Die Ermittlung des Unternehmenswerts
Musterrechnung zur Ermittlung des Unternehmenswerts
1. Ermittlung des nachhaltig erzielbaren Ertrags gemäß vorangestellter Vorgehensweise
Plan-Ergebnisse der nächsten 5 Jahre:
2011: 74.000 Euro
2012: 86.000 Euro
2013: 100.000 Euro
2014: 115.000 Euro
2015: 125.000 Euro
= durchschnittlich erzielbarer Ertrag: 100.000 Euro p.a.
2. Bestimmung des Kapitalisierungszinsfußes
Der Kapitalisierungszinsfuß hat maßgeblichen Einfluss auf den Ertragswert. Der "richtige" Kapitalisierungszinsfußes wird gebildet durch einen Basiszinssatz, der die Verzinsung einer alternativen risikolosen Kapitalanlage darstellt (zum Beispiel für Bundesanleihen) zuzüglich eines Risikoaufschlages von etwa 4 - 6 % für das Unternehmerrisiko.
In der Praxis schwankt der bei kleinen und mittleren Unternehmen angesetzte Kapitalisierungszinsfuß in den letzten Jahren zwischen 8 - 12 %. Je höher das Risiko dieser Anlage eingeschätzt wird, desto höher wird natürlich der Zinssatz sein. Gerade bei kleineren und mittleren Betrieben, deren Zukunftsperspektiven häufig schwieriger einzuschätzen sind, können durchaus auch 15 - 18 % angesetzt werden.
Beispielrechnung:
Der nachhaltige Ertrag des zu veräußernden Unternehmens soll 100.000 Euro p.a. betragen. Unterstellt wird eine Kapitalverzinsung von 8 %. Es soll also ermittelt werden, wie viel Kapital ein Käufer anlegen müsste, um bei einer Verzinsung von 8 % 100.000 Euro Zinsen zu erhalten. Die Rechnung hierzu wird abgeleitet aus der Formel:
K = Z / (i/100), (K= Kapital, Z = Zinsbetrag, i = Zinssatz)
mit den o. g. Werten: K = 100.000 / (8/100) = 100.000 / 0,08 = 1.250.000 Euro
Strebt also ein Käufer eine Kapitalverzinsung von mindestens 8 % an, liegt der für ihn maximal akzeptable Kaufpreis für das Unternehmen mit einem Cash-Flow von 100.000 Euro bei 1.250.000 Euro, anderenfalls wäre eine alternative Kapitalanlage günstiger. Dabei wird unterstellt, dass die Jahresüberschüsse in der Zukunft unbefristet zu erzielen sind.
Um deutlich zu machen, dass bei der Berechnung die Höhe des Kapitalisierungszinsfußes von mindestens ebenso großer Bedeutung ist wie die Höhe des abzuzinsenden Ertrages selbst, alternative Berechnungen:
Bei einer geplanten Verzinsung von 12 % sinkt der Unternehmenswert auf 833.000 Euro, d.h. um rund 40 %!
Bei einem Kapitalisierungszinsfuß von sogar 18% (etwa weil ein hohes Risiko unterstellt wird), sinkt der Unternehmenswert sogar auf 555.000 Euro!
Zusammenfassung
Die Idee:
Der Wert des Unternehmens wird aus seiner Eigenschaft abgeleitet, in Zukunft Gewinne zu produzieren.
Die Perspektive:
Unternehmer, der eine angemessene Verzinsung seines Kapitales erwartet.
Die Vorgehensweise:
Analyse der wirtschaftlichen und konjunkturellen Rahmenbedingungen sowie des Markt- und Wettbewerbsumfeldes.
Bereinigung der Vergangenheitszahlen
Ermittlung der nachhaltigen Ertragskraft
Kapitalisierung
Die Problematik:
Die Ermittlung des Zukunftserfolges ist auch bei Anlegen fundierter betriebswirtschaftlicher Verfahren schwierig - ein Prognoseproblem
Die Festlegung des "richtigen" (fairen) Kapitalisierungszinsfusses
Fazit:
Das Ertragswertverfahren ist ein wissenschaftlich akzeptiertes Verfahren und für Sachverständigen-Gutachten sogar vorgeschrieben. In der Praxis schafft es häufig nur eine Tendenzaussage als Basis für weitere Verhandlungen.
