Unternehmens-Bewertung: Wie Sie den Wert Ihres Unternehmens ermitteln

Von: Hans-Joachim Brüser
Stand: 31. Mai 2011
3
(2)
Beitrag bewerten
Ersten Kommentar schreiben

Downloads zu diesem Beitrag

Über den Autor:

bild80566

Hans-Joachim Brüser ist seit 1984 selbständiger Unternehmensberater. Seit 2001 ist er zertifiziert beim Bundesverband Deutscher Unternehmensberater. Die Unternehmensberatung Brüser berät mittelständi ...

Newsletter abonnieren

Methoden und Parameter der Unternehmenswert-Ermittlung

Auswirkungen der Erbschaftssteuerreform 2009

Wir müssen uns mit dem Thema allerdings noch aus einem ganz anderen Grund etwas detaillierter befassen, denn mit dem zum 01.01.2009 in Kraft getretenen Gesetz zur Erbschaftsteuerrefom und der "Anteils- und Betriebsvermögensbewertungsverordnung" hat der Gesetzgeber die Versteuerung für:

  • Vererbtes Betriebsvermögen

  • Verschenktes und kostenlos übertragenes Betriebsvermögen

nachhaltig neu geregelt.

Alle Unternehmen werden künftig im Erb- und Verschenkungsfall und unabhängig von der Rechtsform (Personen- oder Kapitalgesellschaft) mit dem sog. "gemeinen Wert" im Rahmen einer Unternehmensbewertung bewertet.

Der sog. gemeine Wert (Verkehrswert) eines Unternehmens bildet danach die Basis für die Höhe der Erbschafts- bzw. Schenkungssteuer beim Erben bzw. Beschenkten. Kleinstbetriebe unter 150.000 Euro und Groß-Betriebe über 32 Mio. Euro als Verkehrswert sind von der Regelung nicht sehr wesentlich betroffen bzw. erfasst. Für alle typischen Mittelständler ändern sich jedoch elementare Grundlagen für die Besteuerung der Erbes bzw. der Schenkung, denn die "gemeinen Werte" liegen rundweg drastisch höher, als die früher angesetzten Buchwerte bzw. Wertermittlungen nach dem "Stuttgarter Verfahren".

Der Gesetzgeber, bzw. die Finanzverwaltung macht zum Bewertungsverfahren klare Ansagen:

  • Zunächst ist der gemeine Wert eines Unternehmens aus Verkäufen vergleichbarer Unternehmen abzuleiten, die weniger als ein Jahr vor dem Bewertungsstichtag zurückliegen. Ist dies nicht möglich, so ist der Wert unter Berücksichtigung der Ertragsaussichten des Unternehmens oder einer anderen anerkannten, auch im gewöhnlichen Geschäftsverkehr für nichtsteuerliche Zwecke üblichen Methode zu ermitteln.

  • Dabei kann ein im Bewertungsgesetz geregeltes vereinfachtes Ertragswertverfahren angewandt werden, wenn dieses nicht zu offensichtlich unzutreffenden Ergebnissen führt. Bei diesem Verfahren wird der zukünftig nachhaltig erzielbare Jahresertrag, der sich aus dem Durchschnittsertrag der Betriebsergebnissen der letzten drei vor dem Bewertungsstichtag abgelaufenen Wirtschaftjahre ergibt, mit einem festgelegten Kapitalisierungsfaktor multipliziert.

Für den Fall, dass das vereinfachte Ertragswertverfahren zu einem unzutreffenden Ergebnis führt hat der Gesetzgeber die Anwendung auch von anderen, markt- oder geschäftsüblichen Bewertungsverfahren als Methoden er Unternehmensbewertung zugelassen, die für außersteuerliche Zwecke allgemein anerkannt sind. Anzuwenden ist diejenige Methode, die ein Erwerber (des Unternehmens) der Bemessung des Kaufpreises zugrunde legen würde. Als Mindestwert gilt in jedem Fall der Substanzwert des Unternehmens.

Gerade das von den Finanzämtern angewendete neue Verfahren zur vereinfachten Bewer-tung von Unternehmen führt zu eher hohen Unternehmenswerten. Grund hierfür ist der derzeit niedrige Basiszinssatz (für 2011: 0,12 %) in Verbindung mit einem einheitlich festgelegten Risikozuschlag in Höhe von 5,0 %.

