Bequeme Umsatzsteuer-Flatrate: Vorsteuerabzug nach Durchschnittssätzen

Die Umsatzsteuer-Pauschale macht sowohl für Faulpelze wie für kühle Rechner Sinn

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Stand: 13. September 2013 (aktualisiert)

Der Vorsteuerabzug nach Durchschnittssätzen sorgt dafür, dass die Abrechnung der Umsatzsteuer mit dem Finanzamt weniger Arbeit macht. Manchmal wird es durch die prozentuale Vorsteuerpauschale sogar billiger. Das Finanzamt gestattet dieses Verfahren in rund fünfzig Berufen und Gewerbezweigen. Bei uns lesen sie, ob Ihre Branche dazugehört und wie Sie feststellen, ob sich die nicht gerade üppige Steuer-"Flatrate" in Ihrem Fall lohnt.

Vorsteuer-Flatrate: Fester Vorsteuer-Satz unabhängig von der tatsächlich bezahlten Umsatzsteuer

Manche Handwerker, Händler und einige Freiberufler können sich das Steuerleben spürbar vereinfachen - und dabei möglicherweise sogar zusätzlich einen Gewinn machen: Im § 23 des Umsatzsteuergesetzes ("Allgemeine Durchschnittsätze") räumt der Gesetzgeber dem Bundesfinanzministerium nämlich die Möglichkeit ein, per Rechtsverordnung pauschale Vorsteuersätze für bestimmte Branchen zu erlassen. Voraussetzung ist, dass das Finanzamt dabei keinen Verlust macht: Die Einnahmen aufgrund von Durchschnittssätzen müssen unterm Strich zu einem Steueraufkommen führen, das "nicht wesentlich von dem Betrag abweicht, der sich nach diesem Gesetz ohne Anwendung der Durchschnittssätze ergeben würde."

Von dieser Möglichkeit macht der Fiskus aus Vereinfachungsgründen auch tatsächlich Gebrauch: So dürfen zum Beispiel die folgenden Gewerbetreibenden und Freiberufler ihren Vorsteuerabzug mithilfe von Prozentpauschalen ermitteln:

  • Zweiradhändler: 12,2 Prozent vom Netto-Umsatz,

  • Taxifahrer: 6 Prozent vom Netto-Umsatz,

  • Journalisten: 4,8 Prozent vom Netto-Umsatz und

  • Gebäudereiniger 1,6 Prozent vom Netto-Umsatz.

Angenommen, ein Journalist hat einen Umsatz von 40.000 Euro (netto) erzielt. Dann darf er pauschal 4,8 % auf 40.000 Euro = 1.920 Euro als Vorsteuer geltend machen. Und zwar wohlgemerkt auch dann, wenn er im Rahmen seiner Betriebsausgaben tatsächlich weniger Umsatzsteuer bezahlt hat! Ob er das nachrechnet oder einfach die Bequemlichkeit der Flatrate in Anspruch nimmt, bleibt ihm überlassen.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Die Berechnung der Vorsteuer nach Durchschnittssätzen ändert nichts daran, dass Sie Ihren Kunden Umsatzsteuer in Rechnung stellen und Ihre Umsatzsteuereinnahmen (abzüglich der Vorsteuerpauschale) ans Finanzamt abführen! Umsatzsteuererklärungen und -voranmeldungen müssen Sie ebenfalls weiterhin abgeben.

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Umsatzsteuer in Ausgangsrechnungen

Hallo Herr Chromow,
vom Finanzamt hörte ich heute, dass ich dann, wenn ich den Vorsteuerabzug nach Durchschnittssätzen nutze auch auf meinen Rechnungen diesen Durchschnittsatz angeben muss. Ich wollte der Dame nicht widersprechen (sie war gerade dabei meine Umsatzsteuer zu prüfen), habe das jedoch eher so verstanden, dass sich die Durchschnittsätze nur auf meinen Vorsteuerabzug beziehen und ich ansonsten die übliche Umsatzsteuer aufschlage.

Ich freue mich auf eine Antwort
Herzliche Grüße und ein angenehmes Wochenende

Alexandra Wagner

Antwort: Umsatzsteuer in Ausgangsrechnungen

Hallo Fra Wagner,
das sehe ich ganz genauso wie sie: Die Berechnung der Vorsteuer nach Durchschnittsätzen hat mit den eigenen Ausgangsrechnungen überhaupt nichts zu tun. Ein Hinweis darauf ergibt aus meiner Sicht überhaupt keinen Sinn.

Genau wie Sie hätte ich während einer laufenden Steuerprüfung deswegen aber auch kein Fass aufgemacht - oder hat die Prüferin angedeutet, dass Ihr Vorsteuerabzug künftig gefährdet ist, wenn Sie auf Ihren Ausgangsrechnungen nicht darauf hinweisen, dass der eigene Vorsteuerabzug nach Durchschnittssätzen erfolgt!? In dem Fall würde ich auf jeden Fall das Gespräch mit dem Finanzamt suchen - am besten mit Unterstützung eines Steuerberaters.

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Hallo Herr Chromow, danke

Hallo Herr Chromow,

danke für die Antwort! Ich habe mittlerweile mit meinem Steuerberater gesprochen, der meinte ebenso, dass die Dame sich wohl vertan hätte - ist ja niemand perfekt ;) Ich habe bis jetzt den Vorsteuerabzug nach Durchschnittssätzen angewandt, werde das aber jetzt einfach mal testen und sehen, was passiert.

Viele Grüße
Alexandra Wagner

Vielen Dank für Ihre freundliche Rückmeldung! Zwar bin ich kein Steuerberater - erkenne auf Anhieb aber keinen Grund, warum der Privatnutzungsanteil nicht als Umsatz gelten sollte. Sonst wäre ja auch keine Umsatzsteuer fällig... :-)
Freundliche Grüße
Robert Chromow
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Sehr geehrter Herr Chromow,
ein sehr informativer Artikel! Ich habe aber noch eine Frage: Sie schreiben, dass sich die Sätze nach dem Nettoumsatz berechnen. Wenn ich als Journalist eine Geschäftswagen nach der 1-Prozent-Regel versteuere, dann müsste ich ja auf die Privatnutzung Umsatzsteuer abführen. Wie verhält sich dies bei der Pauschalregelung. Zählt der Privatnutzungsanteil als Umsatz?
Ich bin Ihnen sehr dankbar für eine rasche Antwort.
Herzliche Grüße!

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