellen Fitnessstudios.
Nina hatte hierzu aber doch eigentlich nichts Genaues geschrieben.
Ich kenne nämlich einige selbstständig arbeitende Trainer, die der Meinung sind, dass dieser Übungsleiterfreibetrag auch für kommerzielle Anlagen gelte, nur wegen der Trainertätigkeit.

Viele Grüße

P.S. (zu oben)

Nina: "Steuerlich würde ich ja immer noch unter dem gesetzlichen Freibetrag von 8472€ bleiben (denn 4980+2400=7380€), sodass ich keine Steuern zahlen müsste."

Ich nehme mal an, dass Nina als Ehefrau mit in der Familienversicherung versichert ist.
Dieser beschriebene Steuerfreibetrag von 8472 EUR/Jahr gilt doch aber nicht, für die Ehefrau, wenn der Ehemann (nehmen wir mal an) Normalverdiener oder Arbeitnehmer ist, oder?

Ich musste in jedem Fall als Ehefrau, auch hälftig unter diesem Freibetrag, Steuern bezahlen.

Viele Grüße

Antwort: P.S. (zu oben)

Guten Tag,
Sie sprechen mit Ihren Anmerkungen viele verschiedene Aspekte an. Mir ist nicht ganz klar, was genau Ihre Frage ist - daher nur so viel: Sie schreiben:
------------ Zitat ----------------
Bei einer selbstständigen Tätigkeit wird doch, bzw. muss doch, eigentlich jeder Cent, der an Gewinn anfällt (EÜR), versteuert werden
----------Zitat-Ende --------------
Das ist so nicht richtig:
Ob überhaupt Steuern bezahlt werden und wie hoch der Steuersatz ist, hängt davon ab, wie hoch das zu versteuernde _Gesamt_einkommen ist und wie der / die Steuerpflichtige "veranlagt" wird.

Abgesehen davon haben Sie völlig Recht: Wenn Nina selbstständig ist und gemeinsam mit ihrem "normalverdienenden Arbeitnehmer"-Ehemann veranlagt wurde, mussten die beiden zusammen in 2015 ab einem zu versteuernden Gesamteinkommen von (2 x 8.472 Euro =) 16.944 Einkommensteuern zahlen. Ob Nina unter 8.472 Euro geblieben ist oder nicht, spielt dafür keine Rolle.

Viele Grüße
Robert Chromow

Vielen Dank Herr Chromow! Sie

Vielen Dank Herr Chromow!
Sie haben mir sehr geholfen!

MfG
Nina

Übungsleiterpauschale und Fahrtkosten

Hallo,

ich hätte 2 Fragen:

1) Wenn der Betrag, der im Sinne der Übungsleiterpauschale eingenommen wird, sowieso unter den 2400 € liegt, muss er dann zwingend in der Steuererklärung (Anlage N, Nr. 36)aufgeführt werden?

2) Wenn man aufgrund der Übungsleitertätigkeit Fahrtkosten hatte, die aber von dem e.V. erstattet wurden, muss ich die bei den Einkünften aus der Übungsleitertätigkeit dazurechnen? Weil das doch letztlich kein "Gewinn" ist, sondern meine Ausgaben diesbzgl. ja 1 zu 1 erstattet wurden. (Wenn ich die dazurechnen muss, müsste ich doch umgekehrt auch meine Fahrtkosten wiederum ansetzten dürfen... also z.B. Einnahme aus Tätigkeit wären z.B. 100 €, Fahrtkosten-Erstattung 20 € = macht 120 € abzgl. 20 € Auslagen für die Fahrtkosten... also doch nur 100 € Einkünfte Übungsleiterpauschale?!

Ich bedanke mich im Voraus für eine Antwort!
Mit freundlichen Grüßen

Antwort: Übungsleiterpauschale und Fahrtkosten

Guten Tag,
zu Ihren Fragen:

1.
Ja, Sie sind verpflichtet, steuerfreie Übungsleiter- und Ehrenamtspauschalen bei Ihrer Steuererklärung anzugeben. Die Höhe der Einnahmen spielt keine Rolle.

2.
Zur Übungsleiterpauschale gehören alle Zahlungen des Auftraggebers für ehrenamtliche nebenberufliche Tätigkeiten - das gilt auch für Fahrtkostenerstattungen.

Hintergrund: Bei Übungsleiter- und Ehrenamtspauschalen handelt es sich nicht um Gehälter oder Gewinneinkünfte: Der Gesetzgeber hat mit den Regelungen lediglich klargestellt, dass Einnahmen im Zusammenhang mit ehrenamtlichen Tätigkeiten nicht steuerpflichtig sind.

Viele Grüße
Robert Chromow

ich meinte Anlage N, Nr. 26

ich meinte Anlage N, Nr. 26 :-)

Übungsleiterpauschale

Sehr geehrte Damen und Herren,
ich habe 2014 in einem Tennisverein Kinder- und Jugendtraining gegeben. Die Bezahlung lief allerdings nicht über den Verein, sondern über die Tennisschule, die das Training im Verein koordiniert und organisiert. Steht mir die Übungsleiterpauschale trotzdem zu bzw. unter welchen Bedingungen würde sie mir zustehen? Vielen lieben Dank für Ihre Antwort und viele Grüße,
Philipp

Antwort: Übungsleiterpauschale

Hallo Philipp,
wenn die Abrechnung einer Tätigkeit über eine private Tennisschule läuft, ist eine wichtige Voraussetzung für die Anerkennung als steuerfreie Übungsleiterpauschale _nicht_ erfüllt. Unter welchen Bedingungen Ihnen eine steuerfreie Übungsleiterpauschale zusteht, können Sie im Detail weiter oben im Text nachlesen.
Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Kombination Ehrenamtspauschale und Übungsleiterpauschale

Hallo,

ich bin als Prüfungsaufsicht (Ehrenamtspauschale) und als Dozent (Übungsleiterpauschale) bei einer Körperschaft des öffentlichen Rechts tätig.
Für die Prüfungsaufsicht erhalte ich eine Aufwandsentschädigung.
Für das Unterrichten erhalten ich ein Honorar.
Darf ich beide Beträge voll ausschöpfen? Also 2.400 Euro (fürs Unterrichten) + 720 Euro (für die Prüfungsaufsicht) sprich 3.120 Euro im Jahr?
Oder darf man nicht über 2.400 Euro kommen?

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