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Sensibelchen, Angeber, Intriganten: Wie Sie mit schwierigen Kolleg(inn)en umgehen

Von wegen "liebe Kollegen" ...

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Stand: 18. April 2012 (aktualisiert)

Meckerer und Sensibelchen

Sobald zwei Menschen zusammenkommen, gibt es Potenzial für Konflikte. Wenn sie dann noch zusammenarbeiten müssen, ist das Konfliktrisiko noch höher. Lorenz Hölscher bietet Lösungen für den Umgang mit schwierigen Kollegen.

Konfliktebene betrachten

Bei Problemen in der Firma werden schnell die sachliche und die menschliche Ebene durcheinandergeworfen. Geht es Ihnen noch um die Lösung eines inhaltlichen Problems oder nervt Sie die Kollegin/der Kollege einfach nur?

Wenn Sie nicht sicher sind, auf welcher Ebene Ihr Problem liegt, fragen Sie sich mal: Wäre ich mit dem Vorschlag einverstanden, wenn ihn jemand anders vorgebracht hätte? Darin liegt möglicherweise auch ein Ansatz, um den Konflikt zu lösen. Tragen Sie den Vorschlag einem anderen Kollegen vor und besprechen das Für und Wider. Vielleicht kann dieser Ihnen die Argumente besser nahebringen, weil die persönliche Ebene nicht stört.

Außerdem haben Sie bei einer solchen Diskussion nicht das Problem, eine "Schlacht zu verlieren", weil Sie gar nicht kämpfen. Sie müssen nichts verteidigen und niemanden angreifen. Nachdem Sie gemeinsam darüber nachgedacht haben, haben Sie immer noch die freie Entscheidung, wie Ihre eigene Meinung nun ausfällt.

Persönlicher Umgang

Natürlich können Sie sich immer vornehmen, zu allen Menschen gleich nett zu sein (und es gibt sicherlich auch Menschen, denen das eher gelingt als anderen). Aber früher oder später werden Sie welchen begegnen, mit denen einfach die Chemie nicht stimmt.

Es gibt dabei verschiedene Arten des Problem-Kollegen. Welche das sind, hängt natürlich auch von Ihnen selbst ab. Sind Sie sehr kommunikationsfreudig, kommen Sie wahrscheinlich auch mit redseligen Kollegen eher klar. Müssen Sie konzentriert arbeiten, nervt so eine Plaudertasche gewaltig.

Der Meckerer

Es gibt ihn in verschiedenen Abstufungen vom leisen Nörgler ("Oh nein, das Netzwerk ist schon wieder so langsam!", "Warum muss ich immer das Werkzeug einsortieren?") bis hin zum lauten Choleriker ("Verdammte Sch..., ich habe doch schon tausend Mal gesagt, dass ich die Texte mit anderthalbfachem Durchschuss haben will!", "Welcher Idiot hat den Rechner konfiguriert?").

Der Meckerer nimmt technische Probleme persönlich und lässt seine schlechte Laune dann an Ihnen aus. Dabei sind Sie oft nur zufällig in der Nähe und nicht unbedingt verantwortlich. Das macht es aber nicht besser. Sein Umgangston ruiniert das Betriebsklima und reißt Sie jedes Mal aus der Konzentration heraus.

Leider nimmt er persönliche Probleme ebenfalls persönlich. Wenn Sie ihm nun also vermitteln, dass er ein alter Stinkstiefel ist und Sie das stört, ist Ihnen wenig geholfen. Sie können ihn bestenfalls bitten, seine Schimpfkanonaden zu unterlassen, weil Sie dadurch in Ihrer Arbeit gestört werden.

Mund halten?

Meine persönliche Erfahrung ist, dass die Meckerer gar nicht still sein können. Sie merken es offenbar gar nicht, dass sie gerade mit einem Gegenstand schimpfen. Andererseits ist diese Theatralik wiederum nur dann befriedigend, wenn auch jemand mithört und sie leidend erlebt.

Wenn sich an der Situation nicht ändern, sollten Sie letzlich darüber nachdenken, in einem anderen Raum zu arbeiten. Dabei werden Sie kaum daran vorbeikommen, mit Ihrem Chef darüber zu reden.

Gutes Streiten, schlechtes Streiten

Der faire Umgang miteinander erfordert, dass Sie nicht einfach so zum Chef gehen und wegen des störenden Kollegen um einen anderen Arbeitsplatz bitten. Viel besser ist es, wenn Sie sich mit ihrem Kollegen zusammensetzen und darauf hinweisen, dass Sie so beide nicht vernünftig arbeiten können. Sie selbst können sich nicht konzentrieren oder er kann sich nicht frei entfalten.

Wenn Sie dann gemeinsam zum Chef gehen, kann er sein Gesicht wahren und Sie ersparen sich und den anderen unnötige Konflikte. Das macht Ihrem Chef die Zustimmung bedeutend leichter.

Das Sensibelchen

Das Sensibelchen ist tendenziell weiblich und hat ein goldenes Herz. Nach der Pflege der Bürokommunikation (böse Zungen nennen so etwas "tratschen") kümmert es sich noch um die Topfblumen, bevor es am Telefon nach einer durchaus wichtigen inhaltlichen Frage noch das Wohlergehen aller Bekannten diskutiert.

Arbeiten Sie mit einem Sensibelchen im gleichen Büro, wissen Sie über alles im Betrieb Bescheid, ob Sie wollen oder nicht. Gutgemeinte Bitten in Richtung konzentrierter Arbeit oder forcierter Beteiligung am Projekt führen schnell zu Tränen.

Interessanterweise ist solchen Mitarbeitern gar nicht bewusst, wie viel nicht-fachliche Gespräche sie so während des Tages führen; sie selbst halten sich für total engagiert. Daher rührt die Kränkung, wenn Sie das Thema gegenseitiger Störung anschneiden.

Sie können sich fast darauf verlassen, dass Ihr dezenter Hinweis an das Sensibelchen anschließend die Runde macht und im Flurfunk von allen Seiten durchgehechelt werden wird. Sie müssen jeden Wunsch nach Änderung also unbedingt positiv verpacken, beispielsweise: "Ich staune ja immer, wie gut Sie persönlich mit den anderen Kollegen umgehen können, das könnte ich nicht! Ich kann mich nur nicht so gut konzentrieren, wenn Sie mit den Kollegen hier im Büro sitzen, vielleicht könnten Sie sich auf einen Kaffee in die Kantine setzen?"

Und bringen Sie ihm oder ihr am nächsten Tag unbedingt etwas Süßes oder eine neue Kaffeesorte mit ins Büro, das lindert den Schmerz.

Prima Klima

Ich will hier gar nicht den Eindruck erwecken, Arbeit bestünde nur aus der Erledigung technischer Aufgaben. Im Gegenteil, wir befinden uns den größten Teil unserer Wachzeit am Arbeitsplatz, da soll und darf es dort menscheln. Ein gutes Arbeitsklima entsteht aus persönlichen Gesprächen und einem freundlichen Umgangston.

Dazu gehört selbstverständlich auch ein nicht-fachliches Gespräch zwischen Tür und Angel oder (für die Raucher) vor der Tür, aber eben nicht über andere Kollegen, sondern mit ihnen.

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