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Unternehmensnachfolge und Geschäftsübernahme: Chancen nutzen, Risiken erkennen, Fahrplan erstellen

Überlegungen zur Unternehmensnachfolge

Jeder Betriebseigner steht irgendwann vor der Situation, das eigene Unternehmen in andere oder jüngere Hände zu übergeben. Und die Zahl der betroffenen Unternehmen ist viel größer als oftmals gedacht:

Jährliche Unternehmensübertragungen

In einer Studie des IFM, Bonn, wurde die Altersstruktur von Betriebsinhabern analysiert: 22,1 % sind zwischen 60 und 64 Jahre, 18,7 % sind zwischen 65 und 69 Jahre alt, weitere 9,8 % sind 70 Jahre und älter.

Im Klartext: Jeder zweite Unternehmer ist in einem Alter, in dem die eigene Nachfolge längst geregelt sein sollte. Fast 30 % aller Unternehmer sind in einem Alter, das eigentlich über der üblichen Altersgrenze für Berufstätige liegt ...

Klar ist das Alter eines Betriebsinhabers daher der mit Abstand häufigste Grund für eine Nachfolgeplanung - aber natürlich gibt es auch andere Gründe, die zum Aufgeben des Unternehmens führen können.

Die oben gezeigte Statistik zeigt, dass jährlich mehr als 3.000 Unternehmen in neue Hände gelangen, weil ein plötzlicher Tod oder eine schwere Erkrankung des Inhabers zu einer - oft notdürftig, weil überstürzt notwendigen - Regelung zwingt.

Hinweis: Seit dem Jahr 2010 werden in diesen Analysen und Studien nur noch "übergabewürdige" Betriebe und Unternehmen gezählt, nicht mehr die Vielzahl von "Kleinstbetrieben" mit einem Jahresergebnis von weniger als 49.500 Euro. Daher haben sich Statistiken und Veröffentlichungen an dieser Stelle sehr deutlich verändert.

Unabhängig von der individuellen Umsetzung ist die Unternehmensnachfolge immer ein sehr aufwändiger Prozess, weil unternehmerische, finanztechnische, steuerrechtliche, juristische, und zudem menschliche Aspekte in ein Konzept und letztlich in Verträge gebracht werden müssen.

Geschäftsübernahme = Generationswechsel

Gerade in Familien-Unternehmen ist das Thema "Generationswechsel" wegen vieler privater Aspekte oft eine regelrechte Ausnahmesituation und komplizierter zu regeln, als ein Unternehmensverkauf an einen Fremden.

Besonders wichtig ist es, sich frühzeitig mit diesem Thema zu befassen, die Übergabe langfristig zu planen und dann konkret anzugehen. Man sollte keinesfalls glauben, dass eine Nachfolge-Regelung innerhalb weniger Wochen unter Dach und Fach zu bringen ist.

Die konkrete Umsetzung einer Unternehmensnachfolge kann durchaus - inklusive der Zeit, die der Nachfolger selbst für die Sicherstellung seiner Finanzierung braucht - ein ganzes Jahr dauern. Der Verfasser selbst hat aber auch schon Nachfolgeregelungen begleitet, bei der alleine die Suche nach einem qualifizierten und geeigneten Käufer über zwei Jahre andauerte, die eigentliche Umsetzung dann weitere sechs Monate.

Gehen Sie systematisch vor:

  • Planen Sie Ihre Unternehmensnachfolge selbst

    Zunächst ein vielleicht hartes Wort: Planen Sie die Nachfolge selbst - solange Sie dies noch können und Ihnen diese Aufgabe nicht von einem anderen aus den Händen genommen wird - sei es krankheitsbedingt, nach einem Unfall oder warum auch immer. Diese unverhofften Situationen sind nicht so selten, wie man das allgemein annimmt.

    Gerade bei Familienunternehmen gehört der Aspekt einer geregelten Nachfolgeplanung im Übrigen zu den Kriterien, die bei einem Rating nach "Basel II" eine ganz wesentliche Rolle bei der Beurteilung eines Unternehmens spielen! Von daher werden Sie ohnehin mit dieser Thematik bereits konfrontiert, wenn Sie noch in der Blüte Ihrer Jahre stehen und noch lange Jahre voller Schaffenskraft vor sich sehen.