Beispielrechnung

Der nachhaltige Ertrag des zu veräußernden Unternehmens beträgt 100.000 Euro. Es ist also zu ermitteln, wie viel Kapital ein Käufer anlegen müsste, um bei einer - beispielsweise - 6 %-igen Verzinsung 100.000 Euro Zinsen zu erhalten. Die Rechnung hierzu wird abgeleitet aus der Zinsformel:

Z = K x (i/100); umgeformt: K = Z / (i/100), (K = Kapital, i = Zinssatz, Z = Zinsbetrag)

Mit den o.g. Werten heißt das: 100.000 Euro / (8/100) = 1.667.000 Euro

Strebt also ein Käufer eine Kapitalverzinsung von 6 % an (annähernd das, was die Finanzverwaltung an Verzinsung ansetzt), liegt der Wert des Unternehmens für ihn bei 1,667 Mio. Euro (anderenfalls wäre eine alternative Kapitalanlage für ihn günstiger). Dabei wird im Übrigen unterstellt, dass die Jahresüberschüsse in der Zukunft unbefristet zu erzielen sind.

Legt ein Kaufinteressent jedoch eine anvisierte Verzinsung von (realistischeren) 14 % des eingesetzten Kapitales an (schon weil er das unternehmerische Risiko höher einschätzt), sinkt der Unternehmenswert bereits auf 714.000 Euro, d.h. um rund 57%. Das bedeutet: Bei der Berechnung zur Ermittlung des Unternehmenswertes ist die Höhe des Kapitalisierungszinsfußes von ebenso großer Bedeutung wie die Höhe des abzuzinsenden Ertrages selbst.

Die Kritik der Fachwelt am vereinfachten Ertragswertverfahren liegt nun zunächst darin, dass alleine der in der Vergangenheit erzielte Unternehmensgewinn (letzte 3 Geschäftsjahre als Durchschnitt), die Basis für die Berechnung des sog. gemeinen Wert als Verkehrswert bildet und pauschal unterstellt wird, das dieser in der Vergangenheit erzielte durchschnittliche Unternehmensgewinn auch unendlich in die Zukunft fortgeschrieben kann. Damit wird also unterstellt, dass das Unternehmen immer und ewig den gleichen Unternehmensgewinn erzielt, wie in der Vergangenheit. Ist das realistisch?

Die Kritik an diesem Verfahren liegt darüber hinaus darin, dass die Abzinsungssätze (der Diskont) der zukünftigen Unternehmensgewinne mit derzeit ebenfalls "pauschalierten" und vorgegebenen Prozentsätzen vorgenommen wird. Eine individuelle Bewertung des Unternehmensrisikos (berechnet über die Abzinsungssätze) ist also nicht vorgesehen.

Diese Faktoren führen dazu, dass die so berechneten Unternehmenswerte etwa dem 16-fachen des in der Vergangenheit erzielten durchschnittlichen Unternehmensgewinnes entsprechen. Und das ist wirklich völlig unrealistisch.

Sie sehen die gewaltige Diskrepanz zum marktüblichen Preis in diesem Beispiel daran, dass es zahlreichen Unternehmens-Inhabern zumindest im Augenblick nicht leicht fallen wird, den 6-fachen durchschnittlichen Unternehmensgewinn in der einfachen "Multiplikator"-Rechnung bei einem Käufer durchzusetzen.

Beispiel: Bewertet wurde ein Betrieb, der im Zuge einer Nachfolgeregelung verkauft werden sollte. Als Unternehmenswerte ergaben sich je nach angewendetem Verfahren folgende Werte:

  • Verfahren zur vereinfachten Bewertung von Unternehmen (Finanzamt): 912.000 Euro

  • Standard S1 i.d. akt. Fassung des Instituts für Wirtschaftsprüfer (IDW): 653.000 Euro

  • Auf 10 Jahre begrenztes Ertragswertverfahren (BMF empfohlen): 365.000 Euro

  • Das Multiplierverfahren: 618.000 Euro

Der Unternehmenswert umfasst in diesem Beispiel eine Spanne von knapp 250 Prozent.

Den hier erkennbaren Handlungsspielraum sollte man individuell nutzen! Es wird in vielen Fällen sinnvoll sein und steuerliche Möglichkeiten erschließen, wenn durch einen Fachmann eine Unternehmenswertermittlung erarbeitet und in einem Gutachten manifestiert wird!

Als Mitglied können Sie diesen Beitrag weiterlesen!

Werden Sie Mitglied und testen Sie akademie.de 14 Tage lang kostenlos!

In den ersten 14 Tagen haben Sie Zugriff auf alle Inhalte auf akademie.de, außer Downloads. Sie können in dieser Zeit ohne Angabe von Gründen stornieren. Eine E-Mail an service@akademie.de genügt. Nur wenn Sie Mitglied bleiben, wird der Mitgliedsbeitrag nach Ende der 14tägigen Stornofrist abgebucht.

Ich bin bereits Mitglied
Jetzt Mitglied werden und akademie.de 14 Tage kostenlos testen
Ich entscheide mich für folgende Zahlungsweise:
14 Tage Stornorecht:
Ich kann meine Mitgliedschaft in den ersten 14 Tagen jederzeit formlos stornieren, z.B. per E-Mail an service@akademie.de.