Unternehmens-Bewertung: Wie Sie den Wert Ihres Unternehmens ermitteln

Von: Hans-Joachim Brüser
Stand: 31. Mai 2011
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Hans-Joachim Brüser ist seit 1984 selbständiger Unternehmensberater. Seit 2001 ist er zertifiziert beim Bundesverband Deutscher Unternehmensberater. Die Unternehmensberatung Brüser berät mittelständi ...

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Unternehmens-Bewertung - Eine Frage des Blickwinkels

Seit Jahren haben Unternehmens-Inhaber in Deutschland ein zunehmendes Problem: Die Regelung ihrer Nachfolge bzw. des Verkaufes ihres Betriebes. Jahr für Jahr stehen etwa 70.000 Unternehmen und Betriebe vor dem Generationswechsel, das sind jeden Tag also rund 200. Von einem "Problem" kann man deswegen sprechen, weil das Thema unverändert nicht optimal angegangen und gelöst wird.

Zunächst scheint alles ja ganz einfach - eigentlich kann man das Thema Verkauf bzw. Nachfolgeregelung rundweg rational anfassen: Juristische, steuer-, gesellschafts- und erbrechtliche Aspekte sind zu betrachten, betriebswirtschaftliche und strategische Auswirkungen zu berücksichtigen.

Weil aber auch - gerade in Familienbetrieben - menschliche und familiäre Aspekte hinein spielen sowie völlig emotionale Überlegungen des Inhabers, dominieren bei aller Rationalität des Themas plötzlich irrationale Aspekte den gesamten Nachfolgeprozess (nicht nur die Unternehmens-Bewertung) - und dies nicht unbedingt mit positiven Auswirkungen für den Inhaber und seine Familie.

Wenn Unternehmen jedoch bei der Nachfolgeregelung scheitern, werden hierdurch Sachwerte und anderes wirtschaftliches Kapital wie z.B. Know-how und immaterielle Güter unnötig zerstört. Eine Unternehmer-Familie kann hierbei wirklich immense Vermögenswerte verlieren. Und so ganz "nebenbei" gehen Arbeitsplätze verloren und volkswirtschaftlich erfolgt eine Schwächung des Wachstums.

"Was ist mein Unternehmen wert" ist zunächst die Standardfrage jedes Unternehmers, der sich mit dem Verkauf oder mit Nachfolgeoptionen für seinen Betrieb beschäftigt.

Sie werden in diesem Beitrag daher die Möglichkeit finden, zumindest mit einer "Faustformel" den Wert Ihres Betriebes oder Unternehmens überschlägig zu ermitteln. Hierzu werden durch Praxiswerte gebildete "Multiplikatoren" für den Unternehmensgewinn oder -umsatz herangezogen. Das jedoch ist lediglich eine erste Orientierung.

Um das ganz deutlich zu sagen: Die Ermittlung des Unternehmenswertes ist eines der schwierigsten Kapitel im Zusammenhang einer Nachfolgeregelung: Jeder Unternehmer betrachtet die jahrzehntelange Arbeit als sein Lebenswerk, das er durch alle Höhen und Tiefen geführt hat - und letztlich ist das Unternehmen in vielen Fällen die wesentliche Stütze seiner Altersversorgung. Von daher sind seine Erwartungen an den Wert seines Betriebes immer hoch, oft auch zu hoch, gesteckt.

Bekannt ist: Der mit Abstand häufigste Grund für das Scheitern von Verhandlungen zwischen einem Altinhaber und einem Interessenten für die Unternehmensnachfolge liegt in der Höhe des verlangten Kaufpreises.

Man muss vorab konstatieren: Unabhängig davon, welches Unternehmenswertverfahren angesetzt wurde und unabhängig davon, welcher Fachmann die Unternehmensbewertung vorgenommen hat - den absolut "richtigen" Unternehmenswert gibt es nicht! Mit unterschiedlichen Kriterien, mit verschiedenen Wertansätzen und Kalkulationsparametern können für ein und denselben Betrieb sehr unterschiedliche Ergebnisse zustande kommen.