    Gerade wenn es noch völlig offen ist, ob es letztlich einen geeigneten Nachfolger in der Familie gibt oder ob man an einen externen Nachfolger denkt, ob man Unternehmen, Anlagevermögen und Immobilie komplett verkauft oder eine Pachtregelung anstrebt:

    Es sind derartig viele Gesichtspunkte einzuplanen, dass Sie diese Zeit einfach brauchen. Planen und steuern Sie diesen Prozess also selbst - und das geht immer dann, wenn man rechtzeitig damit beginnt. Es ist sinnvoll, mit Erreichen des 55. Lebensjahres diese Dinge anzupacken - dann können Sie sich problemlos einige Jahre Zeit lassen. Und das wiederum ist auch für die optimale steuerliche Gestaltung wichtig!

    Ein wirklich geeigneter Nachfolger ist nicht leicht zu finden und manchmal sind es gerade die "Wunschkandidaten" aus der Familie oder aus der Mitarbeiterschaft, die eine Übernahme nicht schaffen oder wollen. Den Zeitpunkt hierfür und den genauen Ablauf sollte man jedoch, genau wie alle anderen unternehmerischen Entscheidungen, selbst planen und festlegen.

  • Planen Sie rechtzeitig loszulassen

    Das Sprichwort besagt: "Mit 50 merkt man sein Alter. Mit 60 merken es auch die anderen. Mit 70 merken es nur noch die anderen." In unglaublich vielen Fällen scheitert eine Nachfolgeregelung an emotionalen Barrieren. Der Inhaber kann sein "Lebenswerk" einfach nicht loslassen und ist fest der Überzeugung, ohne ihn gehe es sowieso nicht weiter.

    Natürlich ist das alles sehr verständlich: Da steht die persönliche Zukunft ohne das Unternehmen - was tun, wie die Tage sinnvoll füllen, gehört man jetzt zum alten Eisen?

    Da stehen sich zum Teil auch sehr konträre Wertvorstellungen gegenüber - der Unternehmer aus einer Nachkriegsgeneration, der mit großen Entbehrungen einen Betrieb aufgebaut hat und auf der anderen Seite die "Wohlstandsgeneration". Der Nachfolger spricht von "Änderungen" oder "Neuerungen" und es entsteht rasch die Befürchtung, er könne damit das Lebenswerk ruinieren und die Mitarbeiter auf die Straße setzen.

    Die weitaus meisten Bedenken können rational gar nicht begründet werden. Von daher soll und kann hier auch nicht mit rationalen Empfehlungen und Tipps argumentiert werden.

    Setzen Sie sich bewusst und möglichst emotionslos mit dem Thema auseinander und planen Sie vor allen Dingen Ihre weitere persönliche Zukunft ohne Betrieb.

    Akzeptieren Sie die nachfolgende Unternehmer-Generation und deren neue Ideen.

  • Lassen Sie rechtzeitig los

    Planen Sie den nächsten Lebensabschnitt! Niemand kann Ihnen sagen, was Sie tun sollen - aber es gibt doch unendlich viele Möglichkeiten, sich auch ohne den Betrieb sinnvoll zu beschäftigen:

    Ein ehemaliger Mandant verkaufte seinen Betrieb. Anstatt es sich jetzt "nur noch" richtig gut gehen zu lassen, hat er sich mit 64 Jahren erneut selbständig gemacht - mit einem Weinhandel, seinem langjährigen Hobby. Inzwischen beliefert er Spitzen-Gastronomie in Düsseldorf mit Wein, organisiert Verkostungen und Weinreisen. Ich behaupte: Es geht ihm viel besser, als wenn er nur auf der Couch sitzen würde - oder seine Gedanken nur um seinen alten Betrieb kreisen ließe.

    Andere Unternehmer im Ruhestand reisen für ihr Leben gern - andere haben angefangen zu malen oder Oldtimer zu restaurieren. Es gibt viel zu tun - packen Sie es an!

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Über den Autor:

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Hans-Joachim Brüser ist seit 1984 selbständiger Unternehmensberater. Seit 2001 ist er zertifiziert beim Bundesverband Deutscher Unternehmensberater. Die Unternehmensberatung Brüser berät KMU bei der ...

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