Und unabhängig davon, welcher Unternehmenswert ermittelt wurde, gilt zu bedenken: Auch für Betriebe und Unternehmen gibt es einen "Markt" auf dem das Verhältnis von Angebot und Nachfrage letztlich den Preis bestimmt. In der Regel ist der Kaufpreis am Ende das Ergebnis längerer, häufig zäher Verhandlungen zwischen Verkäufer und Käufer.

Wer als Unternehmer allerdings an dieser Stelle die Folgerung zieht "dann kann ich mir ja gleich die Unternehmens-Bewertung sparen - die kostet Geld und bringt nichts..." springt zu kurz: Die Ermittlung des Unternehmenswertes ist kompliziert, sie kostet Geld und am Ende finden trotzdem noch lange Diskussionen über den Kaufpreis statt. Dennoch aber ist sie trotzdem unverzichtbar: Sie ist die Basis, um überhaupt Interessenten akquirieren zu können und um seriös vorbereitet in Verhandlungen einzusteigen. Ohne ein umfassendes Wertgutachten mit einem anerkannten Verfahren findet man also nicht einmal Kontakt zu (ernsthaften) Übernahmeinteressenten, und auch Gespräche kommen erst gar nicht zustande. Aus der Praxis heraus kann man sogar sagen: Die Kosten einer professionellen Unternehmenswert-Ermittlung werden im Regelfall durch einen höheren Verkaufserlös wieder hereingeholt.

Eine professionelle Unternehmensbewertung schafft also im Ergebnis eine Orientierung und eine (stabile) Basis für darauf folgende Verhandlungen mit Kaufinteressenten, Investoren, Banken.

Selbstverständlich sehen Kaufinteressent und Verkäufer die Transaktion aus konträren Blickwinkeln: Während Unternehmer, die ihr Unternehmen verkaufen wollen, oft insbesondere die Sachwerte und auch die Arbeit sehen, die sie über lange Jahre in das Unternehmen investiert haben, muss und wird der Erwerber primär daran denken, was er mit dem Unternehmen in Zukunft erwirtschaften und wie er den Kaufpreis (re-)finanzieren kann. Beide kommen daher von Natur aus zu sehr unterschiedlichen Wert- bzw. Preisvorstellungen.

(Und für den Fall, dass Sie als Unternehmer mit mehreren potentiellen Erwerbern verhandeln, gilt das Gesagte ebenso logisch fort: Prinzipiell kann jeder Interessent je nach persönlicher Zielvorstellung, Vermögenslage und individuell angelegten Berechnungskriterien zu einem unterschiedlichen - für ihn subjektiv richtigen - Wert kommen.)

Aus der Beraterpraxis sei an dieser Stelle angemerkt: Natürlich ist die Gefahr groß, dass ein Unternehmer den Wert seines Betriebes zu hoch einschätzt und daher alle Gespräche scheitern - es kommt aber auch immer wieder vor, dass der Wert zu niedrig eingeschätzt wird! Aber natürlich wird der Wert eines Unternehmens vom Inhaber eher überschätzt.

Diese Überschätzung des Wertes führt zu einer doppelten Gefahr für das Unternehmen:

  1. Einmal wird es schwierig sein, einen Nachfolger zu finden, der bereit und in der Lage ist, den hohen Kaufpreis zu zahlen (denn auch die Kreditinstitute, die für die Finanzierung des Kaufpreises benötigt werden, prüfen überaus kritisch diese Transaktionen und ganz besonders intensiv den zu finanzierenden Kaufpreis!).

  2. Zum anderen besteht die Gefahr, dass sich der Nachfolger bei einem überhöhten Kaufpreis und (wenn denn eine Finanzierung überhaupt zustande kommt) mit den damit verbundenen Finanzierungskosten wirtschaftlich übernimmt und die Kapitaldienstfähigkeit des Unternehmens überschritten wird. Damit wäre der Bestand des Unternehmens im Ganzen in Gefahr.

Unternehmensnachfolge, mehr dazu ...

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